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  1. Moderation
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    Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Hallo zusammen,
    ich würde hier gerne die Situation meines Vaters schildern - in der Hoffnung auf Meinungen und Erfahrungen.

    Er ist Mitte 80 und baut seit einem halben Jahr stark ab. Bis vor ein paar Monaten ging er am Stock, jetzt kommt er mit dem Rollator noch ein paar Meter weit und hat seit kurzem einen Rollstuhl. Er hat viel abgenommen und leidet seit mehreren Wochen unter dauerndem Brechreiz, für den keine Ursache gefunden wurde. Auch Blutbild und CT liegen vor, aber letztlich lautet die Diagnose "alt". Die Begleiterscheinungen sind dauernde Müdigkeit, Inkontinenz, er ist auch schon ein paarmal gestürzt. So weit, so normal.

    Seine klare Meinung: Er geht nicht ins Krankenhaus. Vor einem halben Jahr war er nach einem Infekt so dehydriert, dass wir ihn mit viel Streit und Überredung für eine Nacht ins Krankenhaus gebracht haben. Er stand kurz vor dem Nierenversagen. Nach seiner Aussage war das die schlimmste Nacht seines Lebens und er geht nie wieder dort hin. Er stirbt zuhause. Warum die Nacht so schlimm war, kann er nicht sagen. Ein Tropf ist keine angenehme Sache, aber er war nicht in Lebensgefahr, hatte ein Einzelzimmer und auch sonst war nichts weiter. Schlimm für ihn war aber auch, dass wir (seine Frau und seine Kinder) uns "gegen ihn verschworen" haben und ihn dort lassen wollten, obwohl er das nicht will. Am nächsten Tag hat er sich gegen den Rat aller und auch gegen unsere ausdrücklichen Bitten selbst entlassen, und ich musste ihn abholen.

    Meine ständige Sorge ist, dass irgendein Fall eintritt, der das Krankenhausproblem wieder aufwirft - ein Sturz mit Bruch oder ähnliches. Was machen wir dann? Kann man einen Menschen mit - zum Beispiel - gebrochenem Oberschenkelhals einfach zuhause im Bett liegen lassen? Oder wenn er wieder dehydriert - was passiert bei einem Nierenversagen? Ab wann müssten wir ihn einliefern lassen? Oder müssen wir seinen Wunsch einfach akzeptieren?

    Ich weiß, all diese Fragen können erst dann beantwortet werden, wenn ein konkreter Fall vorliegt. Aber vielleicht gibt es hier Erfahrungen mit Krankenhausverweigerern?
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    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  2. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Ohje. Ich fürchte, bevor ein echter Notfall eingetreten ist, kann man nicht viel machen.

    Aus der Patientenrecht-Charta:


    • Der Patient kann selbst bestimmen, ob und in welchem Umfang er behandelt wird - unabhängig davon, ob er sich damit selber schadet. Erfolgt ein Eingriff, muss eine entspechende Einwilligung des Patienten vorliegen.
    Was ich über's Leben weiß, weiß ich aus Stand by Me
    Ich hab' einen Hund der Cujo heißt, und mein Auto heißt Christine
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  3. Moderation
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Ohje. Ich fürchte, bevor ein echter Notfall eingetreten ist, kann man nicht viel machen.

    Aus der Patientenrecht-Charta:


    • Der Patient kann selbst bestimmen, ob und in welchem Umfang er behandelt wird - unabhängig davon, ob er sich damit selber schadet. Erfolgt ein Eingriff, muss eine entspechende Einwilligung des Patienten vorliegen.
    Will sagen: Wenn er mit gebrochenem Bein im Bett liegt und sich mit Schmerzmitteln vollpumpt, müssen wir ihn einfach liegen lassen? Oder keine Schmerzmittel mehr kaufen ...?

    Wir sind, im Großen und Ganzen, wirklich gewillt, seine Meinung zu akzeptieren. Aber das ist in manchen Fällen ziemlich schwierig. (Am schwierigsten für meine Mutter, die dann mit der konkreten Situation fertig werden muss.)
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  4. Avatar von TallyWalhalli
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Eine Herangehensweise könnte sein, ihm zuzusagen, dass, wenn sein Allgemeinzustand "nur" schlecht ist, aber keine akute plötzlich eintretende Situation eintritt, er nicht ins Krankenhaus muss.
    Wenn aber so etwas wie eine schwere Verletzung im Rahmen eines Sturzes, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall eintritt, nichts anderes übrig bleibt, als den Krankenwagen zu rufen, der ihn dann, wenn es das Beste in der Situation ist, in die Klinik fährt.

    Könnten sich die Beteiligten auf einen solchen Kompromiss einlassen, oder ist er auch im Fall von solchen Notsituationen stur?

    Ich habe Angst, dass ich als Angehöriger auch in so eine Situation komme, die Du hier schilderst. Die Tendenz bei einem Elternteil ist da (extreme Abneigung gegen alle Art von Krankenhäusern, Heimen).

    Ich wünsche Dir bzw. Deiner Familie viel Kraft und Mut bei Entscheidungen, die Du/Ihr ggf. treffen musst.

  5. Avatar von Wiedennwodennwasdenn
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Will sagen: Wenn er mit gebrochenem Bein im Bett liegt und sich mit Schmerzmitteln vollpumpt, müssen wir ihn einfach liegen lassen? Oder keine Schmerzmittel mehr kaufen ...?
    Wolltest Du von Deinen Angehörigen bevormundet werden ? Dein Vater will nicht mehr leben und meint, dass es Zeit ist zu gehen. Versorgt Deinen Vater so gut Ihr könnt zu Hause und wenn es nicht mehr geht, ruft Ihr den Hausarzt oder ggf. den Notarzt. Die wissen mit so einer Situation umzugehen.
    Das Universum und die menschliche Dummheit sind unbegrenzt. Beim Universum bin ich mir nicht sicher (Albert Einstein).

  6. Moderation
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Weder Haus- noch Notarzt waren den letzten Situationen wirklich gewachsen, die standen da auch ziemlich ratlos in der Gegend herum. Außer vagen Ansagen ("nächstes Mal nehmen wir Sie dann aber wirklich mit!") kam da nichts.
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  7. Registriert seit
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Ich muss auch sagen, dass ich immer wieder den Notarzt verständigt habe, auch wenn mein Vater nicht mehr ins Krankenhaus wollte.
    Natürlich wollte mein Vater lieber zu Hause als im Krankenhaus sterben. Aber ich bin schließlich kein Arzt und wusste doch nicht, ob es noch ein paar Monate oder noch Jahre so gehen kann. Er sollte doch noch wenigstens eine friedliche und weitestgehend schmerzfreie Zeit bis zu seinem Tode haben.

    Ein Notarzt oder Hausarzt wird als Profi die richtigen Entscheidungen treffen unter Berücksichtigung des Patientenwunsches. Das kann man als Angehöriger nicht, weil man in einem Interessenskonflikt ist.

    Wenn ich ehrlich bin, wäre es nach mir gegangen, ich hätte meinen Vater ständig irgendwelchen lebensverlängernden Maßnahmen aufgezwungen, weil ich ihn behalten wollte. Deshalb war es in meinem Fall gut, dass es eine objektive Instanz in der Person von Ärzten gab, die für mich/meine Mutter die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

    Im Übrigen ist mein Vater auch später zu Hause gestorben und hatte einen guten Tod.


  8. Registriert seit
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Weder Haus- noch Notarzt waren den letzten Situationen wirklich gewachsen, die standen da auch ziemlich ratlos in der Gegend herum. Außer vagen Ansagen ("nächstes Mal nehmen wir Sie dann aber wirklich mit!") kam da nichts.
    Dann ist doch gut. Wenn sie ihn dann da gelassen haben, hast du deiner Veratnwortung genüge getan.

    Möchtest du denn auch für deinen Vater, dass er zu Hause stirbt?

  9. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Will sagen: Wenn er mit gebrochenem Bein im Bett liegt und sich mit Schmerzmitteln vollpumpt, müssen wir ihn einfach liegen lassen? Oder keine Schmerzmittel mehr kaufen ...?

    Wir sind, im Großen und Ganzen, wirklich gewillt, seine Meinung zu akzeptieren. Aber das ist in manchen Fällen ziemlich schwierig. (Am schwierigsten für meine Mutter, die dann mit der konkreten Situation fertig werden muss.)
    Ich denke ihr müsst einen Krankenwagen rufen (gebrochenes Bein), doch ob er dann im Krankenhaus bleiben muss kann er entscheiden.
    Eine Dehydrierung ist auch mit Transfusion zuhause zu behandeln.

    Wenn er geistig noch fit ist, würde ich mit ihm absprechen, dass ihr in Notfällen - sprecht ab, was für euch Notfälle sind - ihn in die Klinik bringt, zur Untersuchung und Behandlung, dass er dort aber nicht bleiben muss.

    Macht der Hausarzt Hausbesuche? Was könnt ihr mit ihm abklären, z.B. Bei Dehydrierung?
    Gäbe es die Möglichkeit eines Pflegedienstes für akute Fälle?

    Mein Vater verweigert jeden Arztbesuch. Da meine Mutter Arzthelferin ist, behandelt sie ihn zuhause nach Vorgabe des Hausarztes (der Hausbesuche macht).
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  10. Avatar von Monkele
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Cara, gibt es vielleicht die Möglichkeit, dass ein Palliativarzt mal nach ihm schaut oder ihn dauerhaft Zuhause betreut? Das könnte möglicherweise beiden Seiten helfen, auch im Verständnis füreinander.

    Alles Gute für euch!
    Wen der Himmel liebt, dem schickt er einen Freund.

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