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  1. Registriert seit
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Kann dein Vater noch nachvollziehen, welche Konsequenzen seine Verweigerung für die Angehörigen hat?

    Er möchte -schon nachvollziehbar- nicht ins Krankenhaus. Aber trägt er die Folgen allein oder geht er ohne jeden Zweifel davon aus, dass er daheim nicht allein gelassen wird und sich schon irgendwer kümmert? Es ihm ermöglicht, seine Restlebenszeit daheim gut betreut zu verbringen? Er verweigert sich, die Rechnung wird irgendwann aufgemacht und von der Ehefrau/den Kindern bezahlt?

    Ich kenne so einen Fall aus der Familie. Die Angehörigen gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch und der Patient ist immer noch stolz darauf, auch ohne Krankenhaus und Ärzte weitgehend klar zu kommen.

    Schon 2 x mal habe ich eine Familienangehörige gegen ihren Willen ins Krankenhaus einweisen lassen. Beim 1. Mal hätte es evtl. nicht sein müssen, beim 2. Mal hätte sie es wohl daheim nicht überlebt. Meine Überlegungen waren, ob ich mich irgendwie schuldig mache, wenn ich alles einfach laufen lasse und der Patient stirbt? (Unterlassene Hilfeleistung)?

    Es gab jedesmal Ärger und Diskussionen hinterher. Ja, jeder darf m.E entscheiden, ob er sich ärztlich betreuen läßt. Und ich würde auch alles tun, daheim für den Patienten da zu sein und ihm zu helfen. Aber auch dann, wenn der Patient vorsätzlich unvernünftig ist?

    Ich würde (wenn es mir als Notfall erscheint) immer wieder einen Arzt oder Krankenwagen rufen und kann mir kaum vorstellen, dass man, sofern man keine medizinische Ausbildung hat, mit einem sehr kranken Menschen daheim allein gut und vernünftig umgehen kann.

  2. Avatar von Wiedennwodennwasdenn
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Weder Haus- noch Notarzt waren den letzten Situationen wirklich gewachsen, die standen da auch ziemlich ratlos in der Gegend herum.
    Die Ärzte haben offenbar die Wünsche Deines Vaters respektiert. Seid froh, dass Ihr noch keine Entscheidungen für ihn treffen müßt. Wenn es soweit ist, ist es früh genug und vermutlich wird es Euch schwer fallen.
    Das Universum und die menschliche Dummheit sind unbegrenzt. Beim Universum bin ich mir nicht sicher (Albert Einstein).

  3. Avatar von Mambi
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Hat Dein Vater eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht ausgestellt?
    Wenn nicht, wird es höchste Zeit.
    Darin kann er selber Art und Umfang festlegen, in dem ihm in Notsituationen geholfen werden soll und was zu unterbleiben hat.
    Damit kann er sich sicherer fühlen und ihr auch, weil es etwas schriftlich festgehaltenenes gibt.
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"

  4. Avatar von Beachnoodle
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Genau,

    Schnellstens eine Patientenverfügung erstellen. und Palliativarzt klären.
    Wenn er nicht ins KH will, nichts essen, trinken, dann ist dass seine Entscheidung.
    Auch wenn der Mutter das Ganze schwerfällt.

    Man könnte ihm auch vorschlagen ihm im Falle ihn in ein Hospiz zu bringen. Wir haben dies bei Vater und Schwiegereltern getan. Dort wird er begleitet aber eben nicht mehr behandelt. Die Angehörigen können bleiben, aber die Pflege wird übernommen. Es ist auch ok, wenn man selbst noch Dinge verrichten möchte.
    Am besten sich zeitnahe erkundigen welches in Frage käme. Nicht zu lange warten.
    Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zuwenig Glitzer
    Geändert von Beachnoodle (31.08.2019 um 18:31 Uhr)

  5. Avatar von Sneek
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Bitte korrigiert mich, aber eine Patientenverfügung ist doch für den Fall, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann. Der Patient hier kann sich noch entscheiden. Er entscheidet sich nur nicht so, wie seine Familie es sich wünschen würde.

  6. Avatar von Nocturna
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Ganz sicher würde ich meinen Vater nicht mit einem offenen Bruch am Boden liegen lassen, egal was er will oder in seiner Verfügung stehen hat. Ein Tier würde man schließlich auch nicht so liegen lassen. In so einem Fall wird der Bruch medizinisch im Krankenhaus versorgt. Anschließend kann man immer noch ausdiskutieren, ob er als Pflegefall ins heimatliche Bett zurück will oder nicht.

    Ich sehe das auch nicht als Bevormundung an. Es ist unmenschlich und unwürdig offene oder geschlossene Brüche nicht zu behandeln und auch ein alter, lebensmüder Mensch muss das einsehen. Wenn der Mensch wirklich partout sterben will, dann soll er nach Ansage die Nahrungsaufnahme verweigern, aber nicht seinen Familienangehörigen zumuten, ihn unbehandelt dahinvegetieren zu lassen.

    Bei Herz- oder Schlaganfall, wo er noch fähig wäre meine Hand zu halten und "bitte nicht" zu sagen, weiß ich nicht was ich tun würde. Es wäre möglich, dass ich dann anders reagieren würde, aber nur wenn die Schmerzen nicht zu groß wären.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”

  7. Avatar von Spadina
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Es wird tatsächlich bei einem Sturz mit Knochenbruch so sein, dass die Schmerzen nicht aushaltbar sein werden. Man stelle sich einen Oberschenkelhalsbruch vor.

    Mein hochbetagter Vater hat auch durch seine Verfügungen und Vollmachten festgelegt, dass er kein lebensverlängernden Maßnahmen mehr will.

    Es hat viel Erklärungen bedurft, ihm klarzumachen, dass genau so eine Sturzfolge nicht der Lebensverlängerung dient sondern eine entsprechende Operation dazu dient, ihn auch schmerzfrei zu machen, in der er dann anschließend wieder entscheiden kann, wie er zu Hause im Sessel sitzen will....

    Man erkläre genau, dass man ihm die Schiete unterm Hintern nicht wegpulen kann, wenn er bewegungsunfähig ist.
    Man erkläre das äußerst drastisch, ob er dann den nächsten 2 Jahre, oder welcher Zeitraum auch immer, im vollgek.ckten Bett zu liegen, schon immer sein sehnlichster Wunsch war.

    Nur platt zu liegen, sich nicht aufsetzen zu können, sich nicht umdrehen zu können und und und. Und dass nicht einmal der teuerste Pflegedienst bei solchen schmerzenden Unbeweglichkeiten den Dienst übernehmen wird.

    Und wer soll das dann in der Familie leisten?

    Erst diese sehr ausführliche Beschreibung (ER: an so etwas habe ich ja nie gedacht) brachte meinen Vater dazu, Vorsorgeunterlagen und Patientenverfügungen zu unterschreiben.
    Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
    Ich bin die, die ich bin.


  8. Registriert seit
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Ich finde auch, dass man mit dem Mann behutsam und einfühlend, aber doch auch offen reden sollte.
    Es geht darum, sich gegenseitig zu verstehen: Die Angehörigen ihn und umgekehrt.
    Beide haben Sorgen und Ängste und diese sollten offen ausgesprochen werden.

    Außerdem kann es vielleicht auch ratsam sein, ärztlichen Rat zu holen, was zu tun ist im Fall der Fälle.
    Auch die rechtliche Seite sollte beleuchtet werden.

    Und Patientenverfügung wäre gerade für einen Menschen, der nicht ins Krankenhaus will, das Mindeste, was er machen sollte.
    Aber diese muss sehr präzise sein. Sie muss sehr genau aufzählen, was, in welchem Fall nicht gemacht werden soll. Allgemeine Ausssagen werden sonst als "unklar" weniger beachtet.

  9. Moderation
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen

    Möchtest du denn auch für deinen Vater, dass er zu Hause stirbt?
    Tja. Schwer zu sagen.
    Wir haben meine Großmutter zuhause gepflegt. Das zog sich über zwei, drei Jahre hin und ging deswegen gut, weil mein Bruder und ich damals noch studierten. Die Ausgangssituation ist jetzt in vielerlei Hinsicht eine andere (kleine Kinder, Jobs, andere Krankheiten in der Familie - der übliche Lebensstress ). Abgesehen davon ging sie ohne Zaudern ins Krankenhaus, als sie sich das Bein gebrochen hatte oder wenn es aus anderen Gründen nötig war. Alles in allem weiß ich eben auch, dass der Tod nicht dann kommt, wenn man sich mal zum Sterben fühlt. Meine andere Großmutter ist im Altersheim 98 geworden, die war körperlich weitaus gebrechlicher als mein Vater jetzt.

    Wenn also die Frage lautet, ob ich meinem Vater einen angenehmen Tod nach seinen eigenen Vorstellungen wünsche, kann ich sagen: selbstverständlich. Wenn die Frage lautet, ob ich möchte, dass mein Vater noch zehn Jahre lang gequält und leidend Exkremente und Erbrochenes über die Wohnung verteilt und jede ärztliche Hilfe ablehnt, muss ich sagen: nein, das möchte ich nicht. Für ihn nicht, für meine Mutter nicht, und ich bin auch nicht scharf drauf.

    Bei der Situation vor einem halben Jahr hat mich vor allem die Irrationalität aus der Fassung gebracht. Es ging nicht um eine Chemotherapie, eine Magensonde oder eine Herz-OP, auch nicht darum, dass er wochenlang einsam auf irgendeiner Station vor sich hin vegetierte. Es war eine einzige Nacht im Krankenhaus am Tropf, und für ihn war es nach eigener Aussage das Schlimmste, was ihm im Leben passiert ist. Warum das so war, kann er nicht erklären - außer dass er die Tropf-Nadel unangenehm fand. Ich habe meinen (ansonsten klugen und besonnenen) Vater extrem neurotisch empfunden. Neurotische Menschen machen mich ärgerlich. Ich weiß, dass das auch eine Alterserscheinung sein kann, aber ich fand es sehr schwer, damit umzugehen. (Meine eigene Baustelle, ja ...)


    Patientenverfügung, Vollmachten usw. liegen vor. Diverse andere Vollmachten haben wir in den letzten Monaten erledigt.

    Von ärztlicher Seite wurde bisher immer noch nach einem Grund für den raschen Abbau gesucht. Unter dem dauernden Brechreiz leidet mein Vater selbst sehr, das ist keine bewusste Entscheidung, keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen.


    Vielen Dank für eure Beiträge! Ich finde es hilfreich, sie zu lesen.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  10. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Mein Vater will nicht ins Krankenhaus

    Ich würde nochmal versuchen in Ruhe mit deinem Vater zu reden, in einer entspannten Situation.
    Vielleicht fahrt ihr mal zusammen an einen Ort, mit dem ihr beide etwas schönes verbindet - ich habe das mit meiner Oma gemacht, dass wir mit dem Auto an einen Weiher gefahren sind, wo wir früher drumherum spaziert sind.

    Versuche herauszufinden, ob er sterben will und wie er sterben will.
    Geht vielleicht auch die Patientenverfügung nochmal durch.
    Vielleicht könnt ihr auch offen über Sterbehilfe sprechen und ob er das für sich will.

    Frage ihn, was er tun würde, wenn deine Mutter stürzen würde, ob er wollen würde, dass sie ärztlich versorgt wird oder sie liegen lassen würde. Nimm ihn ernst aber mach ihm auch klar, dass er euch und eure Bedürfnisse ernst nehmen muss.


    Ich denke das ist eine ganz beschissene Situation in der ihr euch befindet.

    Und über diese Dinge offen zu sprechen ist sicherlich schwierig, aber vielleicht würde er sich dann ernst genommen fühlen und könnte dann auch klarer sagen, was an dieser Nacht im Krankenhaus wirklich so schlimm war und wie er sich die nächste Zeit vorstellt.
    Und vielleicht will er gar nicht wirklich sterben und vielleicht gäbe es ja auch doch noch Möglichkeiten einer weiteren Diagnostik, aber eben im Krankenhaus.

    Ich nehme an, zu einer Übersiedlung ins Pflegeheim steht er ähnlich wie zum Krankenhaus?



    Ich vermute er hat einfach eine Scheißangst, kann das aber nicht sagen.
    Die Situation binnen so kurzer Zeit so massiv abzubauen und dazu eine ständige Übelkeit, dass muss einen ja mürbe machen.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
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