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  1. Registriert seit
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    Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Hallo,

    heute wende ich mich mal mit einem Problem an euch.

    Mein Vater hat Demenz, ist seit knapp einem Jahr im Heim. Ansonsten gesund und sehr mobil. Deswegen hat er ein Funkarmband, was Alarm gibt, wenn er das Haus verlässt, ist vom Gericht genehmigt.

    In den letzten Wochen ist er unsicherer auf den Beinen geworden, ist mehrfach gestürzt, war auch 2x im Krankenhaus wegen Versorgung einer großen Kopfplatzwunde. Sonsz hat er sich nicht verletzt, keine Hirnblutung, keine Knochenbrüche etc.

    Jetzt habe ich vom Heim die Aufforderung bekommen, ich solle freiheitsentziehende Maßnahmen beantragen, wegen Sturzgefährdung bei mangelnden Einsichtsfähigkeit und Unruhe/Bewegungsdrang.- ich habe die Vorsorgevollmachten. Und zwar Fixierung im Bett durch Bauchgurt und Fixierung im (Roll-)Stuhl durch Gurt. Dies Fixierungsmaßnahmen hatte er letztes Jahr in der Psychiatrie (2 Aufenthalte) über Wochen und kürzlich bei einem Krankenhausaufenthalt. Dabei war er stets hochgradig unruhig und aggressiv, hat sich massiv gegen die "Fesseln" gewehrt, geschrieen, man solle ihn befreien. Das war ganz furchtbar, für ihn, aber auch für uns Angehörige.

    Es wurde bei anstehenden Entscheidungen (es ging schon mal um PEG und um lebensverlängernde Maßnahmen, Reanimation etc.) immer gesagt, ich solle im Sinne meines Vaters entscheiden, was er gewollt hätte (es gibt keine Patientenverfügung). Bei vielen Fargen musste ich sagen, dass ich seine Meinung nicht kenne. Wir hatten kein gutes Verhältnis und er wollte nie über diese Dinge sprechen.

    Eins weiß ich aber sicher: er will sicher nicht fixiert werden. Er war immer ein Mensch mit hohem Bewegungsdrang an der frischen Luft, Gartenarbeit, Radfahren, Schwimmen, Wandern. Besprechen kann man es jetzt aufgrund seiner Demenz nicht mehr mit ihm, er spricht nur noch selten verständliche Worte, ob er irgendwen (außer vielleicht seiner Frau) erkennt, ist fraglich.

    Ich habe jetzt noch nicht mit der Pflegedienstleitung gesprochen, suche noch Argumente. Ich habe mich belesen, laut Studien wird die Sturzgefährdung durch Fixierung nicht reduziert (natürlich schon während der Fixierung, aber niemand kann 24 h fixiert werden). Außendem ist es ein Eingriff in die grundrechte, der allein durch Sturzgefährdung nicht gerechtfertigt ist.

    Für mich gehört ein Sturz zum allgemeinen Lebensrisiko. Und, so hart es sich anhört, mir ist lieber, mein Vater stirbt an den Folgen eines Schädelhirntraumas als dass er möglicherweise jahrelang fixiert wird.

    Hat jemand Erfahrung, aus persönlicher Betroffenheit oder beruflich ?

  2. Avatar von twix25
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Im Leben nie niemals nicht

    Ich hab meiner Mutter einen Hüftprotektor gekauft und ansonsten : Lieber Verletzungen als Fixieren

    In meiner Umgebung gibt es Heime, die über das Funkteil hinaus komplett geschlossene Abteilungen anbieten.
    Da können die Bewohner maximal auf dem Gang in ihr Zimmer, zum Essen, Aufenthaltsraum gehen

    Wenn man da fällt, ist es dann halt so

    Falls das Heim nicht solche kleinen Abteilungen hat: lieber verlegen lassen
    ************************************************** **************************************

    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"


  3. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Niemals würde ich die Erlaubnis zur Fixierung geben. Ein dementer Mensch verliert ja nicht das Bewusstsein für sich und seine Situation. Eine Fixierung ist entwürdigend. Da würde ich auch sagen: lieber die Stürze in Kauf nehmen.

  4. Avatar von Daphnia
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Auch wir haben bei Schwiegermutter Fixierung abgelehnt.
    Sie ist dann zwar ein paarmal gestürzt,aber uns war ihre Freiheit wichtiger.
    Vorschlag vom Heim bez Bettgitter waren wir positiv für die Nacht. Es kam aber jmd vom Gericht und hat dies abgeleht-es wurde nur eine Matte vors Bett gelegt.

    Mein Vater-nicht demen und in seinem Haus tägl.mehrfach von der Sozialstation versorgt, bestimmte selbst, dass er ein Bettgitter hatte. Er wollte in kein Heim (nannte das Altenknast) und kam erst die letzten 3 monate seines Lebens nach KH-Aufenthalt dorthin.

    Bei beiden Personen haben wir eine Magensonde abgelehnt.
    Schwiegermutter hat sich 2 wochen vor Tod geweigert zu essen. Als wir merkten, dass die Heimpflegerinnen das nicht respektierten und zum Essen drängten, kam ein Hinweis übers Bett. Nahrung nur auf Wunsch.

    Es ist natürlich schwierig,wenn Pfleger zusehen müssen, wenn sich jmd schadet. Aber die Freiheit am Ende des Lebens durch Zwang zu unterdrücken, ist würdelos.
    Daphnia

  5. Avatar von Gedankentiefe
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Die Fixierung bzw. die Reaktionen des Vaters darauf klingen schon heftig...

    Habt Ihr schon einmal an eine medikamentöse Ruhigerstellung für ein paar Stunden pro Tag gedacht?

    Meine Schwiegermutter ist jede Nacht gewandert, hat das Nachtschicht-Personal verfolgt, denen Anweisungen gegeben, was sie tun sollten... und war selber natürlich fix und fertig, da fast kein Nachtschlaf mehr möglich war für sie.

    Und so erschöpft kam es dann auch häufiger zu Stürzen.

    Jetzt bekommt sie abends etwas zur Beruhigung und zum Einschlafen und ist am nächsten Tag ausgeruhter, besser beieinander und auch weniger sturzgefährdet.

  6. Inaktiver User

    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Man kann das Bett ganz runter fahren und eine Fallschutzmatte davor legen.


  7. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Vielen Dank für die schnellen Antworten, die mich in meiner Meinung bestärken.

    Er bekommt jede Menge Medikamente zu r Ruhisgstellung- laut Psychiatrie, wo er 3 x statoinär war, lässt er sich nicht ruhigstellen (entweder er ist so wie jetzt- was schon eine deutliche Verbesserung ist, vor 1 Jahr hat er im Heim Geländer aus der Wand gerissen, Sessel vom Flur in den Garten getragen, die Gartenmöbel gestapelt und die Tür vom Kleiderschrank kaputtgekriegt- oder er liegt nur noch schlafend im Bett, dann kommt wieder die Frage nach der PEG zur Ernährung). Es kommt auch regelmäßig ein Psychiater aus dem Krankenhaus ins Heim.

    Er hat auch ein niedriggestelltes Bett mit einer Matte davor. Bislang lief er ja den ganzen Tag und oft auch Nachts den Gang auf und ab und in die Zimmer der anderen Bewohner. Zwischenzeitlich konnte er im Rahmen eines Infektes gar nicht mehr laufen, ließ sich einfach aus dem Bett fallen. Jetzt läuft er- tagesformabhängig- wieder. JDas Problem ist, dass er einfach wackliger auf den Beinen ist und häufiger stürzt. Rollator nimmt er nicht, er weiß gar nicht, was er damit anfangen soll. Und es ist eben nicht immer jemand da, der ihn beim Gehen stützt oder begleitet.

  8. Avatar von twix25
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Das liest sich echt furchtbar, peka
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    Ich so : "Och bitte" - Mein Leben so : "Nö!"

    Ich wieder: "Och bitte"

    Mein Leben so : "Naaaa guut"

  9. Avatar von Daphnia
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Das ist doch ein schlimmes Schicksal!
    Immer wenn ich soetwas lese, denke ich ,wie gut es die haben, die nachts im Schlaf unvorbereitet sterben. Auch wenn das für die angehörigen auch ein Schock ist.

    Ich bilde mir ein, dass es vor Jahrzehnten solche Fälle nicht gab. Meine Grossväter starben jung, die männl. Verwandten kurz nach Rentenbeginn. Naja, was zieht man vor...

    Ich hoffe, ihr findet eine Lösung.
    Daphnia

  10. Inaktiver User

    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von Daphnia Beitrag anzeigen
    Das ist doch ein schlimmes Schicksal!
    Immer wenn ich soetwas lese, denke ich ,wie gut es die haben, die nachts im Schlaf unvorbereitet sterben. Auch wenn das für die angehörigen auch ein Schock ist.

    Ich bilde mir ein, dass es vor Jahrzehnten solche Fälle nicht gab. Meine Grossväter starben jung, die männl. Verwandten kurz nach Rentenbeginn. Naja, was zieht man vor...

    Ich hoffe, ihr findet eine Lösung.
    Daphnia
    ja das denke ich auch manchmal, wir werden immer älter. Demenz ist ein schlimmes Schicksal. Ich wünsche Dir viel Kraft Peka ..

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