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  1. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von Daphnia Beitrag anzeigen
    Hallo harfe,
    die Frage ist doch, ob es für deine Mutter etwas gebracht hätte, wenn sie die paar Monate länger gelebt hätte?
    In welcher Lebensqualität?
    Das ist eine schwierige Frage, die ich natürlich nicht mit letzter Sicherheit beantworten kann, da es dabei um das Leben meiner Mutter geht.

    Sie war insgesamt in 3 verschiedenen Krankenhäusern, bekam irgendwann eine Magensonde, weil sie nicht mehr schlucken konnte, und am Ende wurde sie noch in eine weiter entfernte Reha-Klinik transportiert, um eine "neurologische Reha" zu machen.

    Aus meiner Sicht waren einige dieser Maßnahmen nicht gut und ich hätte ihr lieber ihre Ruhe gegönnt, aber da mein Vater zu dieser Zeit noch lebte und außerdem einer meiner Brüder eine Generalvollmacht hatte, wurde ich gar nicht gefragt bei den Entscheidungen. Z.B. einmal, als ein Arzt mit mir reden wollte und mein Vater dabei war, hat dieser das Gespräch unterbunden und dem Arzt gesagt, er solle es mit dem Bruder besprechen ;((

    Ich habe es bei jedem meiner Besuche bei meiner Mutter so erlebt, dass sie sich gefreut hat, mich zu sehen, und sie war früher ein positiver und gutmütiger Mensch, was sich auch durch die beginnende Demenz nicht verändert hat. Wenn ich ihr etwas lustiges erzählt habe, so hat sie bis zum Ende noch laut gelacht, auch wenn sie da schon nicht mehr sprechen konnte außer "ja" und "nein". Ich habe den Eindruck gehabt, dass sie bis zum Ende noch gekämpft hat.

    Ob meine Mutter lieber auf manche Maßnahmen verzichtet hätte mit der Folge eines etwas früheren Sterbens, weiß ich wirklich nicht....aber denke noch immer öfter darüber nach...
    Wenn Du es eilig hast, gehe langsam!

    Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!

  2. Avatar von Daphnia
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Vielleicht tun sich Männer mit Entscheidungen nochmals schwerer und wollen alles technisch Machbare versuchen.
    (Mein Mann stimmte bei seiner Mutter einer Bluttransfusion nach dem schweren Sturz zu und als sie im Pflegeheim das Trinken verweigerte, Flüssigkeitsinfusionen. Das war für seine Schwester und mich Signal,mit der Hausärztin zu kommunizieren).
    Daphnia

  3. Avatar von WhiteTara
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von Veranoazul Beitrag anzeigen

    Ein Haltegurt im Rollstuhl falls er vorne überfällt wie ein Sicherheitsgurt im Auto mit Klick Verschluss O.K.
    NEIN - als dauerhafte Maßnahme diesen Sicherheitsgurt zu schließen ist auch eine Beraubung der Freiheit und nicht zulässig!!!
    Wie die korrekte Bezeichnung des Gurtes sagt: es ist ein Sicherheitsgurt -> so wie der Sicherheitsgurt beim Auto und den legt man an, damit beim Autofahren weniger passieren kann. Genau dafür ist auch der Sicherheitsgurt im Rollstuhl gedacht: zur kurzen Benutzung, wenn man z.B. draußen mit dem Rollstuhl unterwegs ist, damit der darin sitzende nicht nach vorne rutscht, wenn man z.B. an Bordsteinkanten oder abschüssigen Wegen den Rollstuhl schräg gekippt hat.
    Soll dieser Gurt als dauerhafte Fixierung über den ganzen Tag geschlossen werden, bedarf es ebenso des gesamten Prozedere für FEM!

    Ich kann im akuten Gefahrenfall einen Sicherheitsgurt im Rollstuhl schließen oder auch das Bettgitter hoch ziehen: Wenn jemand sehr unruhig ist und die Gefahr des Fallens akut ist und ich, als Mitarbeiterin im Heim, mich nicht in der Lage sehe, diesen Menschen dann lückenlos im Blick zu haben, um schnell reagieren zu können. ABER ich muss es dokumentieren, schriftlich begründen, wieso ich so handele und ich muss Sorge tragen, dass ich selbst oder die Kollegen der nächsten Schicht, die Situation immer wieder neu überprüfen, damit Bettgitter oder Sicherheitsgurt so bald es möglich ist, wieder gelöst werden.
    Tritt die Situation regelmäßig auf, ist unerlässlich die richterliche Genehmigung für FEM einzuholen!
    Die Erfahrungswerte (da gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu) zeigen auch, dass diese normalen Sicherheitsgurte nicht geeignet sind, um Menschen im Rollstuhl zu halten, die eigentlich aufstehen wollen -> das Risiko ist häufig dann sogar höher als ohne den Gurt, weil Verletzungen durch unbedingtes Herauswollen gravierender ausfallen könnten als wenn jemand ohne Gurt einfach auf den Boden stürzen würde.

    Es geht ohne Richter, wenn der Betroffene selbst entscheiden kann und verständlich macht: Ich schlafe so unruhig, ich habe Bammel, dass ich aus dem Bett falle, können sie bitte das Gitter nachts hoch machen! --> dann kann dieser Wille in der Dokumentation schriftlich fest gehalten werden, dass der Betroffene dies so wünscht und auch Angehörige informiert sind über diesen Wunsch.

    Eine meiner Seniorinnen hatte immer das Bettgitter an der Wandseite oben: Sie meinte, dann würde nachts die Bettdecke nicht so schnell an der Wand aus dem Bett in die Lücke zwischen Wand und Bett rutschen. Bei einer Überprüfung wurde dieses hochgezogene Gitter sehr kritisch hinterfragt, obwohl es die Bewegungsfreiheit der Seniorin selbst gar nicht einschränkte, es war das Gitter an der Wandseite. Unser Fehler: wir hatten diese Gewohnheit nicht dokumentiert, nicht notiert dass Angehörige davon wissen und eben nicht begründet, wieso das Gitter oben ist. Somit wurde bei der Überprüfung schlichtweg davon ausgegangen: wer ein Gitter OHNE Begründung/Dokumentation oben hat, der zieht auch mal schnell das andere Gitter noch hoch Es hieß dann, wir Mitarbeiter wären in der Pflicht, nach Lösungen zu suchen, dass die Bettdecke nicht in die Lücke rutscht, ohne das Gitter hoch zu ziehen, weil dies eben unter FEM fallen könnte. Mögliche Lösungen wie Fußleiste abschrauben, damit Bett dichter an Wand stehen kann oder eine Deckenrolle in die Lücke stecken, fand die Seniorin selbst "Kockolores", weshalb eben dann alles schriftlich formuliert wurde, dass genau dieses Bettgitter hoch der ausdrücklich Wunsch ist. Und dann war es auch ok.
    ---> Es wird seit Jahren schon sehr genau geschaut und geprüft, wenn es um FEM geht --> eben weil die Freiheit des Menschen über allem steht!

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Und trotzdem passiert es. Bettgitter, die quasi beim kleinsten Anzeichen für Delir oder Demenz standardmäßig hochgezogen wurden (und auch bei Abklingen des Delirs oben blieben), haben wir leider mehrfach erlebt.
    Seufz, ja passiert leider immer wieder, obwohl es nicht rechtens ist
    Wenn ich sehe, jemand schläft nun ruhig, bin ich verpflichtet, das akut hoch gezogene Gitter wieder runter zu machen. Das Argument "...aber wenn der nachts dann aufwacht !" ist nicht ausreichend, um es oben lassen dürfen.

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Als ich mich dort unter Berufung auf die Vorsorgevollmacht klar gegen die Bettgitter ausgesprochen habe wurde mir von Pflegern und Ärzten (neben ganz viel "aber es wäre doch gaaanz furchtbar, wenn er aus dem Bett fällt und sich erneut verletzt!") nahegelegt, ich könne ihnen zwar die Gitter untersagen. Aber dann müsste ich halt meinen Vater (mit akuter Oberschenkelhalsfraktur frisch operiert!) in ein anderes Krankenhaus verlegen lassen.
    Einerseits kann ich das Personal verstehen: die Gefahr eines erneuten Sturzes war in dem Moment sicher gegeben und dann wäre die Maßnahme "Bettgitter hoch" eine akute Schutzmaßnahme und ohne Richter zulässig. Für den Nachtdienst in der Klinik sicher eine wichtige Maßnahme, da nachts nicht so viel Personal auf der Station ist tagsüber und man vermutlich nicht engmaschig das Zimmer hätte kontrollieren können. ABER sehr traurig, wie dann mit dir umgegangen wurde -> da fehlt es eindeutig am wertschätzenden Umgang mit Patienten/Angehörigen Gleich zu drohen, dann müsse der Mensch eben in ein anderes KH verlegt werden, nur weil man als Angehöriger Zweifel am Bettgitter äußert, ist eine sehr unglückliche Handlungsstrategie! --> so bekommt man das Einverständnis der Angehörigen auf keinen Fall und gerät nur in konträre Aggression!!!! Das nächtliche Sitzen am Bett, um alles im Blick zu haben, ist durchaus eine Lösung --> das muss aber nicht von den Angehörigen gewährleistet werden! Für solche Momente gibt es "Sitznachtwachen": die sind dann wirklich nur für denjenigen zuständig, an dessen Bett sie sitzen und das tun sie non-stop! Allerdings braucht man dafür dann zusätzliches Personal....ich vermute, ihr seid dann sozusagen Opfer des Personalnotstandes geworden, weil dafür schlichtweg niemand zur Verfügung stand und es deshalb auch nicht angeboten werden konnte.
    Einige Kliniken haben für so etwas einen Pool an Studenten/Müttern in Elternzeit/Gelegenheitsjobbern die kurzfristig angerufen werden können, wenn eine Sitznachtwache gebraucht wird.

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Ein Lehrkrankenhaus übrigens: dort wird auch die nächste Generation junger Ärzte und Pflegender ausgebildet ...
    Ja, da wird es einem ganz anders, wenn man überlegt, was das zukünftig dann mal geben soll, wenn bereits die Berufsanfänger in ihrer Ausbildung solch mangelnde soziale Kompetenz vermittelt bekommen und Empathie nur auf einem anderen Planeten zu finden ist Ich könnte mich jedes Mal fremd schämen, wenn ich so etwas höre - hilft leider nur auch nicht weiter.

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Eine Realität, die meines Erachtens sehr viel mit dem Pflegenotstand zu tun hat: Es fehlt Zeit für Beobachten / Gespräche / Beruhigen / Beschäftigen. Es fehlt Zeit dafür, individuell auf unruhige, "schwierige" Patienten einzugehen.
    Ja, das ist leider so Und manchmal ist es auch dem jahrzehnte langem Brauch geschuldet, dass einzelne Berufssparten meinen, sie allein hätten die Weisheit gepachtet Wenn Ärzte meinen, sie wären die Götter in Weiß und die Einschätzung vom Pflegepersonal zählt nichts. Oder in der Klinik haben die Krankenpfleger das Sagen, die Altenpfleger haben doch von nichts eine Ahnung....Ressourcen/Wissen/Erfahrung wären manchmal sinnvoller genutzt/eingesetzt, wenn ein multiprofessionelles Team zusammen arbeiten würde und sich immer gut austauscht. So blöde es an vielen Stellen läuft, so hoffnungsvoll bin ich dennoch: Mittlerweile wird in der Arztausbildung mehr Wert gelegt auf die Führung von Patientengesprächen; Kliniken beschäftigen in der Chirurgie auch Altenpfleger, weil diese mit ihrem Ausbildungsschwerpunkt besser gewappnet sind für die älteren Patienten -> es tut sich was ...aber aller guter Wille bringt nicht weit, wenn eben das Personal ingesamt an Anzahl fehlt und die einzelnen jeweils völlig hektisch hin und her sausen, um alles irgendwie zu schaffen.

    Zitat Zitat von peka62 Beitrag anzeigen
    Aber ich habe das Gefühl, dass es im Laufes von diesem einen Jahr zu deutlichen Verschlechterungen gekommen ist, man sieht kaum noch Pflegekräfte nachmittags, die Bewohner sitzen und laufen alleine rum.......es gab auch einen Betreiberwechsel,
    Das klingt nach einer ziemlich unschönen Entwicklung und ihr steckt nun blöder Weise mittendrin

    Gut ist, dass es einen Gesprächstermin gibt! Versuche ruhig und gelassen zu diesem Termin zu gehen, um Fragen zu klären. Es kann auch gut sein, dass der neuen Leitung einfach nur gesagt wurde, es wäre besprochen gewesen und sie nichts davon wusste, dass ihr gar nichts wisst. Bei Betreiber- und Personalwechseln geht so manches dann drunter und drüber und viele Infos bleiben stecken/gehen verloren und letztlich weiß dann auch niemand mehr, an welcher Stelle es überhaupt zu erst hakte und wer was verschusselt hat.
    Als möglichen Vorschlag von deiner Seite, weil du ja Bedenken gegen eine Fixierung hast, könntest du dir wünschen, dass sich bevor das Gericht hinzugezogen wird, alle an einen Tisch setzen und ihre Erfahrungswerte/Meinungen austauschen -> die Pflegedienstleitung, 1 Mitarbeiter der direkt auf der Station arbeitet, alle Ärzte die in die Behandlung involviert sind, auch Physiotherapeuten/Ergotherapeuten (wenn die gerade etwas mit deinem Vater zu tun haben) und auch jemand vom Betreuungspersonal und natürlich du und deine Mutter! Um gemeinsam heraus zu finden, in welchen Momenten es wirklich kritisch ist und was die jeweiligen Menschen auch erlebt haben, wann es eigentlich stressfrei mit deinem Vater geht, um so zu filtern, was man ihm Gutes tun könnte und vielleicht doch eine andere Lösung als FEM finden kann. Oder man sich zumindest mit einem Kompromiss einigen könnte: Fixierung nur zu ganz bestimmten Zeiten/Situationen kombiniert mit anderen Maßnahmen, die Freiheit und Bewegungsdrang ermöglichen.
    Bei uns nennt sich das "Ethisches Fallgespräch", dafür gibt es auch 2 extra ausgebildete Moderatoren, die das Gespräch dann leiten+protokollieren. Ich weiß, es ist schwierig, alle an einen Tisch zu bekommen - jeder hat andere Arbeitszeiten/verpflichtungen, aber wenn man wirklich noch guten Lösungen für die Betroffenen suchen möchte, dann schafft man es, sich zu solchen Gesprächen zusammen zu finden. Hat bei uns bisher immer geklappt - dass dann doch wenigstens 1 von Pflege, 1 von Betreuung und 1 der Ärzte + 1 der Angehörigen kommen konnten.
    LG WhiteTara


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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von WhiteTara Beitrag anzeigen
    Ja, da wird es einem ganz anders, wenn man überlegt, was das zukünftig dann mal geben soll, wenn bereits die Berufsanfänger in ihrer Ausbildung solch mangelnde soziale Kompetenz vermittelt bekommen und Empathie nur auf einem anderen Planeten zu finden ist Ich könnte mich jedes Mal fremd schämen, wenn ich so etwas höre - hilft leider nur auch nicht weiter.
    Meine Erfahrungen sind gegenteilig. Ich fand, gerade die jüngeren Ärzte hatten eine recht menschliche aber dennoch pragmatische Sicht auf diese Problematik. Mag sein, dass einige von ihnen bereits zuhause ähnliche Fälle miterlebt haben. Aus meiner Sicht sollte man viel mehr darauf achten, Menschen in Frieden sterben zu lassen, als Leben irgendwie zu verlängern. Patientenverfügungen helfen da nicht immer unbedingt weiter. Die letzte Meile im Leben eines Menschens ist die teuerste und leider mehr ein Katalysator für höhere Margen der Medizin- und Pflegeindustrie. Die beherrschen die Zermürbungstaktik bei Einsprüchen aus dem FF.


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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von WhiteTara Beitrag anzeigen
    Einerseits kann ich das Personal verstehen: die Gefahr eines erneuten Sturzes war in dem Moment sicher gegeben und dann wäre die Maßnahme "Bettgitter hoch" eine akute Schutzmaßnahme und ohne Richter zulässig. Für den Nachtdienst in der Klinik sicher eine wichtige Maßnahme, da nachts nicht so viel Personal auf der Station ist tagsüber und man vermutlich nicht engmaschig das Zimmer hätte kontrollieren können. ABER sehr traurig, wie dann mit dir umgegangen wurde -> da fehlt es eindeutig am wertschätzenden Umgang mit Patienten/Angehörigen Gleich zu drohen, dann müsse der Mensch eben in ein anderes KH verlegt werden, nur weil man als Angehöriger Zweifel am Bettgitter äußert, ist eine sehr unglückliche Handlungsstrategie!
    Stop: Es ging da nicht um 1-2 Nächte direkt nach der OP. Das hätte ich ja durchaus, sei es durch mein OK für Gitter, sei es notfalls durch eigene Anwesenheit mitgetragen. Ich weiß allerdings wirklich nicht, wie ich nach durchwachter Nacht noch vernünftig notwendige Arztgepräche hätte führen sollen, und wie ich Papa, was ebenfalls erwartet wurde, zugleich tagsüber hätte betüddeln sollen, und außer mir gibt's halt nur noch eine dement werdende Mutter, die noch nicht mal den Hinweg in's Krankenhaus geschafft hätte, geschweige denn dort von Nutzen gewesen wäre ... Bei uns ging es um Bettgitter, die über die gesamte Dauer der 6-9wöchigen Krankenhausaufenthalte (sogenannte geriatrische Früh-Rehas ...) oben bleiben sollten und, selbst gegen meinen Einspruch, auch oben blieben. Beim ersten Mal 2016 nur nachts. Beim zweiten Mal 2018 sogar nachts und tagsüber.

    Der Fairness halber sei gesagt: Sie haben von meinem definitiv deliranten, evt. auch leicht dementen Vater seine "Einwilligung" für die Gitter erfragt. Sprich: Ihm eingeredet, das sei doch nur zu seinem Schutz. Diese "Einwilligung" änderte nur leider nix daran, dass Papa das mit dem Schutz und mit der Vorsicht als Frischoperierter in Situationen, wo er irgendeinen akuten Rappel kriegte, total vergaß. Und dann extra gefährliche Manöver startete, Drüberklettern etc. Was für mich, weil ich ihn halt gut kenne, absolut vorhersehbar war. Und sich leider so auch ca. alle 3 Tage bestätigte.

    Und ja: Die Personalsituation auf der betreffenden Station war 2018 unverkennbar deutlich schlechter als 2016.

    Zitat Zitat von WhiteTara Beitrag anzeigen
    Das nächtliche Sitzen am Bett, um alles im Blick zu haben, ist durchaus eine Lösung --> das muss aber nicht von den Angehörigen gewährleistet werden! Für solche Momente gibt es "Sitznachtwachen": die sind dann wirklich nur für denjenigen zuständig, an dessen Bett sie sitzen und das tun sie non-stop! Allerdings braucht man dafür dann zusätzliches Personal....ich vermute, ihr seid dann sozusagen Opfer des Personalnotstandes geworden, weil dafür schlichtweg niemand zur Verfügung stand und es deshalb auch nicht angeboten werden konnte.
    Einige Kliniken haben für so etwas einen Pool an Studenten/Müttern in Elternzeit/Gelegenheitsjobbern die kurzfristig angerufen werden können, wenn eine Sitznachtwache gebraucht wird.
    Mir wurde in dem betreffenden Krankenhaus (Normalstationen, einschließlich Geratrie, Onkologie und Palliativ), nicht nur bei meinem Vater, sondern auch bei Krisen meines gleichzeitig psychisch wie auch terminal an Krebs erkrankten Bruders, mehrfach gesagt: Eigentlich bräuchte man da jetzt eine Sitzwache. Sowas gab's mal. Früüüher. So vor vielleicht 20 Jahren. Gibt's aber schon laaange nicht mehr. Vielleicht gäbe es das noch in der Psychiatrie, das wußte keiner so genau. Aber dort hätte man halt weder Krebs noch Oberschenkelhalsbrüche behandeln/betreuen können. Es ist übrigens das beste Krankenhaus in der Region. In allen anderen sieht's noch chaotischer aus.

    Zitat Zitat von WhiteTara Beitrag anzeigen
    manchmal ist es auch dem jahrzehnte langem Brauch geschuldet, dass einzelne Berufssparten meinen, sie allein hätten die Weisheit gepachtet Wenn Ärzte meinen, sie wären die Götter in Weiß und die Einschätzung vom Pflegepersonal zählt nichts. Oder in der Klinik haben die Krankenpfleger das Sagen, die Altenpfleger haben doch von nichts eine Ahnung....Ressourcen/Wissen/Erfahrung wären manchmal sinnvoller genutzt/eingesetzt, wenn ein multiprofessionelles Team zusammen arbeiten würde und sich immer gut austauscht.
    In der Aufzählung hast du nun selbst leider auch die Angehörigen vergessen. Diejenigen, die den Patienten / Bewohner als einzige schon seit Jahrzehnten kennen. Diejenigen, die wie @peka62. ganz genau sagen können, dass der Vater immer ein Bewegungs- und Draussen-Mensch war. Diejenigen, die wie ich genau sagen können, dass der Vater immer ein Autonomie-Mensch war, der bei Einschränkungen seiner Handlungsfreiheit nicht mit Gefügigkeit, sondern zumindest punktuell mit extra riskanten Ausweich-Manövern reagiert. Angehörige sollten nicht nur irgendwie nett-diplomatisch einbezogen werden: Sie bringen selbst höchst wertvolle, für eine korrekte Einschätzung der Situation oft unverzichtbare Kompetenzen mit!

    Von der rechtlichen Seite (Angehörige sind oft Bevollmächtigte!) mal ganz abgesehen ...

    Die Ärzte, Pflegende und Physios haben in den Krankenhaus-Situationen, von denen ich hier erzähle, übrigens absolut an einem Strang gezogen. Leider als multidiziplinär-geschlossene Front gegen Patient und Angehörige ...


  6. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Wenn man als alter Mensch eure Beiträge liest bleibt diesem eigentlich nur ein Fazit: Die Kugel.
    Das meine ich ganz ernst - leider.


  7. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Wenn man als alter Mensch eure Beiträge liest bleibt diesem eigentlich nur ein Fazit: Die Kugel.
    Das meine ich ganz ernst - leider.
    Solange du nicht pflegebedürftig bist, ist und bleibt alles in Ordnung. Bei Pflegebedürftigkeit ohne Gesundungschance - sorry - das werde ich mir nicht antun.


  8. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Wenn man als alter Mensch eure Beiträge liest bleibt diesem eigentlich nur ein Fazit: Die Kugel.
    Das meine ich ganz ernst - leider.
    Warum?

    Weil es Erkrankungen gibt, bei denen man (zeitweise oder anhaltend) die Kontrolle über die eigene Autonomie verliert? Die gibt es nunmal. Leider. Kann jeden von uns treffen. Nicht nur alte Menschen. Sondern auch jüngere. Das gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Schon immer. Tatsächlich hätte uns jeder blöde Unfall jederzeit in eine solche Situation bringen können. Ganz egal ob mit 8, 18, 38, 68 oder 80 Jahren. In jüngeren Jahren (bzw. wenn man es noch nicht aus eigener Anschauung kennt) verdrängt man das nur leichter.

    Weil es Profis wie WhiteTara gibt, die sich engagiert, fachlich kompetent und auf aktuellem Wissenstand um die von ihnen betreuten Menschen kümmern? Es gibt sie. Nur leider (politisch-gesellschaftlich bisher offenbar gewollt) zu wenige. Daran ändert die Kugel nix. Daran ändert man eher was, indem man Parteien wählt, die die Pflegesituation nachhaltig verbessern wollen. Evt. auch indem man sich an Volksbegehren, Demonstrationen und Unterschriftenaktionen beteiligt (ich verweise hier mal ganz frech auf den von mir begonnenen Nachbarthread "Aktion gegen Pflegenotstand").

    Weil es Angehörige gibt, die sich engagiert für die von ihnen Betreuten einsetzen? Hier im Strang ist ja eine ganze Reihe von ihnen versammelt. Keiner hier, das wird doch in den Beiträgen sehr deutlich, macht sich die zu treffenden Entscheidungen leicht. Alle versuchen, unter hohem persönlichen Einsatz, das Beste für die Betroffenen herauszufinden und es unter widrigen Bedingungen soweit irgend möglich in die Praxis durchzusetzen.

    Es gibt übrigens auch vergleichbar engagierte und kompetente Ehrenamts- und Berufsbetreuer.

    Mein Fazit ist eher: Es kann jeden treffen. Jederzeit. Meine schwerstbehinderte Schwester ab Geburt, meinen Bruder ab 49, meinen Vater ab Mitte 80, meine Mutter mit Ende 80, mich ab??? Daher geht es nur mit soliden Vollmachten. Die ich rechtzeitig an von mir selbst gewählte, vertrauenswürdige Personen gebe. Und der Politik gehört wegen dem ver.....en Pflegenotstand endlich massivst Feuer unterm A.... gemacht !!!

  9. Avatar von Daphnia
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Britwi,
    du weisst aber sicher, dass auch aus den Reihen der Politiker welche den von Henriette angedeuteten Weg gewählt haben? Sogar zumindest einer, wo der Sohn Arzt ist. Dh diejenigen hatten kein so grosses Vertrauen in Vollmachte...usw..
    Und in die Politik ebenfalls nicht.
    Für mich selbst bin ich noch unschlüssig. Aber ich kann Henriette verstehen. Und gut gemeint muss nicht immer gut sein für die Betroffenen (ich habe das jetzt bei 3 Elternteilen hinter mir-und mache mir immer wieder drüber Gedanken, ob alles so richtig war, was ich da als gut empfand).
    Daphnia


  10. Registriert seit
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    AW: Freiheitsentziehende Maßnahmen bei Demenz ?

    Ach, britwi,

    Du glaubst noch an Politik und Volksbegehren - das ist ja so wie an den lieben Gott zu glauben.

    Und ja, das Leben ist lebensgefährlich in jedem Alter, doch noch gefährlicher ist es nun mal im hohen Alter - isso!

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