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  1. Registriert seit
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von untitled Beitrag anzeigen
    Mein Eindruck ist, die Persönlichkeit löst sich komplett auf und zurück bleibt eine Hülle. Zombie-mäßig.
    Das krasse Endstadium kenn ich nicht aus eigener Beobachtung. Ich werde es wohl auch nicht mehr kennen lernen: Menschen, die erst in hohem Alter dement werden, sterben ja oft vorher aus anderen Gründen. Ich durfte aber ca. 25 Menschen mit Demenzen verschiedener Ausprägung und Stadien über die letzten 5 Jahre hinweg kennen lernen und zumindest stunden- und tageweise in ihrem Alltag miterleben. Darunter auch Demente mit erheblicher Apraxie und teilweisem oder völligem Sprachverlust. Die hatten alle ihren je ganz eigenen Charakter und Persönlichkeit. Manche unendlich lieb, manche sehr witzig, manche arg biestig. Und alle, je nach Gegenüber und Tagesform, unterschiedlich changierend.

    Vielleicht ist es ja ein großer Unterschied, ob man die Betroffenen von früher kennt. Insbesondere wenn man ihm seit langem nahe stand. Dann vermißt man natürlich die Persönlichkeit, die der- oder diejenige früher war. Mir fällt es extrem schwer, die Demenz meiner Mutter zu akzeptieren. Ich ertappe mich auch immer wieder bei Versuchen, sie irgendwie "zurückzurütteln und -drehen" zu wollen. Der natürlich zum Scheitern verurteilt und zwischenmenschlich kontraproduktiv ist.

    Trotzdem haben mich so manche Demente im Wohnbereich meines Vaters (der wohl nur etwas dement war, sich aber in seiner Parkinson-Not oft sehr irrational-egozentrisch verhielt) in den letzten Jahren immer wieder über viele, lange Besuche dort "gerettet". Weil sie auf ihre ganz eigene Weise wunderbare Persönlichkeiten waren. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür.

    RIP Frau Sch..., Frau D..., Herr N..., Frau L..., Frau I..., Herr M..., und natürlich Papa, egal wie zickig du auch warst


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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Interessanter Strang.

    Meine Eltern sind beide über 80. Mein Vater ist zum Glück noch sehr fit und tut auch viel dafür.

    Meine Mutter war zeitlebens schwer einzuschätzen. Nach außen hin fröhlich, witzig, hilfsbereit, kontaktfreudig. Zu Hause - gerade in den letzten 20 Jahren, mehr und mehr fast schon boshaft. Niemand würde vermuten, dass sie diese zwei Gesichter hat. Es gab Tage, da kam ich froh gelaunt zu Besuch und meine Mutter würdigte mich - einfach so- keines Blickes. Kam 5 Minuten später mein Bruder, war sie wie ausgewechselt. Das dies so ist, habe ich irgendwann akzeptiert. Ich schotte mich gefühlsmäßig so weit es geht ab und freue mich darüber, wenn sie gut gelaunt und zugänglich ist.

    Sie konnte schon immer sehr rechthaberisch, zänkisch oder schadenfroh sein und wenn ihr jemand Kontra gab, hatte er eigentlich für ewig bei ihr verspielt.

    In den letzten 15 Jahren hatte sie zweimal schwer mit Krebs zu kämpfen. Dazu kamen noch Infektionen, die zum Teil die Knochen zerstörten. Immer wieder rappelte sie sich auf und hatte großes Glück im Unglück, dass der Krebs nie gestreut hatte und operabel war. Nach außen hin wie gesagt lieb, fröhlich, nett- fast der Liebling der Station in den Krankenhäusern. Allerdings auch von Jahr zu Jahr redseliger (Sprachdurchfall). Egal ob im Cafe oder Wartezimmer, sie textet eigentlich noch heute (wenn sie mal raus muss) die Leute zu. Oft sehr zusammenhanglos, von einem Thema zum anderen und sie lässt niemand zu Wort kommen. Wenn es doch jemand schafft, unterbricht sie ihn.

    Vor ziemlich genau 1 Jahr hatte sie die letzte OP und seitdem baut sie sehr ab. Lässt sich hängen, auch mental. Meine einst so kontaktfreudige Mutter, die als Rentnerin täglich unterwegs und Hans Dampf in allen Gassen war, sitzt jetzt nur noch im Sessel, bewegt sich kaum und lässt sich von meinem Vater bedienen. Und- sie ist boshafter oder zänkischer denn je. Mein Vater ist am Verzweifeln. Seit sie den Pflegegrad 2 hat meint sie, mein Vater müsste rund um die Uhr für sie da sein. Leider kann man sie tatsächlich fast nicht mehr alleine lassen.

    Seit einiger Zeit neu- und wie ich finde "strange"- ist, dass sie Dinge tut wie:

    kleine Schnitte oder Risse in die Kleidungsstücke meines Vaters; das Inlet seine Bettdecke zerschneiden, sodass die Federn rausfliegen, seine Brillenbügel verbiegen, Kleidung mit Mehl (wie nehmen an, es ist Mehl) einreiben; Brotkrumen oder Fussel auf die Tastatur seines Laptops streuen oder auf die Seite vom Sofa, auf der er gewöhnlich sitzt.

    Er hat sie schon "auf frischer Tat" ertappt und dennoch streitet sie es ab (würde ich wahrscheinlich auch...), wer gibt sowas schon gerne zu, zumal wir nicht wissen, ob sie in diesen Momenten überhaupt weiß, was sie tut.

    Momentan sind wir ratlos, denn wir befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und sie womöglich noch auf abgefahrenere Ideen kommt. Solche, wo sie sich und andere gefährdet. Woher das kommt- meine Theorie sind die vielen Vollnarkosen in den letzten Jahren.

    Demnächst steht das Gespräch mit dem Pflegedienst an, welches man führen muss, damit man weiter Pflegegeld erhält. Wir sind froh, wenn es soweit ist. Meinem Vater habe ich geraten, möglichst danach alleine zum Pflegedienst zu gehen und seine Situation zu schildern in der Hoffnung, Tipps für den Umgang in diesen Situationen zu bekommen.

    Tja, so ist das zurzeit.
    Gruß Leni

  3. Avatar von elli07
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    ....Woher das kommt- meine Theorie sind die vielen Vollnarkosen in den letzten Jahren....
    Na ja, ich würde es schlichtweg "Bösartigkeit" nennen (der Grund dafür ist eigentlich egal), aber diese Aussage ist natürlich bei "alten, hilflosen Menschen" tabuisiert. Ich hatte die Befindlichkeit und das Verhalten meiner Mutter lange auch auf die Nachwirkungen einer OP mit Vollnarkose geschoben, aber wenn ich ehrlich bin hat sich einiges schon viel früher gezeigt, ich wollte es allerdings nicht wahrhaben.

    Geht es um eine Erhöhung der Pflegestufe für deine Mutter ? Da würde ich an Stelle deines Vaters einen Bericht schreiben, der die Situationen im Zusammenleben mit der Mutter beschreibt. Dann liegt alles schwarz auf weiss auf dem Tisch. In einem Gepräch geht -nicht zuletzt aus Zeitgründen- vieles unter. Ich hatte seinerzeit der Dame vom medizinischen Dienst einen schriftlichen "Bericht" mitgegeben nach der persönlichen Begutachtung. Ich denke, der war letztendlich ausschlaggebend für ihre Einstufung.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)


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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Danke Elli,

    wahrscheinlich hast du Recht und es ist schlichtweg bösartig- wobei auch abartig, Sachen kaputtmachen.

    Die Einstufung meiner Mutter erfolgte bereits, ohne dass jemand zur Begutachtung ins Haus kam. Anhand der ärztlichen Befunde und Krankenhausberichte genügte es, sie direkt in Pflegegrad 2 einzustufen. Das ging völlig problemlos. Trotzdem musst du dich 1 x im halben Jahr als pflegender Angehöriger von einer anerkannten Stelle deiner Wahl beraten lassen. Die Dame kommt ins Haus.

    Wenn meine Mutter dabei ist, kann mein Vater nicht frei reden. Ich denke, er muss einfach mal gehört werden.
    Gruß Leni

  5. Avatar von elli07
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    ...Wenn meine Mutter dabei ist, kann mein Vater nicht frei reden. Ich denke, er muss einfach mal gehört werden.
    Das denke ich auch ! Viele sich kümmernde und pflegende Angehörige müssen sich vieles gefallen lassen, wenn sie sich beklagen, werden sie auf die bedauernswerten Pflegebedürftigen verwiesen.....

    Ich empfehle deinem Vater, seine Situation schriftlich zu formulieren (du kannst ihn dabei unterstützen) und den Bericht der Dame, die ins Haus kommt mitzugeben. Ein Gespräch -egal wo- ist an den entsprechenden Stellen schnell vergessen.

    Ein Schriftstück kann auch später noch Beweise liefern, wenn es beispielsweise um eine neue Pflegesstufe geht oder darum, einen Platz in einer Pflegeeinrichtung zu bekommen.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (09.04.2019 um 19:44 Uhr)

  6. gesperrt
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Es gibt offenbar eine Möglichkeit, ein Alzheimer sozusagen im Vor-Stadium (nicht sehr ausgeprägter kognitiver Beeinträchtigungen) per Fern-Diagnose festzustellen, und zwar mit Hilfe eines Computerspiels.
    Darauf müsste sich die fragliche Person aber erst einmal einlassen, für die TE also wohl keine Option.


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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    Ich empfehle deinem Vater, seine Situation schriftlich zu formulieren (du kannst ihn dabei unterstützen) und den Bericht der Dame, die ins Haus kommt mitzugeben. Ein Gespräch -egal wo- ist an den entsprechenden Stellen schnell vergessen.

    Ein Schriftstück kann auch später noch Beweise liefern, wenn es beispielsweise um eine neue Pflegesstufe geht oder darum, einen Platz in einer Pflegeeinrichtung zu bekommen.
    Hallo Elli,

    da hast du Recht- guter Tipp!! Ich werde mir dransetzen und alles niederschreiben. Danke dir.
    Gruß Leni


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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Weil sie auf ihre ganz eigene Weise wunderbare Persönlichkeiten waren. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür.
    Das glaube ich dir gerne. Altersdemenz ist aber auch nicht gleich Alzheimerdemenz. Bei beiden habe ich die verschiedenen Stadien kennengelernt, aber so eine fiese Erkrankung wie Alzheimer im Endstadium ist mir bisher nicht untergekommen. Ich ziehe meinen Hut vor Gunter Sachs.

  9. gesperrt
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    GS soll aber gar nicht an Alzheimer erkrankt gewesen sein, angeblich eine fälschliche Selbst-Diagnose. on écrit


  10. Registriert seit
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    AW: Wie war es mit Euren Eltern? (Verdacht Demenz, oder ist das normal im Alter?)

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    GS soll aber gar nicht an Alzheimer erkrankt gewesen sein, angeblich eine fälschliche Selbst-Diagnose. on écrit
    Schon ein kleiner Treppenwitz, oder? So viel Geld und dann nicht mal eine anständige Diagnose.

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