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  1. Registriert seit
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    Beginnender Pflegebedarf

    Hallo,

    ganz sicher bin ich mir nicht, ob mein Anliegen schon hierher gehört oder eher noch zu den Familienfragen passt, also ggf. kann verschoben werden.

    Meine Eltern werden naturgemäß alt und es fängt an, dass sie Unterstützung brauchen. Mein Vater hat einen Pflegegrad 2 auf Grund seiner Demenz, körperlich ist er für sein Alter noch außerordentlich fit. Meine Mutter hat den Pflegegrad 1 wegen leichter körperlicher Einschränkungen und beginnender Demenz. Also alles noch, ich sage mal, ganz harmlos. Dienstleistungen zur Bewältigung der Alltagsabläufe gibt es teilweise schon, einiges muss jetzt zusätzlich organisiert werden. Mit dem Vater ist es noch recht einfach, die Ausfälle und Zeichen der Erkrankung nehmen natürlich zu, er ist aber noch ganz friedlich und umgänglich.

    An unsere Grenzen kommen wir Kinder bei unserer Mutter regelmäßig an Punkten, an denen Entscheidungen von den oder für die Eltern getroffen werden müssen. Meine Mutter hadert mit ihrem geistigen Abbau, nachvollziehbar und verständlich, aber eben auch schwierig.

    Meine Mutter merkt, dass sie in vielen Punkten überfordert ist, insbesondere bei Anforderungen bürokratischer Art und in medizinischen Fragen, aber beginnend auch bei der "Aufsicht" des Vaters und der Haushaltsführung. Sie hat da Verdrängungstendenzen, Dinge einfach immer wieder beiseite schieben. Wenn dann aber nach mehrmaligem immer wieder Ansprechen von Notwendigkeiten nichts Konkretes herauskommt, dann halten wir Kinder dieses Nichtstun angesichts vorhandener Problemstellungen oft nicht aus bzw. ergibt sich irgendwann dringender Handlungsbedarf. Wenn meine Mutter mitbekommt, dass von uns dann etwas angestoßen wird, reagiert sie darauf erst einmal absolut verärgert und ablehnend. Sie hat immer sofort das Gefühl, es soll über sie entschieden werden. Dabei ging es bisher immernur um Terminvereinbarungen für Beratungen, etwas alltäglichen Papierkram sowie Schriftverkehr mit der Pflegekasse sowie Zahlungen von Rechnungen.

    Mit sehr, sehr viel Geduld und in vielen kurzen Gesprächen, kurz, weil die Konzentrationsfähigkeit nicht mehr für längere Beratungen ausreicht, bekommt man sie dann schon zu gewissen Einsichten und Mitwirkung, also es geht schon noch. Nur – der Zeitaufwand, der für all diese Überzeugungsarbeit notwendig ist, ist eigentlich schon gar nicht mehr zu leisten. Ich habe bemerkt, dass Telefongespräche gar keine Wirkung mehr haben, es geht alles nur im persönlichen Kontakt und mit körperlicher Nähe. Mehrmals wöchentlich zwanzigminütige Problemlösungsgespräche zu führen, Nähe spüren zu lassen und, wenn ich dann schon mal da bin, noch mal hier und da zu helfen, sind für mich dauerhaft nicht zu schaffen. Ich bin gern zu einem Feierabend in der Woche und/oder einem Wochenendtag bereit, übernehme nicht alltägliche Besorgungen und mache mich für die wichtigen Arzt- und sonstigen Termine von der Arbeit frei (Urlaubstage oder gegen Überstunden, die ja aber auch geleistet werden müssen), aber mehr geht bei mir längerfristig einfach nicht.

    Meine Frage hier ist, welche Erfahrungen habt ihr mit diesen Übergangszeiten zwischen Wahrung der Selbstständigkeit bis zur irgendwann zwangsweisen Übernahme von Entscheidungen durch Angehörige gemacht? Das kann ja eine sehr lange Zeit werden. Und wie behält man das Recht auf Selbstbestimmung der alten Menschen dabei ausreichend im Blick?

  2. Inaktiver User

    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Mein Mann hat derzeit das Problem mit seinen Eltern. Es geht nicht mehr allein, aber sie sind auch kein Pflegefall.

    Er hat versucht sie von einem Umzug ins betreute Wohnen zu überzeugen. Erst alles prima, nun wollen sie nicht mehr. Sie haben eher körperliche Einschränkungen.

    Nun ist guter Rat teuer, sie haben auch Pflegestufe 2.

    Das ist mein Rat, wäre betreutes Wohnen eine Möglichkeit?

    Alles Gute


  3. Registriert seit
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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Ich wünsche euch viel Glück, dass der Plan des Umzugs doch noch ohne zu großen nervlichen Aufwand realisiert werden kann.

    Die Fachberatungen, die wir hatten, führten zu dem Ergebnis, dass der Zeitpunkt für einen Umzug in eine altersgerechtere Wohnung im betreuten Wohnen wohl verpasst wurde. Die Leistungen, die sie dort jetzt benötigen und erhalten würden, können auch in ihrem Zuhause organisiert werden.

    Es ist absehbar, dass in nicht allzuferner Zukunft ein Platz in einem Pflegeheim benötigt wird. Ob der Ausschlag für diesen Bedarf zuerst von der Mutter oder Vater kommen wird, lässt sich nicht vorhersehen. Aktuell ist es dafür aber eben noch zu früh.

    Vor diesem Hintergrund soll ein zusätzlicher Umzug in eine unter Umständen dann noch nicht letzte Wohnung, soweit irgend möglich, vermieden werden. Auch objektiv betrachtet geht es ja zu Hause noch ganz gut, wenn die entsprechenden Hilfen abgeklärt und organisiert sind. Hilfe wird auch nicht grundsätzlich abgelehnt, nur jede kleine Änderung/Ergänzung bedarf viel Überzeugungsarbeit. Ich weiß nun nicht, ob das mit dem Überzeugen mit Fortschreiten der demenziellen Erkrankungen bei meiner Mutter noch schwieriger oder einfacher wird. Mit dem Vater ist es bisher ja nicht schwierig, er nimmt eigentlich mehr oder wenig gutmütig alles hin, zeigt bisher keine Aggressionen.

  4. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Lea, du machst das doch gut.
    Fahre einmal die Woche hin und dann "machst du Büro", du bleibst freundlich aber bestimmt. Am Telefon antwortest du, das besprechen wir Samstag. Und dann besprecht ihr euch.
    Mach dir Notizen, und dann wird das abgearbeitet.
    Moderatorin im Forum

    Trennung und Scheidung,
    Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
    Über das Kennenlernen
    Reine Familiensache

  5. Avatar von elli07
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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Gibt es eine (möglicherweise notarielle) Vollmacht der Eltern ? Diese ist unabdingbar auf Dauer, für Immobilienangelegenheiten muss die Vollmacht notariell vereinbart sein. Beim Notar kann die Vollmacht nur wirksam vereinbart werden, wenn die Eltern noch den Eindruck erwecken, im Vollbesitz ihrer Kräfte zu sein. Nützlich ist auch eine Bankvollmacht. Wenn es nämlich blöd läuft wird irgendwann eine gerichtliche Betreuung eingesetzt und das ist echt herb, auch wenn ein Kind zum gesetzlichen Betreuer benannt wird: denn dann muss für jeden Cent Rechenschaft abgelegt werden gegenüber dem Gericht und es kostet dazu noch Gebühren. Mit einer Vollmacht der Eltern kann man eigenverantwortlich agieren.

    Ich habe weit weg von meinen Eltern gewohnt und deshalb vieles bei meiner Mutter nicht mitbekommen (mein Vater ist vor Jahren verstorben). Die Steuererklärung habe ich immer gemacht, aber vom Alltag habe ich vieles nicht mitbekommen, bis es "eskaliert" ist, dann ging alles sehr schnell. Mein Onkel und ein Cousin haben mir Bescheid gegeben, ins Detail möchte ich hier nicht gehen.

    Meine Mutter ist heute in einem Pflegeheim (Pflegegrad 3 wegen Demenz) in meinem Wohnort untergebracht und in ihrer Welt glücklich. Vor vielen Jahren hat sie mir eine notarielle Generalvollmacht gegeben, das war wirklich hilfreich.

    Irgendwann muss man als Sohn/Tochter einfach Entscheidungen fällen, weil die Eltern schlichtweg nicht mehr dazu in der Lage sind. Auch wenn sie das für sich reklamieren. Ich bin vom Typ her diesbezüglich etwas "forsch" drauf, meiner Mutter ist das klar gewesen und hat mir am Ende gesagt, ich solle alles regeln, wie es für mich gut machbar ist. Da ich nicht ständig auf der Matte stehen konnte wegen der Entfernung hat sich das so recht gut geregelt.

    Es ist keine Schande, auch an das eigene Befinden zu denken, wir sind selber nicht mehr die Jüngsten (ok, zumindest ich nicht), nicht selten Vollzeit berufstätig (so wie ich) und/oder gesundheitlich mehr oder minder angeschlagen (das bin ich Gott sei Dank nicht), da kann niemand noch zusätzlich über längere Zeit das Leben der Eltern managen.

    Ich zum Beispiel hätte es nicht stemmen wollen, jedes Wochenende bei meiner Mutter zu verbringen, abgesehen davon, dass dies am Ende auch nicht mehr gereicht hätte an Zeitaufwand. Ich habe mein eigenes Leben, meine Partnerschaft und brauche Zeiten der Erholung.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (01.02.2019 um 17:33 Uhr) Grund: Ergänzung


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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Vielleicht die Gespräche anders aufbauen?
    Was konkret sagst du denn zu ihr?

    Ich kann mir vorstellen, dass es viel Kraft und Zeit kostet- immer wieder neu in Verhandlungen zu treten.

    Es gibt letztlich auch nur zwei Wege- in meinen Augen- du brauchst ihre Zustimmung oder du musst über sie hinweg bestimmen und den Ärger jetzt in Kauf nehmen.
    Entweder die Zeit für Gespräche nehmen, der Mutter noch das Gefühl von "ich frag dich und du bestimmst (mit)" geben - oder über sei hinweg und und dann "nimmst du dir die Zeit", weil du diesen Ärger wieder kitten musst.

    Es ist eine Frage der Zeit, bis die Mutter gar nichts mehr entscheiden kann- dann ist dsa kein Thema mehr.
    Absehbar, wobei es niemand zeitlich voraussagen kann, wie lange das dauert.

    Zum Gespräch:
    Wie offen redet ihr über die Demenz?
    Wie offen über das Älterwerden und das, was mit alten Menschen geschieht?
    Wie offen über das Gefühl von Überforderung- was man als junger Mensch doch gut und gerne übernehmen kann?
    Wie anstrengend war ihr Leben und ob es zB ok ist, dass nun mehr Ruhe einkehrt und du einiges übernimmst?

    Ich weiß nicht, wie ihr die Gespräche führt- ich könnte mir aber vorstellen, dass es leichter geht, wenn mit viel Empathie auf den Gegenüber eingangen wird und die Entlastung und wie gut diese Hilfe ist, heraus gestellt wird. Oder wie sehr deine Mutter DIR was Gutes tut, weil sie es dir überlässt.

    Und es ist gut, wenn am Ende dann kurze Sätze als Resultat stehen, die du dann immer auch wiederholen kannst und auch bei einem dementen Gehirn ankommen (also keine langen Sätze oder gar Erklärungen).

    Ob das funtioniert, kann jetzt keiner sicher wissen- aber die Art, wie ich rede und was ich sage, spielt auf jeden Fall eine Rolle. Auch WER das übernehmen möchte- gibt es noch andere Geschwister, denen die Mutter etwas lieber überlassen würden? Nicht, das man das dann tut- sondern nur um die Wogen zu glätten.

    Letztlich kennst du deine Mutter am besten und wirst wissen, auf welchem Weg man sie in gesunden Zeit am besten zu überzeugen war.

    Sollte jemand gar nicht einlenken, dann bleibt letztlich nur der harte Weg. Das Durchhalten bis zu dem Punkt, wo sie wirklich nichts merh selbst entscheiden kann.
    Hier steht dann bei aller Traurigkeit, der Schutz des Menschen im Vordergrund.

    Alles Gute für dich und euch- auf diesem Weg

    ps- wir haben hier einen Pflegestützpunkt, der sich sehr intensiv mit Demenz befasst- für die Angehörigen. Im Herbst hatten die auch eine ganze Reihe von Info-Abenden, über das ganze Thema.
    Vielleicht fragst du bei einem Pflegestützpunkt in deiner Nähe einmal nach- oder ruf in einem (zwei, drei?) Altenheim an- dort bekommst du sicher auch noch viele Anregungen mit einem idealen Umgang zu dem Thema.

  7. Moderation Avatar von Charlotte03
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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet in unserer Region dazu Seminare an.
    Genieße deine Zeit.
    Denn du lebst nur jetzt & heute.
    Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher, als du denkst.
    Moderatorin in "Schule, Uni, Studium und Ausbildung""Gehören Kinder zu einem erfüllten Leben dazu?""Serien, Shows & Soaps"und...Userin


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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    o jee. erfahrungen? überhaupt keine guten, da der altersstarrsinn extrem ist bei einen teil der familiensippe. es wurde betreutes wohnung vorgeschlagen, es währe sogar "von jetzt auf gleich" machbar gewesen, das da ein umzug bewerkstelligt werden konnte, ergebnis null, weil einer meinte "in solch eine butze ziehen wir nicht", klar man muss sich auch mal von was trennen, nen "wohnpalast" währe da nicht finanzierbar. nachdem zeit ins land ging, samt pflegegrade - wo es auch nen extraobulus für haushaltshilfe gäbe - wieder das gleiche "hier kommt keine fremde person in die wohnung, das schränkt uns zeitlich ein". öhm, wenn du keine vormundschaft hast, weil der andere part noch einigermassen geistig fit ist, bloss nicht will, kannst du da herzlich wenig machen gegen den willen des anderen. sorry, wir als restfamilienclan fahren da mittlerweile die harte tour "wer nicht will, hat schon, und wenns gar nicht mehr geht.... kommt zeit und rat und sicher das pflegeheim. es hat keiner der nachkommen eine vorsorgevollmacht, weder der pflegedienst der kommt, noch wir haben für den notfall nen schlüssel zur wohnung (wurde explizit abgelehnt).


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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Unbedingt - sofort! - alles in die Wege leiten, damit du alle nötigen Vollmachten bekommst, Patientenverfügungen erstellt werden usw. Und zwar, solange deine Eltern noch ansatzweise den Eindruck vermitteln können, dass sie diese Vollmachten im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte erteilen.
    Es wurde ja schon gesagt, dass du sonst unter Umständen handlungsunfähig wirst, wenn schwierigere Entscheidungen getroffen werden müssen. Und leider geht das manchmal von heute auf morgen.
    Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist auf jeden Fall ein guter Ansprechpartner, städtische Pflegebüros ebenso, aber auch der Hausarzt kann u.U. weiterhelfen.

    Was die Entwicklung angeht: Bei meinem Vater ging es (scheinbar) sehr schnell, er hatte eine Form, die sich viele Jahre sozusagen im Verborgenen entwickelt und gut kaschiert werden kann, als sie aber nicht mehr zu verbergen war, ging es dann rapide abwärts und er starb 1,5 Jahre nach der Diagnose.

    Ein großes Problem ist aber oft, ganz unabhängig von der Demenz, die Unfähigkeit der alten Menschen, ihren Verfall anzuerkennen und "mitzuarbeiten". Meine Mutter war bis zuletzt klar bei Verstand und vielleicht gerade deswegen sehr schwierig im Umgang: trotzig, wütend, ängstlich, unkooperativ - und wer wäre das nicht, wenn er quasi zusehen muss, wie er selbst dahinwelkt und nichts dagegen tun kann?

    Ich wünsche dir viel Kraft, denn es wird leider immer schlimmer, statt besser. Und schiebe nichts auf die lange Bank (Warteliste im Pflegeheim, durchrechnen, wie was von wem finanziert werden kann/muss etc. pp.), eine Verschlechterung kann buchstäblich von heute auf morgen so eintreten, das umgezogen werden MUSS, weil eine Versorgung anders nicht mehr zu gewährleisten ist.


  10. Registriert seit
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    AW: Beginnender Pflegebedarf

    Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

    Es gibt einfache Vorsorgevollmachten, aber keine notariell bestätigten und auch kein Testament. Bei diesen Themen habe ich vor längerer Zeit aufgegeben, eben zu dem Zeitpunkt, als ich selbst Zweifel an der Urteilsfähigkeit meines (Stief-)Vaters bekam. Es ist klar, wenn die Verwertung von Immobilien zur Finanzierung des Pflegebedarfs notwendig wird, muss das über das Gericht laufen. Für die alltäglichen Regelungen reicht die einfache Vorsorgevollmacht. Bankvollmachten haben wir Kinder auch.
    Meine Mutter bedauert es inzwischen, dass sie sich mit solchen Sachen so schwer taten und es dadurch Versäumnisse gab. Aber es ist nun, wie es ist, und wir müssen damit umgehen.

    Bei mir stellt sich immer wieder die Frage, wie weit mische ich mich ein, wo interveniere ich solange, bis es in meinem Sinne läuft, und bei welchen Belangen lasse ich es einfach laufen. Von mir gut Gemeintes muss ja noch lange nicht den Bedürfnissen meiner Eltern entsprechen.
    Das finde ich im Moment echt eine Gratwanderung.

    Z. B. habe ich meine Eltern in mehrtägiger Überredungsarbeit davon überzeugen können, sich mal Essen über einen Menü-Lieferdienst zu bestellen, nachdem es mal eine Lücke bei der Lebensmittelversorgung gab.
    Jetzt haben meine Eltern also Essen im Tiefkühler, das sie nicht wollten, umständlich in der Zubereitung ist (Aufwärmen) und nicht so gut schmeckt wie im Restaurant ...
    Ich weise immer wieder darauf hin, das ist für Notfälle, wenn die Einkaufsplanung mal wieder nicht klappt, es Glatteis gibt, jemand krank wird ...

    Eine andere Baustelle ist die Beschaffung eines Rollators (auf Anraten von Pflegeberatung und Arzt). Aber das wird noch nicht als Hilfsmittel wahrgenommen. Man kann doch laufen, ist nur unsicher, so ein Teil ist doch total unpraktisch unterwegs...
    Manchmal denke ich, dann muss es wohl erstmal einen Sturz geben, bis die Notwendigkeit eingesehen wird. Aber denke eben auch, dass ein Sturz in dem Alter recht fatale Folgen haben kann.

    Usw. usf.

    Das Traurige ist, dass meine Mutter ihre Schwierigkeiten in Bezug auf Umstellungen und dem Verstehen von Sachverhalten durchaus bemerkt. Wenn wir dann mal wieder eine Hürde genommen haben, entschuldigt sie sich oft für Ihren Widerstand. Sagt selbst, dass sie es sich vor kurzer Zeit gar nicht hat vorstellen können, dass sie mal so wird. Aber loslassen und auf die wohlmeinende Unterstützung durch Andere vertrauen, das schafft sie eben auch nicht so einfach.

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