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  1. Registriert seit
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Ich weiss, wovon ich rede: Ich bin Mitte 80, lebe mit meinem Hund allein, keine Kinder, habe aber abgesichert: Seniorengerechte Wohnung im "Altenasyl", roter Knopf von Malteser, Hundeversorgung..........
    Sorry, nein, du weißt nicht, wovon du redest, wenn du nicht dement bist und kein Pflegefall! Für Leute, die das nicht sind, ist das alles richtig, aber kein Kind mit etwas Empathie im Leib guckt einfach zu, wie die demente Mutter in ihr Unglück rennt.


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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    ...Was manchmal hilft beiden Seiten gerecht zu werden ist, wenn ich bereits bei den (ebenfalls von mir erwarteteten und ebenfalls unendlich mäandernden) Vorgesprächen an halbwegs passender Stelle, etwa wenn ich einen komplizierteren Sachverhalt schon dreimal erklärt habe und er immer noch nicht verstanden wurde, freundlich sage: "Ach weißt du, klar gehen wir miteinander hin, und wir haben es jetzt ja auch ausführlich vorbesprochen, aber vielleicht wäre es einfacher, wenn du mich beim Termin mit xy einfach machen läßt"? In dieser angekündigten Form wird das dann (nicht immer, aber zumindest immer öfter) eher mal als Entlastung wahrgenommen.
    Danke, das war für mich ein wichtiger Denkanstoß.

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Ja, das ist auch meine Frage: Warum lasst ihr eure Eltern nicht ihre eigenen Erfahrungen machen - macht man bei Kindern doch auch so? Und wenn sie noch nicht völlig dement sind, können sie doch aus ihren Misserfolgen lernen. Es ist doch ihr Leben und nicht eures!
    Die Gratwanderung ist aber, dass man ja um Hilfe gebeten oder diese sogar eingefordert wird. Man ist eben nicht immer in der Lage oder auch bereit, diese Hilfe gemäß der Vorstellungen der Eltern zu erbringen und daraus erwachsen eben auch Konflikte.

    Um bei dem Bankbeispiel zu bleiben: Meine Eltern haben sich von vornherein mit der Angelegenheit überfordert gefühlt und darum gebeten, begleitet zu werden. Und obwohl ich dachte, wir hätten vorab zu Hause ihren Wunsch herausgearbetiet (Vereinfachung), alles geklärt und besprochen (mehrfach), kamen dann all die Fragen bei der Bank wieder hoch, begleitet von völlig sachfremden Erzählungen und am Ende dem Unwillen, all das, was vorher abgesprochen war, mit einer Unterschrift zu bestätigen. Es ging dabei um einen Transfer zwischen verschiedenen Konten meiner Eltern, nicht darum Geld an jemand Dritten zu übertragen oder ähnlich schwerwiegendere Entscheidungen.
    Tja, da nimmt man sich dann frei, bringt die Eltern unverrichteter Dinge wieder nach Hause, um dort zu hören, dass diese Banksache ja nun aber endlich auch mal erledigt werden muss.

    Mit dem Lernen aus Erfahrungen funktioniert es bei Demenz ja eben nun gerade nicht mehr. Man kann fünfmal in Angst und Panik geraten, weil man nicht mehr nach Hause findet, und geht trotzdem wieder allein los. Natürlich haben die Dementen das Recht, sich immer wieder in diese Situationen zu bringen. Aber sorgen tut man sich als Angehöriger eben auch, genauso wie man auch Kinder nicht in jede Gefahrensituation sehenden Auges hineinlaufen lässt.

  3. Avatar von brighid
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    was ich nicht verstehe und auch wohl in meinem jetzigen leben nicht verstehen werde:

    wenn, egal in welchem alter, absprachen unterlaufen werden, mehrmals- man/frau immer noch meint mit gut zureden etwas reissen zu können.

    ansage: gerne auch schriftlich mit warnung, dass man/frau sich beim nächsten mal verweigern wird.

    egal ob was dann die nachbarn über einen schnullen können.

    auch mit einer demenz können die leute noch lange leben- und der versorger sitzt in der zwischenzeit in der klappse. leute, schützt euch auch ein stückweit selbst. warum sich selbst aufgeben?
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  4. Registriert seit
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Ja, das ist auch meine Frage: Warum lasst ihr eure Eltern nicht ihre eigenen Erfahrungen machen - macht man bei Kindern doch auch so? Und wenn sie noch nicht völlig dement sind, können sie doch aus ihren Misserfolgen lernen. Es ist doch ihr Leben und nicht eures!
    In meinem Fall: Weil sie Begleitung und Unterstützung wünschen. Bzw. nicht wünschen. Sondern geradeheraus erwarten und fordern. Und sie, ganz objektiv gesehen, auch tatsächlich brauchen. Ich bin auch prinzipiell bereit, ihnen Begleitung und Unterstützung zu geben.

    Die Konflikte drehen sich nur darum, wie diese Begleitung und Unterstützung auszusehen hat:

    Meine Eltern waren leider nicht so vernünftig, rechtzeitig in eine altersgerechte Wohnung mit Serviceangebot umzuziehen. Sie waren leider auch nicht so vernünftig, rechtzeitig Teilbereiche an Service-Profis (z. B. Steuerberater, Putzkräfte, Essenslieferant etc.) auszulagern. Sie waren (und sind) nicht so vernünftig, regelmäßig Arzttermine wahrzunehmen. So dass es regelmäßig zu gesundheitlichen Eskalationen kommt, die durchaus vermeidbar gewesen wären.

    Ihre Erwartung an mich ist nun, dass ich dafür sorge, dass alles so bleibt, wie es ist. Sprich: dass ich die Arbeit mache, aber auf genau ihre Weise und in ihrem Tempo. Und dass ich, sobald wegen ihrer Sturheit etwas schief geht, die Scherben zusammenkehre. Und dass ich am besten dabei die ganze Zeit so tue als hätten sie das nach wie vor alles selbst geschafft. Diese Erwartung kann (und will) ich nicht erfüllen. Denn dafür müßte ich tatsächlich ihr Leben leben (und meins komplett aufgeben).

    Ich kann (und will) sie aber dabei unterstützen, die notwendigen bzw. überfälligen Veränderungen (inkl. Akzeptieren professioneller Hilfe) anzugehen. Meinen "Job" als Tochter sehe ich eigentlich darin, genau diese Veränderungen zu organisieren. Und für den Rest (z.B. Krisen- und Sterbebegleitung) dazusein, für den man halt nunmal keine Profis sondern Angehörige braucht & will.

    Meine Erfahrung ist übrigens: Sie lernen nicht nicht aus ihren Misserfolgen. Sie sehen einfach keine andere Möglichkeit, als alles immer so weiter zu machen wie es bisher war. Genau das ist das Charakteristische an der Alterssturheit.


  5. Registriert seit
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    ansage: gerne auch schriftlich mit warnung, dass man/frau sich beim nächsten mal verweigern wird.
    Wird bei Demenz vergessen. Und bei noch nicht dement, sondern nur altersstur, überlagert und verdrängt von dem typischen "aber-das-war-doch-immer-so-und-das-haben-wir-doch-immer-so-gemacht-und-das-wollen-wir-auch-nicht-ändern".

  6. Avatar von brighid
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    I


    Ihre Erwartung an mich ist nun,



    Diese Erwartung kann (und will) ich nicht erfüllen. Denn dafür müßte ich tatsächlich ihr Leben leben (und meins komplett aufgeben).

    wie weit kann und will man/frau sich selbst aufgeben? zumal abzusehen ist: so lange man/frau als kind noch "funktioniert"- ist überhaupt kein leidensdruck etwas zu verändern.

    da nur auf demenz und alterssturheit zu plädieren- ist auch ein stückweit ausrede und entschuldigung für das eigene versagen sich abzugrenzen.


    so lange sich die altvorderen noch streiten können wie die kesselflicker- sind sie so dement nicht! meine erfahrung.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  7. Registriert seit
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    da nur auf demenz und alterssturheit zu plädieren- ist auch ein stückweit ausrede und entschuldigung für das eigene versagen sich abzugrenzen.
    Welchen Teil von "diese Erwartung kann (und will) ich nicht erfüllen" hast du nicht verstanden?


  8. Registriert seit
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    was ich nicht verstehe und auch wohl in meinem jetzigen leben nicht verstehen werde:

    wenn, egal in welchem alter, absprachen unterlaufen werden, mehrmals- man/frau immer noch meint mit gut zureden etwas reissen zu können.

    ansage: gerne auch schriftlich mit warnung, dass man/frau sich beim nächsten mal verweigern wird.

    egal ob was dann die nachbarn über einen schnullen können.

    auch mit einer demenz können die leute noch lange leben- und der versorger sitzt in der zwischenzeit in der klappse. leute, schützt euch auch ein stückweit selbst. warum sich selbst aufgeben?
    Weil ich nicht möchte, dass man mich völlig verständnislos behandelt, wenn ich mal nichts mehr kapieren sollte. Und weil ich meine Eltern, trotz ihrer früheren Fehler und jetzigen Verschrobenheit achte, respektiere, gern habe, liebe.

    Selbstaufgabe ist mir eigentlich ein zu großes Wort für zeitweise zu bewältigende Belastungen im Leben. Ich habe mich auch mit drei Kindern nicht aufgegeben, obwohl ich da auch oft nicht wusste, wie alles zu schaffen sein soll, was gerade anstand, oder wenn der Beruf, zumindest im Kopf, sieben Tage die Woche verlangt.
    Ich habe nichts dagegen, Verantwortung zu übernehmen, muss halt nur manchmal über den gangbaren Weg nachdenken.

  9. Avatar von brighid
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    Welchen Teil von "diese Erwartung kann (und will) ich nicht erfüllen" hast du nicht verstanden?
    mein posting nr. 36 hat als letzten satz: meine erfahrung.

    es geht nicht nur um dich alleine, sondern um den grundsatz. und wie es auch andere leben, erleben und wahrnehmen.

    diese erfahrung kann und will ich auch nicht erfüllen. in meinem umfeld erlebe ich leider oft genug die selbst aufgabe. unter dem titel: demenz, ich kann doch nichts anders machen für meine eltern.

    ist so vorallem eine frauen-sache: pflegebereitschaft, kümmer-gen usw
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  10. Avatar von Phyllis
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    AW: Eltern Pflegefall - Dauerstreit

    Zitat Zitat von britwi Beitrag anzeigen
    In meinem Fall: Weil sie Begleitung und Unterstützung wünschen. Bzw. nicht wünschen. Sondern geradeheraus erwarten und fordern. Und sie, ganz objektiv gesehen, auch tatsächlich brauchen. Ich bin auch prinzipiell bereit, ihnen Begleitung und Unterstützung zu geben.

    Die Konflikte drehen sich nur darum, wie diese Begleitung und Unterstützung auszusehen hat:

    Meine Eltern waren leider nicht so vernünftig, rechtzeitig in eine altersgerechte Wohnung mit Serviceangebot umzuziehen. Sie waren leider auch nicht so vernünftig, rechtzeitig Teilbereiche an Service-Profis (z. B. Steuerberater, Putzkräfte, Essenslieferant etc.) auszulagern. Sie waren (und sind) nicht so vernünftig, regelmäßig Arzttermine wahrzunehmen. So dass es regelmäßig zu gesundheitlichen Eskalationen kommt, die durchaus vermeidbar gewesen wären.

    Ihre Erwartung an mich ist nun, dass ich dafür sorge, dass alles so bleibt, wie es ist. Sprich: dass ich die Arbeit mache, aber auf genau ihre Weise und in ihrem Tempo. Und dass ich, sobald wegen ihrer Sturheit etwas schief geht, die Scherben zusammenkehre. Und dass ich am besten dabei die ganze Zeit so tue als hätten sie das nach wie vor alles selbst geschafft. Diese Erwartung kann (und will) ich nicht erfüllen. Denn dafür müßte ich tatsächlich ihr Leben leben (und meins komplett aufgeben).

    Ich kann (und will) sie aber dabei unterstützen, die notwendigen bzw. überfälligen Veränderungen (inkl. Akzeptieren professioneller Hilfe) anzugehen. Meinen "Job" als Tochter sehe ich eigentlich darin, genau diese Veränderungen zu organisieren. Und für den Rest (z.B. Krisen- und Sterbebegleitung) dazusein, für den man halt nunmal keine Profis sondern Angehörige braucht & will.

    Meine Erfahrung ist übrigens: Sie lernen nicht nicht aus ihren Misserfolgen. Sie sehen einfach keine andere Möglichkeit, als alles immer so weiter zu machen wie es bisher war. Genau das ist das Charakteristische an der Alterssturheit.
    das kommt mir alles so bekannt vor
    "Arroganz ist die Kunst, auf seine eigene Dummheit stolz zu sein"

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