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  1. Registriert seit
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    AW: Wirre Gedanken zum Tod des Elternteils

    Keiner hat meine Fröhlichkeit beim Tod meines Mannes nach mehr als 66 gemeinsamen Jahren verstanden - er hatte sich entschieden zu gehen, obwohl verstummt nach Verletzungen durch Intubationen bei 5 OP's in 3 Wochen! Er wusste, dass ein Leben in Würde nicht mehr möglich war, nur noch ein Vegetieren wegen fehlender innerer Organe.
    Er ist in der Nacht allein eingeschlafen, und sein totes Antlitz war das eines 20 Jahre Jüngeren - total entspannt und trotzdem straff.
    Darum grämt Euch nicht, wenn jemand allein geht, denn oft ist es das "egoistische"(sorry!) Gefühl des eigenen Verlustes, das die Trauer so unendlich macht und nach einem Schuldigen suchen lässt.
    Henriette

  2. Avatar von Galadril
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    AW: Wirre Gedanken zum Tod des Elternteils

    Zitat Zitat von Henriette1 Beitrag anzeigen
    Darum grämt Euch nicht, wenn jemand allein geht, denn oft ist es das "egoistische"(sorry!) Gefühl des eigenen Verlustes, das die Trauer so unendlich macht und nach einem Schuldigen suchen lässt.
    Henriette
    Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich denke da ist was wahres dran. Das du das gleich so annehmen konntest, finde ich sehr schön. Seine Liebsten so leiden zu sehen, ist ja auch sehr schwer. Ich weiss ja auch, dass mein Vater sich und uns ganz viel erspart hat. Und für ihn muss ich froh sein, dass er es so schnell hinter sich hatte.

  3. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Wirre Gedanken zum Tod des Elternteils

    Zitat Zitat von Galadril Beitrag anzeigen
    Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich denke da ist was wahres dran. Das du das gleich so annehmen konntest, finde ich sehr schön. Seine Liebsten so leiden zu sehen, ist ja auch sehr schwer. Ich weiss ja auch, dass mein Vater sich und uns ganz viel erspart hat. Und für ihn muss ich froh sein, dass er es so schnell hinter sich hatte.
    Das Koma war letztlich ein Segen.
    Ohne moderne Medizin wäre mein Vater schon drei Jahre zuvor querschnittsgelähmt gewesen oder gestorben. Es war eine Not-OP.

    Dann die Schmerzmittel, die ihm noch einigermaßen Lebensqualität gaben.
    Das Koma und das Ende im Kreis der Familie war gnädig! Auch, wenn es ihm nicht recht war in unserer Gegenwart zu gehen...

    Ich brauchte die vergangenen drei Wochen, krankheitsbedingt daheim, um zu diesem Schluss zu kommen.

    Keine Freude kann ich deshalb empfinden, aber mehr inneren Frieden.

    Trauer scheint wirklich Zeit zu brauchen.
    Trauerarbeit heißt auch, sich auseinandersetzen mit den Themen um sie irgendwann abschließen zu können.

    Normalerweise bin ich froh über jede Ablenkung in der Arbeit. Die oben beschriebenen Fakten waren mir immer alle bekannt...es scheint auf den Blickwinkel anzukommen.

  4. Avatar von Carolly
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    AW: Wirre Gedanken zum Tod des Elternteils

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    Trauer scheint wirklich Zeit zu brauchen.
    Trauerarbeit heißt auch, sich auseinandersetzen mit den Themen um sie irgendwann abschließen zu können.
    Danke. Scheinbar konnte ich das bis jetzt noch nicht, mich damit auseinandersetzen. Ich konnte aber auch seitdem keine Freude mehr fuehlen, was ich auch probiert habe. Ich war wohl ziemlich depressiv. Jetzt erst neulich habe ich zum ersten Mal wieder Freude gefuehlt, und jetzt lasse ich wohl auch andere Gefuehle zu. Ist wohl noch ein langer weg.

  5. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Wirre Gedanken zum Tod des Elternteils

    Zitat Zitat von Carolly Beitrag anzeigen
    Danke. Scheinbar konnte ich das bis jetzt noch nicht, mich damit auseinandersetzen. Ich konnte aber auch seitdem keine Freude mehr fuehlen, was ich auch probiert habe. Ich war wohl ziemlich depressiv. Jetzt erst neulich habe ich zum ersten Mal wieder Freude gefuehlt, und jetzt lasse ich wohl auch andere Gefuehle zu. Ist wohl noch ein langer weg.
    Ach Carolly, ich weiß nicht, die Zeit die es braucht braucht es. Ich war froh, vor einem Jahr wieder arbeiten zu können. Seit 2014 hatte ich mich intensiv mit dem Krankheitsbild beschäftigt und bin vor Angst 1000 Tode selber gestorben. Sehr krank vor Sorge. Musste 2015 operiert werden, lange Ausfallzeiten wegen anhaltender Infektionen.

    Dann bei jedem Arztbesuch dabei, bei allen Untersuchungen. Bestimmt war ich depressiv. Ganz überwunden hab ich es nicht. Dein Strang hat einiges in Bewegung gebracht bei mir. Austausch und Schreiben sind so wichtig.

    Bei meinem Vater waren die Metastasen in fast allen Knochen.. Bei deinem Vater ja auch...Seit 1/2017 wussten wir das.

    Es waren ich meine 12 Bestrahlungen geplant und eine "leichte" Chemo.
    Vorbeugend, welch ein Quatsch. Man wusste nämlich nicht wogegen, weil der Ursprungstumor nicht bekannt war.

    Es war immer noch von evtl. Heilung die Rede...meine Eltern oder besser gesagt meine Mutter hat es geglaubt. Mein Vater wird sich gespürt haben.

    Mehr Bestrahlungen wären nicht mehr möglich gewesen, weil sonst das Knochenmark zu schwer geschädigt worden wäre.

    Mein Mann und ich suchten ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Arzt, weil v.a. ich soviel Zweifel und Fragen hatte. Was ist, wenn die 12 Bestrahlungen nicht ausreichen?
    Was ist, wenn die "leichte" Chemo nicht wirkt?

    "Muss man warten, bis die Knochen brechen? Einfach zusehen???"

    Der Arzt nickte ernst und stumm.

    Dankend und schweigend verließen wir das Arztzimmer....es war einer der schwersten Momente meines Lebens. Draußen auf dem Klinikflur kamen uns meine Eltern entgegen, fragender Blick, ängstlich...

    "Was war?".....

    Ich weiß von Krebspatienten, denen die Knochen einfach so brachen.

    Das blieb meinem Vater erspart.

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