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  1. Inaktiver User

    Frage an pflegende Angehörige

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    Geändert von Inaktiver User (21.11.2021 um 12:51 Uhr)

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Liebe Kenzia,

    ich fühle mich angesprochen, habe ich alles durchgemacht mit meinen Eltern, am Ende zwei Pflegefälle auf einen Schlag....es war für mich gefühlsmäßig die Hölle. Ich empfand auch richtigen Zorn auf meine Eltern, weil sie sich nie Gedanken gemacht haben, was mit ihnen passieren soll....alles lag auf meinen Schultern, was mich körperlich und seelisch überforderte.
    Ja, ich hatte auch teilweise Wut im Bauch , gepaart mit schlechtem Gewissen, weil ich so fühlte.
    Diese ganze Breitseite von unangenehmen Dingen....Vater 2 Jahre bettlägerig, dann Mutter noch wahrscheinlich durch kleine Schlaganfälle dement....
    Ich holte mir Hilfe beim DRK...machte Kurse wie ich damit umgehe, mich auch selbst zu schützen , sowie in rechtlicher Form.

    Ich war überfordert....hatte natürlich auch Pflegedienst und Haushaltshilfe organisiert, weil ich nicht vor Ort wohnte , aber trotzdem jeden Tag vor Ort war.

    Mein ganzer Körper reagierte.....verkrampfte....mein Herz schmerzte und ich trug gesundheitlichen Schaden davon.

    Es war eine sehr anstrengende und traumatische Zeit, dachte oft , warum tut ihr mir das an?

    Zuerst verstarb dann Mutter und einige Monate später der Vater. Es tat trotzdem unheimlich weh.

    Nun habe ich noch eine fast 100 jährige Schwiegermutter.....die brachte mich auch schon oft an den Rand.

    Hatte sie auch schon bei uns zur Pflege im Haus, weil sie sonst niemanden hat.

    Mittlerweile ist sie in einem guten Heim, wo sie regelrecht wieder aufblühte.

    Mein Mann unterstütze mich natürlich immer so gut es ging.

    Er selbst wurde auch krank und hat mit sich zu tun....und immer ist da auch noch seine Mutter mit ihren Bedürfnissen...bitte nicht falsch verstehen....es soll ihr gut gehen und wir wünschen nichts schlechtes.....aber auch wir haben Bedürfnisse...und wollen nun, " unsere besten" Jahre noch genießen, ohne Belastung....bevor es uns selbst erwischt.

    Ich las mal ein Buch " Mutter warum stirbst du nicht?" darin beschreibt eine Frau genau diese Gefühle , sie erlebte auch die ganze Bandbreite ....es ist erschütternd, was man auch als pflegendes und kümmerndes " Kind" erleben und erdulden muss.

    Es wird immer gesagt, dass die Eltern einem das Leben geschenkt haben und aufgezogen usw.

    Das ist einfacher....das blühende und wachsende Leben zu begleiten....kein Vergleich zuzuschauen, wie ein Mensch immer weniger wird, schrumpft und irgendwann vergeht....

    Es ist immer ein Wechselbad der Gefühle...alles ist dabei....Angst , Wut, Mitleid, Liebe, unfassbares Erstaunen was da passiert, Hilflosigkeit und auch Trauer und Schmerz und Vermissen.
    Ich habe gar keine Macken! Das sind nur Special Effects!!!!

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von Michico Beitrag anzeigen
    " Mutter warum stirbst du nicht?"
    .
    Diese Frage habe ich mir sehr lange gestellt!

    Ich hatte kein gutes Verhältnis, war aber die Einzige, die sich kümmern musste, mangels Alternative

    Ich wusste, dass sie grade in den ersten Jahren ihrer Demenz, als ich sie noch zuhause lassen konnte, sehr wohl, dass ihr Verhalten und die damit verbundene Nerverei mit der Krankheit zu tun hatte

    Trotzdem

    Es waren derart anstrengende Jahre und ich dachte soo oft: sie ist nun schon soo alt, wie lange dauert es denn noch?

    Bin auch z,T darüber sehr krank geworden

    Allerdings hatte ich GsD egal mit wem ich sprach, nie das Tabu, genervt sein zu dürfen

    Ob das nun fremde Leute waren, mit denen das Gespräch drauf kam, oder mein Umfeld

    Auch heute, sie lebt nun schon ein paar Jahre nicht mehr,höre ich fast überall, dass es viele !! negative Gefühle gibt, die die Pflegenden ihren Angehörigen gegenünber haben

    DAS ist (immerhin)das Einzige, was etwas ! entlastet

    Mir jedenfalls ist völlig klar, dass auch ich meine Kinder nerven werde u hoffe genug vorgesorgt zu haben, ihnen so wenig wie möglich zur Last zu fallen

    Ich hab ihnen deutlich gesagt, dass ich jetzt im Beisein meiner geistigen Verfassung bestimme, dass sie mich nur gut irgendwo versorgt wissen mögen u meine dann ev Vorwürfe nicht so an sich ranlassen, denn dann wäre ich nicht mehr die "alte" Mutter, die im Jahr 2018 anders gesprochen u empfunden hat
    Es wird Zeit für eine neue Signatur

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von twix25 Beitrag anzeigen
    Diese Frage habe ich mir sehr lange gestellt!

    Ich hatte kein gutes Verhältnis, war aber die Einzige, die sich kümmern musste, mangels Alternative

    Ich wusste, dass sie grade in den ersten Jahren ihrer Demenz, als ich sie noch zuhause lassen konnte, sehr wohl, dass ihr Verhalten und die damit verbundene Nerverei mit der Krankheit zu tun hatte

    Trotzdem

    Es waren derart anstrengende Jahre und ich dachte soo oft: sie ist nun schon soo alt, wie lange dauert es denn noch?

    Bin auch z,T darüber sehr krank geworden

    Allerdings hatte ich GsD egal mit wem ich sprach, nie das Tabu, genervt sein zu dürfen

    Ob das nun fremde Leute waren, mit denen das Gespräch drauf kam, oder mein Umfeld

    Auch heute, sie lebt nun schon ein paar Jahre nicht mehr,höre ich fast überall, dass es viele !! negative Gefühle gibt, die die Pflegenden ihren Angehörigen gegenünber haben

    DAS ist (immerhin)das Einzige, was etwas ! entlastet

    Mir jedenfalls ist völlig klar, dass auch ich meine Kinder nerven werde u hoffe genug vorgesorgt zu haben, ihnen so wenig wie möglich zur Last zu fallen

    Ich hab ihnen deutlich gesagt, dass ich jetzt im Beisein meiner geistigen Verfassung bestimme, dass sie mich nur gut irgendwo versorgt wissen mögen u meine dann ev Vorwürfe nicht so an sich ranlassen, denn dann wäre ich nicht mehr die "alte" Mutter, die im Jahr 2018 anders gesprochen u empfunden hat
    Genau das habe ich auch gemacht , Twix.....habe Vorsorge getroffen....ich will meinen Kindern das nicht zumuten.

    Meine Eltern verschwendeten wohl keinen Gedanken daran, weil sie selbst so etwas nicht mitmachen mussten. Keiner von ihnen musste jemanden pflegen....die Großeltern wurden nicht so alt und starben ohne lange Leidensphase.
    Ich habe gar keine Macken! Das sind nur Special Effects!!!!

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    IUnd wird nicht jeder irgendwann mal "die Nase voll haben", von dieser Belastung, die auf einen ungebremst einströmt?

    Vielleicht mag der eine oder andere erzählen, wie es ihm in der Pflege geht- gerne auch als pn.

    Liebe Kenzia,

    ist vielleicht etwas off Topic, weil ich nicht meine Mutter, sondern seit Geburt an kann man sagen, meinen mittlerweile 14 Jahre alten Sohn betreue und pflege. Er ist frühkindlicher Autist mit geistiger Behinderung. Er ist verhaltensoriginell, laut
    und hat eben ab und an seine Weglauftendenzen.


    Und es gab echt Zeiten, wo ich echt die Nase voll hatte. Vor allen wenn er uns allen den Schlaf raubte. Mein Mann war damals Schichtgänger und brauchte besonders wenn er von der Nachtschicht kam, seinen Schlaf. Stellt euch vor, ein Kind
    läuft schreiend durch Haus. Und das morgens früh, wenn alle Schlafen sind. Besonders am Wochenende, wenn mein Göga
    (Göttergatte) von der Nachtschicht kam morgens um 5 Uhr (kam von der 12 Stundenschicht), war ich automatisch fremdbestimmt. Das hieß, spätestens um 7 Uhr aufstehen, frühstücken mit dem Kind (mein großer Sohn konnte noch liegen bleiben, der war alt genug), ins Auto setzen und losfahren. Da hatte ich bestimmt nicht unbedingt Lust zu. Und dann mittags
    wiederkommen. Damit Göga seinen Schlaf bekam. Für mich hieß das, abends auch früh ins Bett gehen. Allerdings umgekehrt ließ mein Göga mich am Wochenende ausschlafen, wenn er frei hatte. Es war für uns alle anstrengend. Selbst unser Großer litt unter Schlafmangel.

    Sicher ist es vieles besser geworden. Auch der Schlaf. Es gibt kaum noch Nächte, die zum Tage werden. Aber es ist trotz aller
    genutzten Betreuungsangebote wie Familientlastender Dienst, Kurzzeitpflege, Ferienbetreuung weiterhin anstrengend.
    Man steht ja weiterhin unter Strom. Und das Verständnis bei gewissen Familienmitgliedern ist auch begrenzt.
    Aber was bleibt ist der Kampf mit Pflegekassen und Behörden. Und das ist so anstrengend.

    Fakt ist, unser Kind wird nach der Schule, kann natürlich dann noch etwas dauern, in eine Wohngruppe ziehen.

    Mich hat die Pflege ausgelaucht, immer am Limit, wenig Zeit für sich selber und immer noch gefühlte zuviele Termine
    (Mutter im Pflegeheim besuchen, Logopädie und Integrationssport alles 1x die Woche). Einfach mal so in den Tag
    hineinleben ist eher ganz selten.

    LG Jedi

  6. Inaktiver User

    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Ich habe mehrere Jahre zwar nicht die Pflege, aber fast alles andere übernommen und organisiert.
    Meine Mutter bekam damals einen Schlaganfall und benötigte danach Unterstützung.

    Vor ca. 1 1/2 Jahren bin ich komplett "ausgestiegen", weil ich das Gefühl hatte, dass ich (und mein Mann, der mich 100% unterstützte) nur noch ausgenutzt werden und einfach nichts an positiver Rückmeldung kommt.

    Zumal meine Mutter ihre Gesundheit weiterhin aufs Spiel setzte und außerdem unser Verhältnis eher schlecht ist. Hätte ich weiter gemacht, wäre ich selbst in der Psychiatrie gelandet.

    Heute - sie ist mittlerweile 85 - organisiert sie mit Unterstützung von Pflegedienst und anderen ihr Leben selbstständig, soweit es geht. Wie lange das noch gut geht, steht in den Sternen, aber das ist ihre Entscheidung, sie wollte auch nicht in ein Pflegeheim.

    Ich habe aber erkannt, dass keiner verpflichtet ist, sich für jemand anderen selbst zu zerstören oder zerstören zu lassen.
    Auch wenn es die eigene Mutter ist.
    Damit ist keinem gedient.

    Sarolta

  7. gesperrt

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Hallo, bin bis jetzt noch nicht betroffen, aber ich kann eure Gefühle und Gedanken sehr gut nachvollziehen.

    Vor allem finde ich, jeder ist zunächst mal verpflichtet, sich für sich selbst Gedanken zu machen, was passiert, wenn ich mal auf Hilfe angewiesen kann. Sich da einfach auf die erwachsenen Kinder zu verlassen, finde ich sehr verantwortungslos und übergriffig. Ich bin auch der Meinung, es gibt keine Verpflichtung, sich jahrelang aufzureiben, bis man selbst nicht mehr kann.

    Was hindert Menschen daran, vor allem wenn sie nicht von der Hand in den Mund leben, sich mit dem Thema zu befassen?
    Meine Mutter ist mit 86 auch noch absolut rüstig und lässt alles mehr oder weniger auf sich zukommen. Meine Schwester ist im Ausland, ich bin Single und muss, bis ich 67 bin, noch dreizehn Jahre arbeiten; dann ist sie 100. Ich könnte sie nicht pflegen, wie denn und wann denn? Ich habe auch immer das Gefühl, sie sieht mich als eine Art Eigentum an.

    Ja, die Eltern haben uns das Leben geschenkt. Kinder werden aber auch nicht gefragt, ob sie in die Welt gesetzt werden wollen. Von daher haben Eltern sich freiwillig dafür entschieden, Kinder zu bekommen. Und schon daher resultiert deren Pflicht, sich um sie zu kümmern.

    Wer dankt es den pflegenden Angehörigen denn, wenn sie selbst physisch und psychisch an Grenzen kommen? Was bist du für einen Arbeitgeber wert, wenn du krank bist? Wie dankt der Staat es den pflegenden Angehörigen, die nicht selten zum Sozialfall werden?

  8. Inaktiver User

    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Ich pflege selbst nicht, aber bin nahe dran, und leider Einzelkind.

    Ich kann nur sagen, ohne meine Freundinnen in ähnlicher Lage, mit denen ich mich darüber wirklich ohne jedes Tabu austauschen kann, wäre das für mich kaum auszuhalten.

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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Ich pflege meine Mutter und lebe mit ihr sogar in einem Haus. Wir haben uns über alles ausgesprochen und ich habe meine Wut oft an ihr ausgelassen. Und ich hatte alles Recht, wütend zu sein. Jetzt sind wir ausgesprochen und haben miteinander alles ausgetragen, was es auszutragen gibt. Ich liebe sie und werde so lange es mir möglich ist, an ihrer Seite sein. Sollte ich das mal nicht mehr schaffen, dann gebe ich sie in ein Pflegeheim. Mein Partner und mein Exmann sowie mein Sohn unterstützen mich und schauen auch auf mich. Meine Mutter hat eine beginnende Demenz. Ich tu was ich kann, aber ich bin nicht verpflichtet. Bin auch Einzelkind.

  10. Inaktiver User

    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von Nana2018 Beitrag anzeigen
    Ich pflege meine Mutter und lebe mit ihr sogar in einem Haus. Wir haben uns über alles ausgesprochen und ich habe meine Wut oft an ihr ausgelassen. Und ich hatte alles Recht, wütend zu sein. Jetzt sind wir ausgesprochen und haben miteinander alles ausgetragen, was es auszutragen gibt. Ich liebe sie und werde so lange es mir möglich ist, an ihrer Seite sein. Sollte ich das mal nicht mehr schaffen, dann gebe ich sie in ein Pflegeheim. Mein Partner und mein Exmann sowie mein Sohn unterstützen mich und schauen auch auf mich. Meine Mutter hat eine beginnende Demenz. Ich tu was ich kann, aber ich bin nicht verpflichtet. Bin auch Einzelkind.
    Ich finde es toll, dass du das so gut für dich/euch klären konntest
    Bei mir wird das wohl nicht mehr möglich sein, ist zu viel verkorkst...
    Sarolta

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