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  1. Avatar von Jedimeisterin
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von Gitta777 Beitrag anzeigen
    Wer dankt es den pflegenden Angehörigen denn, wenn sie selbst physisch und psychisch an Grenzen kommen? Was bist du für einen Arbeitgeber wert, wenn du krank bist? Wie dankt der Staat es den pflegenden Angehörigen, die nicht selten zum Sozialfall werden?
    Es wird dir nicht gedankt. Den sogenannten Tritt in den H....rn bekommst du noch obendrauf. Spreche nur aus eigener Erfahrung. Fängt in der Familie an (man soll sich lieber um die alte Mutter kümmern statt und das eigene behinderte Kind, weil nicht so wichtig) über Pflegekasse und Sozialamt (Anträge werden sehr schleppend bearbeitet, und wenn man sich darüber beschwert, wird man noch angepflaumt).

    Arbeitgeber (bei mir Dienstherr), pflegebedürftige Menschen (inkl. meines Sohnes und meiner Ma damals), dass ist persönliches Pech. Da wird trotzdem weit weg versetzt. Und natürlich mit Schichtarbeit auch am Wochenenden . Und das ist egal ob man vorher nur Tagesdienst gemacht hatte. Spielt keine Rolle. Wenn es nicht klappt, dann wird man in mit Miniversorgung in den Ruhestand versetzt, wenn durch Pflege, Schichtarbeit komplett körperlich und seelisch fertig ist.
    Das interessiert nicht die Bohne. Ich klagte dagegen. Hatte noch Glück, weil ich den Dienstherren gewechselt hatte. Das Gerichtsverfahren hätte ich sang und klanglos verloren.


    Und der Staat, ja gibt ja das nette Familienpflegezeit gesetzt. Da wird die Differenz vom Vollzeit aufs Teilzeitgehalt (zumindestens so verstehe ich das) als Darlehn gewährt. Darf man dann zurückzahlen. Langjährige Pflege von Eltern bedeutet sehr deutlich Einkommenseinbußen. Und manche müssen von Hartz V leben, weil sie wegen der Pflege von
    Eltern und behinderten Kindern ,nicht arbeiten können. Entweder weil die alten Eltern nicht in die Tagespflege gehen wollen oder nicht können. Bei behinderten Kindern ist es genauso, wenn es keine ordentliche Betreuung gibt. Und da wird
    man auch von der Agentur für Arbeit drangsaliert, sich gefälligst Arbeit zu suchen. Nicht gerade gut für die Psyche.

    Ich selber werde zwar kein Sozialfall, kann froh sein, dass mein Mann einigermaßen gut verdient. Aber Pension, wird etwas
    über der Mindestversorgung liegen, weil ich in den letzten Jahren zeitmäßig wegen meines behinderten Sohnes nicht vollzeitarbeiten konnte. Das hätte theoretisch im Kindergarten geklappt. Aber wenn das älteste Kind auch noch Schulprobleme mit dem Lernen hatte, vergiss es.

    LG Jedi

  2. Avatar von ideih
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Sehr gut geschrieben und leider wahr.
    Pflegende haben in Deutschland keine Lobby und werden für ihre Dienste am Menschen bestraft.

  3. Avatar von Jedimeisterin
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von ideih Beitrag anzeigen
    Sehr gut geschrieben und leider wahr.
    Pflegende haben in Deutschland keine Lobby und werden für ihre Dienste am Menschen bestraft.
    So ist es. Kinder haben eine bessere Lobby, dafür gibt es Kinderkrippen, Kindergärten, Horte. Da sieht es etwas besser aus als einen Tagespflegeplatz für alte Eltern zu bekommen oder einen Platz im Pflegeheim. Ist ein Kind krank, bekommt man
    Kinderkrankentage bis sie einschl. 11 Jahre alt sind oder bei Schwerbehinderung bis einschl. 17 Jahre. Sind alte Menschen
    krank und bedürfen der Aufsicht und Pflege, dann gibt es nichts extra. Entweder Erholungsurlaub oder Überstunden nehmen. Die 10 Tage Pflegeurlaub sind nur für die Organisation der Pflege gedacht, mehr nicht.

    LG Jedi

  4. Avatar von Gitta777
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    https://www.fundresearch.de/nachrichten/wirtschaft/2018/07/roundup-ein-pflegegeld-wie-das-elterngeld-sozialverband-regt-debatte-an-189623.php
    Der VdK hat angeregt, dass das Pflegegeld sich am Elterngeld orientieren soll, das heißt sehr viel höher als jetzt sein soll und auch an den Pflegenden ausgezahlt werden soll. Ich verstehe nicht, warum das eigentlich nicht selbstverständlich ist.
    So wie das jetzt geregelt ist, können pflegenden Angehörigen ja ruhig als Sozialfall enden, macht ja nichts, von gesundheitlichen Konsequenzen ganz abgesehen. Sehr viele haben das Gefühl, dass sie nicht mehr ihr Leben leben können. Weitere Folgen sind Depressionen, soziale Isolation undsoweiter, ist dem Staat alles egal. Für Kindererziehung dagegen entscheidet man sich aus freien Stücken, und bis das Kind in den Kindergarten oder in die Schule geht, diese Zeit ist absehbar.
    Früher oder später stößt jedem alles zu. Das Leben achtet auf Vollständigkeit.
    (George Bernard Shaw)


  5. Registriert seit
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Hallo zusammen,
    ich habe gerade den Strang entdeckt und bin sehr froh darüber.

    Meine Eltern (87 und 81) sind pflegebedürftig und mein behinderter Bruder (63) lebt auch noch bei Ihnen.
    Ich habe einen Pflegedienst und Haushaltshilfe und bin dabei, den Sozialdienst noch einzubinden.

    Mein Vater hat ein kriegstrauma und meine Mutter hat zeitlebens darunter gelitten und sich allem untergeordnet.

    Mich beschäftigt all das Leid und dennoch habe ich für mich einen Weg gefunden.
    Ich habe die Themen aus meiner Kindheit und meine eigene Verletzung die ich durch dieses Familiensystem habe, angeschaut und bearbeitet.

    Das ist das Gute im schlechten.
    Trotz aller Belastung- Job und Kind- hab ich viele Momente in denen ich ruhig bin.

    Es gibt auch andere.
    Wut vor allem.

    Meine Eltern haben keinerlei Vorkehrungen getroffen was mit meinem Bruder passiert.
    Ich werde das Thema nicht bearbeiten sondern jemanden suchen der das tut.

    Dennoch gibt es Momente in denen ich es einfach unfassbar finde, dass sie mir das- und anderes - aufgeladen haben.

    Danke fürs Mitlesen.
    Greeneyeredhair


  6. Registriert seit
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Ich möchte mich auch für das Thema bedanken!

    Es ist einfach ein Tabu, über negative Gefühle in dieser Richtung zu sprechen.
    Und negative Gefühle gibt es reichlich - obwohl ich meine Eltern liebe.

    Sie gehen auf die 90 zu und leben noch in ihrem Haus. Ich pflege sie also noch nicht wirklich - aber sie vereinnahmen mich/uns trotzdem schon sehr. Sie werden immer wackeliger, können vieles nicht mehr, sehen aber auch vieles nicht ein - und jammern ohne Ende, ohne mal wirklich auf Rat und Hilfestellung einzugehen. Schon das allein macht mich verrückt.

    Problem ist, dass ich selber krank bin - und jeder Stress bei mir neue Schübe der Krankheit auslöst. Das macht mich zusätzlich aggressiv - dass ich zusehen kann, wie meine Gelenke (ich habe Rheuma) anschwellen nach einem unschönen Besuch mit irgendwelchen problematischen Themen oder so. Neulich hatten wir eine größere Familienfeier ... ich habe natürlich alles organisiert, wobei meine Eltern 1000 Erwartungen hatten ... sie, die sonst immer jammern, und sich nicht auf den Beinen halten, feierten föhlich - und ich war anschließend 2 Wochen krank!!!! Natürlich habe ich es "gern gemacht", man will ihnen ja eine Freude machen ... aber nicht um den Preis meiner eigenen Gesundheit.

    Was mich besonders belastet, ist, dass ich so hilflos bin - dass ich aus der Situation nicht herauskomme.
    Da gibt es immer so viele Tipps ... "abgrenzen" ... "nein sagen lernen" ... blablabla ... alles dumme Kalendergeschwätz! Wenn man Familie hat, dann ist man einfach dafür verantwortlich, dafür zuständig - man würde sich ja auch nicht wohl fühlen, wenn man diejenigen dann im Stich lassen würde .... !

    Aber schön, sich hier verstanden zu fühlen!!!
    Liebe Grüße ... von der Nase ...


  7. Registriert seit
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Hallo,

    zitiere nur mal diesen Abschnitt;

    Was mich besonders belastet, ist, dass ich so hilflos bin - dass ich aus der Situation nicht herauskomme.
    Da gibt es immer so viele Tipps ... "abgrenzen" ... "nein sagen lernen" ... blablabla ... alles dumme Kalendergeschwätz! Wenn man Familie hat, dann ist man einfach dafür verantwortlich, dafür zuständig - man würde sich ja auch nicht wohl fühlen, wenn man diejenigen dann im Stich lassen würde .... !"

    Ich finde es auch sehr schön, dass man hier verstanden wird. Mir hilft es immer ein wenig, wenn ich meine Gedanken zu diesem Fall schreiben kann. Es ist eine kleine Erleichterung, aber wirklich weiter hilft es ja leider doch nicht.
    L.G. Frieda


    Was du suchst
    ist nicht auf den Gipfeln der Berge, nicht in den Tiefen der Meere,
    nicht in den Straßen der Städte; Es ist in deinem Herzen!

  8. Avatar von Jedimeisterin
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    AW: Frage an pflegende Angehörige

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    IProblem ist, dass ich selber krank bin - und jeder Stress bei mir neue Schübe der Krankheit auslöst. Das macht mich zusätzlich aggressiv - dass ich zusehen kann, wie meine Gelenke (ich habe Rheuma) anschwellen nach einem unschönen Besuch mit irgendwelchen problematischen Themen oder so. Neulich hatten wir eine größere Familienfeier ... ich habe natürlich alles organisiert, wobei meine Eltern 1000 Erwartungen hatten ... sie, die sonst immer jammern, und sich nicht auf den Beinen halten, feierten föhlich - und ich war anschließend 2 Wochen krank!!!! Natürlich habe ich es "gern gemacht", man will ihnen ja eine Freude machen ... aber nicht um den Preis meiner eigenen Gesundheit.

    Was mich besonders belastet, ist, dass ich so hilflos bin - dass ich aus der Situation nicht herauskomme.
    Da gibt es immer so viele Tipps ... "abgrenzen" ... "nein sagen lernen" ... blablabla ... alles dumme Kalendergeschwätz! Wenn man Familie hat, dann ist man einfach dafür verantwortlich, dafür zuständig - man würde sich ja auch nicht wohl fühlen, wenn man diejenigen dann im Stich lassen würde .... !

    Aber schön, sich hier verstanden zu fühlen!!!
    Man fühlt sich verantwortlich, ganz klar. Und man soll denjenigen aber nicht in Stich lasten. Nur man kann nicht immer nur zuständig sein. Als ich meine Mutter vor einigen Jahren mal mit gepflegt hatte (Bruder ist krankheitsbedingt ausgefallen)
    sollte ich auf mehr machen als ich eigentlich konnte. Da lehnte ich kategorisch ab, z.B abends hinfahren und nicht nur Abendbrot machen und die Mama bettfein, sondern auch mit ihr ausgiebig Abendbrot essen und beschäftigen. Zu Hause waren aber meine zwei Kinder, der Jüngste ist Autist und der Große wollte gerne abends mit uns Abendbrotessen (war auch meistens die Zeit wo er sich dann mit mir austauschen wollte, weil ich nachmittags mit dem Kleinen unterwegs war
    zu Therapieterminen und erst abends nach Hause kam). Und da hört es bei mir auf. Die Mama machte ich bettfein und das
    Abendbrot auch fertig. Zu Bett ist sie aber alleine gegangen. Meine Kinder mussten, besonders mein Großer, in der Zeit eh zurückstecken. Man hilft gerne, aber nicht wenn man seine eigene Familie vernachlässigen muss. Und ein autistisches Kind
    macht den Alltag auch nicht einfacher.

    Ganz ehrlich, ich hätte kein Problem bei den Senioren Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen. Das tue ich bei meinem jüngsten auch. Da habe ich kein schlechtes Gewissen. Ein altes Elternteil in Kurzzeitpflege oder Tagespflege zu geben, finde
    ich völlig in Ordnung. Und es tut auch Not, damit man weiterhin pflegen kann. So hat man auch mal Zeit für sich.

    LG Jedi

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