Hallo liebe Community,
Leider geht es meiner Mutter schleichend immer schlechter und es fällt ihr zunehmend schwerer, den Alltag zu bewältigen. Für das Grobe im Haushalt kommt einmal die Woche eine Hilfe, alles andere macht sie mehr schlecht als recht noch selbst. Sich waschen, essen kochen, leichte Tätigkeiten im Haushalt gehen noch einigermaßen — langsam und mit vielen Pausen und danach ist sie erstmal geschafft, aber es geht irgendwie. Sobald sie aber mehr als ein paar Schritte gehen muss, ist es aus, d.h. schon die ca. 50 m zur Mülltonne schafft sie nur an guten Tagen, den Weg in den Keller an die Waschmaschine so gut wie gar nicht mehr.
Vor 2, 3 Monaten ist sie mit mir noch zum Einkaufen gefahren – jetzt ist da nicht dran zu denken. Zu ihren Arzt– und Physiotherapieterminen kann sie nur noch mit dem Taxi fahren, was bei aktuell 2 Terminen in der Woche finanziell belastet. Eigentlich müssten wir die Haushaltshilfe auch ausdehnen, damit mehr übernommen werden kann, aber aus Kostengründen sperrt sie sich noch dagegen (Geld von mir annehmen will sie natürlich auch nicht).
Ich habe keine Ahnung – ist in ihrer Situation Pflegegrad 1 denkbar? Sie hatte vor einiger Zeit schonmal mit dem örtlichen Seniorenberater gesprochen, und der hatte ihr wenig Hoffnung gemacht – wenn sie sitzt und man sich mit ihr unterhält, wirkt sie topfit (geistig sowieso) und innerhalb ihrer Wohnung kann sie sich ja auch noch „gut“ bewegen – in Anführungszeichen deshalb, weil schon die paar Meter vom Wohnzimmer ins Bad sie erschöpfen, aber sie kann sie noch alleine gehen, und das zählt ja wohl letztendlich.
Vielleicht hat ja jemand Erfahrung und kann das ein wenig einschätzen?
LG Lucciola
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 27
Thema: Ist ein Pflegegrad denkbar?
-
18.02.2018, 19:39
Ist ein Pflegegrad denkbar?
-
18.02.2018, 20:10
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Ich habe zwei Pflegefälle - meine Eltern - betreut und halte dein Ansinnen leider für quasi aussichtslos. Egal wie langsam deine Mutter ist - was sie noch alleine machen kann, wird nicht berücksichtigt. Es ist wohl einfacher an eine Pflegestufe zu kommen, wenn man in einem Pflegeheim ist bzw. Seniorenheim - dort drängt man halt auch anders drauf und macht ein genaues Reporting.
Hat denn deine Mutter irgendwelche Erkrankungen? Wie alt ist sie? „Nur“ Altersschwäche zählt nicht, dafür gibt es z.B. Seniorenheime. Pflegestufe 1 heisst: Es muss ein Pflegedienst oder eine andere Person eine bestimmte Zahl von Minuten (ich glaube 45?) pro Tag unterstützen bei den täglichen Verrichtungen (nicht! Haushalt und Kochen, sondern nur Waschen, Füttern, Anziehen etc).
Aber lass dich gerne nochmal vor Ort beraten. Da gibt es viele kompetente Stellen, die einem gut helfen können.
Alles Gute!
Pola
-
18.02.2018, 20:23
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Hallo Pola,
Danke für deine Einschätzung, die leider bestätigt, was ich mir auch schon gedacht habe. Ich hatte nur gehofft, dass es auch Hilfen gäbe für diejenigen, die zwar keine körperliche Pflege brauchen, aber sonst im Alltag nur schwer klarkommen. Wenn du von Pflegestufen sprichst (die ja heute Pflegegrade heißen), hätte ich da auch nur an 0 gedacht.
Und ja, meine Mutter ist schwer krank, hat seit letztem Jahr aufgrund dessen einen Behindertenausweis, der ihr aber außer dem Steuerfreibetrag nichts bringt, da sie alle anderen Vergünstigungen (z.B. kostenloser Bus), nicht nutzen kann.
Mal schauen, wen wir hier noch im Ort haben, der beraten kann.
LG Lucciola
-
18.02.2018, 20:35
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Der Knackpunkt sind bei euch, so wie du es beschreibst, eher hauswirtschaftliche Tätigkeiten (Müll rausbringen, zur Waschmaschine in den Keller etc.). Das wären im Rahmen der Pflegeversicherung sogenannte "Sachleistungen". Die gibt es prinzipiell, sie werden aber erst ab Pflegegrad 2 übernommen. Selbst wenn deine Mutter Pflegegrad 1 bekäme (was mir bei deiner Beschreibung auch zweifelhaft scheint) bringt das also nix.
Ich würde an deiner Stelle erstmal noch an einer anderen Stelle ansetzen: Ist deine Mutter ärztlich gut betreut? Wann fand der der letzte gründliche Check-Up statt? Schleichend eintretende und zunehmende Schwäche kann beispielsweise ein Symptom für eine Anämie oder einen Vitamin-D-Mangel sein. Beides ist bei Senioren recht häufig. Und erfreulicherweise oft auch relativ leicht behebbar.
Ansonsten vielleicht mal mit dem Hausarzt und der Krankenkasse sprechen, ob Fahrten zum Arzt oder zur Physiotherapie evt. übernommen werden können (die Privaten übernehmen definitiv nur Spezialtransporte, z.B. für nicht umsetzbare Rollstuhlfahrer, bei den Gesetzlichen gibt es aber wohl manchmal Möglichkeiten).
Für Wege, besonders solche, bei denen auch etwas zu transportieren ist (kleinere Einkäufe, Sportbekleidung für die Physio o.ä.), kann überdies ein Rollator mit Ablagefläche oder Tasche und Sitzbrett für Pausen manchmal hilfreich sein.
-
18.02.2018, 20:44
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Für Beratung, falls gesetzlich versichert: Wende dich an den zuständigen Pflegestützpunkt, Adressen findest du unter
Übersicht der Pflegestützpunkte in Deutschland - Pflegeberatung, Gesundheitsberatung, Seniorenberatung
Falls privat versichert: Medicproof.
Hat der Behindertenausweis das Merkmal "G" (= gehbehindert)? Falls ja könnte das für eine Übernahme von Taxikosten durch die GKV evt. hilfreich sein. Aber auch da kann dir der Pflegestützpunkt sicher Genaueres sagen.
-
18.02.2018, 20:58
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
die Privaten übernehmen definitiv nur Spezialtransporte,
Sie ist privat versichert...
Checkup macht sie regelmäßig, ihre Blutwerte sind top. Die Probleme kommen von ihrer (nicht heilbaren) Grundkrankheit, die sie immer weniger belastbar werden lässt. An einen Rollator hatte ich auch schon mal gedacht, würde im Moment aber nichts nutzen- sie kommt ja nicht mal mehr zum Einkaufen :(
Aber danke trotzdem!
-
18.02.2018, 21:01
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
britwi- den Pflegestützpunkt hatte ich schon herausgesucht. Die sind nur für gesetzlich Versicherte zuständig? Das war mir nicht bewusst...
PS: ich meine bzgl. Beratung, nicht wg. der Begutachtung.
-
18.02.2018, 21:20
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Es gibt auch schmälere Rollatoren für die Wohnung, wichtig ist Sturzprophylaxe.
Ich kenn das Problem von meinen Eltern und meiner Schwiegermutter.
Wenn Du auswärts wohnst- evtl jemand auf 450. € Basis für Fahrten zum Arzt oder Einkäufe engagieren.
-
18.02.2018, 21:48
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Eigentlich sind die Stützpunkte nur für gesetzlich Versicherte zuständig. Sie haben mir in einer akuten Krise aber auch schonmal unbürokratisch für meine privat versicherten Eltern weitergeholfen. Anrufen & fragen schadet nix.
Die privaten Kassen haben einen eigenen Unterstützungsservice. Ich schrieb oben versehentlich "Medicproof", da ist mir aber die Beratungs- mit der Begutachtungsstelle durcheinandergerutscht. Also: Medicproof sind die, die bei den Privaten die Pflegegrad-Einstufungen machen, die beraten aber nicht. Beratung erhält man als privat Versicherter über Compass:
compass pflegeberatung
Wenn die Schwäche von einer unheilbaren Grunderkrankung kommt (tut mir leid!) dann kann man da natürlich wenig machen. Mit einer "eindrucksvollen" (bitte verzeih' die etwas zynische Wortwahl ...) Grunderkrankung hat man aber möglicherweise etwas bessere Chancen, vielleicht doch einen relevanten Pflegegrad durchzubekommen. Würde deine Mutter denn bei einer Begutachtung kooperieren, z.B. indem sie möglichst eindrucksvoll darüber klagt, dass sie sich ganz oft total schwach und wackelig fühlt und deshalb schon mehrmals gestrauchelt und fast gestürzt ist? Oder würde sie eher betonen, dass sie doch noch alles selbst schafft? Würde sie überhaupt Hilfe von einem Pflegedienst oder einer vom Pflegedienst gestellten Haushaltshilfe annehmen?
Ansonsten halt nochmal über eine Ausweitung der privat organisierten Haushaltshilfe und über technische Möglichkeiten nachdenken: Mit einem Rollator kann man auch 50 Meter zu Mülltonne rollen, dann muss man wenigstens den Müll nicht tragen und kann evt. an der Tonne ein Päuschen auf der Sitzbank machen. Muss die Waschmaschine im Keller stehen? Kann man sie nach oben in die Küche oder in's Bad holen? Evt. eine Minimaschine / Toplader? Wären Tiefkühlgerichte, die man nur erwärmen braucht oder Essen auf Rädern eine Erleichterung? Ist das Bett im Erdgeschoss? Falls nicht: Kann man es dorthin verlegen um zumindest den Treppenweg zu sparen? Wäre ein Duschstuhl evt. eine Erleichterung?
-
18.02.2018, 21:53
AW: Ist ein Pflegegrad denkbar?
Taggecko - irgendwann holt uns das Thema wohl alle ein

An eine 450 Euro-Hilfe hatte ich letztes Jahr schonmal gedacht: da ging es ihr zwar noch besser, aber es war auch noch ein Hund da, der regelmäßig rausmusste. Hund ist leider nicht mehr
, aber jetzt bräuchte sie mehr Hilfe.
Die Minijobs-Börse gibt da leider nichts her, und eine Anzeige will ich ohne ihre Zustimmung nicht aufgeben. Und sie will noch nicht, da muss ich noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.
Ich fürchte, mittelfristig wird das auch nicht ausreichen, irgendwann wird der Punkt kommen, wo es besser wäre, jemanden halbwegs in Rufweite zu haben, selbst wenn sie Pflege an sich vielleicht nicht benötigen wird. Das wird noch ein Kampf werden :(


Zitieren
