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    Meine sehr kranke Freundin

    Bei meiner Freundin wurde Anfang diesen Jahres Leberzirrhose festgestellt. Sie ist Alkoholikerin. Zum Arzt ist sie erst gegangen als sie Wasser im Bauch bekam. Mir ist schon aufgefallen, dass ihre Arme immer dünner wurden. Jetzt sieht sie aus wie ein mit Haut überzogenes Skelett mit einem dicken Bauch, außerdem hat sie neuerdings starke Rückenschmerzen. Im Spital wurde sie punktiert und bekam dadurch auch eine Bauchfellentzündung. Weiters wurde ein bösartiger Tumor im Unterleib gefunden und auch rausoperiert. Letzte Woche nach einer MRT wurde ihr gesagt, dass der Tumor wieder gekommen ist, noch grösser als zuvor.
    Es ist erschreckend wie schnell sich ihr Körper verändert hat in den wenigen Monaten.
    Angeblich trinkt sie schon seit der Diagnose nicht mehr, aber ich bin skeptisch. Ihr Vater, der sie finanziell unterstützte ist auch Anfang des Jahres gestorben. Geerbt hat sie nichts, die Schwester war Universalerbin. Daher kann ich mir bei diesen Hammer-Schicksalsschlägen sie sie getroffen haben nicht vorstellen dass sie nicht mehr trinkt. Bei ihr merkte man es fast nie, wenn sie getrunken hat. Ich wusste aber, dass sie schon am Vormittag Wodka trank, da ich mit ihr mal auf Urlaub war.
    Ich besuche sie einmal die Woche, sie lebt allein und ich helfe beim Einkaufen.
    Ich halte es aber nicht sehr lange bei ihr aus, es belastet mich ungemein. Sie beklagt ihr Leben, obwohl sie einsieht dass sie selbst Schuld an ihrer Krankheit hat. Gute Gespräche wie wir sie früher führten, sind leider nicht mehr möglich. Sie geht auf meine Themen, die ich aufwerfe um sie abzulenken, nicht oder fast nie ein. Sie dreht sich nur noch um sich selbst.
    Sie hatte immer ein offenes Haus, lud sich gerne Freunde ein, die sie bekochte und bewirtete. Wo sind die jetzt ?
    carpe diem

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    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Hallo Petrella,

    zunächst meine Hochachtung davor, dass du dich regelmäßig um deine Freundin wie beschrieben kümmerst. Damit tust du schon sehr viel für sie.

    An deiner Stelle würde ich mir keinen Kopf drum machen, ob sie weiter trinkt.
    Es ist ihre Entscheidung und welche Vor- oder Nachteile sie dadurch in ihrer derzeitigen Lebenssituation hat, hat sicher bereits ein Arzt mit ihr besprochen. In ihrer Situation kann es doch offenbar nur noch um eine gute Versorgung in Sachen Symptomlinderung und bestmögliches Erreichen von Wohlbefinden gehen und ob man da nun ausgerechnet erwarten sollte, dass jemand seine langjährige Sucht aufgeben sollte, kann man sicher bezweifeln.

    Sie ist in der Tat in einer bescheidenen Situation und ich bin sicher, es tut ihr einfach gut, dies dir gegenüber immer wieder beklagen zu können. Vielleicht, wenn du dir das klar machst, dass ihr das "Jammern" einfach gut tut und gut tut, dasss es da einen Zuhörer gibt, der ihr das geduldig erlaubt, und du ihr nicht daraufhin gut zureden oder eine Lösung anbieten musst, wird es für dich einfacher. Es kann da mehr helfen zu sagen: Ja, du bist wirklich in einer traurigen Situation als etwa zu argumentieren, es gibt noch so viel Schönes Anderes, so schlimm ist es doch gar nicht oder gar, das hast du dir doch auch selbst eingebrockt.

    Das Thema Schuld finde ich, hat in dieser Situation, gar nichts verloren. Alkoholsucht ist eine Krankheit, aus der sehr schwer herauszukommen ist. Und an vielen der Gründen, warum sie alkoholsüchtig geworden ist und es nie geschafft hat, das wieder loszuwerden, ist sie gewiss nicht selbst schuld.

    Um für jemanden in einer solch schweren Situation da zu sein und sich nicht, wie es viele andere es tun, einfach zurückzuziehen, ist es meiner Meinung nach notwendig, sich gleichzeitig um eine innere Distanzierung zu bemühen. In der Form, dass man den Lauf des Lebens akzeptiert, dass man akzeptiert, dass die Freundin nun mal am Ende ihres Lebens steht und du das weder ändern kannst noch dafür verantwortlich bist, aber durch dein Dasein in der beschriebenen Form Wichtiges und Gutes für sie leistest.

    Alles Gute dir und deiner Freundin.

  3. Inaktiver User

    AW: Meine sehr kranke Freundin

    dem schließe ich mich von Herzen an!

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    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Zitat Zitat von Petrella Beitrag anzeigen
    Sie hatte immer ein offenes Haus, lud sich gerne Freunde ein, die sie bekochte und bewirtete. Wo sind die jetzt ?
    Falls du einige von denen kennst, würde ich mir schon überlegen, den/die eine oder andere/n mal
    anzusprechen und nachzufragen, ob sie ihre Freundin nicht mal besuchen wollen.

    Manchmal brauchen Menschen nur einen kleinen Schubs und Ermutigung und kümmern sich dann doch gerne. Und den anderen mal die kleine unangenehme Situation zu schaffen sich erklären zu müssen, kann auch nicht falsch sein.

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    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Die sogenannten Freunde sind deshalb weg, weil sie Egoisten sind und es wahrscheinlich mit ihr jetzt schwer aushalten können- das schreibst Du ja auch von Dir selbst.
    Ich will Dir auch nichts vorhalten, aber als sie noch nett eingeladen hat zum Essen und Trinken war ihr Alkoholproblem wohl nicht so belastend und ihre Gastfreundschaft wurde gerne angenommen.
    Jetzt macht sie die traurige Erfahrung, dass sie praktisch keine wirklichen Freunde hatte, sondern diese nur für die guten Zeiten waren, ihr aber am möglichen Ende des Lebens keiner mehr beisteht.

    Man kann ihr auch nicht die Schuld für ihren Alkoholismus geben, da gibt es leider auch eine genetische Komponente.
    Ein Entzug würde wahrscheinlich auch nichts mehr verbessern, wenn sie mehrere Tumore hat. In Hospizen dürfen die Todkranken auch weiter trinken, warum auch nicht.

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    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Hospitzplätze sind leider immer noch sehr selten, eine Alternative könnte ein
    ambulanter Hospitzverein oder eine ambulante, palliativ arbeitende Sozialstation
    sein.Dort geht es nicht nur um die rein medizinisch-pflegerische Betreuung, sondern
    auch um den ganzheitlichen Aspekt in dieser Lebensphase, also auch um soziale und
    psychologische Aspekte.Bei suchtkranken Menschen ist es schwer eine Balance zu
    finden, hinsichtlich der Erkrankung als Folge ua. der Alkoholsucht und den daraus resul-
    tierenden Problemen und Freiräumen, die ein schwerstkranker Mensch zu Recht für sich
    beansprucht.Ich würde einem solchen Menschen keinen Entzug einreden wollen- das
    funktioniert nicht mehr.
    "Schuld" hin oder her, das bringt niemandem etwas darüber zu philosophieren, auch Menschen
    die sehr diszipliniert lebten, werden irgendwann krank und sterben, einige sogar sehr früh.
    Mein Vater war über 20 Jahre heftiger Alkoholiker, hörte dann von jetzt auf gleich auf
    und ist mittlerweile über 80 geworden, bei relativ stabiler Gesundheit.
    Niemand weiß ob deine Freundin ggf. ohne Alkoholkrankheit dennoch erkrankt wäre,
    zB. an dem Tumor.
    Es ist sehr gut das du ihr helfen willst,sie regelmäßig besuchst etc., aber allein schafft
    das niemand! Vielleicht könntest du mal mit ihrem Einverständnis Kontakt zu einem
    entsprechenden Verein aufnehmen ?!
    Alles Liebe !
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

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    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Es tut mir leid dass es Deiner Freundin so schlecht geht und aufgrund der Tumorerkrankung ist es mal ganz egal ob sie weiter trinkt oder peng, die Diagnose sagt klar, alles eine Frage der Zeit....

    Was die anderen Freunde machen ist vollkommen wurscht, es geht hier und jetzt nur um Eure Freundschaft die Du versuchst aufrecht zu erhalten und mit dem wöchentlichen Besuch mit Einkaufen ist das schon ein echter Freundschaftsdienst.

    Es gibt Menschen in solchen Situationen die sehen nur noch sich selbst, hadern mit dem Schicksal und sind verschlossen für andere Dinge, dass ist sehr schade aber nicht zu ändern.

    Willst Du sie wirklich noch ändern, oder einfach hilfreich zur Seite stehen?

    Du hälst das kaum noch aus, was ist es, was Dich so fühlen lässt? Sicherlich diese anstrengenden 2 Stunden und natürlich auch das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit die so stark bewusst wird....

    Man möchte weg rennen, kenne ich... Aber vielleicht hilft es Dir für Dich zu sagen, aktuell kann aktiv helfen, das tut ihr gut.
    Das Leben macht was es will und ich auch!

  8. Inaktiver User

    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Ich denke auch das das Alkoholproblem derzeit das kleinste Problem deiner Freundin ist.

    Tue das für sie was in deiner Macht steht, aber keinen Entzug in die Wege leiten. Das bringt jetzt nichts mehr.

  9. User Info Menu

    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Zitat Zitat von Petrella Beitrag anzeigen


    Ihr Vater, der sie finanziell unterstützte ist auch Anfang des Jahres gestorben. Geerbt hat sie nichts, die Schwester war Universalerbin.

    Das gibt es nicht - zumindest nicht in Deutschland. Ihr gehört der Pflichtteil - ob todkrank oder nicht.
    Ich ziehe meinen Hut vor Deiner Leistung.

    Alles erdenklich Gute für Euch!

  10. User Info Menu

    AW: Meine sehr kranke Freundin

    Hochachtung auch von mir, dass du deiner Freundin beistehst und für sie da bist!
    Toll, das tut nicht jeder.

    Meine Schwester war auch Alleinerbin, meinen Pflichtteil hat sie mir aber ausgezahlt ...lief alles anwaltlich korrekt!
    Aus dem weiteren Nachlass, der geschätzt und teilweise verkauft wurde, zahlte sie mir auch das, was mir zustand, obwohl ich damit gar nicht mehr gerechnet hatte ...

    Alles Gute für dich und deine Freundin

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