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    Stirnrunzeln Der Schlaganfall meines Vaters

    Hallo zusammen,

    ich hoffe hier vielleicht jemanden zu finden der diese Situation auch schon einmal hatte.

    Zur Geschichte: Mein Papa hatte im Sommer 2013 seinen ersten Schlaganfall, den meine Mutter auch Gottseidank frühzeitig erkannt hat. Er konnte am Anfang wenig gehen, nicht sprechen oder essen. Zu diesem Zeitpunkt war er starker Raucher, dies musste er von den Ärzten aus aufgeben. Nach dem Krankenhausaufenthalt wurde er sofort in eine Reha verlegt in der er 3 Wochen war, zu wenig meiner Meinung nach. Danach ist er in eine Art Depression gefallen, aus der er bis heute nicht draußen ist.

    Im September 2015 kam der zweite Schlaganfall und wieder das gleiche Prozedere. Aber leider haben wir den Schlaganfall nicht erkannt, weil er ganz heimlich und still war. Er hat auch nichts gesagt das es ihm schlecht gehen würde. Die Folgen waren Krankenhaus (Neurologie), Psychologe und Reha (wieder nur 3 Wochen). Dann kam er wieder Heim und war nicht mehr der gleiche. So jetzt fängt das eigentliche Problem an. Es kam alles auf einmal dieses Jahres. Meine Eltern trennen sich, mein Elternhaus wird verkauft, das Trockenbaugeschäft meines Vaters (das eigentlich mein Bruder übernehmen wollte) mussten wir schließen und sein Auto wurde verkauft.

    Sein Gehirn ist so geschädigt, dass er komplett die Realität verloren hat z. B möchte er nach Schweden auswandern mit seiner mickrigen Rente die noch nicht mal durch ist und im Moment von meiner Mama ihrem kleinen Geld lebt. Ein Wohnmobil kaufen usw. wir versuchen ihm das klar zu machen das er nur in ein finanzielles Verderben rennt, aber er möchte das nicht wahr haben. Zudem hat er gesagt das er seine Kinder nicht mehr liebt und wir ihn eh nur nerven. Er raucht wieder extrem und trinkt viel am Abend (unter Tags zum Glück nicht). Die Ärzte sagen wenn er so weiter macht wird er beim nächsten Schlaganfall im Rollstuhl sitzen oder sterben.

    Ich habe so langsam das Gefühl das er sich selbst aufgibt und er eigentlich nur noch auf seinen Tot wartet.
    Gestern waren wir bei seinem Hausarzt um uns beraten zu lassen was wir machen können. Das Einzigste was wir tun können ist einen Betreuer oder ein betreutes Wohnen zu beantragen. Mir wäre es lieber, dass er in ein betreutes Wohnen geht, da weis ich das er gut aufgehoben ist und sich jemand um ihn kümmert. Aber wie groß sind die Chancen bei so einem Fall das mein einen Platz bekommt?

    Es belastet uns alle so unglaublich. Vor allem weil Papa früher immer der Fels in der Brandung war und immer die Stütze für die Familie. Es glaubt man kaum was so ein Schlaganfall alles anrichten kann.


    War jemand schon mal in so einer Situation wo man sich vielleicht mal austauschen könnte?

    Liebe Grüße

    Julia

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    AW: Der Schlaganfall meines Vaters

    Der Beitrag ist zwar schon ein paar Jahre alt, anscheinend hat nie jemand die richtigen Worte gefunden. Ich ordne mich mal hierdrunter ein, anstatt einen neuen zu erstellen,

    Mein Vater hatte im vergangenen Herbst seinen ersten Schlaganfall, der noch relativ glimpflich ausging. Der nächste folgte vor wenigen Tagen, Notarzt, Stroke Unit und nun steht die Reha an. Eine Ursache konnte bisher nicht ausgemacht werden, wobei ich gelesen habe, dass das mit das wichtigste ist. Es standen zwischenzeitlich viele zusätzliche Horrordiagnosen im Raum, die sich zum Glück nicht erhärtet haben. Er ist erst 66, statistisch gesehen für Neurologen sicherlich keine Überraschung, aber für uns Angehörige ein harter Brocken. Es kann jederzeit wieder so weit sein.

    Durch Covid-19 sind natürlich auch die Besuchsregeln sehr streng, spontan vorbeifahren geht nicht. Ich bin auch die einzige Verwandte, die mehrere hundert Kilometer von der Heimat entfernt wohnt und sich das gerade noch weiter weg anfühlt. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es auch keine Reha, denn was soll das bringen und am liebsten einfach nach Hause. Dabei habe ich jetzt so oft gelesen, dass das so wichtig ist und enorm viel bringen kann.

    Ich habe Vertrauen in die behandelnden Ärzte und unser familiäres Netz, wir werden das irgendwie hinkriegen. Vielleicht gibt es hier aber jemanden in einer ähnlichen Situation, ich würde mich über einen Austausch sehr freuen.

    Viele Grüße
    Palimpalim

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    AW: Der Schlaganfall meines Vaters

    Ich bin nicht in dieser Lage, kann mich also nicht aus der eigenen Betroffenheit austauschen. Beruflich hatte ich oft mit solchen Situationen zu tun.

    Telefonier mit Deinem Vater, wenn's geht täglich.
    Kontinuierlich im Gespräch bleiben ist sehr sehr wichtig, auch wenn ein Gespräch mal daneben geht.
    Klar ist REHA nicht schön, da muss er viel mitarbeiten, bzw. mit sich arbeiten.

    Evtl. wäre auch hier schon mal eine rechtliche Betreuung einrichten (meist Rechtsanwälte) gut.
    Das ist keine Entmündigung! Der Betreuer darf nichts ohne Einverständnis Deines Vaters. Außer geistige Einschränkungen liegen vor, und das bleibt mittel- bis langfristig (s. Post oben) nicht aus.

    Bleib gesund und halt die Ohren steif. bifi
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

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    AW: Der Schlaganfall meines Vaters

    Zitat Zitat von bifi Beitrag anzeigen
    Evtl. wäre auch hier schon mal eine rechtliche Betreuung einrichten (meist Rechtsanwälte) gut.
    Das ist keine Entmündigung! Der Betreuer darf nichts ohne Einverständnis Deines Vaters. Außer geistige Einschränkungen liegen vor, und das bleibt mittel- bis langfristig (s. Post oben) nicht aus.

    Bleib gesund und halt die Ohren steif. bifi
    Danke

    Vor Ort gibt es noch Verwandtschaft, Ehefrau, Kinder, Geschwister, ich nehme an, dass du den Rat in der Annahme gegeben hast, es wäre niemand in unmittelbarer Nähe?

    Ich habe schon bei der Deutschen Schlaganfallhilfe nachgelesen, was man tun kann.

    Wir sind 5 Geschwister, ich schwanke zwischen dem Wunsch, ihn jeden Tag zu hören und auch den anderen den „Vortritt“ zu lassen, da sprechen natürlich anstrengend für ihn ist. Spielt das keine Rolle? Ich möchte ihn nicht überfordern und er soll ja auch nicht stundenlang am Telefon hängen.

    Ich denke, es gibt viel zu lernen in der nächsten Zeit. Am schlimmsten sind diese Momente, in denen es einen überkommt und mir klar wird, dass die eigenen Eltern irgendwann nicht mehr da sein werden. Natürlich kommt dieser Tag für jeden irgendwann, aber das ist mir gerade kein Trost...

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    AW: Der Schlaganfall meines Vaters

    Dein Vater sollte unbedingt in eine Reha. Ambulant wird das eher schwierig, da müsstet ihr euch sofort um Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie kümmern. Manchmal sind die niedergelassenen Ärzte auch nicht so begeistert, alles aufzuschreiben. Von daher ist er die ersten Wochen in einer neurologischen Reha am besten aufgehoben, da hat er alles vor Ort, es gibt viel Behandlung und er und ihr müsst euch erstmal um nichts kümmern.

    In der Zeit könnt ihr ja sehen, wie es ihm geht, was er an Hilfe und Therapie weiter benötigt und ob er zu Hause allein klar kommt.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

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    AW: Der Schlaganfall meines Vaters

    Zitat Zitat von Fels Beitrag anzeigen
    Dein Vater sollte unbedingt in eine Reha. Ambulant wird das eher schwierig, da müsstet ihr euch sofort um Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie kümmern.

    In der Zeit könnt ihr ja sehen, wie es ihm geht, was er an Hilfe und Therapie weiter benötigt und ob er zu Hause allein klar kommt.


    Er ist gestern in die Reha gekommen - ein bisschen Zuversicht konnten wir ihm da anscheinend geben, zumindest klang es so, als würde er da jetzt auch drauf bauen. In ein paar Wochen werden wir dann sehen, wie er Fortschritte machen konnte und wo wir ggf. dann unterstützen können.

    Die letzten Tage waren eine Achterbahnfahrt. Jetzt geht es langsam für uns in den Alltag zurück, er ist dort versorgt, wir können nicht tun außer für ihn da zu sein. Ich werde regelmäßig anrufen und Kontakt halten.

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