Vielleicht erinnert sich die ein oder andere noch an meinen Thread vom Sommer 2014.
Ich hatte damals meine Eltern in ein Altenheim umgezogen, da die beiden in ihrer Wohnung alleine nicht mehr klar kamen, trotz Pflegedienst, Haushaltshilfe und meiner tatkräftigen Unterstützung (beide dement, mein Vater mehr - er war außerdem gesundheitlich sehr angeschlagen, meine Mutter weniger.....).
Mein Vater ist leider Ende 2014 verstorben und meine Mutter lebt nun weiterhin -alleine- in besagtem Altenheim. So weit, so gut.
Sie ist körperlich noch recht gut beieinander, achtet auf ihr Äußeres und hat eine kleine Clique, die zum Gesellschaftsspiel und auch zum Schwätzen zusammenhängt. Kurz: Es geht ihr recht gut, auch wenn die Trauer um ihren Mann allgegenwärtig ist und vor allem: ihre Demenz. Diese zeigt sich insofern, als das ihr Kurzzeitgedächtnis sie leider völlig im Stich lässt. Was es mittags zum Essen gab, brauche ich nicht zu fragen. Mitgebrachte Nagelfeilen verlegt sie regelmäßig. Halskette und Ohrstecker, die sie letztes Weihnachten bekam, sind weg. Wie auch 2 paar Ohrstecker davor und eine Armbanduhr. Wenn sie ein Telefonat führt, hat sie das nach 10 Minuten wieder vergessen. Sie fragt regelmäßig, wann die 4 Wochen "rum" sind und sie wieder nach Hause kommt. Sie fragt, nach ihrer Wohnung (die seit 2 Jahren aufgelöst ist). Sie fragt nach, wer ihre Bankgeschäfte erledigt und wo die Rente hingeht..... Ich erkläre ihr es immer wieder ganz geduldig!
Ihr Portemonnaie sucht sie ständig.......und damit wäre ich beim Thema: Sie möchte einen bestimmten Geldbetrag zur Verfügung haben, damit sie ihren Friseur bezahlen kann (dieser ist im Altenheim). Bringe ich ihr 100 € mit, ist nach einer Woche der Großteil des Geldes verschwunden und sie weiß nicht, wohin. Ich bin ständig am Diskutieren mit ihr, dass das so nicht geht. Und sie ist dann sehr verärgert und bittet mich, zu gehen! Oft finde ich auch Scheine zwischen ihrer Wäsche und regelmäßig suchen wir ihr Portemonnaie dann gemeinsam.
Nun gibt es im Altenheim ein Verwahrkonto, man kann hier vom Girokonto einen Betrag überweisen und der Friseurbesuch wird vom Verwahrkonto abgebucht. Und das will meine Mutter nicht. Ihr ist das mit dem Verwahrkonto zu abstrakt und sie käme sich da als Bittstellerin vor, wenn sie vom Verwahrkonto Geld abheben soll oder den Friseur abbuchen lassen soll. Es ist wirklich ein Kreuz. Da ihre Rente für die Heimkosten nicht reicht und sie derzeit von ihrem Ersparten die Differenz drauflegt, muss ich mit ihrem Geld natürlich wirtschaften und kann das nicht so verpulvern, indem ich regelmäßig abhebe, es ihr gebe und sie es in unbekannte Kanäle verschwinden lässt. Dinge, die sie braucht, bezahle ich von meinem Geld. Ebenso die Kleidung, das sind dann Geburtstags-, Weihnachts- und Muttertagsgeschenke. - An den Kontoauszügen vom Verwahrkonto sehe ich, dass sie den Friseurbesuch selten abbuchen lässt und meist bar bezahlt.
Nun könnte man sagen, dass ich ihr kein Geld mehr geben soll und dann gehen die Diskussionen los: "Sie sei noch nie so arm gewesen, wie jetzt. Und ich würde später wohl auch mal erleben müssen, wie das ist."
Wohlgemerkt: Sie verlässt das Heim nicht, um etwas einzukaufen. Sie verlässt das Heim grundsätzlich nicht alleine. Zum Arzt kommt sie mit dem Fahrdienst, der über die Kasse abgerechnet wird. Sie geht auch im Heim nicht ins Cafe. Sie gibt, außer beim Friseur, kein Geld aus. Im Prinzip bräuchte sie kein Bargeld.
Ich bin diese Gespräche inzwischen leid, es zehrt sehr an meinen Nerven. Nach jedem Besuch bin ich heiser und ziemlich genervt..........
Wer kennt das Problem, hat ähnliche Erfahrungen gemacht und hat vielleicht einen Tip???
LG Antaea
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 19
-
13.04.2016, 12:15Inaktiver User
Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Geändert von Inaktiver User (13.04.2016 um 13:14 Uhr)
-
13.04.2016, 13:07
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Liebe antaea,
ich kenn das auch .
Der Friseur meiner Mutter war im Haus und ich sagte Ihr, dass es nur 5€ kostet, der Rest sei mit den Heimkosten abgedeckt
Das war mit dem Friseur abgesprochen!
Der tatsächliche Betrag ging v Verwahrkonto ab!
Meine Mutter hatte von mir jede Menge Kleingeld im Portemonnaie und daher mehr das Gefühl, nicht mittelos zu sein
Sie brauchgte ihre Tasche und innendrin das P.-ansonsten war sie tief verunsichert.
Sie nahm Beides auch überall mit hin.
Ich hatte ihr sogar noch einen alten Schlüssel beigefügt
Zunehmend löste sich das Problem, da sie immer weniger wusste, mit dem Geld was anzufangen
Allerdings : um die Diskutiererei und die Sucherei wirst Du nicht herumkommen-das gehört ja zum Krankheitsbild
Aber immerhin verschwinden dann nicht mehr soviele Euronen
Zwischendurch wurde meine Mutter natürlich auch vom Personal beklaut
Es wird Zeit für eine neue Signatur
-
13.04.2016, 13:17
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Hallo,
Geld und Demenz, ein ganz grosses Thema... Wir haben immer und überall Geld gefunden, dieses selbst bezahlen ist eine letzte Form von Selbstständigkeit.
Wir haben dass dann geregelt in der Form dass sie nur noch das Geld bekam was sie ggf. brauchen könnte und dass immer in ganz vielen kleinen Scheinen und Münzen...
Hat gut funktioniert, sie brauchte immer nur die Woche 20-30 € für den kleinen Einkauf am Bäckerwagen, das wollten wir ihr einfach nicht nehmen da sich dort auch immer die Damen zum ratschen zusammen fanden.
Sie brauchen Geld, dass ist wichtig.... Auch die Handtasche gaaaaaanz wichtig, da kamte sie rum, fast täglich..
Ja es ist anstrengend, aber es ist wie es ist und sachlich Argumentieren ist verschwendete Energie, dass können die Erkrankten leidern nicht mehr nachvollziehen...
Und dieses ständige Suchen wird auch nicht wirklich besser werden....Das Leben macht was es will und ich auch!
-
13.04.2016, 13:25
-
14.04.2016, 20:36Inaktiver User
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Danke für eure Antworten! Ich ahne schon, dass sich im Prinzip nicht viel ändern wird. Wir werden weiterhin das Portemonnaie suchen und ich werde meiner Mutter weiterhin wöchentlich einen kleinen Betrag mitbringen, damit sie ihren Friseur bar bezahlt. Ich muss mich vorerst wohl daran gewöhnen, dass sie das Verwahrkonto bis auf weiteres nicht akzeptiert. Im Grunde kann ich sie verstehen. Es ist nichts Greifbares. Das Geld im Portemonnaie kann sie in die Hand nehmen. Und die Diskussionen werden nicht aufhören!
Den Preis vom Friseur kennt sie und merkt ihn sich komischerweise, damit kriege ich sie nicht. Im Salon hängt die Preisliste aus und über genau so viel Geld will sie bitte verfügen! Wenn möglich, noch ein bisschen mehr, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein: Taxi zum Arzt, Taxi ins Krankenhaus, Einkauf im Supermarkt......... (Auch wenn sie es nicht wirklich braucht.)
LG Antaea
-
19.04.2016, 16:26
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Wäre es möglich, dass der Friseur bereits im Voraus bezahlt wird oder das Geld nachträglich vom Verwahrkonto erhält?
Dann könnte deine Mutter "kostenlos" zum Friseur und muss dafür kein Geld mehr mitnehmen?
Wie wäre es, wenn du ihr kein echtes Geld gibst, sondern Spielgeld?
Laut deiner Aussage braucht sie kein Geld.
-
19.04.2016, 16:31Inaktiver User
-
19.04.2016, 16:36
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Kannst du vielleicht mit der Friseurin sprechen, dass sie deiner Mutter sagt, dass es ihr lieber sei, wenn das Geld bei Stammkunden überwiesen wird, da sie immer wieder Ärger mit Geld in der Barkasse habe ?
Und dann gibst du deiner Mutter nur das das Geld für das Trinkgeld und die Eventualitäten (auch wenn du weißt, dass es keine gibt) und zwar in 5-Euro-Scheinen und 1-Euro-Münzen - dann sieht es nach mehr aus.
Probier es aus, vielleicht hilft das.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
Profilbild © edwardbgordon
Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
-
19.04.2016, 22:33Inaktiver User
AW: Demenz bei Mutter - Umgang mit Geld
Liebe Antaea!
Ich verwalte bei uns im Altenheim die Barbetragskonten ( im Volksmund Taschengeldkonten). Sobald das eigene Vermögen verbraucht ist, wird die ergänzende Sozialhilfe fällig und dann werden die monatlichen Barbeträge für die Bewohner automatisch auf das "Verwahrkonto" überwiesen. Deine Mutter hätte dann gar keine andere Wahl, als selber von diesem Konto Geld abzuholen oder es durch Dich erledigen zu lassen. Bei uns im Heim bekommen mehr als die Hälfte der Bewohner das Geld auf dieses Konto. Also absolut nicht ungewöhnlich. Kannst Du Deiner Mutter nicht einfach sagen, dass es nicht mehr ohne das "Verwahrkonto" geht?
Oder hat sie noch vollen Durchblick über ihr Vermögen?
Beim Thema "Geld" erlebe ich immer wieder, dass Demente erstaunlich klar denken können und es für kurze Zeit überhaupt nicht auffällt, wie weit die Demenz schon fortgeschritten ist.
Zum Schutz des Vermögens Deiner Mutter würde ich Ihr auf keinen Fall 100,- Euro auf einmal aushändigen. Wie oft geht sie zum Frisör? Hast Du Geld auf dem "Verwahrgeldkonto" hinterlegt? Damit wäre gewährleistet, dass Geld für Taxifahrten, Apotheke, ect. da ist. Wie Promethea schon schrieb' , würde ich Ihr Geld in kleinen Scheinen aushändigen.
So traurig es auch ist - es wird auch bei uns im Haus geklaut.
Was aber auf dem Barbetragskonto hinterlegt ist, ist versichert. Darauf weise ich unsere Bewohner immer wieder hin und bitte sie im eigenen Interesse immer nur kleine Beträge abzuheben.
Irgendwann, wenn die Demenz weit fortgeschritten ist, spielt Geld meiner Erfahrung nach keine größere Rolle mehr .....
Alles Gute für Dich und Deine Mutter
LG Walli
-
20.04.2016, 19:38Inaktiver User


Zitieren
