liebes forum,
das ist mein erster beitrag und ich weiß nicht, ob ich überhaupt im richtigen bereich schreibe. mein "problem" ist wohl etwas übergreifender?!
ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll... vielleicht damit, dass ich im psychosozialen bereich arbeite. ich tue dies sehr gerne und glaube, dass ich das gut kann. ich bin ein "helfer"-mensch und versuche die sorgen anderer zu verstehen und ihnen zu helfen.
meine familie ist sehr klein und ich habe zwei sehr enge freunde. ich komme insgesamt auf fünf menschen, die ich sehr liebe (ich bin single und habe keine kinder). innerhalb weniger tage habe ich erfahren, dass eine der personen definitiv an krebs sterben wird (zeitnah, die krankheit ist mir schon länger bekannt). das hat mich sehr getroffen, es ist aber jemand, der ein gutes und erfülltes leben hatte und freiwillig die weitere behandlung ablehnt.
einen tage später habe ich dies person nummer zwei erzähle wollen. es ist ein ehemaliger partner, der mir seit zwei jahrzehnten sehr nahe steht. ich habe ihn sehr geliebt und tue dies immer noch (als mensch). vor drei jahren gab es noch mal eine zeit, da wären wir fast wieder ein paar geworden, aber ich habe dies dann doch nicht gewollt, weil ich ihn als freund lieber in meinem leben haben wollte und wir als paar nicht funktioniert haben (und auch nicht hätten). dieser mann war immer für mich da. egal wann, egal worum es ging. er ist ein großartiger mensch, der sich sehr für andere einsetzt. er hat mir mitgeteilt, dass er krebs hat. seine chancen stehen schlecht, sehr schlecht. die darauffolgenden wochen waren sehr anstrengend, weil auch viel zwischen uns hochkam. er ist heute operiert worden und hat mich quasi am wochenende aus seinem leben geworfen. bestrahlung und chemo kommen jetzt...
der dritte schock -ziemlich zeitgleich war, dass bei meinem vater krebsverdacht bestand. inzwischen hat sich dies zum glück als kein krebs herausgestellt.
ich habe viele gefühle durch. noch immer stehen mir ständig die tränen in den augen und ich weine viel. aber was immer mehr zunimmt ist eine unglaubliche wut in mir. im beruf geht das noch, ich schaffe es noch da zu sein für andere und sie ernst zu nehmen. privat ertrage ich es kaum noch. erzählen mir leute von ihren sorgen (grippe, das kind hat eine kleineop usw.) werde ich regelrecht sauer. ich zeige das nicht, aber es fällt mir unfassbar schwer... mir liegt immer nur auf der zunge, dass ich es nicht verstehen kann, wie ihnen das zu schaffen macht.
ein mensch, den ich sehr mag ist davon besonders betroffen. der hat eine reihe kleinerer sorgen hintereinander weg und ich erzählt mir im moment oft, dass er überfordert ist... ich möchte ihn am liebsten anschreien, dass er sich nicht so haben soll... wo ich denn bleibe frage ich micht.
das ist so ungerecht so zu fühlen, aber es ist so intensiv.
wie soll man damit umgehen?
habt ihr ideen?
lieber gruß
anna
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Thema: wut!
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15.05.2014, 20:44Inaktiver User
wut!
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15.05.2014, 21:16
AW: wut!
Das sind schlimme Nachrichten, und ich kann gut verstehen, dass man da aus dem Gleichgewicht gerät.
Hast du die Möglichkeit, Supervision bekommen zu können in deinem Job?
...Wut kann auch eine Stufe der Trauer sein.
Du bist traurig. Natürlich.
Es braucht Raum, das auch zulassen zu können, zu dürfen.
Mit wem kannst du reden, jetzt wo es dir selbst gerade nicht gut geht? Was ist mit den anderen lieben Menschen in deinem Leben, wäre jemand für dich da?
Die Menschen mit ihren "kleinen" Sorgen können nichts für deine momentane Situation, für jeden ist sein eigenes Problem doch immer grade das größere. Vielleicht hast du die Möglichkeit, dich eine Weile zurückzuziehen, bis es dir besser geht?
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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15.05.2014, 21:50
AW: wut!
Liebe Anna
es sind 2 Paar Schuhe, im Beruf sich um die Sorgen anderer zu kümmern und ihnen zu helfen und das gleiche privat zu tun.
Ich persönlich bin privat lange nicht so geduldig, wie als Profi. Und ich möchte privat auch nicht von allen Menschen mit ihren Sorgen belästigt werden. Im Privatleben grenze ich mich deutlicher ab und pflege nur so viel Kontakte wie mir gut tut.
Es läßt sich auf die Formel bringen, im Beruf kümmere ich mich um andere, im Privatleben kümmere ich mich um mich.
Grüße
Luftpost
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15.05.2014, 23:38Inaktiver User
AW: wut!
ach, das ist aber auch sehr traurig, was du gerade erlebst, so viel verlust.

deine freunde oder kollegen können dir zuhören und dich zu trösten versuchen, aber sie sind eben jetzt nicht in deiner situation, und deshalb wird es dann immer bei einem sehr einseitigen austausch bleiben.
meine idee ist deshalb, so schnell wie möglich nach gruppen von angehörigen von krebskranken o.ä. zu suchen. mangels betroffenheit kenne ich mich nicht aus, aber ich habe schon öfter mal gelesen oder gehört, dass es solche gruppen gibt. oder auch gruppen zur trauerbegleitung.
ich denke, du brauchst unbedingt leute, die deine situation nachempfinden kannst und mit denen du deine gefühle wirklich teilen kannst.
dann kommst du auch wieder besser mit den peanut-problemen deiner freund und bekannten klar.
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16.05.2014, 07:22Inaktiver User
AW: wut!
liebe karla,
ich musste erst mal (wieder) weinen, als ich deinen beitrag las. vor rührung.
ja, ich habe supervision und habe auch mit meiner supervisorin darüber sprechen können. die gefühle wechseln einfach unglaublich schnell. mal möchte ich am liebsten alle menschen aus meinem leben werfen, die bedeutung haben, dann habe ich angst, dass diese menschen nicht mehr da ist. und dann bin ich wieder unglaublich wütend.
es gibt liebe menschen, aber ich merke auch, dass es für sie schwer ist (verständlich). zum einen ist da eine art "scheu", zum anderen möchte ich niemanden zu sehr belasten. oder denke, dass eh erwartet wird, dass ich damit klar komme und das bitte schnell.
ja - rückzug. ich habe das gestern einem bekannten gesagt, dass ich eine zeit für mich brauche. er hat es verstanden, aber ich fühle mich schuldig - weil er ja auch sorgen hat (auch wenn mir die so gering erscheinen).
liebe luftpost,
eine gute formel. abgrenzen können ist ein wichtiges thema. ich kann das beruflich (inzwischen) eigentlich ganz gut. privat finde ich es viel schwieriger.
liebe ambiva,
ja, es ist einseitig. die menschen sind auch sprach- und hilflos. mir ist es ein paar mal passiert, dass ich sozusagen geplatzt bin und es erzählte im beruflichen umfeld. betroffene blicke, ein "das ist ja furchtbar" und eine deutliche überforderung. ich versuche da inzwischen nichts mehr zu zu sagen. auf eine art tut es mir auch gut, wenn ich mal mit anderen beschäftigt bin und abgelenkt bin (das hört sich widersprüchlich an, da es mir ja auch gleichzeitig zu viel wird. aber es gibt auch aufgaben, die nicht mit zuhören und da sein zu tun haben in meinem beruf. wenn ich dann strukturiert vor mich hinarbeite, tut das gut).
widersprüchlich bin ich wohl auch. ich möchte alleine sein und habe angst menschen zu verlieren. meine arbeit kann ablenken und mich unglaublich aussaugen und aufregen. widersprüchlich ist das alle in mir.
angehörigengruppe - ich habe da angst vor. angst, dass da menschen sitzen deren schicksal viel schlimmer ist und ich merke, wie wenig schlimm das bei mir ist. oder, dass mich das runterzieht. ich noch mehr elend sehe... vielleicht habe ich da ein völlig falsches bild, aber in einem raum mit traurigen menschen zu sitzen finde ich beängstigend. aber, ich werde mich umschauen und mich vielleicht doch mal hinwagen...
viele liebe grüße
anna
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16.05.2014, 16:52
AW: wut!
Es wird immer und überall Leute geben, denen es schlechter geht. Deswegen sind Deine Gefühle nicht weniger wichtig als die der anderen.
Insofern solltest Du keine Angst vor Selbsthilfegruppen haben. Es täte Dir vermutlich gut, darüber zu reden - mit Menschen, die ähnliches durchmachen wie Du.----------------------
Viele Grüße
Stephanie
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16.05.2014, 20:56
AW: wut!
Liebe Annawinja, ich habe supervision und habe auch mit meiner supervisorin darüber sprechen können. die gefühle wechseln einfach unglaublich schnell. mal möchte ich am liebsten alle menschen aus meinem leben werfen, die bedeutung haben, dann habe ich angst, dass diese menschen nicht mehr da ist. und dann bin ich wieder unglaublich wütend.
Statt dich äußerlich abzugrenzen, kannst du dich auch innerlich abgrenzen.
Mach dir klar, das Leiden und Tod zu jedem Leben dazu gehört. Das ein jeder Mensch sein Leid tragen muss und Du das nicht ändern kannst und deshalb auch nicht versuchen solltest zu ändern.
Alles was ein Freund vielleicht von dir erwarten kann, ist ein Stück Begleitung durch dich. Und die auch nur, wenn es dir gut tut ihn zu begleiten.
Akzeptiere deine Gefühle, gleich ob Trauer oder Wut. Sie haben ihre Berechtigung.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (17.05.2014 um 00:29 Uhr)
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16.05.2014, 22:51Inaktiver User
AW: wut!
liebe steph,
ja, das wird es... aber ich denke im moment noch, dass ich da nicht hingehöre. weil es eigentlich doch gar nicht schlimm ist. ich schäme mich etwas für meine gefühle, denke, es sollte mir nicht so gehen...
liebe luftpost,
das tut gut zu lesen.
denn das ist einer der punkte, die mir zu schaffen machen: ich komme schlecht damit klar, dass ich so fühle, wie ich fühle. im moment geht es hoch und runter. ich bin sauer, traurig, voller hoffnung und wieder verzweifelt. entscheidungen, die ich treffe, sind kurz nachdem ich sie getroffen habe wieder falsch und ich möchte es anders. es überfordert mich schon zu entscheiden, was ich essen soll (nachdem ich tagelang nichts oder aber wahllos gegessen habe, habe ich mir da jetzt einfach eine struktur geschaffen und esse zu halbwegs festen zeiten, dinge, die ich vorher festlege. eine entscheidung weniger). jetzt möchte ich mich zurückziehen und keinen kontakt mehr, dann habe ich angst alle zu verlieren.
alleine diese ganzen gefühle anzunehmen fällt mir schwer.
beruflich ändere ich das leid anderer. auf eine art und weise... ich spüre gerade eine verpflichtung dies auch privat zu tun. gleichzeitig sagt etwas in mir: "wer kümmert sich eigentlich mal um mich? wer ich bei mir eigentlich mal da?"
lieber gruß
anna
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17.05.2014, 00:11
AW: wut!
Liebe Anna
Sprich mit deiner Supervisorin, schildere ihr deine wechselnden Gefühle und Empfindungen. Frage sie ob Du eventuelle Psychotherapeutische Hilfe brauchst.
Ich schreibe dir das, weil ich vermute, das Dich die möglichen Verluste deiner Freunde so schwer getroffen haben, weil sie möglicherweise Gefühle von Verlusterlebnissen in deiner Kindheit aktiviert haben und dadurch dein Gefühlswirrwar entstanden ist.
Ich habe reichlich Psychotherapieerfahrung. habe vor einigen Monaten ein Thema in einer Sitzung bearbeitet, es ging um Gefühle die mir gar nicht passten und die ich immer unterdrückt hatte. Um so stärker wurden sie, um so mehr beherrschten sie mich. Die Lösung war Akzeptanz, denn alles andere ist ein Kampf gegen Windmühlen.. Als ich das verstanden hatte, ließen die Gefühle und Ängste nach.
Liebe Anna, akzeptiere was Du nicht ändern kannst.alleine diese ganzen gefühle anzunehmen fällt mir schwer.
Du bist nicht die Pflegerin, Therapeutin, Ärztin deiner Freunde. Du bist Freundin und nur das kannst du sein.beruflich ändere ich das leid anderer. auf eine art und weise... ich spüre gerade eine verpflichtung dies auch privat zu tun. gleichzeitig sagt etwas in mir: "wer kümmert sich eigentlich mal um mich? wer ich bei mir eigentlich mal da?"
Und der wichtigste Mensch in deinem Leben bist Du. Darum ist die erste Pflicht für dich gut zu sorgen, denn das ist allein Deine Aufgabe, nicht die deiner Freunde.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (17.05.2014 um 00:23 Uhr)
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17.05.2014, 07:06Inaktiver User
AW: wut!
Du hast doch eine tolle Überschrift gewählt- gehe genau in die Richtung!!

Ja natürlich kommt Wut hoch- natürlich bist Du am Rande Deiner Fassung.....das ist doch vollkommen zu verstehen!
Schon ein Mensch, der so schlimm erkrankt ist für Menschen sehr schwer-- bei Dir ballt sich doch gerade immer wieder das Thema und Du brauchst erst einmal Zeit um das alles zu verdauen.
Wichtig finde ich zu erkennen, was das Thema für Dich beinhaltet und wie Du Dich dem nähern kannst.
Man kann nicht sagen, dass alle die Situation gleich empfinden- also wäre wichtig zu wissen, was für Dich alles drin steckt an Gefühlen.
Je klarer Du Dir darin bist desto besser kannst Du damit umgehen und selbst, wenn Du einiges dann erst einmal verdrängen möchtest....es ist für Dich immer noch einfacher, wenn "das Kind einen Namen" hat als wenn Du ganz diffus zu dem kompletten Thema das Gestresstsein empfindest.
Als Beispiel:
Vielleicht kannst Du für Dich Deine Hilflosigkeit als Gefühl ansehen und annehmen und damit in Ruhe Tränen vergießen- vielleicht zu dem Thema Loslasse noch nicht......das könntest Du dann innerlich erst einmal weglegen und zu anderer Zeit dann ansehen.
Was Deinen Job angeht- so bist Du gerade sehr gefährlich mit dem Prinzip der Übertragung beschäftigt
Ganz klar- wer solche Probleme hat, der wird durchlässiger für alles Leid und Klagendes und damit bringen die Probleme der Anderen Deine Eigenen näher zu Dir......logo- man wird sauer und gereizt.
Wie wäre es, wenn Du Dich mal krankschreiben lassen würdest??
Gönn Dir eine Auszeit-- andere bleiben wegen weniger daheim
Du darfst Deine Sorgen und Dein Leid ernst nehmen und Du solltest auch wirklich gut für Dich sorgen jetzt.
Wenn Du Deinen Job auch nciht mehr gut ausführen kannst- und Dein Job ist mal sicher anstrengender als wenn einer zB nur in seinem Büro sitzt und Akten bearbeitet- dann solltest Du für Dich und die anderen so einen Weg durchaus überlegen.
Und wenn Du dann daheim bist-- kümmer Dich um Dich!
Mach, was Dir gut tut- und beschäftige Dich mit Deinen Gefühlen.
Lass Trauer, Wut und Hilflosigkeit zu.....es sind doch ganz natürliche Gefühle, die da sind....
Sie sind ein Teil von Dir- sie machen Dich aus und sie zeichnen Dich doch auch aus!
Denn sie erzählen doch auch von Liebe, Freundschaft und Verbindung....was doch das Schönste im Leben ist.
Ich würde mir noch Bücher über diesen Bereich zulegen, lesen....erfahren, wie andere mit solchen Umständen umgehen.
Evtl wäre ja der Versuch mit professioneller Hilfe weiter zu kommen auch eine Lösung-- sicher wirst Du da Kontakte haben......und wie gut ist dann, dass Du genau in dem Bereich arbeitest
alles Gute für Dich
kenzia


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