Ich bin auch eine Betroffene, mein Mann ist auch alkoholkrank... jetzt wieder seit 1,5 Jahren trocken. Aber die Angst vor einem Rückfall ist meinerseits allgegenwärtig. Bei ihm ist es aber nicht "nur" der Alkohol, er ist Sozialphobiker mit einer ausgeprägten Depression.
Wir sind knapp 12 Jahre zusammen, davon knapp 11 Jahre verheiratet. Es gibt Höhen und Tiefen, es ist oft schwer, aber: mit mir zu leben ist auch nicht einfach, da ich schwer depressiv bin und mein Mann mich immer nach seinen Kräften unterstützt hat, im Moment geht es mir besser, wenn er nasse Phasen hat, verstärkt es meine Probleme und umgekehrt. Wir kämpfen beide in Therapien und zur Zeit läuft es super.
Ich lüge für ihn auch nicht, besorge ihm nix und jeder weiß es auch. Das einzige, was ich tu, ich trinke auch nichts mehr. Er muss mir dabei nicht zusehen. Wenn wir weg gehen (selten), dann trink ich schon mal ein Glas Wein oder so, aber das ist es auch.
LG Woodstock
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Thema: Alkoholkranker Partner
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08.11.2012, 14:31
AW: Alkoholkranker Partner
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
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11.11.2012, 03:26Inaktiver User
AW: Alkoholkranker Partner
Ja,es ist sehr schade und traurig,wenn man irgendwie so gar keinen Einfluss hat obwohl man doch so sehr helfen will. Es wird immer gesagt: helfen durch nicht-helfen,und nur so geht es wahrscheinlich auch. Wenn sie immer wieder aufgefangen werden,gibt es gar keinen Grund,irgendetwas zu ändern. Andererseits möchte man aber auch unterstützen. Aber halt nur dann,wenn er trocken ist. Wenn das aber jemand nicht ist oder nur tageweise,wo soll man da ansetzen?
Oh,ja,das kenne ich auch,wenn es ihm nicht gut geht,geht es mir auch automatisch schlechter und umgekehrt genauso. Ich kann das zwar ein paar Tage hinauszögern bis ich mich mies fühle aber früher oder später erwischt's mich obwohl ich mir Mühe gebe,ein bischen mehr emotionalen Abstand zu gewinnen. Manchmal denke ich mir "okay,ihm geht's schlecht,aber mir kann es ja trotzdem gut gehen". Aber wie gesagt,das klappt nur bedingt.
Vor ihm trinken tue ich auch nicht. Überhaupt trinke ich so gut wie gar nicht mehr seit das Problem aufgetaucht ist. Zumal ich eh immer fahren muss wenn ich mal selber wo bin. Ich trinke dann vielleicht mal ein Gläschen (so 2,3 Mal im Jahr) und das war's dann auch schon. Dachte,ich könnte ihm vorleben,dass man das Leben auch ohne meistern kann. Aber irgendwie hatte es nicht den gewünschten Effekt. Mittlerweile hab ich mich allerdings so dran gewöhnt,dass ich es beibehalten habe. Der Verzicht macht mir überhaupt nichts aus. (Allerdings muss ich gestehen,dass ich ein mächtiges Problem hätte,wenn mir irgendwann der Arzt sagen würde: keinen Kaffee mehr..... Dann gäbs bei mir wohl eine Suchtverlagerung auf Tee oder so..
)
Ach,da war ja noch ne Frage: er trinkt nach Feierabend. Oder auch ganztägig,wenn er nicht zur Arbeit muss.
Julila,Woodstock,ich freue mich für euch,dass ihr die "dunkle Zeit" überstanden habt auf die ein oder andere Art und es euch besser geht und hoffe,das bleibt so.
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11.11.2012, 03:51Inaktiver User
AW: Alkoholkranker Partner
Julila,hab vergessen,deine Fragen zu beantworten: Ja,wir haben oft darüber geredet und er sieht sein Problem ein. Er war ja auch schon in Therapie und geht freiwillig (von sich aus) in die Entgiftung,wenn's mal wieder zu viel war.
Aber zur Zeit reden wir nicht mehr so viel darüber,einfach weil ich des Redens müde geworden bin. Ab und zu tut es ja mal gut,sich über seine Probleme miteinander auszutauschen aber irgendwann reichts dann auch mal und vom Reden alleine ist es auch noch nicht besser geworden. Das ist über die Jahre ziemlich frustrierend,deswegen hab ich's momentan ziemlich satt,das Reden. Gut,hier rede ich ja auch darüber aber das ist ja ganz und gar für mich alleine,also wieder was anderes.
Ich bin auch sehr dankbar,wenn meine Familie nicht ständig danach fragt,denn ich fühle mich immer,als müsste ich mich rechtfertigen dafür,dass ich noch bei ihm bin. Das ist dann die klassische "Wie lange willst du das noch mitmachen?" Frage. Darauf habe ich allerdings keine Antwort. Mag ja sein,dass sich manch anderer schon längst getrennt hätte,aber erstens bin ich nicht die,und zweitens kann jeder leicht daherplappern,der nicht in der Situation ist. Hilfreich ist das jedoch NICHT. Es wäre mir lieber,sie hätten entweder Verständnis (was ja weitestgehend der Fall ist) oder sie halten den Schnabel. Es ist ja schliesslich MEIN Leben und da bestimme ICH,wie lange ich mit wem zusammen bin.
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11.11.2012, 19:05
AW: Alkoholkranker Partner
@Vanilla: irgendwann ist man am Ende der Kraft, bei uns war es im Sommer 2011 fast so weit. Da hätte ich ihn fast vor die Tür gesetzt, ich konnte und wollte nicht mehr.
Ich weiß Rückfälle können immer vorkommen, aber nix dagegen zu tun, das ist es, was mich am meisten störte. Er war ja schon mal länger trocken und fing dann wieder an und tat nix, jahrelang nix und da bin ich jetzt geplatzt. Er weiß auch, dass ich das nicht nochmal mache. Wenn es einen Rückfall gibt und er dann sofort in seiner Therapieeinrichtung eincheckt, steh ich zu ihm, kein Thema, aber wenn er dann wieder meint monatelang und heimlich zu trinken, nee, das gibt nix. Dann ist Schicht im Schacht und das zieh ich dann auch konsequent durch.
Er weiß das und ich bete, dass das ein Ansporn für ihn ist.
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
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12.11.2012, 12:47
AW: Alkoholkranker Partner
Hallo !
Ich bin froh , auf diese Seite gestossen zu sein. Mir geht es genau wie Euch , mein Lebensgefährte hat auch ein Alkoholproblem und das ist manchmal nicht sehr einfach.
LG
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14.11.2012, 12:43Inaktiver User
AW: Alkoholkranker Partner
Woodstock,das hoffe ich auch,dass das ein Ansporn ist für ihn. Ja,Rückfälle können immer mal passieren und wenn man dann gleich reagiert,ist es auch halb so wild. Aber je länger man wartet,desto schwieriger wird's doch wieder.
Meiner müsste erstmal trocken werden,um einen Rückfall zu haben...
Wie gehst du so damit um im Alltag? Suchst du Abstand oder geht's auch so? Fragen dich Familienmitglieder oft,wie es ihm geht?
Wilkommen im Club,Montilein.
Ja,es hilft schon,zu sehen,dass man nicht alleine ist. Mir geht das jedenfalls so. Geteiltes Leid ist halbes Leid,wie man so schön sagt.
Und wie schaffst du das so? Hast du eine Rückzugsmöglichkeit,wenn's dir zu viel wird? Redet ihr gemeinsam darüber?
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20.11.2012, 02:28
AW: Alkoholkranker Partner
Vor vielen Jahren, ich war single, habe ich einen gar interessanten Mann kennengelernt. Anfangs sahen wir uns recht selten; er arbeitete die Woche durch, ich auch, ich habe nicht gerade einen stressfreien Beruf und komme durchaus kaputt nach Hause, und ich wollte nichts überstürzen, die Wochenenden oder ein Tag davon haben mir zumindest erstmal ausgereicht, um den Kandidaten zu beschnuppern.
Am dritten Wochenende stellte ich fest, daß er ein Alkoholproblem hat, zu dem er nicht steht, und das Problem als nichtexistent betrachtet. Er war Wochenendtrinker; Freitag abend bis Samstag abend, dann nichts mehr, wegen dem Montag und Arbeit. Er wollte wahrscheinlich nicht riskieren, seine Arbeit zu verlieren, bei der auch der Führerschein von großer Wichtigkeit war. Da er unter der Woche nichts trank, war er der festen Meinung, daß er nicht abhängig war, und das Trinken am Wochenende sah er als Entspannung von der stressigen Arbeitswoche.
Am fünften gemeinsamen Wochenende hatte ich an meiner Seite einen volltrunkenen Mann liegen. Immer noch nett, aber eben besoffen. Na super. Ich hätte lieber anstelle einer Bierfahne neben meinem Gesicht, etwas Sex oder so...
Ich sprach ihn darauf an, er stritt das Problem immer noch vehement ab. Irgendwann in den kommenden Wochen, oder besser gesagt, Wochenenden, lenkte er ein. Irgendwie wollte er mich nicht verlieren, das glaube ich ihm auch heute noch. Nur ich wollte alles andere, als mir einen Alki ans Bein binden. Ich arbeite mit Süchtigen, das reicht mir im Berufsleben, privat will ich doch was anderes. Nach paar weiteren Gesprächen gelobte er Besserung. ich zwang ihn zu nichts, weil es bei solchen Problemem keinen Sinn hat- der Betroffene muß sein Problem selbst erkennen, alleine oder mit Hilfe. Es war so, als ob anders wollte... und dann trank er heimlich, auf dem Weg ins Bad, Pulle Bier hinter den Ordnern versteckt, im Spiegelschank. So was eben, klare Abhängigkeit, auch, wenn es "nur" Bier war- aber in solchen Mengen, daß er wirklich volltrunken war nach wenigen Stunden.
Ich mußte mir etwas überlegen, was nun passieren soll. Ich war nicht alleine, ich hatte einen Sohn im Teenageralter- und so was wollte ich ihn nicht präsentieren als- ja, was, Lebensart? Ich entschloß mich zu gehen, obwohl er sonst ganz netter, intelligenter, passabler Mann war, und in den nicht volltrunkenen Momenten auch super zu meinen Sohn eingestellt. Schade, aus ihn hätte was werden können....
Nach 2 Wochen Trennung kamen wir nochmal ins Gespräch, wie er nun mit seinem Leben weiter verfahren möchte, und er behauptete fest, er arbeitet dran. Und daß er mich zurück haben möchte. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, es lag mir nichts daran- es lag mir viel an ihm. Leider löste er die Probleme mit der eiteren Kiste Bier, wie ich paar Stunden später am Telefon erahnen konnte, so wie er lallte.
Damit war für mich der Zug abgefahren, und ich brach den Kontakt komplett ab. Auch, wenn er "drohte", noch mehr abzurutschen, sich zu Tode zu saufen- nicht mein Zirkuszelt, nicht meine Affen, ich gucks mir nicht an. Punkt.
Ich kann jeder Frau nur abraten, in einer Beziehung mit einem Alkoholiker auszuhalten. es bringt einfach nichts, und hat mit Liebe nichts zu tun. Alkohol macht einfach zu viel kaputt, er raubt die Leichtigkeit des Seins, nicht nur seines, sondern der ganzen Familie, bringt nur finanzielle Schwierigkeiten, raubt irgendwann den Job, dann die Wohnung, weil ohne Job/ Gehalt kein vernünftiges Wohnen mehr möglich, zuallerletzt geht die Familie kaputt. Und das muß man sich nicht antun.
Die Exfrau meines Anwärters zum Freund/ Lebensgefährten hat sich wegen seinem Trinken von ihm scheiden lassen.Geändert von kamy (20.11.2012 um 02:33 Uhr)
Die Seele nährt sich von dem, worüber sie sich freut. Augustinus
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20.11.2012, 14:30
AW: Alkoholkranker Partner
Wir gehen offen mit dem Thema um. Er hat sich auch um Betreuung im "ambulant betreuten Wohnen" gekümmert, die Dame kommt ca. alle 14 Tage für 2 Std. Wenn es nötig wäre auch kurzfristig oder in anderen Intervallen. Er hat das für sich eingestiehlt, weil ich selbst ja wie gesagt depressiv bin und auch so gesundheitlich ziemlich angeschlagen, dass es vorkommen kann, dass ich in eine Klinik muss (mit was auch immer) und er dann jemanden hat, mit dem er sich austauschen kann, bei dem er auch SEINE Sorgen loswerden kann. Ich bin ganz stolz auf ihn, dass er sich helfen läßt. Er geht inzwischen auch mehr aus dem Haus und auch regelmäßig zur Therapie, d.h. er drückt sich nicht vor den Sitzungen.
Ich sage ihm auch, dass ich stolz auf ihn bin, dass er das so durchzieht und er so mitzieht. Meine Schwiegermutter, die auf meiner Seite steht, ist überglücklich, dass wir uns wieder zusammengerauft und die Fronten geklärt haben. Wir hatten eine "Nenn-Tochter", die ich eigentlich adoptieren wollte. Sie spricht nicht mehr mit mir, seit ich mich mit meinem Mann wieder zusammengerauft hab, sie kann nicht verstehen, dass ich eine so lange Beziehung nicht wegwerfen will und glaubt nicht, dass er trocken bleibt. Tja, ich denke, ich kann ihn immer noch raussetzen, wenn es nicht anders gehen sollte. Aber ich denke positiv und es scheint auch zu klappen *freu*.
Ich hab übrigens immer das "Glück" mit Alkoholikern gesegnet zu sein... der Vorgänger meines Mannes war auch schwer abhängig, allerdings wollte er nicht trocken werden. Nach knapp 2 Jahren bin ich gegangen. Er kam aus der Therapie, ging an den Kiosk und ließ sich volllaufen, mit 3 Litern Schnaps!!! Er hat 3 Liter hartes Zeugs am Tag weggehauen. Das war's dann... und ich hab die leeren Flaschen auch überall gefunden, im Spülkasten der Toilette, im Sicherungskasten, unter der Bettmatraze, im Hundekorb, im Eisfach, in der Gefriertruhe, hinter den Lebensmittelvoräten und und und.
@Kamy: wenn man am Anfang einer Beziehung steht, ist es leichter nicht weiter zumachen oder gleich zu gehen. Bei langfristigen Beziehungen, ist das schon rein gefühlstechnisch schwieriger. Wo der eigene Leidensdruck aufhört, das ist halt individuell, das kann man pauschal nicht sagen.
LG Woody
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
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20.11.2012, 15:04
AW: Alkoholkranker Partner
Da hast du recht, aber es muß keiner dazu verdammt sein, da weiter zu machen, wo man selbst daran zugrunde geht. Und das tut man letztendlich. Und ganz besonders, wenn in dieser Beziehung noch Kinder sind. Was für ein Leben haben dann diese unschuldigen Wesen? Was bietet man denen für Zustände?
Liebe hin oder her- wenns überhaupt Thema ist. Kann ein alkoholkranker Partner überhaupt einen lieben? Ich bezweifle es. Beziehungsweise ist seine Liebe von der Art, mit der ich zumindest nichts anfangen könnte. Und das fängt mit fehlendem Vertrauen und ständiger Angst, was nun passieren könnte, wenn... schon mal an. Und das braucht sich kein Mensch antun.Die Seele nährt sich von dem, worüber sie sich freut. Augustinus
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20.11.2012, 19:40
AW: Alkoholkranker Partner
Wie gesagt, das kommt auf den individuellen Leidensdruck an... wir haben keine Kinder, das macht sicher vieles einfacher und im Gegensatz zu vielen anderen ist mein Mann z.b. einsichtig und er arbeitet an sich. Da finde ich die Basis schon mal nicht schlecht. Bei nicht einsichtigen Männern/Frauen ist das sicher anders und da sieht eine Beziehung nochmal ganz anders aus. Ich denke auch, dass dann da der Geduldsfaden eher reißt. Geben muss sich das sicher niemand, das streite ich auch gar nicht ab.
LG Woody
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