Besagten ZEIT-Artikel hatte ich damals gelesen und ihn auch als sehr arrogant empfunden.
Heute beim Sonntagsfrühstück stieß ich in der aktuellen ZEIT auf einen ganzseitigen Artikel zum gleichen Thema, und wieder war er m.E. an der Grenze des Erträglichen.
Link zur Bezahlversion:
https://www.zeit.de/2019/48/bettnachbarin-krankenhaus-klinik-bekanntschaft
Eine ZEIT-Journalistin portraitiert darin eine Frau, die sie zufällig bei einem Klinikaufenthalt kennengelernt hat, weil sie aus einem "prekären" Milieu kommt, mit dem die Journalistin nach eigener Aussage anderweitig nie Berührung gehabt hätte.
Mir tut es für die Frau leid, dass sie sich so hat verheizen lassen; sie ist sogar mit Foto abgebildet.
Die Frau hat einen Hochschulabschluss, arbeitet aber seit Jahren "nur"bei einer Hotline eines Küchengeräteherstellers und wohnt "nur" in einem Ein-Zimmer-Appartment. Ihre positive Haltung, nach wie vor zu versuchen, über Bewerbungen um bessere Stellen und Vorschläge an Politiker Verbesserungen zu erreichen, beschreibt die Autorin als "Sie lebt in der Logik einer Kinderbuchfigur: Alles ist möglich, solange du es nur willst."
Geht's noch???!!!
Der Vorwurf der Abgrenzung nach oben zieht ich auch durch den ganzen Artikel.
Ich finde es nicht nur arrogant, sondern auch armselig, wie ausgerechnet Menschen, die im Leben Glück hatten, eine Kluft zwischen ihnen und den weniger Begünstigten künstlich herbeireden und eine Abgrenzung nach oben unterstellen, wobei doch in Wirklichkeit durch Gönnerhaftigkeit (wie in diesem Artikel) eine Abgrenzung nach unten aktiv vorgenommen wird.
Antworten
Ergebnis 91 bis 100 von 141
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24.11.2019, 12:48Inaktiver User
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
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24.11.2019, 12:50
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Ich dachte das sei negativ gemeint, ein Herz aus Vollkornbrot 😁
Deine Umschreibung klingt schön.
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24.11.2019, 13:24Inaktiver User
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24.11.2019, 13:55
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24.11.2019, 14:05
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Ich kenne den Zeitartikel nicht, aber ein paar Leute die bis vor kurzem bei der Zeit gearbeitet haben.
Wobei "für die Zeit" besser gesagt wäre.
Die haben alle nur so "Zeilenverträge" und nur einen Auftraggeber (früher als "feste Freie" bekannt) Inzwischen ist das illegal wegen Scheinselbständigkeit und Mindestentlohnung. Praktiziert wird es dennoch...
Denen geht der Allerwerteste sehr auf Grundeis. Die Journalistin fürchtet vielleicht für sich dasselbe, wie sie bei der "Armen" beschreibt: gute Ausbildung, gute Reputation und so und dann wird der Job immer prekärer und unsicherer. Und bis man schaut kann man sich in HH kein Apartment mehr leisten. Obwohl man für die ZEIT schreibt.
Journalisten sind von wenigen absoluten Topstars, total unterbezahlte und immer ersetzbarere Berufstätige.
Da ist das Image gut, die Bedingungen aber dermaßen desolat, dass ich so einen Artikel als reines Pfeifen im Walde, als Abwehrreaktion lesen würde.
Ist ja bei der Brigitte nicht anders... Die Zahlen des echten Verkaufs sinken. Die Jobs sind prekär.
die Redaktion der Freundin z. B .wurde vor kurzem so geschliffen, dass es sie eigentlich nicht mehr gibt.
Davor haben die alle Angst und kompensieren diese Angst mit so pseudo-betulichem Geschreibe über "Arme"
Die (fiktive) Person im Call-Center könnte nämlich tatsächlich einen anderen Job bekommen. Die Journalistin die bisher für die ZEIT schrieb nicht so leicht, was soll die alternativ machen? Yogalehrerin? Statt bei der Zeit bei der SZ anheuern? in ein Callcenter gehen und dort mehr Stundenlohn bekommen als als Zeit-Dauer-Praktikant?
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24.11.2019, 14:33
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Naja,das ist schon eine sehr gewagte These.
Ich glaube nicht, dass jemand, der so selbstsicher schreibt und andere vorführt, irgendwelche Zweifel hat an seiner eigenen Identität.
Was mich allerdings interessieren würde ist die Frage, werden denn die Moderatoren hier in der Brigitte Community eigentlich bezahlt? Das frage ich mich übrigens schon länger. Denn das ist ja eigentlich auch Journalisten-Tätigkeit im weiteren Sinne.
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24.11.2019, 14:48
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Siehst, und meine Lebenserfahrung sagt mir, dass wer wirklich selbstsicher ist, andere nicht vorführt und der, der andere vorführt, nicht selbstsicher ist, sondern die Hosen gestrichen voll hat.
Auf dicke Hose machen heißt nicht dicke Hose haben.
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24.11.2019, 14:57
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
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24.11.2019, 15:01
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
Complexity, das ist eine sehr schöne Beschreibung. Ich glaube, die werde ich in meinen aktiven Sprachschatz mit aufnehmen.
Rokeby, da sind aber auch eine Menge Klischees in Deiner Beschreibung. Erstens leben Freie oder feste Freie nicht unbedingt in der gleichen Stadt, in der die Redaktion ansässig ist, eine ZEIT-Autorin muss sich also nicht unbedingt Sorgen um ihre HH-Wohnung machen, weil sie vielleicht in Hintergrünhausen für 5,50/qm wohnt. Zweitens, ja, Journalismus ist heutzutage ein härteres Brot als früher, aber es gibt immer noch eine riesige Spanne zwischen Starautorin mit Pulitzerpreisambitionen und kleinem Schreiberlein, das sich mit Müh und Not über Wasser hält. Deine Rückschlüsse auf die Motivation der Autorin sind in meinen Augen ziemlich gewagt. Aber das nur am Rande, da OT.Wir werden weitermachen!
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24.11.2019, 15:06Inaktiver User
AW: Abgrenzung nach oben - die bleiben lieber unter sich
In dem Fall war die Person nicht fiktiv, was es in meinen Augen schlimmer macht.
Deine Hypothese, dass die, die sich in dieser Weise indirekt nach unten abgrenzen, massive Abstiegsängste haben, teile ich.
Wer sich offen nach unten abgrenzt, ist sich üblicherweise seiner Privilegien viel sicherer.


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