*dichfettunterstreiche*familie, ehe war immer ein wirtschaftliches modell.- heute ist das teilweise überholt, jetzt impft man uns ein, wir müssten eben genug daran arbeiten, um ewig zu lieben.-das ist doch quatsch.
Das "heile" Kleinfamilienmodell Vater-Mutter-Kind ist, geschichtlich und kulturell gesehen, eine komplette Ausnahmeerscheinung. Die Regel waren Grossfamilienkonstrukte (zu denen in der Regel auch nicht-blutsverwandte Personen gehörten) mit einem sehr hohen Patchworkanteil. Aufgrund der hohen Sterblichkeit, nicht nur von Kindern, war es eher die Regel als die Ausnahme, dass Kinder zumindest ein Elternteil in noch jungen Jahren verloren und dafür ein Stiefelternteil erhielten - oder andere Bezugspersonen einsprangen.
Auch war es gang und gäbe, dass Frauen verstossen wurden (die Kinder dabei entweder bei ihrem Mann lassen oder aber mitnehmen und als Alleinerziehende durchbringen mussten) oder aber dass Väter ihrer Familie davonliefen, wenn sie sich mit einer neuen Frau zusammentaten oder auch bloss die Verantwortung für das Überleben der Familie nicht mehr wahrnehmen wollten oder konnten.
Die Kinder aller Zeitalter und Gesellschaften haben all diese Nichtkleinfamilienkonstrukte in der Regel gut überstanden - die Mehrheit von ihnen sind keine Psychopathen oder arme vernachlässigte Persönlichkeiten geworden, sondern ganz normale Menschen.
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16.05.2016, 11:05Inaktiver User
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
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16.05.2016, 16:17Inaktiver User
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
mir ist noch was zu deiner geschichte einfallen (mich hat sie schließlich auch jahrelang beschäftigt...
):
irgendwann bin ich dahinter gekommen, dass das leben keine "fleißbildchen" für "alles richtig gemacht" verteilt.
ich war nie eine ganz traditionelle, "klassische" ehefrau und mutter (ich war nicht mal verheiratet, nur sehr, sehr lange in der beziehung mit dem kindsvater
) -und trotzdem hatte ich in mir so eine einzige vorstellung von der art, wie mein leben verlaufen sollte:
beruf, kinder, lebenslange beziehung......und so wäre dann "alles gut" gewesen.
naja, das mit der lebenslangen beziehung war dann doch nicht so.
und irgendwann ist mir dann klar geworden, dass das niemand von mir verlangt, dass mein leben auch - eben auf andere als die geplante weise - gut werden kann.
ist es auch.
und wie die kinder akzeptiert dich auch die umwelt, wenn du einfach deinen weg gehst.
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17.05.2016, 22:27
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Liebe Sommerwind,
auch ich lebe in einer Gegend, in der vielfach der Eindruck von "heiler Welt" vermittelt wird. Als mein Ex-Mann vor 6 Jahren auszog, waren meine Kinder immerhin schon 11 und 14. Eine meiner damaligen "Bekannten" (Mutter eines Sohn-Freundes) sagte auch ganz zuckersüß zu mir: "Du bist jetzt die einzige Alleinerziehende in der Klasse" - wirklich tolles Gefühl
.
Ich kann dir nur empfehlen, dir Kontakte zu anderen Alleinerziehenden zu suchen. Die gibt es nämlich auch bei dir. 100 %...
Ich habe mich quasi gewappnet und mich cool gegeben. Das geht die doch alle nichts an. Eingeladen wurde ich allerdings auch nicht mehr.
Es war allerdings faszinierend, dass "nach mir" anscheinend der Bann gebrochen war. Mittlerweile in der jetzigen Altersstufe meiner Kinder sind diverse Paare getrennt.
Und ändern lässt es sich doch sowieso nicht.
Liebe Grüße
Capbreton
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18.05.2016, 07:33Inaktiver User
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Ich verstehe sehr gut was Du meinst- als ich mich damals getrennt habe, war auch klar, dass wir die "Einzigen" sind......schon mein Halbtagsjob war die Ausnahme und nun noch DAS

Schon das Wissen darum war seltsam und alles andere als angenehm.......
Mein ganz eigenes Gefühl des "Versagens" hatte ich sehr sehr lange und kenne das auch genauso von anderen Menschen.
Man hat es halt anders gewollt- man hat nicht geheiratet um dann "so" dazustehen- man hat ja tatsächlich etwas "nicht geschafft"......und man kann denken, erklären und den Verstand einsetzen-- ganz egal- es FÜHLT sich nunmal nicht gut an und ich glaube, es ist immer auch angefüllt mit der Trauer um das, was gegangen ist.
Meine Kinder waren damals in der Grundschule und die hatten bei dem Ganzen eher Welpenschutz- alle ERwachsenen waren sehr freundlich, nett und unterstützend. Allerdings habe ich auch alle mit einbezogen- Gespräche im Kindergarten und mit den Lehrern geführt- ich wollte meine Kinder abfangen, wo immer es möglich war.
Ja- es ist etwas, was IM eigenen Kopf abläuft........und was schlicht seine Zeit braucht.
Bei mir hat sicher auch der Satz meines Vaters "gegriffen"......"DU hast eine Familie zerstört"
Ich muss zugeben, als wir dann die Schule gewechselt haben- und aus diesm Dorf-Dunstkreis heraus getreten sind......o-Ton- Kinder......."in meiner Klasse sind 6 Kinder getrennt"....hab ICH innerlich schon aufgeatmet
Der Anteil stieg dann sowieso mit jedem Jahr........
Es IST halt nicht leicht!
In dem Dorf gab es dann auch eine Mutter mit der ich aufgrund von Kommunionunterricht zu tun hatte. Immer kaum Kontakt zu ihr gehabt und nun gezwungenermaßen und sie war mir gegenüber sowas von ablehnend......
mich hat das wirklich getroffen und habe das auch auf meine Trennung bezogen.
Verstanden habe ich das nicht- mich aber auch zurückgezogen, wenn ich sei traf.
Als ich dann schon 2 Jahre weg war.......erfahre ich doch, dass DIESE Mutter zuhause das totale Trennungsdrama seit Jahren hat- niemand hat es gewusst aber nach langer Zeit hat sie sich dann auch getrennt.
Gut........DA war mir dann auch klar, dass ich für sie wohl wirklich ein Problem mit meiner Trennung war- als ich sie dann mal traf, war sie superfreundlich.....erzählte von ihrer Trennung......tja- so kanns gehen..
Es wird alles besser- es wird alles alltäglicher- erinnere Dich, dass Du gehst damit es Dir/Euch besser geht.......
alles hat seine Zeit und will gelebt werden.....tut man das- wird es mit jedem Schritt leichter auch wenn diese Leichtigkeit am Anfang wiegt wie eine Feder und man viele braucht um das zu spüren

lg kenzia
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18.05.2016, 11:21
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Kenzia, das ist ja echt lustig. So eine Geschichte erlebe ich auch gerade.
Eine andere Kindergartenmutti kann jetzt nach der Trennung überhaupt nicht mehr mit mir umgehen. Weil sie selbst seit Jahren ihre Beziehung in Frage stellt, aber den letzten Schritt einfach nicht schafft. Immerhin ist sie ehrlich, das finde ich fair.
Nachdem mein Mann (ohne Absprache) allen Nachbarn reinen Wein eingeschenkt hat, brauche ich mir auch keine Gedanken mehr drüber machen, wer bescheid weiß und wer nicht. Aber ich muss sagen, es ist mir auch immer mehr egal. Ich glaube, anders kommt man auch einfach nicht klar. Eine gesunde "LMAA-Einstellung" ist der Schlüssel zum Glück. Ich hab mir das ja auch so nicht gewünscht, aber es ist jetzt nun mal so und fertig. Probleme sollte man ja dort belassen, wo sie hingehören. Wer ein Problem mit mir hat, der hat halt ein Problem. Selbst. Ich nicht. Damit bin ich als "Opfer" uninteressant und es wird sich wieder anderen Dingen zugewendet. Vielen Leuten scheint es einfach unglaublich langweilig zu sein in ihrem eigenen Leben. Ich hab da manchmal schon fast etwas Mitleid
Ich sehe das auch wirklich nicht als Makel. Ich bin sehr froh, den Schritt ENDLICH gewagt zu haben und glaube, dass es die Basis für ein glückliches Leben für uns alle ist - nur nicht zusammen.„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.“
Nicolas Chamfort
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18.05.2016, 11:52
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Mich erinnert diese Diskussion ein wenig an die Comedy-Sendung "Little Britain".
Da gibt es "den einzigen Schwulen im Dorf". Er ist schier umgeben von Schwulen, besteht aber darauf, der einzige Schwule im Dorf zu sein und als solcher natürlich permanent ausgegrenzt und gemoppt zu werden.
Heutzutage geht jede zweite Ehe in die Brüche, die Hälfte aller Kinder leben also mit einem Elternteil allein oder in Patchworksituationen.
Wie kann man da noch annehmen, die Anderen würden einen Makel sehen?
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18.05.2016, 11:56
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18.05.2016, 13:21
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Je nach Region scheint es aber doch nicht so ganz verbreitet zu sein. Ich persönlich kenne bei uns (bayrisches Dorf) jetzt niemanden außer uns, der getrennt ist. Von daher empfinde ich das war nicht als "Makel", aber man ist schon Gesprächsthema.
Ich glaube trotzdem nicht, dass die Kinder deswegen in der Schule gehänselt werden. Da gibt's wirklich andere Nichtigkeiten (Namen, Figur, Brille, usw.), an denen man auch nix machen kann. Da lehne ich mich entspannt zurück.„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.“
Nicolas Chamfort
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18.05.2016, 13:31Inaktiver User
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Das wundert mich bei dem Thema hier auch. Dass sowas heutzutage noch ein Gesprächsthema ist, wird wohl nur in sehr konventionellen Umfeldern (wo mehr Schein als Sein herrscht) vorkommen. Aber im normalen Leben sind Trennungen doch an der Tagesordnung. Ca. 50 % Scheidungen + die Trennungen unverheirateter Paare, die durch die Statistik rauschen.
Ich bin in meinem Umfeld (obwohl unkonventionell) auch die einzige Alleinerziehende, aber ich käme ganz sicher nicht auf die Idee, das als Makel zu empfinden. Uns geht es phantastisch, also, worüber sollte ich mich beschweren? Auch aus dem Umfeld käme keiner auf solche Ideen. Wir werden auch nirgendwo ausgeschlossen oder so. Im Gegenteil, wir haben ein sehr großes und aktives soziales Netzwerk und da kräht kein Hahn danach, ob nachts ein Mann neben mir liegt oder nicht. Auch dieses Konkurrenzdenken (dass Frauen ihre Männer am liebsten wegschließen würden) kenne ich nicht. Und mit solchen Frauen würde ich auch nichts zu tun haben wollen (und mit deren Männern auch nicht). Das klingt ja nach Stress pur.
Und da wir weit und breit diejenigen mit dem größen Haus und Grundstück sind (vielfältigste Beschäftigungsmöglichkeiten eingeschlossen), war unser Zuhause schon immer der Sammelpunkt für den Freundeskreis meiner Kinder. Aber sie fühlen sich auch unabhängig davon bei uns wohl. Ein Kumpel meines Sohnes sagt mal: Am wohlsten fühle ich mich bei euch. Bei euch ist es immer so entspannt und lustig. Genauso empfinde ich es auch. :-) Ich möchte jedenfalls mit niemandem tauschen.
Edit: Ich möchte noch hinzufügen, dass es bei uns wohl auch deshalb so entspannt ist, weil ich mich seit der Trennung sehr viel wohler fühle. Vor der Trennung war es stressig, ich war unglücklich und das haben auch die Kinder gespürt. Nach der Trennung sind wir alle aufgeblüht. Das Leben als Alleinerziehende kann also durchaus wesentlich angenehmer sein als das Leben in einer Beziehung. Hängt natürlich von den Umständen ab.Geändert von Inaktiver User (18.05.2016 um 14:00 Uhr)
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18.05.2016, 14:07Inaktiver User
AW: Wie geht Ihr mit dem "Makel" der Trennung um?
Liebe TE,
warte noch ein bisschen und du bist die Regel, nicht die Ausnahme.
Als mein Sohn (nach Jahren im Ausland) hier in D in die Schule kam (9.Klasse) meinte er einmal so nebenbei: Mama, ich bin der einzige mit 3 Telefonnummern....
Ich:??
Er: ja, da ist eine Klassenliste und da steht die Mobile Nummer vom Vater, von der Mutter und die vom gemeinsamen Haustelefon.
und es stimmte, bis auf ein, zwei Familien waren alle geschieden/getrennt.
gruss
chrissi


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