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    Ich kann so schwer loslassen

    Hallo,

    ich habe immer Kopfkino und mache mir Sorgen, wenn die Kinder mit ihrem Papa unterwegs sind. Nicht im Alltag, aber wenn er mit ihnen in den Urlaub fährt. Er neigt zu Abenteuerreisen, die wir früher auch zusammen gemacht haben. Er ist sehr spontan und oft etwas chaotisch. Früher fand ich das ja super. Jetzt bereitet es mir schlaflose Nächte. Und ich hab das Gefühl, es wird immer schlimmer. Schon Monate vor dem geplanten Urlaub mache ich mir Sorgen, das steigert sich dann immer mehr. Kurz bevor es losgeht, bin ich ein Nervenbündel.

    Ich glaub, ich komm so schlecht damit klar, weil ich nicht dabei bin und keine Kontrolle hab. Früher war ich bei gemeinsamen Reisen ja eine Art regulierende Größe. Ich glaub auch, es ist mehr ein Problem bei mir als bei ihm. Ich möchte ihm nicht in seine Elternzeitgestaltung reinreden, das steht mir ja nicht zu. Die Kinder kommen von diesen Urlauben meist sehr begeistert zurück, wahrscheinlich sogar mehr, als von denen mit mir. Ich gönne es ihnen auch, so außergewöhnliche Erfahrungen mit dem Papa zu machen. Das macht ihn ja irgendwie auch aus. Er trampt dann teilweise mit ihnen durchs Land, Zimmer werden grundsätzlich erst vor Ort gesucht, kann auch mal ein wilderes Hostel sein, oder eine tagelange Zugfahrt. Wie gesagt, früher haben wir das zusammen gemacht, auch noch mit Baby. Daher weiß ich aber auch, dass er sich manchmal überschätzt und seine Grenzen nicht genau kennt. Und ich bin nicht mehr dabei, um aufzupassen.

    Ich glaube, ich bin teilweise leider wirklich ein Kontrollfreak, vll. auch in der Zeit mit ihm dazu geworden. Und jetzt zieht es mir die Schuhe aus, wenn ich die Kontrolle abgeben muss. Ich hab übrigens auch Angst, wenn er mit den Kindern wegfliegt, dass auf dem Flug was passiert. Das hat natürlich mit ihm speziell nichts zu tun, gehört aber leider auch oft zu den Urlauben dazu.

    Er ist ein ganz guter Vater, der sich abwechselnd mit mir um die Kinder kümmert, Co-Erziehung klappt so weit wunderbar. Er hat immer bereitwillig Verantwortung für die Kinder übernommen. Aber bei diesen Urlaubsgeschichten merke ich, das ich ihm nicht 100%ig vertraue, dass er genausogut auf die Kinder aufpasst wie ich

    Das strengt mich sehr an und wie gesagt, reagiere ich immer stärker. Oder zumindest wird es nicht besser, was ich mir erhofft hab damit, das die KInder älter werden.
    Kenn ihr sowas auch?

    Viele Grüße
    sabina

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    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Zitat Zitat von Sabina_ Beitrag anzeigen
    Er trampt dann teilweise mit ihnen durchs Land, Zimmer werden grundsätzlich erst vor Ort gesucht, kann auch mal ein wilderes Hostel sein, oder eine tagelange Zugfahrt. Wie gesagt, früher haben wir das zusammen gemacht, auch noch mit Baby. Daher weiß ich aber auch, dass er sich manchmal überschätzt und seine Grenzen nicht genau kennt. Und ich bin nicht mehr dabei, um aufzupassen.
    Ich habe bei Abenteuerreisen mehr an Rafting, Bungeejumping oder Reisen durch unsichere Gegenden gedacht. Deine Beispiele sind für mich jetzt nicht gerade schockierend. Sich erst eine Übernachtung vor Ort zu suchen ist für viele immer noch völlig normal und in den heutigen Zeiten von Smartphone und Co sowieso keine Herausforderung mehr. Eine tagelange Zugfahrt ist auch nicht zu beanstanden oder fährt er mit den Kindern irgendwo durch Indien, wo man schon mal auf den Puffern sitzt oder halb aus den Fenstern hängt?

    Ich denke, du steigerst dich in etwas rein, wofür auch die Flugangst spricht. Klar gibt es all diese Risiken, aber die hast du auch, wenn sich deine Kinder ganz normal im Straßenverkehr bewegen. Ich würde die Bedenken dem Vater gegenüber offen kommunizieren, aber auch sagen, dass er dein Vertrauen besitzt. Deine Kinder gewinnen durch die „andere“ Art ihres Vaters wertvolle und nützliche Lebenserfahrung, bestimmt mehr als in einem all-inclusive Pauschalurlaub.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Hallo Nocturna,

    danke für deine Antwort.
    Ja, das weiß ich, das ich überreagiere und das Ganze eher irrational ist von meiner Seite aus. Deshalb ist meine Frage eher, wie ich mich entspannen kann bzw mit einer Unsicherheit auch gut leben lernen kann. Ich kann ihn ja nicht ändern. Die Beispiele sind in der Tat nicht besonders aufsehenerregend:).

    Ich hab ja geschrieben, dass er sich gern mal überschätzt. Z.B. kann er schlecht einschätzen, wie lange er nachts durchfahren kann, ohne eine Pause zu brauchen. Oder wie weit er schwimmen kann. Er ist kein guter Schwimmer, aber wenn man mit ihm an den See geht, durchschwimmt er ihn einmal, um dann außen rum zu laufen und hinter einem aus dem Gebüsch zu kommen, um einen zu überraschen. Währenddessen ist man am Ufer schon 1000 Tode gestorben vor Angst. Vor 2 Jahren ist er über einen Zaun geklettert, statt 6 Meter drumherum zu laufen und hat dann mehrere Monate im Krankenhaus verbracht inkl. OP. So ist das. Ist bisher immer gut gegangen, und inzwischen mach ich mir um ihn keinen Kopf mehr, ist ja lange erwachsen, und die Bindung ist nicht mehr so da; er muss auf sich selbst aufpassen. Aber die Kinder...da hab ich schon im Nachhinein Stories gehört von Nachtfahrten, das fand ich schon sehr grenzwertig. Seitdem haben wir darüber eine Abmachung. Ich setze mich immer vorher mit ihm zusammen und bespreche, was für mich gar nicht geht. Da vertraue ich ihm auch, dass er sich dann dran hält. Aber ich weiß nicht, ob dann woanders ein Problem aufploppt, das ich nicht vorher bedacht hab.

    VG
    Sabina

  4. Inaktiver User

    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Wie alt sind denn die Kinder - und wieviele?(sorry, falls ich es überlesen habe!)

    Irgendwann werden die Kinder selbst sagen, was sie doof finden (z.B. tagelang Zug fahren) oder wovor sie Angst haben bzw. was sie generell nicht mehr wollen. Das regelt sich alles.

    Konzentriere dich auf das Gute: er kümmert sich, er unternimmt was mit den Kindern, er liebt sie und umgekehrt. Auch wenn gerade das vielleicht dir als Mutter einen Pieks gibt - es ist allemal besser als ein Vater, der nie was von sich hören lässt.

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    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Die Kinder werden 10 und 14 dieses Jahr. Das ist schon eine andere Nummer als früher, wenn er mit der 5jährigen losgezogen ist und ich wusste nicht genau, was sie machen.

    Eigentlich sehe ich mich nicht in Konkurrenz zu ihm. Wir sind so unterschiedlich, dass ich denke, die Kinder kriegen von jedem was andres Wichtiges mit, das ist schon ok.
    Ich bin eigentlich ganz gern alleinerziehend, ich genieße auch die Freiheit, die ich dadurch habe, sowohl die Zeit mit den Kindern so zu gestalten, wie ich will, als auch die regelmäßigen kinderfreien Zeiten. Der Horror für mich sind eben nur diese Urlaubsfahrten, jedes Jahr wieder das Theater...das ICH natürlich veranstalte. Der Anlass, das ich hier geschrieben hab, war ein Gespräch mt ihm über den Sommerurlaub. Eine halbe Stunde reicht, und ich hab Kopfkino ohne Ende. Problem ist auch, dass er sehr spontan ist und ich dann wirklich erst teilweise Tage vorher erfahre, wo es eigentlich hingeht und so. Würde ich immer ganz genau wissen, wo sie von wann bis wann hinfahren, wo sie wohnen etc., wäre ich ja beruhigter. Das würde mir total helfen mit meinen Ängsten. Aber das krieg ich eben nicht, im Gegenteil. Aber auch das ist ja sein Recht. Umgekehrt fände ich es befremdlich, wollte er bei meinen Urlaubsentscheidungen mitreden. Will er auch nicht.

    Ja, ich denke, ich hab definitiv ein Problem. Ich werd glaub ich langsam etwas zwanghaft :(

    VG
    Sabina

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    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Generell kann ich deine Sorgen verstehen, ein übermüdeter Fahrer ist immer ein Risiko. Allerdings findest du das wahrscheinlich in jedem dritten Urlaubsauto auf der Autobahn in Richtung Süden, wenn die erst mal stundenlang vorm Brenner im Stau stecken. Hier würde ich klar kommunizieren, dass er seine Pausen einhalten soll, wie sie vom Navi ja auch auf langen Fahrten vorgeschlagen werden. Auch darf man da ruhig dem 14jährigen Teenager sagen, dass er darauf achten soll, dass der Papa regelmäßig einen Parkplatz ansteuert, im Zweifelsfall muss er/sie halt einfach regelmäßig aufs Klo.
    Zitat Zitat von Sabina_ Beitrag anzeigen
    Aber ich weiß nicht, ob dann woanders ein Problem aufploppt, das ich nicht vorher bedacht hab.
    Ein sehr interessanter Satz. Du glaubst an die Macht der Planung, um Kontrolle über zukünftige Ereignisse zu haben. Das tue ich auch, sogar in hohem Maß. Allerdings ist mir vollkommen klar, dass es immer Dinge geben wird, die aus dem Ruder laufen werden, weswegen auch mein Motto im Profil lautet: es kommt immer anders als man denkt. Erst beide Eigenschaften zusammen, Planung und die nötige Flexibilität auf Veränderungen zu reagieren, bilden ein Kraftpaket.

    So wie sich das für mich darstellt, haben deine Kinder da einen guten Deal mit euch beiden gemacht. Von jedem Elternteil können sie was Wichtiges lernen. Und mit 10 und 14 kommen sie auch langsam in ein Alter, wo man ihnen auch zutrauen darf, dass sie ihre eigenen Ansichten haben und diese auch deutlich formulieren. Lass locker (und ja, das geht nur über Überwindung), sonst machst du dir viel Stress um nichts.

    In nur vier Jahren ist dein ältester Teenager volljährig, wenn du da nicht geübt hast, Dingen ihren Lauf zu lassen, wird es sonst sehr schwer werden. Mein 18jähriger hat beschlossen, demnächst an einem Tag mit drei weiteren Kumpels einige Hundert Kilometer zu einer Veranstaltung zu fahren und nachts wieder zurück. Ein Auto voll unerfahrener und sich selbst überschätzender 18jähriger, toll. Dennoch, ich weigere mich das Kopfkino anzuschalten und ja, ich werde ins Bett gehen und schlafen, egal um welche Uhrzeit sie kommen. Es wird mich Überwindung kosten, aber ich werde nicht die nächsten Jahre bibbernd auf Nachrichten warten, nur weil mein Junior irgendwo mit dem Auto unterwegs ist.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  7. User Info Menu

    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Hallo Nocturna,

    das finde ich auch eine schwierige Situation. Aber es bleibt dir ja nichts andres übrig, er ist ja erwachsen.

    Ja, ich bin ein ziemlich kontrollierter und gut organisierter Mensch und es fällt mir halt schwer, mit Situationen umzugehen, die sich meiner Kontrolle entziehen, wenn da Leute involviert sind, für die ich mich verantwortlich fühle und ja auch bin. Klar, wenn die Kinder groß sind, hat das eh ein Ende. Dann nervt man ja irgendwann nur noch mit seinen Sorgen, das hab ich eigentlich nicht vor. Bin auch sehr dankbar, dass meine eigene Mutter mich mit sowas immer verschont hat, ich hatte sehr viele Freiheiten.

    Aber ich finde eben, KInder können auch mit 14 Gefahren und Risiken nicht gut abschätzen. Gerade in dem Alter doch nicht. Das müssen die Erwachsenen machen. Das beruhigt mich jetzt nicht so besonders, dass meine Tochter da ja auf die Pausen achten könnte. Auch im Beispiel mit dem Zaun würde ja meine 14jährige Tochter ihm nicht vom Drüberklettern abraten, sie würde das wahrscheinlich ebenfalls als Herausforderung begreifen, von der Kleinen ganz zu schweigen...Die haben halt auch einiges von ihm mitbekommen. Ja, eigentlich ist das so wie zwei kleinere und ein großes Kind auf Tour, jetzt überspitzt ausgedrückt, und deshalb hab ich ein blödes Gefühl. Aber das muss ich eben aushalten, da ich es nicht ändern kann. Das finde ich eigentlich am Schwierigsten an der Alleinerziehenden-Situation: mal die Kontrolle vollständig zu haben und sie dann vollständig abgeben zu müssen.

  8. Inaktiver User

    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Sabina,
    würde es dir eventuell helfen mit jemandem zu reden, der diese Situationen verstehen kann und mit dir ggf. tiefere Hintergründe erarbeitet?
    Kannst du mal fünfe grade sein lassen oder musst du alles geplant haben und kommst durcheinander, wenn unplanmäßige Dinge/Situationen dazwischen kommen?

  9. Inaktiver User

    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Sabina,
    Kinder müssen auch ihre Erfahrungen machen - du wirst sie nicht vor allem behüten und beschützen können. Wieviel traust du deinen Kindern zu?

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    AW: Ich kann so schwer loslassen

    Hallo Sariana,

    ich kann schon auch ganz gut improvisieren, das muss man ja öfter als AE; ich ziehe nur die Planung vor. Und muss sagen, dass mir selten was richtig aus dem Ruder läuft. Ich bin auch zu einer guten Organisation gezwungen, was z.B. meine Urlaube betrifft; ich hab kein Auto und wir sind immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, das muss halt vorhergeplant sein und ist nicht so spontan wie mit dem Auto. Und ich zelte manchmal mit den Kindern; das mit Öffis und ohne Auto ist auf jeden Fall eine logistische Herausforderung. Es ist mir einfach im Lauf der Jahre in Fleisch und Blut übergegangen.

    Auch hab ich in der letzten Zeit unserer Partnerschaft eigentlich alles für alle geregelt, er hat immer mehr laufen lassen, so haben wir uns sehr unterschiedlich entwickelt, d.h., er hat sich eigentlich nicht großartig verändert seit unsrem Kennenlernen, nur das Leben mit den größer werdenden Kindern wurde ja immer komplexer und irgendjemand musste sich um alles kümmern. Hätte alles andes laufen müssen von beiden Seiten, der Keks ist aber lange gegessen. Nur ich sitze jetzt da mit einen ziemlich starken Verantwortungsgefühl und - siehe Titel.

    So schlimm, dass ich mir jetzt Hilfe holen müsste, finde ich es noch nicht, aber ich werde es beobachten:). Die Lebensqualität leidet ja schon etwas unter solchen Ängsten immer wieder und über längere Zeit. Und wie ihr schon sagt, die Kinder werden ja größer. Heute ist es der Urlaub mit dem Papa, morgen die Party mit den Freunden. Risiken lauern ja überall. Da kann ich mich nicht jedesmal so reinsteigern. Bis jetzt kriegen die KInder das noch nicht so mit, dass ich Kopfkino hab, das behalt ich eigentlich bei mir.

    Meinen Kindern traue ich schon vieles zu. Aber siehe oben, ich würde sie ja auch nicht allein in den Urlaub fahren lassen. Was Sicherheit betrifft, sind sie für mich eher nicht die Ansprechpartner. Es ist auch einfach nicht ihre Aufgabe. Was inzwischen ohne Probleme klapt, ist natürlich, dass sie zu verstehen geben, wenn ihnen was zu viel wird/sie keine Lust haben etc. Das finde ich auch eine Erleichterung zu wissen.

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