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06.07.2015, 19:07Inaktiver User
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
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06.07.2015, 19:19
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
s.auch http://m.youtube.com/watch?v=tIhj3dZj_HA
Ich hab es so oft angehört. Auch um den Übergang von Weinen zum Lachen zu schaffen
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06.07.2015, 19:27Inaktiver User
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Ich finde, Du solltest kein schlechtes Gewissen haben, weil du sie derzeit nicht ausstehen kannst. Unsere Kinder sind doch ein Gemisch aus vielen Genen und vielen Einflüssen. Dazu die derzeitige Hormonlage.
Man muss doch nicht sein Kind bedingungslos leiden können, nur weil es das eigene Kind ist.
Ich habe einmal interessante Beiträge gelesen, dass Eltern Lieblingskinder haben. Und dass das normal ist. Nun, Du hast nur 1 Kind. Und das ist anders, als Du es Dir vorstellst.
Ich habe 3 Kinder. Die sind alle erwachsen (36, 32, 26) und sind sowas von unterschiedlich. Alle gleich (naja, bilde ich mir jedenfalls ein) mit Liebe erzogen.
Aber mein Jüngster hat alle Gene meines Ex abbekommen. Ich sage immer, wenn ich mal wieder mit ihm zusammen war, ich liebe ihn, aber ich kann ihn nicht leiden.
Tja, was soll ich machen? Ich würde bestimmt mein Leben für ihn geben, aber ich komme mit dem Charakter nicht klar.
Ich denke, Du musst Deine schlechten Gefühle zulassen. Dich zurückziehen, damit Deine Tochter auch zur Ruhe kommt. Jeder macht eine Zeitlang seins. Keine Provokationen mehr von Dir, auch keine von ihr mehr. Diskussionen beenden, sagen, so nicht, umdrehen und weg gehen. Nicht mehr an ihr rumzerren. Das bringt überhaupt nichts.
Wenn es sein muss, Dein Zimmer abschließen. Mit Ankündigung, weil Du ihr nicht mehr vertrauen kannst.
Diese Zeit ist so schwer! Du hast mein vollstes Mitgefühl.
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06.07.2015, 19:55
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Ich kann dich wirklich gut verstehen. Mein Sohn war bis 16 wirklich lieb und umgänglich, ich dachte schon, was ist denn Pubertät? Dann kam`s. Vorallem nachdem mein Mann ausgezogen war, wurde ich zu seinem ausgewählten Sparringspartner.
Er ging von einer Sekunde auf die andere in die Luft, war unfreundlich bis unverschämt, zeigte wenig Respekt mir gegenüber, hatte eine Umgangston an sich, der unter aller Kanone war, wurde überheblich bis arrogant, oft auch seinen Kumpels gegenüber. Er blieb nachts oder ganze Tage weg (brach auch eine Ausbildung ab).
Irgendwann dachte ich, wenn er nicht mein Sohn wäre, ich könnte ihn nicht wirklich leiden. Das sind natürlich harte Gedanken. Aber völlig legitim. Er wurde erwachsen, wir waren nur noch zu zweit, meine Tochter war ausgezogen (mit der es fast keine Probleme gegeben hatte), er nutzte das Hotel Mama aus, bis ich ihn vor die Wahl stellte, auszuziehen oder ein anderes Verhalten an den Tag zu legen. Klappte leidlich immer mal für kurze Zeit.
Irgendwann zog er "freiwillig" aus, wir kommen jetzt gut miteinander zurecht. Alles geht vorbei, auch wenn du das im Moment nicht glauben kannst. Irgendwann schaltet der normale Verstand wieder ein. Ich habe mich immer damit getröstet, dass er außerhalb des Familien- und engen Freundeskreises ein durchaus gutes Verhalten an den Tag legte. Und dass seine politischen und sozialen Ansichten niemals nach rechts abwanderten oder er gewalttätig geworden wäre.
Versuche mal, ein paar gute Punkte zu sammeln, die deine Tochter ausmachen, das hilft. Ansonsten: aussitzen, wenn´s zu bunt kommt, klare Ansagen machen, Zugeständnisse ihr gegenüber vom Wohlverhalten abhängig machen.
Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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07.07.2015, 05:56
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Hallo Jedlen,
meine Söhne sind 16 und 19 und wir leben seit einigen Jahren gleichfalls allein.
Ich finde, das Gefühl der "Enttäuschung" hat etwas mit eigenen unerfüllten Erwartungen zu tun. Ich sage mir immer wieder "Er ist so wie er ist und es ist gut so"... oooommmhh...
Wichtig finde ich, etwas zu tun, um sein eigenes Leben zu gestalten. Das ist nicht leicht, hilft aber als Gegengewicht.
Aktuell flippt mein jüngerer Sohn häufiger aus, er spielt den Vater und mich gegeneinander aus und zeigt mir gegenüber sehr unverschämtes Verhalten.
Einerseits könnte ich mit Entsetzen reagieren - bringt aber nix.
Ich habe ihn ernsthaft vor die Wahl gestellt -> entweder zum Vater, zum Jugendamt oder Verhalten anpassen.
Habe beschrieben, an welcher Stelle mich was fertig macht. Habe auch total "autoritär" bei Grenzüberschreitungen reagiert (was ich sonst nicht tue...) also z. B. I-Pad weggenommen und weggeschlossen.
Nach einiger Zeit hat er zumindestens halbwegs eingelenkt. Er möchte hier bleiben und ja, im Großen und Ganzen findet er mich gut und ich soll das nicht so persönlich nehmen.
Meine Ansagen nimmt er jedenfalls wahr.
Und ich kümmere mich um mich.
Gruß
Capbreton
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07.07.2015, 06:45Inaktiver User
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Als erwachsene Tochter, die solch ein Verhältnis mit der Mutter hatte, möchte ich mich herzlich bei Dir bedanken für Deine Offenheit, liebe Jedlen. Du hast Mut, dieses Thema so ehrlich zu beleuchten.
Meine nunmehr alte Mutter traut sich das bis heute nicht und ich stoße sie nicht mit der Nase drauf, sie ist schließlich nun wirklich alt und was soll ich ihr jetzt noch viel Pein und Schuldgefühle bescheren und ihre Abwehrmechanismen gewaltsam aufbrechen? Für meine eigene Genugtuung?
Achwas.
Es stimmt auf alle Fälle: es wird besser, wenn die Kinder ihr eigenes Leben leben. Seitdem ich nicht mehr so viel von ihr abverlange, ist sie viel entspannter.
Ich fühle auch, daß sie selber unter schweren Schuldgefühlen leidet und versuche ihr immer zu signalisieren: ist doch ok jetzt!
Wir schleichen um das Thema herum wie um den heißen Brei, aber es kommt trotzdem auch was rüber dabei, fast nonverbal, oder kanalisiert. Irgendwo versteht man sich.
Aus mir ist auch trotzdem was geworden, das hätte keiner vermutet damals.
Ich sehe Mutter nicht mehr, weil ich einfach zu weit weg wohne und eine Reise einfach nicht geht und das ist wohl das stärkste Indiz, daß da irgendwas irgendwie mal im Argen war - hat aber auch nicht nur mit ihr zu tun.
Trotzdem. Ich finde die recht lose Beziehung zu ihr (Briefe und Anrufe - so 3, 4 x im Jahr) überraschend authentisch und wohlmeinend.
Sie kann mir heute Dinge erzählen, die sie sonst keinem sagen kann und sie kann mir auch von Herzen alles gute wünschen, was damals auch nicht so ging.
Das vielleicht ein bisschen wie "eine Nachricht aus der Zukunft" an Dich - denn so ähnlich kann das ja auch bei Euch mal werden.
Wie gesagt: ich bewundere Deinen Mut und verstehe diesen inneren Kampf auch gut. Es darf halt nicht sein, was nicht sein darf - und trotzdem ist es so.
Damit kann ich ganz gut leben. So ehrliche Frauen wie Du (ich habe noch andere gelesen an anderer Stelle) helfen einem wirklich zu verstehen, wie das so ist als Mutter und Mensch. Sonst erzählt es einem ja keiner!
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07.07.2015, 09:01
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Hast Du schon mal in Betracht gezogen, dass Deine Tochter vielleicht
introvertiert sein könnte? Das macht sich nicht zuletzt auch an der zurückhaltenden
Kommunikation bemerkbar.
Ich habe zwei Töchter, beide Anfang 20. Die Jüngere ist die personifizierte
Extraversion :). Umso mehr fällt mir immer wieder der gravierende Unterschied
zur Älteren auf ... sie ist das extreme Gegenteil und kommuniziert auch oft nicht
in dem Maße und in der Art und Weise, wie ich mir das wünschen würde. Einfach
deshalb, weil sich dadurch vieles einfacher gestalten würde.
Ich selbst bin eher introvertiert, kann sie deshalb auch gut verstehen. Und ich
weiß gleichzeitig, dass es eine ziemliche Herausforderung sein kann, sich mit
dieser Persönlichkeitsstruktur im Leben zu behaupten.
Was die nicht vorhandene Kritikfähigkeit Deiner Tochter angeht ... mir hilft bei
vordergründigem Unverständnis immer, mir ganz bewusst vor Augen zu führen,
wie ich selbst in dem Alter war und wie ich mich gefühlt habe. Dieser "Abruf"
funktioniert eigentlich immer sehr gut und lässt mich Probleme aus einer anderen
Perspektive angehen.
Dem Rat schließe ich mich an.
In meinem Bücherregal stehen noch Werke, die mich zu Pubertätszeiten
begleitet und getröstet haben
U.a.
*Pubertät - Loslassen und Haltgeben*
von Jan-Uwe Rogge
*Wie Kinder wieder wachsen*
von Martina Leibovici-Mühlberger
Bei all Deinen Schilderungen habe ich trotzdem das Gefühl, dass Eure
Beziehung auf einer gesunden und liebevollen Basis steht.
Also keine Sorge, das wird schon (wieder)!
Geändert von schafwolle (07.07.2015 um 09:07 Uhr)
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07.07.2015, 09:14
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Bzgl. der ganzen Situation habe ich zunächst einmal eine Verständnisfrage zu diesem Ausschnitt:
Deine Tochter nimmt also des öfteren aus deinem Kleiderschrank ungefragt Oberteile von dir und zieht sie an, wenn sie zu ihrem Vater fährt - richtig?
Und dort verbleiben die Oberteile dann - auch richtig?
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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07.07.2015, 10:14
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Hallo Jedlen,
ich glaube, meine Mutter war ähnlich enttäuscht von mir.
Sie war mit sich selber unzufrieden und mit ihrer Ehe, und da hätte sie sich halt gewünscht, daß doch wenigstens die Kinder...und dann hatte sie nicht die Kinder, die sie sich gewünscht hätte, sondern statt dessen die, die wir halt waren.
Und wir waren, jede anders und doch ganz durchschnittlich: halt so ein Pubertier,
das allmählich merkt, daß es kein Kind mehr ist, aber noch lange nicht erwachsen, unabhängig oder gar abgeklärt.
Mehr oder weniger zerissen zwischen: sich in die eine Richtung abgrenzen und in die andere dazugehören zu wollen.
Klar genug, um zu verstehen, daß das Leben verdammt schwierig sein kann, aber nicht nicht reif genug, etwas daran zu ändern.
Sich unverstanden fühlen und doch - heimlich, zähneknirschend - den Erwachsenen recht geben müssen, weil beispielsweise grüne Haare halt doch nicht jedem stehen.
Ganz selbständig sein wollen und doch manchmal - heimlich, natürlich, bloß keine Schwäche zeigen vor Leuten, die "ich habs Dir doch gesagt" sagen könnten - am liebsten bei Mama auffem Arm sitzen wollen.
Jedlen,
kannst Du Dir vorstellen, wie oft meine Schwester und ich uns gewünscht haben,
daß meine Mutter einfach mal was für SICH selber tut, glücklich mit sich wird und uns als zwei nette Mädels sehen kann, die halt ab und an ein bißchen mutieren?
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07.07.2015, 12:42
AW: Ich bin so enttäuscht vom Kind und komme mit dem Gefühl nicht klar
Pubertät ist wie Zahnen und Co.. - zum Glück nur eine Phase. Also das Baby-Mantra wieder rauskramen wenn du auf dem Zahnfleisch gehst.
Und: irgendwann haben sie sogar vergessen, WIE schlimm sie waren.
Der Sohn von Herrn Plüschi war ein Mega-Pubi. Unverschämt bis zu "Ar...lo.., du Wi..er hast mir nichts zu sagen"-Sätzen an seinen Vater, totaler Verweigerung, unzugänglich und Co.
Aber irgendwann war er damit durch.
Als er 19 war, hat bei einer Familienfeier sein 14jähriger Cousin rumgebockt und dann mit Türenknallen den Raum verlassen.
Sohn guckte so
und meinte dann: "Furchtbar! Na Gott sei Dank war ich nie so!" 


und wunderte sich, dass alle erwachsenen Anwesenden Tränen lachten...
Bei der Tochter war Herr Plüsch dann schon deutlich entspannter, weil er wusste, es geht vorbei.
Also Kopf hoch
du machst nichts falsch, sie kriegt den Bogen schon wieder.




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