Woher leitest du das denn nun ab?
Weißt du, ich finde es grenzt an emotionale Erpressung wenn einem Kind ständig vorgehalten wird, oder es so leben muss dass das Leben hart und schwer ist.
Meine Mutter war immer arbeiten.
Weißt du wie es sich für mich darstellte, mal ganz wertfrei?
Sie war nicht da.
Wenn sie da war, war sie müde und fertig.
Sie hat ihr eigenes Geld verdient und hatte später ne gute Rente.
Mal ganz wertfrei gefragt: was hatte ich als Kind davon.
Ich war extrem selbständig, so sehe ich das aber heute erst.
Bin morgens alleine aufgestanden, ohne Schulbrote, und oft auch ohne Schulsachen.
Und war trotzdem gut in der Schule.
Heute würde ich aber behaupten, es hat mir schlichtweg das Gefühl gefehlt auch Ansprüche stellen zu können, wichtig zu sein.
Meine Mutter hat fast angegeben immer berufstätig gewesen zu sein.
Mein Vater gibt noch heute damit an was er beruflich alles so erreicht hat.
Das haben die aber bitteschön für sich getan.
Weiß ich heute!!!!
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25.04.2015, 09:28Inaktiver User
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
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25.04.2015, 09:37
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
Was du als Kind davon hattest? Autonomie!
Meine Mutter war trotz Halbtagsjob eine Helikoptermutter. Alles wollte sie wissen, überall steckte sie ihre Nase rein. Als wir im Deutschunterricht schreiben sollten, wie wir kochen, musste ich passen, ich hatte noch nie gekocht, noch nicht mal Spiegeleier. Ich war die Einzige, mein Deutschlehrer ist beinahe umgefallen.
Meine Mutter war total lieb, aber sie erwartete von mir ständig Zuwendung (die ich von ihr natürlich auch bekam). Wenn ich als junge Berufstätige von der Arbeit kam, hatte sie immer Essen fertig, ich musste mich an den Tisch setzen, essen und quatschen. Ich hasse quatschen, wenn ich müde nachhause komme. Aber keine Gnade, sie wollte ihre Gedanken teilen.
Als Einzelkind gab es auch keine Stellvertretung. Es war mein Job. Und an sowas wie ein Jahr im Ausland durfte ich gar nicht denken. Als Teenager habe ich darüber nachgedacht, einfach mit dem Rad wegzufahren und nicht wieder zu kommen. Aber dafür hatte ich sie zu lieb.
So ein Vollzeitjob mit vielen Überstunden wäre schön gewesen.
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25.04.2015, 11:53Inaktiver User
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
na ja, du bist schon ein wenig speziell - würde ich mal sagen, wenn man so grob deine Beiträge überfliegt.
Auf manche - wie Kinder sind Luxusgüter würde ich niemals eingehen.
Aber, mal im Ernst.
Meine Freiheit habe ich schon genossen - und auch so gesehen.
Aber, ich bitte dich - das wiegt doch nix auf.
Es ist auch mittlerweile bekannt, dass gerade Kinder von sehr pflichtbewussten Eltern es ihnen nach machen wollen, unter Druck leiden - bis zum burn-out.
Und mal ganz banal: die Augen hättest du sehen sollen.
Wenn Kinder bei uns mittags zu Besuch waren.
Den großen Tisch gesehen haben.
Aber mir geht es auch eher um das Große Ganze.
Dass es nämlich die Aufgabe einer Mutter ist dem Kind Sicherheit und auch Trost zu vermitteln.
Und dass das Leben eben schön und lebenswert ist - wenn man sich bemüht oder auch mal in was einfügt.
Meine Freundin ist auch behüteter aufgewachsen als ich es je gewollt hätte.
Aber auch wahrscheinlich: weil ich mir so was wie Geborgenheit und Behütetsein gar nicht vorstellen konnte.
Wenn man nur ansatzweise erwähnt wie wichtig man das für seine Kinder findet gilt wird man belächelt oder für faul gehalten.
Mal was Anderes zu dir:
fällt dir eigentlich auf wie fast extrem du deine Unfähigkeiten beschreibst?
Ich schwanke manchmal ob ich das als Ehrlichkeit bewundern könnte.
Oder ob es dir nicht gut stünde mal wieder die Erfahrung zu machen dass es auch Aufgaben gibt die man zu bewältigen schafft. Obwohl du es dir leisten kannst keiner Arbeit nachzugehen.
Ich glaube, das kann einen Menschen ganz schön verändern.
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25.04.2015, 14:04
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
Der TE geht es aber darum, dass die neue Stelle zu ungenaue Arbeitszeiten hat, so dass sie die Betreuung für ihr Kind nicht gut organisieren kann.
Das ist der feine Unterschied, Mary-Lou: Sie möchte als Mutter arbeiten gehen und ihr Kind betreut wissen. Zu Hause zu sitzen, von Stütze abhängig zu sein und dem Kind vorzuleben, dass Sozialhilfe gut fürs Familienleben sein soll, ist nicht ihr Ding. Das ist auch eine sehr gute und gesunde Einstellung. Das Kind ist übrigens mit neune Jahren bereits kein Kleinkind mehr.
Was hättest du wirklich von deiner arbeitenden Mutter benötigt? Dass du das Gefühl hast, dass du in ihrem Leben die Nummer eins bist, vor ihrer Arbeit, vor deinem Vater, vor allem anderen? Hat sie dir jemals Vorwürfe wegen schlechter Noten gemacht? Wie hat sich dein Vater um dich gekümmert? War deine Mutter zu Hause, wenn du krank gewesen bist? Wie viele Dinge hat sie dir verboten? Hat sie dir bei der Berufswahl, bei der Partnerwahl, bei der Kindererziehung hineingeredet?
Dass deiner Mutter die Arbeit so wichtig gewesen ist, hat einen Grund. Hast du danach schon einmal gefragt?
Ein Kind von neun Jahren muss nicht mehr rundum die Uhr bespaßt und umsorgt werden, sondern braucht nur das Gefühl, dass jemand da ist. Mit neun Jahren sind Kinder so sozialisiert, dass sie sich morgens alleine waschen und anziehen und auch selbst am Frühstückstisch essen können. Wenn sie morgens ihr Pausenbrot selber machen, essen sie das in der Schule auch und es kostet weder Unsummen noch tagelange Vorbereitung, ein Pausenbrot mit Wurst oder Käse zu belegen und in eine Box zu packen. Kinder wissen auch, dass sie bei Regen einen Regenschutz brauchen oder bei warmem Wetter auf die dicke Winterjacke verzichten können. In der Schule ziehen sie sich zum Sportunterricht nämlich auch alleine aus und an. Zu Hause sollen sie das plötzlich nicht mehr können?
Was sie wirklich brauchen, ist die Gewissheit, dass jemand da ist. Und dieses Gefühl möchte die TE ihrem Kind erhalten. Entweder ist sie da oder ein Hort oder ein "Babysitter" oder auch der Kindsvater. Da der selbst arbeiten geht, schränkt das die Betreuungszeiten ein - ermöglicht aber einen "Männersamstag" mit Fußball und viel Spaß.
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25.04.2015, 14:13Inaktiver User
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
dass jemand da ist, halte ich auch für wichtig, auch wenn die kinder schon sehr viel allein können.
sie fressen sonst so viel in sich hinein. kinder sprechen ja nicht reflektiert zu einem verabredeten zeitpunkt darüber, was sie bewegt, so wie ein erwachsener, sondern sie sind spontan und leben im augenblick.
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25.04.2015, 15:47
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
Diesen Eindruck hast du? Möglicherweise hast du damit gar nicht mal unrecht. Das liegt aber weniger daran, dass ich wirklich unfähig bin, sondern eher daran, dass meine Eltern Angeber zutiefst verabscheut haben.
Stell dir vor, inzwischen kann ich sogar kochen. Mein Freund meint, sogar ziemlich gut.
Mir geht es nur so, dass ich das, was super klappt, selbst ziemlich bedeutungslos finde und meine Aufmerksamkeit lieber Dingen zuwende, die für mich verdammt schwierig sind. An denen beiße ich mich regelrecht fest.
Ich finde z.b. nicht, dass es eine besondere Leistung wäre, eine technische Zeichnung anzufertigen, einen Geschäftsbrief zu schreiben, einen Kuchen zu backen oder mit dem Auto durch Mailand zu fahren und es erfolgreich einzuparken. Natürlich kann ich das, ich kann auch allein aufs Klo. Oder auch Fliesen legen, Tapeten kleben oder einen Reifen wechseln.
Ich kann keine Differenzialgleichungen lösen, keine Computer programmieren, keinen Marathon laufen, Klavier spielen und auch nicht fließend Chinesisch sprechen. Dafür arbeite ich daran, mich in mehreren Indogermanischen Sprachen verständigen zu können, beim Golf weniger als 80 Schläge für eine Runde zu benötigen und auf dem Eis Axel und Doppelsalchow zu stehen. Wenn mir das gelingt, bin ich stolz auf mich und das erzähle ich auch meinen Freunden. Aber ich hänge das nicht an die große Glocke. Wozu auch?
Im Job habe ich kapiert, dass ich nie das machen darf, was mir Spaß machen würde und mir meine Zeit für das, was man mir gnädigerweise zutrauen würde, einfach zu schade ist. Dann eben nicht! Da mache ich lieber was Sinnvolles! Aber wenn man das an die große Glocke hängt, halten die anderen einen für arrogant und hochnäsig. Also lasse ich das eben.
Und ja, ich bin manchmal zu ehrlich. Wahrscheinlich auch jetzt gerade mal wieder. Auch das hängt mit meiner Beziehung mit meiner Mutter zusammen. Das war so eng, sie erwischte mich bei jeder Lüge. Mir blieb nichts anders übrig als Ehrlichkeit. Selbst Verschweigen war schwierig bei so wenig Intimsphäre.
Erst viel später wurde mir klar, dass ich andere Leute tatsächlich belügen kann. Bis dahin dachte ich, ich wäre als Lügnerin ein Totalversager und war erstaunt mit welchem Mist ich bei denen durchkam.
Wenn man ständig intellektuell unterschätzt wird, kann man den Spieß auch umdrehen und noch einen draufsetzen: man tut extra dumm. Das schützt vor lästigen Aufgaben. Mein Ex hat es in dieser Disziplin zu Spitzenleistungen gebracht. Lustigerweise verdächtigt ihn bei sowas kaum jemand. Ich staune da immer.
Ich gebe zu, dass ich gelegentlich auch so handle: ich lasse die Leute denken, ich wäre dümmer als in Wahrheit. Dadurch bleibt eine gewisse Komfortzone erhalten und ich kann mich auf das konzentrieren, was für mich entscheidend ist. Und vor allem ecke ich damit seltener an, als wenn ich ihnen ihre Dummheit vorführe. Denn dann bin ich es wieder, die arrogant ist und sie müssen sich nicht selbst an die Nase fassen. Das will und muss ich mir nicht mehr geben. Ich schraube mich dann einfach runter auf ihre Ebene und alles ist gut.
Aber wenn man sich mal Gedanken macht, wird klar, dass die Perspektiven völlig unterschiedlich sein können. Was z.b. ist sinnvoll? Für mich nur das, was mit einem Erfolgserlebnis endet oder einen Mehrwert einbringt. Hausarbeit gehört für mich nicht wirklich dazu. Was ist fleißig? Mir hat man beigebracht, Fleiß ist, Dinge zu tun, die ätzend sind. Faulheit ist, das zu machen, was Spaß macht. Andere meinen, ich wäre fleißig, wenn ich pro Woche 25 Stunden Sport treibe. Wenn ich das tue, fühle ich mir sehr faul, weil die ätzenden Dinge liegen bleiben. Aber die sind für mich ja wieder nicht sinnvoll.^^
Erkennst du den Widerspruch? Was ich auch tue, es ist verkehrt!
Ich schätze mal, die TE steckt in einem ähnlichen Dilemma. Wichtig ist, das zu erkennen, sich darüber klarzuwerden, womit man am glücklichsten wird und sich nicht darüber zu ärgern, dass bei dem eigenen Hintergrund die perfekte Lösung nicht existiert. Sie existiert nicht, weil man vorher falsch konditioniert wurde. Mein Ex und ich haben das erkannt und suchen jetzt jeder auf seine Weise, das zu tun, was für uns am sinnvollsten ist. Auch wenn es von außen völlig absurd erscheinen mag. Aber das ist unserer Erziehung und unseren Erfahrungen geschuldet. Anders fühlt es sich einfach schlechter an. Wir haben irgendwann, als wir noch zusammen waren, entschieden, auf Konventionen zu pfeifen und nur noch das zu tun, was uns gut tut. Im Rahmen dessen, was unser Umfeld toleriert, aber nicht unbedingt toll findet.
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25.04.2015, 16:09
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
ebayfan

Ich muss es einfach mal loswerden: Ich halte dich für eine extrem kluge Frau - und das nicht erst seit diesem Post.
Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Verleihe mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und schenke mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!
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Reife ist der Zustand kurz bevor die Verrottung einsetzt
(...geklaut...)
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25.04.2015, 18:21Inaktiver User
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
Liebe Chryseis,
du fragst mich und gibst doch selbst die Antworten.
Was soll das?
Daraus entnehme ich, dass du entweder gar nicht an meinen Antworten interessiert wärst - oder schlimmer noch gar keine anderen Möglichkeiten in Betrachtung ziehst als deine aufgeführten.
Min neun ist ein Kind schon so selbständig wie du es beschreibst?
Da hab ich aber wirklich meine Zweifel.
Außerdem finde ich es schlichtweg ein wenig öde einem Kind solch ein Leben zuzumuten.
Ich will trotzdem mal versuchen zu schreiben was ich mir - aus heutiger Sicht von meiner Mutter gewünscht hätte - und auch gebraucht hätte.
Nicht zu stören.
Ich war ein Störfaktor. Alles was mit Arbeit und Geld zu tun hatte war wichtig.
Ist es aber nicht.
Auf deine Nachfragen antworte ich: nein, ich wollte nicht die Nummer eins sein, so ein Quatsch, so ein Oberquatsch.
Und sie hat mir auch keine Vorhaltungen gemacht und auch wenig Vorschriften.
Weil es sie einfach nicht interessierte.
Ich hab schon selbst versucht mir das alles schön zu biegen. Meine Freiheit etc.
Wie willst du gegen Gleichgültigkeit rebellieren? Noch nicht mal die Chance wird einem geboten.
Ehrlich gesagt, meine Mutter hat mir relativ früh leid getan.
Ich hab gemerkt, dass sie als Ansprechperson nicht infrage kam.
Was aber bei weitem nicht heißt dass ein Kind - und selbst ich - sage ich mir heute braucht.
Du meinst wirklich Kinder brauchen das Gefühl dass irgend jemand da ist?
Da bin ich entschieden anderer Meinung.
Sie brauchen Bezugspersonen. Und zwar beständige.
Und zur Berufstätigkeit und allgemein: ich finde eine Mutter sollte sich das Recht nehmen Beides unter einen Hut bringen zu dürfen und ein Modell finden: was ihr gefällt.
Man kann nicht alles begründen. Manche gehen gerade Samstags gerne arbeiten - und andere wollen das nicht.
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25.04.2015, 18:34Inaktiver User
AW: Was ist wichtiger???? Kann mich nicht entscheiden
Liebe ebayfan,
ja gut, wenn ich wenigstens den Eindruck hätte es würde dich glücklich machen so wie du lebst und dich neu konditionierst dann ginge es ja noch an.
Meiner Meinung nach machst du den Fehler vor dem Leben zu scheuen.
Hast immer ne Ausrede parat.
Diese Dekadenz die aus deinen Zeilen schwappt, keine Arroganz, nein arrogant finde ich dich nicht, finde ich hochgradig destruktiv.
Nur ganz wenige Menschen können ohne Zwänge und auch ohne Aufgabe, ohne das Gefühl gebraucht zu werden leben.
Mir scheint, du auch nicht.
Zufriedenheit liest sich nämlich anders.
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25.04.2015, 18:36



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