Liebe Sara,
jetzt muss ich doch auch mal antworten. Ich werde dieses Jahr 36, meine Tochter ist 2 und ich bin " mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an ". Mein Partner und ich führen eine Fernbeziehung und ich wollte so wie Du gerne Mutter sein. Vor meinem jetzigen Partner war ich jahrelang Single. Meine Tochter war gewollt, mein Partner ist geschieden und es sind 2 weitere Kinder vorhanden. Also ebenfalls keine einfachen Bedingungen.
Ich bin 14 Monate zu Hause geblieben, Elterngeld sei Dank und arbeite jetzt zu 90 %, Kindergartenplatz sei Dank.
Ein Kind alleine ( oder mehr oder weniger alleine ) großzuziehen ist Leistungssport. Jeden Tag. Ich war vorher unabhängig, habe Sport gemacht, mich viel mit Freunden getroffen, bin gereist etc. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sehr ein Kind das Leben einschränkt.
Wenn Du JETZT meinst, mit der Situation umgehen zu können, bedeutet das nicht, dass Du es auch noch kannst, wenn das Kind da ist. Denn als Mutter verändert sich auch Deine ganze Gefühlswelt. Empfindest Du es jetzt noch angenehm, viel Freizeit zu haben, wenn Dein Freund bei seiner Erstfamilie ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass Du es noch als Privileg empfindest, wenn das Kind einmal da ist. Denn durch das Kind würdest Du jeden Tag daran erinnert werden, was Ihr eben NICHT seid : eine geschlossene Familie. Denn die Familie hat Dein Freund bereits. Besonders Feiertage und Urlaubszeiten stelle ich mir schwierig vor.
Du schreibst, dass bei Deinem Freund ein Migrationshintergrund besteht. Ich habe jahrelang im Ausländerbereich gearbeitet und mehrfach miterlebt, wie auf einmal Schluß mit lustig war, als ein gemeinsames Kind da war. Trotz vorher tiefer Gefühle und gelebter Beziehung. Daher würde ich vor diesem Hintergrund ein gemeinsames Sorgerecht auf jeden Fall ausschließen.
Wenn Du Dich entschließt, das Kind zu bekommen, würde ich so planen, als wäre ich von Anfang an alleinerziehend. Du brauchst ein intaktes soziales Umfeld, müsstest abklären, wie es beruflich bei Dir weitergeht, sonst kann es sein, dass Du ganz schnell in Alg II landest. ( Umgangssprachlich Hartz 4 ).
Ich bin noch in der Schwangerschaft bzw. kurz nach der Geburt rumgetingelt und habe Anmeldungen in Kindergärten ausgefüllt. Gerade im Bereich für unter Dreijährige ist es eine Katastrophe.
Meine Situation ist schon schwierig genug, ich bin abends meistens platt, wenn die Kleine schläft. Ich rufe dann meistens meinen Freund an und erzähle ihm vom Tag und von der Kleinen. Das hilft enorm, selbst wenn es nur am Telefon ist. Wenn ich allerdings wüsste, der Vater der Kleinen ist bei seiner Erstfamilie....ich könnte das nicht. Tiefe Zuneigung hin oder her.
Wenn Du mehr wissen willst, gerne per PN.
Juniwald
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10.01.2013, 07:51
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
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10.01.2013, 09:45
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Kannst du formulieren was genau Du deinem Kinde sagen würdest.. wenn es denn mal soweit ist und nachfragt wird ... im Kindergartenalter ... im Teenageralter ???
wie würdest du die üblichen kindlichen Fragen beantworten:
wieso ist Papa nicht mir Dir sondern mit einer anderen Frau verheiratet.. darf er das denn ???
und was ist mit uns ???
wieso lebt mein Papa lieber bei seiner anderen Frau und mit deren Kindern und nicht mit mir ... sind die ihm wichtiger ???
wieso mögen meine älteren Geschwister mich nicht und wollen keinen Kontakt zu mir .., wieso darf ich mir das denn nicht wenigstens mal ankucken, was er macht udn wie er lebt wenn er weg ist ???
wieso sind wir nicht die 0815 Durchschnittsfamilie und sieht mein Leben nicht so aus, wie das meiner Freunde ???
wie sehen Deine Antworten aus ? Kindgerecht, bitte.Geändert von Blondine (10.01.2013 um 10:23 Uhr)
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10.01.2013, 09:55
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Hallo!
Ich weiß nicht, was es bedeuten soll, von "mehr oder weniger alleinerziehend" zu sprechen. Alleinerziehend ist man oder man ist es nicht. "Mehr oder weniger" gibt es dabei genausowenig wie beim Schwanger-Sein. Ich denke, darauf sollte man sich so realistisch wie möglich vorbereiten. Wenn es eventuell mal mehr wird: schön. Aber darauf spekulieren und hoffen: never! Wer sich das zutraut, wird so schnell nicht enttäuscht werden von unerfüllten Hoffnungen und erspart damit auch dem Kind viele Enttäuschungen.
Ob du denkst du schaffst es, oder ob du denkst du schaffst es nicht - du wirst in jedem Fall Recht behalten!
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10.01.2013, 11:33
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Wie wären wohl die Reaktionen, wenn die Ehefrau im Lügen-und-Betrügen-Forum über ihren Mann schreiben würde, der mal so einfach noch ein Kind mit der Geliebten in die Welt setzt ...
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10.01.2013, 11:44Inaktiver User
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10.01.2013, 12:04
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Die Frage ist zum einen, akzeptiert die Frau aus den gegebenen Umständen eine andere Beziehung, muss sie dann aber auch mit einem Kind aus dieser Beziehung rechnen?
Wie ist die Absprache zwischen den Ehepartnern, gibt es überhaupt eine?
Zum anderen, will ich einen solchen Vater für mein Kind?
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10.01.2013, 19:51
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
und dann bleibt noch die Frage .. ob ich meinem Kind das so vorleben möchte
welches Frauenbild ich auf diese Art transportiere und vermittele.
die Vorbildfunktion.
dieses Kind wird vielleicht eine Tochter ...
und die wächst unter der Normalität auf, daß Frau sich als Geliebte und Zweitfrau zufrieden gibt .. und für sich und ihr Kind keinen offiziellen Status einfordert und Männer das von Frauen so erwarten können.
Also, ich weiß nicht, ob ich das wollte.
Gruß, B.
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10.01.2013, 21:57Inaktiver User
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Das Kind koennte sich ja auch denken, wie unabhaengig da jemand wirklich sein Leben gelebt hat, und stolz darauf sein, wie stark seine Mutter ist. Es gehoert naemlich sehr viel Staerke dazu, sich fuer ein Kind zu entscheiden, aus Liebe, auch und gerade wenn man schon weiss, dass es schwierig ist.
Und ich weiss, wovon ich rede. Ich bin alleinerzogen, mit einer Mutter, die damals (ich bin 1970 geboren) noch als "schlampe" und "Flittchen" galt wegen der Schwangerschaft ohne Vater dazu. Sie hat sich trotzdem fuer mich entschieden und es gab keinen Augenblick in meinem Leben, in dem ich nicht unfassbar stolz auf sie, auf ihre Kraft und ihre Liebe gewesen waere.
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11.01.2013, 10:21
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
ich bin auch alleinerzogen .. auch in den 70ern ... alleinerziehend zu sein, das ist heute echt kein Thema.
Ja, ich bin auf meine Mutter auch immer stolz gewesen.
Die Worte Schlampe und Flittchen kommen daher in meinem Post nicht vor ...
Davon möchte ich mich ausdrücklich distanzieren ... nicht mein Gedankengut.
meine Motivation, den von Dir zitierten Beitrag zu schreiben, war, daß im Eingangspost und in allen weiteren Posts mit keiner Zeile je ein Gedanke verschwendet wurde, wie das Kind klar kommen könnte und sich fühlen könnte .. der Fokus liegt hauptächlich auf der TE und wie sie sich fühlt und zurecht kommt.
Unter Unabhängigkeit, starke Frauen, Emanzipation verstehe ich trotzdem etwas anderes, als die wesentlich jüngere Geliebte eines älteren Mannes zu werden und wegen der tickenden biologischen Uhr, den Kinderwunsch nun doch endlich auszuleben.
Fakt ist auch, es gibt diese Erstfamilie ... mit Kindern, die es "schwer nehmen" und einer Ehefrau, die verheiratet bleiben möchte ... mit Sicherheit ohne Angst oder Demütigungen ...
Und sie scheint sehr an diesen Mann gebunden zu sein.
So glücklich erscheint es mir in dieser Situation einfach auch nicht, da auf starke Frau und glückliche, tapfere AE zu machen und die Frage, wie ein Kind sich damit lebt, was es fühlt und wie es sich im leben seiner Mutter zurecht finden könnte, die finde ich zumindest ansprechbar in einem Diskussionsforum.
Gruß, B.Geändert von Blondine (11.01.2013 um 10:55 Uhr)
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11.01.2013, 11:10Inaktiver User
AW: Mehr oder weniger Alleinerziehend von Beginn an?
Na ja, zunaechst geht es um die Frage, ob es dieses Kind geben soll - ich halte es da fuer relativ normal, dass der Focus zunaechst auf der TE liegt.
Ich verstehe unter Unabhaengigkeit vor allem, das Leben zu leben, was man leben will. Wieviel Unabhaengigkeit wird einem moeglichen Kind vorgelebt in einer Familie, wo die Mutter nur bleibt weil sie sich eine Trennung und allein leben nicht leisten kann? Wieviel "starke Frau" steckt in einem aufrecht erhaltenen Abhängigkeitsverhältnis?Unter Unabhängigkeit, starke Frauen, Emanzipation verstehe ich trotzdem etwas anderes, als die wesentlich jüngere Geliebte eines älteren Mannes zu werden und wegen der tickenden biologischen Uhr, den Kinderwunsch nun doch endlich auszuleben.
Die TE is kein schwaches Weibchen und keine Haremsdame. Sie lebt ihr leben hat sich in einen bestimmten Mann verliebt und moechte von dem ein Kind. Das wird wahrscheinlich kein Kind mit ihm, aber sie entscheidet sich (eventuel) bewusst fuer ein Kind allein. das ist nicht schwach. das ist stark, in meinen Augen. Sehr viel staerker, als sich auf Deibel komm raus einen Versorger zu suchen, nur weil man das halt so macht. Sie entscheidet bewusst, was sie will. Schwach geht fuer mich anders.
Und letztlich sehen Kinder, was ihnen vorgelebt wird. Wenn Frau X als Hausfrau zu hause bleibt, weil der Mann das moechte, schweigt zu seiner Geliebten, weil sie sich Trennung nicht leisten kann oder will, dann wird "schwaceh, abhaengige Frau" vermittelt. Aber nicht bei der Konstellation: ich habe ein Kind bekommen, weil ich es wollte, weil ich es mir wünschte. Ich habe es ohne Vater bekommen, weil die Umstaende so waren, wie sie waren, aber ich habe es bekommen, weil ich meinen Wunsch erfuellen, und nicht den Normen einer gesellschaft entsprechen wollte.
Ist natuerlich nur meine Meinung.
Ansprechbar ist alles. Ich nehme mir aber das recht heraus, eine andere Meinung zu haben.die Frage, wie ein Kind sich damit lebt, was es fühlt und wie es sich im leben seiner Mutter zurecht finden könnte, die finde ich zumindest ansprechbar in einem Diskussionsforum.
Gruß, B.


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