Liebe Sonnenschein,
auch wenn sich das für Dich im Moment gar nicht so anfühlen mag: das tatsächliche Zusammenleben von Tochter und Vater wird einiges relativieren!
Damit Du siehst, wie ich das meine:
Meine Tochter hat bis zu ihrem zwölften Lebensjahr ausschließlich bei mir und meinem zweiten Mann gelebt.
Bei Papa war jahrelang immer Spaß und Action angesagt, bei uns Alltag mit nicht nur Rechten, sondern auch Pflichten (Lernen für die Schule, Haustiere versorgen, Hilfe im Haushalt etc.).
Als der erste Pubertätsschub kam, ist sie so ausgetickt, dass sie sich in den Kopf gestzt hat, bei ihrem Vater leben zu wollen, denn der "ist viel lockerer und gar nicht so streng".
Mittlerweile hatte er auch wieder geheiratet und meine Tochter hatte kleine Halbgeschwister bekommen. Ich verweigerte meine Zustimmung zu einem kompletten Umzug zum aktuellen Zeitpunkt (eine solche Entscheidung kann ein so junges Kind in meinen Augen in all ihren Konsequenzen gar nicht überblicken), aber wir vereinbarten, dass das Kind halbjährlich wechselt (wir wohnen sehr nah beieinander, so dass sich für sie außer dem Wohnort nichts änderte).
Nun ist sie seit drei Monaten bei Papa und seiner neuen Familie - und heult sich die Augen nach "zuhause" aus.
Denn Papa ist nur in den Ferien und am Papawochenende "viel lockerer und gar nicht so streng" gewesen. Im Alltag fordert er ähnliches ein, wie wir es tun - nur ist er deutlich ungeduldiger und sehr viel weniger an ihren Interessen, ihren Geschichten und ihren Gedanken interessiert.
Die Stiefmutter ist auch nicht nur die Liebe, die mit ihr spielt und Kuchen backt, sondern erwartet Rücksichtnahme auf die Kleinen und in einem gewissen Rahmen Mithilfe im Haushalt...
Jetzt sitzt Töchterlein da, hat zähneknirschend festgestellt, dass sie mehr Nachteile als Vorteile hat - und sie hat sicherlich etwas für's Leben gelernt :-)
Ich könnte mir vorstellen, dass auch Deine Tochter sich jetzt erst mal alles in den schönsten Farben ausmalt und mit der Zeit durchaus verstehen wird, worauf sie verzichtet.
Die (leeren) Drohungen Deines Ex bezüglich Unterhalt und Ausbildung Deiner Tochter kannst Du lächelnd ignorieren, das haben meine Vorschreiberinnen ja auch schon geschildert.
Ich halte es sogar für durchaus hilfreich, wenn Deine Tochter das wahre Wesen ihres Vaters auf diese Weise kennenlernt.
Lass sie ziehen und wünsch ihr alles Gute dabei.
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 56
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20.05.2012, 22:40Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
Geändert von Inaktiver User (20.05.2012 um 22:46 Uhr)
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20.05.2012, 22:41Inaktiver User
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21.05.2012, 09:27Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
Hihi. Für mich klingt das, als wären Du und der Kindsvater in Bezug auf die Erziehung bzw. Umgang in der Familie (Mithilfe im Haushalt, etc) gar nicht so weit voneinanderentfernt, wie sich Eure Tochter das ausgemalt hatte.
Ist doch optimal. So verlottert sie nicht und lernt eben, dass es woanders auch nur mit Pflichten, Rücksichtnahme usw funktioniert.
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21.05.2012, 16:15Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
bei mir war es: erfahrung mit der scheidung und eine gute beratung durch meinen anwalt, der fachanwalt für familienrecht ist.
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21.05.2012, 18:57Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
@all,
danke für eure Posts, sie machen mir Mut und geben Kraft
Ja, ich lebe mit zwei jüngeren Kindern dann allein. Ich bin auch sehr froh, daß sich das alles zu diesem Zeitpunkt herausgestellt hat, denn mein Vermieter wird mir bald wegen Eigenbedarf kündigen und so suche ich nach einem kleineren Haus (was die Sache wesentlich vereinfacht).
Allerdings ist der Zug dann abgefahren, wenn sie wieder zurück will (Lehrgeld nennt man das wohl).
Auch was meine berufliche Situation angeht, hat mich das alles hier geläutert: ich werde standhaft bleiben und nicht so schnell Vollzeit arbeiten gehen, sondern mein Geschäft vorantreiben. Dann bin ich nachmittags zu Hause und bin für die anderen Beiden da
Ich wünsche Euch einen ruhigen Abend
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21.05.2012, 19:33Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
Ganz so einfach ist es m.E. nicht. Grundsätzlich sind zwar beide Elternteile ab Volljährigkeit des Kindes barunterhaltspflichtig, aber so lange das Kind die Möglichkeit hat, zu Hause zu wohnen, kann es m.E. nicht darauf bestehen, in eine eigene Wohnung zu ziehen und Barunterhalt von dem Elternteil verlangen, der angeboten hat, es bei sich wohnen zu lassen. Ich würde da ggf. mal anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen...das habe ich selber auch vor, wenn mein Sohn volljährig wird.
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21.05.2012, 20:36Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
Hallo Sandra,
es ist so, wie oben zitiert. Auch wenn der Volljährige die Möglichkeit hat, so muß er sie nicht nutzen. Genau das ist mir beim Jugendamt gesagt worden.
Ich denke mittlerweile: meine Tochter soll ihre Erfahrungen machen, ich will ihr nicht im Weg stehen. Ich will sie unterstützen, so gut ich kann. Denn sonst hasst sie mich wahrscheinlich irgendwann, und das will ich vermeiden.
Vielleicht wäre das auch ein Ansatz für Dich?
Alles Gute
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22.05.2012, 08:12Inaktiver User
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
aussage meines anwaltes: es kann von keinem jungen erwachsenen verlangt werden in einer häuslichen gemeinschaft zu leben wenn er/sie es ausdrücklich nicht möchte. das argument: wohnraum ist vorhanden- ist kein zwingender grund um das ehemals kind halten zu können. wenn der/die junge erwachsene es partout nicht will- ist es seine/ihre entscheidung.
niemand muss in diesem land mit jemandem zusammenwohnen wenn er/sie es nicht will. das recht auf freizügigkeit.
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22.05.2012, 16:02
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22.05.2012, 18:31
AW: Es tut so weh...Kind zieht zum Vater...
Sonnenschein, ich kann sehr gut verstehen, dass Dich der Entschluß Deiner Tochter verletzt.
Aber sie handelt aus der Situation heraus, und in diesem Alter sind Entscheidungen selten in Stein gemeißelt.
Versuche, souverän und liebevoll zu bleiben. Kinder getrennter Eltern haben so oder so meist einen Loyalitätskonflikt, und es wäre schön, wenn Du diesen entschärfen könntest.
Damit würde es sowohl Dir als auch der Tochter besser gehen.


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