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  1. Inaktiver User

    Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Hallo ,

    ich knabbere gerade mal wieder an einem Problem, das in regelmäßigen Abständen auftritt und wahrscheinlich vielen alleinerziehenden Müttern bekannt ist.

    Kurz die Hintergründe:
    Ich erziehe meinen Sohn (6) seit fünf Jahren allein. Der Vater zahlt regelmäßig Kindesunterhalt (unterster Satz), lebt aber im Ausland und beteiligt sich bis auf 2 x 1 Woche Urlaub im Jahr (und das auch erst, seit Kind 4 ist) überhaupt nicht an der Betreuung. Ich bin diejenige, die 24/7 zuständig ist, ihren betreuungsinkompatiblen Beruf nach der Trennung zwangsläufig aufgegeben und gegen einen öden, aber sicheren Job eingetauscht hat, die kaum einen Abend (geschweige denn ein WE) kinderfrei hat, deren soziales Leben extrem eingeschränkt ist, Liebesleben quasi inexistent, und die immer parat steht, Tränen trocknet, Hosen wäscht, Arzttermine organisiert - na ja, Ihr kennt das.

    Mein Ex hingegen hat seine Interessen schon immer gut zu schützen gewusst und wohlweislich für seinen Sohn nie nichts aufgegeben. Sein soziales Leben ist intakt, er übt noch den selben interessanten Beruf aus und lebt wie vorher. Wenn er zu Besuch kommt, ist er natürlich heiß begehrt. Er ist der Sunnyboy, spielt die Klaviatur der Hoffnungen und Erwartungen hoch und runter und lässt ein sehnsuchtsvolles, trauriges Kind zurück. Bis zum nächsten Mal.

    Ich finde es schon schwierig, mit der Ungerechtigkeit der Lastenverteilung an sich klar zu kommen. Nun kommt - wohl altersbedingt - hinzu, dass "Papa viel toller ist und viel lustigere Dinge macht als Mama". Ich reagiere so nachsichtig, souverän und ruhig wie möglich, aber in mir toben wahre Stürme der Empörung.

    Es mag kindisch klingen, aber ich bin neidisch auf die Freiheit meines Ex UND auf die Bewunderung, die mein Sohn ihm zollt, während ich nur die langweilige Mama bin, die eben immer da ist wie ein alter Schuh. Manchmal bin ich so weit, dass ich alles hinschmeissen will. Ich liebe mein Kind, trotzdem hege ich wüste Fantasien, es mit einer Schleife um den Bauch für ein Jahr zu meinem Ex ins Ausland zu schicken, damit beide mal sehen, wie es im Alltag ist! Um wieder Schwung in mein eigenes Leben zu bringen, beruflich und privat, bräuchte ich mehr Entlastung, aber das kann/will mein Ex nicht leisten.

    Am schlimmsten sind große Tage wie Weihnachten oder Familienfeste. Vor kurzem hatten wir Schulanfang, und mein Sohn hatte nur Augen für Papa. Es hat mir sehr weh getan.

    Schon klar, Mütter sollten nicht so empfinden. Ich tue es aber in regelmäßigen Abständen. Warum muss ich 90% der Opfer bringen und dies auch noch mit Grazie und Anmut, als wäre es nichts? Warum muss ich seit Jahren auf so vieles verzichten und er auf fast nichts?

    Kennt ihr das, oder bin ich die einzige? Wie geht ihr damit um?

    Wilhelma

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    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Hallo Wilhelma,

    ich kenne das Problem in dieser Form nicht.
    Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass Papa der Beste, der Tollste, der Held des Tages ist.
    Auch in intakten Familien ist es so.

    Vielleicht beruhigt es Dich nicht, aber sei froh, dass Dein Kind nicht die typischen Besuchsregelungen hat, alle 14 Tage zu Papa und sei froh, dass beide in irgendeiner Form Kontakt haben.

    Dass dieser wenige Kontakt nur aus schönen Dingen besteht, ist verständlich.

    Wenn Dein Kind an den Wochenenden regelmäßig beim Papa wäre, hättest Du zwar Freizeit nur für Dich, aber ich bezweifle, dass es immer das Beste für das Kind ist.

  3. Inaktiver User

    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Zitat Zitat von Flick-Flack Beitrag anzeigen
    Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass Papa der Beste, der Tollste, der Held des Tages ist.
    Auch in intakten Familien ist es so.
    Das kenne ich schon, auch den verhaltenen Groll mancher Mütter hierüber. Aber die Väter intakter Familien haben dann auch meist etwas mehr dazu beigetragen als mein Ex (wenn auch nicht mehr als ihre Frauen), indem sie die Kinder mal ins Bett bringen oder am WE mit ihnen Schwimmen gehen oder was sonst intakte Familien so treiben...

    Mich bringt einfach die in unserem Fall riesige Diskrepanz von realem Kümmern und den eingeheimsten Lorbeeren auf die Palme.

    Und ja, natürlich bin ich froh, dass er überhaupt Kontakt zu seinem Kind hat. Ich habe allerdings auch dafür einiges getan, dass es so gekommen ist.

    Warum meinst du, die Wochenendregelung alle 14 Tage sei nicht gut fürs Kind? War nie in der Situation, aber dachte immer, dass sich so ein realeres Verhältnis einstellen könnte als bei Besuchen 2x im Jahr.

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    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Warum meinst du, die Wochenendregelung alle 14 Tage sei nicht gut fürs Kind? War nie in der Situation, aber dachte immer, dass sich so ein realeres Verhältnis einstellen könnte als bei Besuchen 2x im Jahr.
    Ich habe einen Stiefsohn, wo das Besuchsrecht zwar nicht so starr geregelt war, aber diese Wochenenden (oder mal nur Stundenweise am Samst/Sonntag) haben ihn aus der Bahn geworfen.

    Auch hier stellt sich kein reales Verhältnis ein, da die Wochenenden - egal ob 14tägig oder locker geregelt - niemals das reale Leben mit sich führen.
    Ein Kind wird niemals an den Besuchs-WE's so leben, wie von Mo.-Fr.

    Ich war auch manchmal angesäuert, wenn mein Stiefsohn von seinem Mutterbesuch nach Hause kam und - entweder Tüten voll mit irgendwas bekommen hatte. Kinder sehen nicht, dass das tägliche Leben inkl. Taschengeldern etc. weitaus teurer ist, als eine Tüte voll mit Süßigkeiten, Kinobesuch und irgendwelchen Dingen, die nach dem WE sowieso im Zimmer rumliegen.

    Meine Gedanken dazu waren: hat sie denn keine Lust, mal irgendwas mit ihrem Sohn richtig anzufangen? Immer nur Vollbespaßung? Was zwar einen Haufen Geld kosten mag, aber keine "Zeit kostet"?

    Es ist ein Stück: schlechtes Gewissen abbauen.

    Nun ist es so, dass Du Dein Kind alleine erziehst.
    Du bringst ihn alleine ins Bett etc.
    JETZT wirst Du keinen "Dank" für Deine Mutterliebe ernten.
    Aber später wirst Du es merken und das ist viel wichtiger, als die derzeitige Bewunderung dem Vater gegenüber.

  5. Inaktiver User

    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Ich finde nichts Schlimmes daran, als alleinerziehende Mutter auch sauer zu sein darauf, dass der faktisch nicht anwesende Vater auch noch die vermeintlichen Lorbeeren einheimst. Das darf frau sich auch ruhig eingestehen

    Mir ging es neulich ähnlich, als meine ebenfalls 6-jährige Tochter plötzlich sagte: "Papa sagt aber nie Nein!"

    Da ich aber auch einen älteren Sohn habe, weiß ich, dass das auch etwas mit Abgrenzung und Identität zu tun hat. Gerade Jungen brauchen einen männlichen Part. Mit 6 Jahren ist ja alles schon voll im Gange: Sie beginnen, Mädchen voll doof zu finden und Mütter eben leider langweilig. Sie haben begriffen, sie sind anders als Mädchen/Frauen/Tanten/Mamas. Und das hat ja auch durchaus einen Sinn

    ABER: Es wird auch wieder weniger und mit zunehmender Reife nicht mehr so Schwarz-Weiß


    Da müssen wir wohl alle durch, fürchte ich. Es ist wie es ist

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    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Hallo Wilhelma,

    so ist es mit "alten Schuhen", du läufst superbequem darin, aber bewundert werden die nicht alltäglich getragenen Stilettos ...
    Kannst Du eine männliche Bezugsperson für Deinen Jungen in euren Alltag integrieren, so daß Dein Kind die Anwesenheit eines Mannes als nicht so außergewöhnlich sieht (klar, Vater ist Vater, das soll auch keine Konkurrenz sein, nur ein Vertrauter für Deinen Sohn)?
    Ich erlebe die selbe Situation wie bei Dir auch bei einer Bekannten und kann Deine Gefühle sehr gut verstehen.

  7. Inaktiver User

    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Zitat Zitat von Flick-Flack Beitrag anzeigen
    Hallo Wilhelma,

    ich kenne das Problem in dieser Form nicht.
    Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass Papa der Beste, der Tollste, der Held des Tages ist.
    Auch in intakten Familien ist es so.

    Vielleicht beruhigt es Dich nicht, aber sei froh, dass Dein Kind nicht die typischen Besuchsregelungen hat, alle 14 Tage zu Papa und sei froh, dass beide in irgendeiner Form Kontakt haben.

    Dass dieser wenige Kontakt nur aus schönen Dingen besteht, ist verständlich.

    Wenn Dein Kind an den Wochenenden regelmäßig beim Papa wäre, hättest Du zwar Freizeit nur für Dich, aber ich bezweifle, dass es immer das Beste für das Kind ist.

    Sehe ich auch so.

    Ich komme selber aus einer absolut intakten Familie, bin über 40 und ich gebe zu: Ja, auch heute noch ist mein "Papa" der Tollste, der Beste, der Held (auch wenn der Held natürlich alt geworden ist, aber dies versuche ich zu ignorieren).

    Von daher ist es für Dich natürlich nachvollziehbar doof, daß es so ist. Aber versuche es, soweit es irgend möglich ist, nicht persönlich zu nehmen. Spätestens wenn das Kind erwachsen wird, weiß es auch die Rolle der Mutter zu schätzen. Hab ich auch gelernt.

  8. Inaktiver User

    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Hallo und danke Euch allen für Eure verständnisvollen Worte!

    Habe gerade einen Haufen Arbeit und mich auch schon wieder etwas beruhigt.
    Ich glaube, was mich so unter Druck setzt, ist dieses gnadenlose Mutterbild ("Eine echte Mutter ist selbstlos, will nur das Beste für ihre Kinder, auch wenn es das schlechteste für sie selbst sein sollte, klagt nicht, erwartet nichts, versteht alles etc." ). Es garantiert, dass man zusätzlich zum Schmerz und der ungerechten Belastung auch noch von Schuldgefühlen geplagt wird, weil man Schmerz und ungerechte Belastung frecherweise als solche zu empfinden wagt.

    Im nächsten Leben werde ich Vater.

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    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hallo und danke Euch allen für Eure verständnisvollen Worte!

    Habe gerade einen Haufen Arbeit und mich auch schon wieder etwas beruhigt.
    Ich glaube, was mich so unter Druck setzt, ist dieses gnadenlose Mutterbild ("Eine echte Mutter ist selbstlos, will nur das Beste für ihre Kinder, auch wenn es das schlechteste für sie selbst sein sollte, klagt nicht, erwartet nichts, versteht alles etc." ). Es garantiert, dass man zusätzlich zum Schmerz und der ungerechten Belastung auch noch von Schuldgefühlen geplagt wird, weil man Schmerz und ungerechte Belastung frecherweise als solche zu empfinden wagt.

    Im nächsten Leben werde ich Vater.

    gibst du mir das Rezept??

    dann wärst Du als Vater so wie jetzt als Mutter

    Es wird besser; Kinder spüren wer für sie da ist..........
    und es kommt ganz viel von ihnen zurück, wenn sie größer sind
    Lucky1
    Geändert von lucky1 (24.08.2011 um 10:25 Uhr) Grund: Fehlerteufel
    Immer wenn du meinst es geht nicht mehr
    kommt von irgendwo ein Lichtlein her

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    AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?

    Zitat Zitat von lucky1 Beitrag anzeigen
    Es wird besser; Kinder spüren wer für sie da ist..........
    und es kommt ganz viel von ihnen zurück, wenn sie größer sind
    Das wollte ich mit meinen Abschlußworten meines ersten Beitrages nämlich ausdrücken.

    Temporär für ein paar Stunden oder eine Woche "zählt" der Spaßfaktor oder die Geschenke.

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