Kenn' ich gut. Kommt erstaunlicherweise hartnäckig immer wieder vor.
Ich sage dann: "Der Zustand, über den du dich beklagst, entspricht meinem Wochenende, an dem ich nicht zur Arbeit muss und mich nur um Haushalt und Kind kümmern darf. Das ist für mich Urlaub."
oder:
"Wirklich? Du Arme! Und ich dachte, er verdient wenigstens etwas, wenn er so oft weg ist."![]()
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24.08.2011, 13:24Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
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24.08.2011, 13:51
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Hallo Wilhelma,
ich kenne das Problem auch.
Mein Jüngster (damals zwischen 5 und 9 Jahre jung) hatte auch diese "Papa-Heldenverehrung".
Die Papa-Wochenenden waren selten und auf Papas Freiberuflichkeit zugeschnitten ( 1 oder 2Tage). Urlaub eine Woche im Sommer zusammen. Weihnachten und Geburtstag haben wir uns jährlich geteilt.
Die Geschenke (meistens die Mega-Lego-Packungen und dann so richtig teuer), die durfte Sohni nicht mit nach hause bringen. Begründung: Ich lebte damals schon in Patchwork mit meinem Lieblingsmann und dessen Kindern und meinem Großen zusammen. Und die "fremden Kinder" sollten ihm nicht alles kaputt machen. Auch sein Verhalten nach diesen Wochenenden war ziemlich "großkotzig", da die Bespaßung auch immer sehr groß und kostspielig ausfiel. Alles war bei Papa besser, toller, teuerer und erlaubt.
Ich habe dann die darauffolgende Woche gebraucht, um Sohni wieder auf Normallevel zu bringen. Sauer war ich. Und es hat gebrodelt und ich war verletzt, enttäuscht und fühlte mich "entwertet". Enttäuscht, weil ich von Vaterseite aus sehr beleidigt wurde und das über das Kind weitergegeben wurde. Die Beleidigungen waren mir (fast) egal. Aber den Zwerg zu benutzen, fand ich das allerletzte.
Naja, irgendwann hats geknallt. Mein Großer (damals 12Jahre) hat dann mal ausgesprochen, was alle gedacht: " Wenn Du von Deinem Vater kommst, dann bist Du so´n richtiges A....."
Öhm, das saß. Hat nicht sofort gewirkt, aber er fing an vieles zu hinterfragen. Und wir haben geantwortet. Über die letzten Jahre hat sich das Verhältnis Vater / Sohn normalisiert und Sohn sieht Vater kritischer und der Held steht ohne Sockel da. Ganz normal eben.
Das war kein einfacher Weg - für keinen der Beteiligten.
Ich habe damals versucht ein Normalbild vom "Heldenvater" zu zeichnen, was mir wirklich nicht leicht viel. Aber das Positivbild hat dabei geholfen, dass der Vater normaler gesehen wurde und trotz Sturz vom Heldensockel Vater (mehr oder weniger) geblieben ist.
So´n richtiges Patentrezept gibts gegen "Heldenverehrung" wohl nicht.
Bei uns hats die Zeit und das älterwerden des Kindes gerichtet und viele Gespräche. Die altersentsprechend immer irgendwie anders liefen.
Das einzige, was ich Dir raten kann. Lass irgendwo den Frust raus, irgendwo. Ich bin gejoggt. Und hab vor mich hingeheult, geflucht usw..
Gib Dir und Deinem Zwerg Zeit und Geduld.LG Kyara
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"Ich würde lieber stehend sterben, als auf den Knien zu leben!"
Stéphane Charbonnier - "Charb"
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24.08.2011, 15:10Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Das ist ein guter Tipp, danke! Und ich weiss ja auch, dass es vermutlich besser wird und de Kleine halt ein männliches Ideal zum Anhimmeln braucht, das ich ihm nicht bieten kann.
Heiligabend wollte mein Ex natürlich auch das Kind haben...
Wenn er sich sonst mehr einbringen würde, okay, aber so??? Nö.
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29.08.2011, 18:49Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
hallo wilhelmina,
ich habe mich sehr gefreut hier authentisch von deiner situation und gefühlen lesen zu können und ganz sicher bist du kein einzelfall sondern eher die regel der typischen alleinerziehenden mit dem,was du berichtest.
ich bin auch seit 14 jahren alleinerziehend und habe teilweise eine ähnliche situation,vater arbeitet wochenlang im ausland und ist nur via skype anwesend und ist dann aber wieder eine weile hier und gibt den guten kumpel(erziehung und arbeit bleiben bei mir).
von allein wird es nicht besser,eher im gegenteil...was man nicht beständig vor augen hat, kann man eben leicht idealisieren.
klar, irgendwann realisiert dein sohn das schon,aber bis dahin hast du noch ein stück weg,der nicht unbedingt leichter wird.
mein sohn ist fast 16 und wir haben hier schon manchmal sehr harte auseinandersetzungen.der vater erlaubt alles und ich bin die böse,weil ich das wort nein gebrauche und muss mir eigentlich auch noch von dem vater anhören,dass ich sonstwas bin.
das ist schon sehr bitter,denn alles zu erlauben ist eben auch gleichgültigkeit und nicht unbedingt auseinandersetzung,die immer mehr mühe macht.
wichtig sind männliche bezugspersonen in form von freunden,nachhilfelehrern(vielleicht mal später)sportrainern etc.p.p.
und warum kann dein sohn nicht mal ein jahr mit dem vater bleiben?aus meiner heutigen sicht kann ich dir das eigentlich nur empfehlen,denn noch ist er klein genug ,um das schulisch zu verkraften und es würde ihn wirklich in den zustand von balance bei euch beiden bringen...könnte auch ein halbes jahr sein...
das wäre gut für ihn und da wärst du auch keine schlechte mutter.du hättest mal eine auszeit und könntest mal die reserven etwas füllen.
ich finde es sehr wichtig mittlerweile ,einfach auch zeit für mich zu haben und du könntest z.b. aushandeln,sommerferien komplett zum vater...
viel kraft und alles liebe wünscht dir ryoshiGeändert von Inaktiver User (29.08.2011 um 18:52 Uhr) Grund: wort vergessen
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29.08.2011, 19:03
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Liebe Wilhelma,
ich kann das super nachvollziehen.
Ich trennte mich von meinem Ex, als unser gemeinsamer Sohn 8 war.
Für das Kind die Hölle, für mich auch!
Unser Sohn war ja schon etwas größer, aber ich fand es trotzdem schwierig. Weil mit der Trennung natürlich Erziehungsunterschiede und auch sonstige menschliche Differenzen viel stärker hervorkamen. Wenn ich einen bestimmten Film verboten habe, sagte mein cleveres Kind: dann schaue ich den eben beim Papa... Der erlaubt das. Und natürlich ist Papa interessanter und spannender als die Mama, die immer da ist.
Ich könnte über die Ungerechtigkeit der nicht geteilten Verantwortung an die Decke gehen, finde es einfach unmöglich.
Der Papa braucht nur sagen: keine Zeit. Und schon muss ich alles regeln.
leider hilft da wirklich nur eins: sich andere Seilschaften schaffen, es als gegeben nehmen und das Beste draus machen...
Inzwischen durchschaut mein Sohn auch einige Dinge. Nichtsdestotrotz liebt er seinen Vater und das darf er natürlich auch. Aber es ist nicht mehr ganz so unkritisch.Die Osterglocke
Wer nicht sagt, was er will, kriegt es auch nicht.
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29.08.2011, 22:19Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Hallo Ryoshi,
dass es mit einem 16jährigen richtig heftig werden kann, glaube ich Dir gern! Manchmal tröste ich mich dann wirklich mit der Option, die du hier vorschlägst:
Im Ernst, in den schwärzesten Augenblicken ist das sind mein geheimer Wunschtraum...!
In der Theorie. In der Praxis: der Vater zuverlässig, aber im engen emotionalen Kontakt nun ja, kühl bis narzisstisch gestört, was letztlich auch der Trennungsgrund war. Dies betrifft nicht nur mich, sondern jeden, der zu nah, zu abhängig von ihm ist. Auch der Kleine hat schon zu spüren bekommen, wie wenig er zählt, wenn er einmal länger mit Papa allein ist.
Und das will ich meinem Kind nicht längerfristig zumuten, jedenfalls nicht, ohne dass er eine stabile Zuflucht hat.
Vielleicht eher als drohende Keule in der Hinterhand, falls mich in 10 Jahren ein pubertierendes Monster wahnsinnig machen sollte...
Liebe Clochedespaques,
das ist eben die Gemeinheit. Wir sind aus Liebe zum Kind so erpressbar. Weil ein Kind eben kein Möbelstück oder ein Blumentopf ist, das man dem anderen mal so für ein Jahr zuschieben kann (Leider, manchmal...
). Und weil wir uns anscheinend stärker um sein Wohlbefinden sorgen als unsere Ex-Männer bzw. diese sich genau darauf verlassen.
Alleinerziehend zu sein ist und bleibt eine Sch...falle! Mal geht es besser, mal schlechter. Aber die großen Abstriche mache ich, nicht er.
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30.08.2011, 08:49Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
hallo wilhelmina,
das ist das problem,dass wir immer denken ,wir müssen es unseren kindern so perfekt wie möglich machen(ich nehme mich da gar nicht aus).allerdings kann man auch mal eine andere position einnehmen und da komme ich zunehmend hin.
das leben ist von anfang an ein sammelsurium von erfahrungen,die einen prägen,jeden anders.und nicht immer bewirkt eine gute erfahrung auch etwas gutes sondern kann auch verwöhnt und träge machen.
erziehung ist ein feines austarieren und sehr schwer nur von einer seite zu leisten.
wenn du in der pubertät deinem sohn mit dem vater drohen wolltest ,würdest du ihn mit grosser wahrscheinlichkeit verlieren,denn bis dahin ist er nicht nur idealisiert sondern auch noch das männliche vorbild,dem man nacheifert.
wichtig ist,dass dein sohn erkennt und zwar von selbst,dass sein vater auch nur mit wasser kocht und dass er zwar der geliebte vater ist aber eben kein held und das kann er am besten ,wenn er selbst so viel zeit wie möglich mit ihm verbringt und sieht, auch der vater macht aus wasser keinen wein
im umfeld kenne ich einge geschichten,wo jungen in der pubertät ihre mütter verlassen und wirklich zum vater wechseln und zwar keinesfalls freundlich und nett.interessanterweise wirklich eher die jungen,die nicht so viel kontakt zum vater hatten.
oft passiert es dann,dass das nicht klappt und sie sogar zur mutter zurückkehren müssen,was dann auch nicht netter wird.
die zerrissenheit ,die das in der pubertät auslöst ,kann man sich nicht wirklich vorstellen,aber das ist kaum zu toppen,emotional...so etwas endet ganz schnell in drogen,schule schwänzen usw.
deshalb schreibe ich dir das auch so eindringlich hier
...auch wenn du denkst,der vater ist nicht in der lage ihn mal zu nehmen,lass es trotzdem zu(ferien reichen da ja auch schon)
das beste was du deinem sohn geben kannst,ist seine eigene balance zu finden zwischen seinen gefühlen und erfahrungen und realität und träumen.
wenn ein echter papa da ist ist kein platz für zu viel traumpapa,
deshalb fand ich es auch ganz interessant,dass du das jetzt schon wahrnimmst.
wenn die kinder noch so klein sind,neigen mütter einfach immer noch zum beschützen,das ist das biologische programm.
wo die balance einer ganzen familie wegfällt,ist es unendlich schwieriger und allein kaum auszutarieren,das sehe ich mittlerweile wirklich als faszit.
alles liebe von ryoshi
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30.08.2011, 11:30Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Liebe Ryoshi,
danke für deine Erfahrungen - es hilft mir sehr, was du schreibst. Grundsätzlich stimme ich dir auch zu, vor allem dieser Teil
bestätigt auch meine Gedanken. Die Kinder meiner Bekannten z.B. werden in einer "Rama"-Familie groß, ihr Mann verdient ausgezeichnet, ist abends und am WE Bilderbuchpapa, sie ist zu Hause und schafft ein kuschliges Nest, in dem für die Kinder keine Wünsche offen bleiben. Trotzdem (oder gerade deshalb?) sind alle drei unausstehlich, kreischender Horror auf Familienfesten, nehmen keinerlei Rücksicht auf andere, können mit 10 Jahren (!) noch nicht einschlafen, ohne dass Mama neben ihnen liegt etc... Ein Albtraum!
Da ist mein Sohn mit seinen 6 Jahren deutlich selbständiger.
Auch diese Gedanken kenne ich gut, nur zu gut, und ich kann/will das Kind auch nicht übermäßig vor einer Tatsache behüten, mit der er früher oder später ohnehin umgehen wird müssen, nur sehe ich nicht, wie mein Ex sich auf das Zusammenleben mit einem 6jährigen Kind einstellen würde. Er und seine beiden Mitbewohner rauchen Kette und schütten Abends jede Menge Bier in sich hinein, ob das Kind dabei sitzt oder nicht. Die Bude ist ein elendes Dreckloch, und nein, ich bin selbst nicht sehr ordentlich. Aber das...!
Dazu kommt die emotionale Verwahrlosung, von der ich bereits schrieb. Und gewisse Glaubenssätze wie: Kinder haben keine eigenen Interessen zu haben, sie müssen so mitlaufen. Schule ist überflüssig, Papa weiss es besser. Alle anderen sind Spießer. Körperpflege ist bürgerlich. Ein Schluck Bier ist auch für Kinder gesund.
Undsoweiter.
Ich habe Sohnemann dennoch ein paar mal für einige Wochen beim Vater gelassen, aber bin in Reichweite geblieben und habe ihn fast täglich gesehen, so dass ich mir ein Bild machen konnte, ob es ihm trotz o.g. Dinge gut geht. Ich schwanke zwischen dieser Art Realitätsverabreichung in kleinen, kontrolliert-überwachten Dosen und dem Wunsch, endlich auch einmal loslassen und die volle Verantwortung für eine Weile an den Herrn Vater abgeben zu dürfen, ohne katastrophale Auswirkungen befürchten zu müssen.
Ist das schon zu gluckenhaft? Ich gebe ihn gern zu Freunden zum Übernachten und mache mir nie Sorgen um ihn. Nur bei Papa.
Was meint ihr? Wie würdet ihr damit umgehen?
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30.08.2011, 15:14
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
Oha!

Das ist nicht korrekt, und die neue Tendenz: "Alle Macht auch den Vätern, koste es die Kinder was es wolle", würde sicher wollen, dass der Kleine auch dahin geht. Weil: Er hat nunmal zwei Elternteile etc. pp. Und die sind, wie sie sind.
(War dein Ex schon immer so? Als Frage am Rande ...)
Aber ehrlich: ICH würde nach allen Regeln der Kunst versuchen, engeren Kontakt zu vermeiden.
Evtl. sogar eine größere Entfernung schaffen, damit der Kontakt erschwert wird.
Das ist ja schrecklich! Jedenfalls in meinen Augen!
LG, bimmstein
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30.08.2011, 15:25Inaktiver User
AW: Papa ist der Superheld - wie kommt Ihr damit klar?
puh,wilhelmina...das klingt ja wirklich eher nach überlebenstraining als vaterzeit,da versteh ich dein verhalten sein schon
...dennoch kinder sind nicht aus zucker und ich würde vielleicht noch 2-3 jahre mit einer grösseren aktion warten(mal so die ganzen sommerferien)aber dann sollen sie mal miteinandermachen...dein sohn wird ihm dann schon sagen wie er es gern hätte und wie das läuft und er wird dir dann auch sagen,ob er da überhaupt noch einmal hinmöchte.
entweder das ganze geht gut aus,der vater kümmert sich angemessen oder es ist eher depremierend für deinen sohn,aber auch davor kannst du ihn auf dauer nicht beschützen und das macht ihm aber dann eben den kopf frei für reale vorbilder wie sporttrainer,andere väter,lehrer usw.
allerdings würde der vater das überhaupt mitmachen?
gluckenhaft ist dein verhalten nicht eher besorgt,aber das klingt auch angemessen in diesem fall.
allerdings löst das nicht das problem dieses gefühls,was du hast.
wenn du merkst,dass es nicht besser wird,vielleicht wäre eine mutter-kind kur auch etwas für dich,um wieder mehr kraft zu gewinnen(ich kann da nichts von mir erzählen,aber einer freundin von mir hat das sehr geholfen)es gibt einfach unterschiedliche zeiten und man verkraftet nicht immer alles gleich gut und wichtig ist dann gerade in deiner situation auch das gefühl haben zu können,da gäbe es eine möglichkeit ,die mir hilft und kraft geben könnte.
es gibt eine menge möglichkeiten an hilfe und ich finde es auch toll,dass du so offen bist,dass ich da denke ,die nutzt du schon,wenn du sie brauchst...
lieben gruß von ryoshi




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