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    Alles wächst mir über den Kopf

    Vor fast 2 Jahren bekam ich (heute 33) meine Kusine (jetzt 9) in Familienpflege, da sie bei ihrer Mutter nicht bleiben konnte (verkorkstes Leben, nicht erziehungsfähig...).
    Obgleich es natürlich eine freiwillige Entscheidung war, so war ich nicht ganz frei in der Entscheidung. Wer ein Kind hat aufwachsen sehen, der lässt kaum zu, dass es auf einmal weg ist, dort, wo man nicht weiß, wie es ihm geht.

    Der Anfang lief gut, sie hat sich ganz gut eingelebt, sehr angestrengt hier das "normale" Leben zu leben, in dem es auf einmal Regeln gab, wo sie für die Schule arbeiten musste usw.

    Das ließ natürlich irgendwann nach, ein Kind kann sich nicht nur anstrengen.

    Ich habe nun das Gefühl, dass ich alles nicht mehr schaffe.
    Ich arbeite als Lehrerin in einer Grundschule, habe auch zu Hause zu arbeiten, ich erziehe das Kind, ich wasche, ich kaufe ein, ich koche, ich fahre das Kind zum Hobby, ich putze, ich versuche wieder gutzumachen, was die Mutter verbockt hat, ich habe das Gefühl, dass ich selbst total auf der Strecke bleibe.
    Meine Arbeit macht mir keine Freude mehr, ich habe null Energie (und habe auch da keine Geduld mehr mit den Kindern), da noch was reinzustecken und ich habe, selbst wenn ich mich nur aufs Sofa setze und nichts tue, das Gefühl, dass mich der ganze Stress einfach nur schafft.

    Das Blöde ist, dass ich bisher wie einen roten Faden, sehr pferfektionistisch durchs Leben gegangen bin, also wenn ich etwas mache, dann 100%. Ich möchte eine saubere Wohnung, möchte meinen Job super machen und möchte auch das Kind gut erziehen und eigentlich klappt gar nichts auch nur annähernd gut. Aber Perfektionismus aus einem rauskriegen ist irgendwie fast unmöglich. Es stört einfach, wenn es nicht sauber ist, da kann ich absolut nicht in Ruhe essen oder wenn die Kleine ihre Hausaufgaben nciht ordneltich macht oder ihr Zimmer nicht ordentlich bzw. sauber ist, das macht mich beinah wahnsinnig.

    Und nun ist mir wiederholt passiert, dass ich die Kleine total angeschrien habe wegen einer Sache, die nicht so furchtbar schlimm ist aus der Distanz gesehen jetzt.

    Ich frage mich, wie die Kleine sich fühlen mag, dass sie von de Mutter wegkommt und von mir dann diese Strenge erfährt. Sie kann schließlich nichts dafür, dass sie vorher keine Regeln kannt und nun in einem sozusagen durchorganisierten Haushalt lebt. Das ist schwierig für sie. Mitdenken hat sie auch nie gelernt und ich hab manchmal das Gefühl, sie ist 6 und nicht fast 10.

    Ich habe mittlerweile sogar körperliche Beschwerden, fühle mich ausgelaugt und habe kaum Geduld. Meine Energie schwindet nur so dahin und ich bin am liebsten alleine.

    Manchmal ist es mir schon zu viel, mit ihr zu schmusen und ich ziehe mich total zurück. Und nun sitze ich hier und heule, weil ich das Gefühl habe, eine furchtbar schlechte "Mutter" zu sein, die immer nur ausflippt, wenn etwas schief geht (das sagt die Kleine auch mittlerweile). Mir tut das auch so sehr leid, aber eben erst hinterher. Sie kriegt immer einen Riesenschwall GEschimpfe ab (auch laut) und ich kann manchmal nicht aufhören, sie anzubrüllen.

    Was soll ich denn nur tun? Mittlerweile bin ich so weit, dass ich sicher bin, niemals eigene Kinder zu bekommen, weil ich wirklich nicht in der Lage bin, mit ihnen ordentlich umzugehen.

    Die Kleine sollte es doch bei mir besser haben als bei ihrer Mutter und nun sitze ich hier wie ein Häufchen Elend und krieg mein eigenes Leben nicht mehr auf die Reihe (was vorher NIE ein Problem war, ich war eher immer gut drauf und sehr gesellig, was sich alles total geändert hat).

    Habt ihr kleine Tipps fürs Nicht-so-krass-Ausflippen?
    Geändert von Lania (05.04.2010 um 23:56 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Hallo Lania,
    das ist heftig was Du schreibst.
    Man kann sicher ganz viel kommentieren.
    Ich will mich aber kurz fassen.
    Als erstes fällt mir ein:
    Suche Dir professionelle Unterstützung.
    Das schaffst Du nicht alleine - und auch nicht mit Hilfe eines Forums. Du brauchst Beistand - und regelmäßig mindestens einen Babysitter.

    Dann fällt mir auf:
    Du erwartest von der Kleinen, dass sie sich an (D)einen neuen Standard gewöhnt, sie soll sich verändern.
    Du selbst gibst Dir aber keine Chance, Dich durch sie auch zu verändern - Du hältst starr an Deinen Standards fest.
    Durch Kinder kann man viel lernen - auch über sich selbst. Du scheinst aber sehr im Lehrerinnenmodus verhaftet zu sein.

    Das Leben zeichnet sich nicht aus durch perfekte Haushaltsstandards. Sondern dadurch das Leben zu leben, Spaß zu haben, sich am Leben und aneinander zu freuen. Nein, man kann sich nicht immer nur anstrengen - weder als Kind, noch als Erwachsener. Wenn Du ihr etwas beibringen willst, lebe mit ihr. Und mache es ihr vor: Geh unter Leute, bring Freunde heim, lade ihre Freunde ein,´macht Euch schöne Zeiten, schaffe Dir Ausgleiche, die Dir Energie bringen. Jeder hat nur 24 Stunden am Tag Zeit. Es kommt auf die Prioritäten an, die man setzt.

    Das Lebensglück hängt nicht davon ab ob die Spüle blitzblank poliert ist, sondern davon, wie oft man am Tag (zusammen) lacht.

    Wenn Du wirklich keinen Schritt weg machen kannst von Deinem Perfektionismus und Deine Prioritäten nicht verändert bekommst - mal ganz abgesehen von dem Kind - dann wird es zwanghaft. Dann Therapie. Für Dich.

    Und zuletzt nochmal:
    Anschreien und Ausflippen geht schlicht nicht.
    Das geht auch Deinen Schulkindern gegenüber nicht.
    Die Kleine kann nichts dafür, dass Du Dich überforderst.
    Es ist Dein Problem. Und zwar ein ernstes.
    Nimm Deine Verantwortung ernsthaft in die Hand und such Dir adäquate Unterstützung.
    Adäquat geht weit über dieses Forum hinaus.

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    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Ich kann mich Leda nur anschließen.

    Finde es aber prima, dass Du schon selbst erkennst, dass es so nicht geht.

    Wie sagte mir die Stieftochter einer Verwandten ganz traurig: egal wie ich mich anstreng... es reicht nie.

    Bei meinen Pflegetöchtern hat es mir geholfen, mir klar zu machen, dass die manchmal die Baby-Phase einfach brauchen. Weil sie die nie leben konnten.

    Wenn meinem Göga mal die Kinnlade runtergefallen ist, habe ich ihm klargemacht: vergiss, dass sie 17 ist. Präg Dir ein, sie ist 7. Dann fällt es Dir leichter.

    Und nie vergessen: Für Kinder ist die Liebe wichtig. Nicht der spiegelnde Boden.

    Und wenn Du das nicht aushältst, musst Du an Dir arbeiten. Nicht an der Pflegetochter.

    Und: fast alle Eltern müssen die Zimmertür beim Kinderzimmer zu machen. Weil sie den Anblick nicht ertragen.

    Total normal.

    Und anschreien.... geht gar nicht.

    Kinder müssen liebevoll begleitet werden. Sie sind kein "Projekt" in das man investiert und dann ein möglichst gelungenes Exemplar vorzeigen mag.

    Es geht um das Kind... nicht um Deinen Erfolg.

    Und Perfektionismus und Kinder... das passt nicht zusammen.

    Liebe Grüße und viel Kraft

    angie

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    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Liebe Lania,

    mir ist dieser Teil deiner Aussagen aufgefallen:

    ich versuche wieder gutzumachen, was die Mutter verbockt hat
    Und nun sitze ich hier und heule, weil ich das Gefühl habe, eine furchtbar schlechte "Mutter" zu sein
    Du kannst zwar die Rahmenbedingungen im Leben der Kleinen zum Besseren verändern, aber du kannst ihr keine "Mutter" sein. Niemals.

    Egal, wie verkorkst oder unzureichend, sie liebt ihre Mutter. Es ist nur natürlich, dass sie dich in der Rolle, die du dir selbst zuweist, innerlich nicht akzeptieren kann.

    Vielleicht bedarf es eines Perspektiven-Wechsels deinerseits.

    Liebe Grüße

  5. User Info Menu

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Erstmal schon vielen Dankf für die raschen Antworten.

    Vermutlich ist es richtig, sich helfen zu lassen. Ich denke, da gibt es gute Angebote und ich werde mal schauen.

    Zu Schafwolle:
    Ich wollte noch nie die Mutter sein, ich hab das extra in diese Anführungszeichen geschrieben, es ging mir da um die "Erzieherin".
    Die Kleine möchte Mama zu mir sagen, das hat sie mir auf einen Zettel geschrieben, aber ich habe ihr erklärt, dass das nicht gehen kann, weil sie ja schon eine Mama hat und ich eben "nur" ihre Kusine bin.

    Ich wünsche mir einfach, dass ich sie etwas geduldiger behandeln kann.

    Ich hatte mir vor 2,5 Jahren meine Wohnung gekauft, genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt und ein halbes Jahr später stand sozusagen das Jugendamt vor der Tür. Es ist eng, es ist schwer hier den Überblick zu behalten und sobald ich sie mal laufen lasse und nicht alles kontrolliere, zeigt sie mir schlechte Noten nicht, lässt sie einfach verschwinden (wobei die Schule sich auch nicht gemeldet hat ), sie stellt so seltsame Dinge an, die ich gar nicht nachvollziehen kann und sie bräuchte eigentlich aufgrund ihrer Vorgeschichte eine Vollzeitbetreuung, da sie einfach sehr unzuverlässig ist und ich Angst haben muss, wenn ich mal nur Milch kaufen gehe, dass sie mit Feuer spielt oder sonstwas anstellt.
    Und das raubt mir mehr und mehr halt die Kräfte. DAs war ja nicht von Anfang an so, das ist jetzt mit derZeit eben so geworden, dass ich das Gefühl habe, dass ich das alles gar nicht leisten kann.
    Gleichzeitig erziehen Millionen von Frauen alleine ihre Kinder und ich fühle mich echt wie eine komplette VErsagerin, dass ich nicht mal ein Kind liebevoll groß kriege.

  6. Inaktiver User

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Du musst nicht alles alleine machen!!!!

    Wende dich ans Jugendamt, die haben dich zu unterstützen. Sie haben dir das Kind quasi vor die Tür gestellt!
    Erkundige dich nach der Familienhilfe!

  7. Inaktiver User

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Zitat Zitat von Lania Beitrag anzeigen
    Es ist eng, es ist schwer hier den Überblick zu behalten und sobald ich sie mal laufen lasse und nicht alles kontrolliere, zeigt sie mir schlechte Noten nicht, lässt sie einfach verschwinden (wobei die Schule sich auch nicht gemeldet hat ), sie stellt so seltsame Dinge an, die ich gar nicht nachvollziehen kann und sie bräuchte eigentlich aufgrund ihrer Vorgeschichte eine Vollzeitbetreuung, da sie einfach sehr unzuverlässig ist und ich Angst haben muss, wenn ich mal nur Milch kaufen gehe, dass sie mit Feuer spielt oder sonstwas anstellt.
    Und das raubt mir mehr und mehr halt die Kräfte. DAs war ja nicht von Anfang an so, das ist jetzt mit derZeit eben so geworden, dass ich das Gefühl habe, dass ich das alles gar nicht leisten kann.
    Dann wird es allerhöchste Zeit, dass Du Dir - auch für sie - Hilfe holst. Jugendamt / therapeutische Begleitung.
    Du hast ein Problemkind, das spezielle Betreuung / Förderung braucht.

    Wer hat Dir das denn beigebracht alles alleine und auch noch perfekt machen zu wollen?
    Und hältst Du das wirklich für ein nachahmenswertes, vorbildhaft weiter zu gebendes Verhalten?

    Versuch Lösungen zu finden, die den Raum aufmachen und mehr Möglichkeiten am Ende für Euch beide bieten.
    Im Moment bist Du in einem engen Tunnel unterwegs, siehst nur noch mehr Kontrolle, noch mehr Disziplin um weiter zu kommen. Das ist es aber nicht, wie Du an der Situation jetzt erkennen kannst, das engt nur weiter ein. Geh nach oben durch die Tunneldecke und schau, was es außer Kontrolle und Disziplin gibt, was wirklich fördert und Vertrauen stärkt - vor allem was Dich selbst anbelangt - das kannst Du dann an die Kleine weitergeben.

    Wenn Du ihre Geschichte betrachtest, wundert es Dich wirklich, dass sie sich manchmal wie 6 benimmt und sich destruktiv verhält?

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    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Hi,

    ich kann mich nur anschliessen, hol Dir Hilfe, das ist keine Schande, sondern das beste, was Du tun kannst.

    Vielleicht magst Du auch mal in ein anderes Forum schauen (pflegeeltern de), dort findest Du jede Menge "Profis", die sich bewusst und ohne akute Not (wie bei Dir) für die Pflege von Kindern entschieden haben und trotzdem oft genug an ihre Grenzen stossen.

    Wer kann Dich entlasten, gibt es noch andere Verwandte, die sich mal ein paar Tage um die Kleine kümmern können?? Ferienlager, Freunde, Babysitter??

    Viel Glück, amazone

  9. Inaktiver User

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Liebe Lania,

    lass Dich erstmal

    Ich bin nicht perfektionistisch, aber unter der Woche alleinerziehend & ich kenne das Gefühl, nicht wirklich entspannen zu können, weil "das und das und das noch gemacht werden muss".

    Was mir hilft:
    1. Putzfrau
    2. Ab und an holt ein Babysitter mein Kind schon aus der Kita ab, das gibt mir Zeit, länger zu arbeiten, durch die Stadt zu bummeln, zum Yoga zu gehen o.ä. und danach noch wegzugehen
    3. Yoga (abends z.B. mit CD, statt Internet oder Fernsehen, wirkt Wunder!)

    Schließlich: Ich finde es nicht dramatisch, wenn man ein Kind auch mal anschreit. (Übrigens so auch JEsper Juls neulich in einem Zeit Magazin Interview). Ja, es sollte nicht ständig passieren, aber auch Mütter und Kusinen sind nur Menschen. Wichtig ist m.E., dass man die Größe hat, sich danach dafür zu entschuldigen. Dadurch lernen Kinder mehr als durch ständiges Eitatei - denn so ist das Leben.

    Alles Gute für Dich,

    central

    PS: Hilfe holen finde ich natürlich auch wichtig

    PPS: Könntest Du Deine Wohnung vermieten und eine größere Wohnung für Euch beide mieten?

  10. User Info Menu

    AW: Alles wächst mir über den Kopf

    Liebe Lania,
    Hut ab, dass Du das Mädchen bei Dir aufgenommen hast.
    Wir "leiblichen" Mütter haben Dir eines voraus- wir konnten schon sieben Jahre länger als Du üben, dass man Abstriche im eigenen Drang, alles perfekt hinzukriegen, machen muss. Und dass jedes Kind irgendwie die Erziehung nicht immer so "umsetzt", wie man das als Mutter gerne hätte.
    Ich erziehe meinen Sohn von Anfang an allein, er ist fast 12. Seit er auf dem Gymnasium ist, habe ich auch das Gefühl, ich kriege das nicht mehr gebacken. Schulprobleme, deshalb Streit zu Hause, sein Selbstbewußtsein im Keller, der mütterliche Akku alle. Und gebrüllt habe ich auch schon. Er auch. Es ist schon eine Menge, was man als Mutter einfach aushalten muss. Ich habe mir Hilfe gesucht. Mein Sohn macht eine Psychotherapie und ich in Kürze auch.
    Wie alle anderen Schreiberinnen schon sagten, such Dir Hilfe. Es liegt nicht an Dir. Durch ihre schwere Vergangenheit braucht Deine Kleine wahrscheinlich psychologische Hilfe. Das ist keine Schande und kein Versagen Deinerseits. Vielleicht macht Ihr mal eine Mutter- Kind- Kur?
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

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