Hallo Lania,
auch ich find`s superklasse, daß Du Deine Kusine bei Dir aufgenommen hast und ich kann mir gut vorstellen,was das für Dich bedeutet:
Denn, ein Kind im eigenen Haushalt zu haben, stellt das Leben komplett auf den Kopf, fordert totale Umstellung. Das fällt bereits beim eigenen Kind nicht immer leicht, und bei einem angenommenen Kind, wo man nicht, wie beim eigenen, durch Schwangerschaft, Geburt etc. langsam in die Situation hereingewachsen ist und wo man, sorry, meist auch nicht von Anfang an, dieses Gefühl überbordender Liebe wie beim eigenen Kind empfindet, ist es umso schwerer.
Von daher, denke ich, ähnlich wie meine Vorschreiberinnen bereits angemerkt haben, ist es ganz wichtig, optimale Rahmenbedingungen für Dich und die Kleine zu schaffen.
Darunter würde ich verstehen:
- passende/ideale Wohnungsgröße für Euch. Also evtl. Deine Eigentumswohnung vermieten/verkaufen und eine größere Wohnung für Euch beide suchen
- Entlastung, Entlastung, Entlastung für Dich! Putzfrau, Mittagsbetreuung, Hort, Kinderfrau, was auch immer es gibt, um Dir selbst einige Freiräume zu schaffen
- Kontakt zu anderen Pflegefamilien. Wenn Du beim Jugendamt nachfragst, bekommst Du sicherlich Adressen für Ansprechpartner. Vielleicht gibt es bei Euch auch eine Selbsthilfegruppe für Pflegefamilien.
Denn eine Pflegefamilie hat immer spezielle und andere Rahmenbedingungen und Probleme, als eine Kernfamilie. Daher halte ich es für wichtig, daß Du Dich mit Leuten austauschen kannst, die in Deiner oder einer ähnlichen Situation sind.
Liebe Lania, was mir dazu noch auffällt: Warum denkst Du, daß es ungünstig ist, wenn die Kleine Mama zu Dir sagt? Du übernimmst alle Aufgaben einer Mama für sie, Du versorgst sie, wie eine Mama ihr Kind versorgt, warum sollte sie Dich dann nicht Mama nennen?
Und noch was: Hast Du einen Freund, einen Lebensgefährten? Jemanden, der Dich bei der Erziehung des Kindes unterstützen könnte? Oder könnten Dir im Notfall Deine Eltern unter die Arme greifen?
Ich denke, es ist nun dringend an der Zeit, daß Du sämtliche Unterstützungsmöglichkeiten für Dich mobilisierst. Denn wie Du in Deinem Eingangsposting bereits klar erkannt hast, hat sich das Mädchen lange Zeit bemüht, sich brav und angepasst zu verhalten. Nun kommt naturgemäß die Phase der Rebellion, des Aushandelns von Regeln.
Um da gut durchzukommen, ist es unerläßlich, die Rahmenbedingungen für Euch beide zu verbessern und sämtliche Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu mobilisieren.
Ich wünsche Euch beiden das Allerbeste.
LG Kyria
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 26
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14.04.2010, 13:59
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Geändert von Kyria (14.04.2010 um 14:03 Uhr)
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29.04.2010, 14:59
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Willkommen in der Realität
- so geht es vielen bis fast allen arbeitenden Frauen die Kinder haben - ganz egal ob Alleinerziehend oder verheiratet
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30.04.2010, 09:11Inaktiver User
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30.04.2010, 10:32
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Hm.... ich bin auch ziemlich perfektionistisch, im Prinzip, meine ich, und mein Leben war, bevor ich mein Kind gekriegt habe, auch vollkommen planbar und vollkommen geordnet im Sinne von geputzt und aufgeräumt und alles hatte seinen Platz und mein Arbeitgeber war glücklich mit mir, weil ich immer verfügbar war und immer (fast) perfekt seinen Wünschen, auch den unausgesprochenen, entsprach, und ich war, weil alles glatt lief und ich immer gut gelaunt war, ziemlich, sagen wir, zufrieden mit alldem.
Nach der Geburt habe ich mit Sicherheit drei Jahre lang WIRKLICH schwer mit mir selbst gekämpft. Weil ich auch das Gefühl hatte, ich sei unfähig usw. ... rundum unzulänglich ... hundert Kilo Schuldgefühle nach allen Seiten...wenn Chaos in der Wohnung links beseitigt war, war rechts wieder von vorn anzufangen, und da war noch nicht gebügelt ... am Abend sogar zu müde zum Lesen (was GANZ neu war)... bis mir klar wurde, daß ich (physisch) nicht teilbar bin und eben letztlich nach der Arbeit tatsächlich lieber mit dem Kind zwei Stunden in den Hof gehe oder sonstwohin als diese zwei Stunden vor dem Abendessen für den Haushalt zu verwenden (wie früher, locker nebenher); und daß mein Tag eben auch nur 24 Stunden hat.
Die relative häusliche Unordnung nehme ich seither einigermaßen gleichmütig (aber es war ein QUALVOLLER Lernprozeß) zur Kenntnis. Daß mein Kind entgegen meinen theoretischen Ansprüchen zum Beispiel gelegentlich länger vor dem Fernseher sitzt, als ich eigentlich wollen tät, weil ich jäten muß oder auch eine Viertelstunde in Ruhe meinen Nachmittagskaffee trinken möchte: tja, darf auch sein, weil es anders nicht geht.
Ich denke: Es muß nicht so sein - jede Alleinbetreuende eines Kindes (sag ich so, weil du "nicht die Mama" bist) könnte das eine oder andere delegieren (je nach Prioritäten; entweder das Kind oder die Haushaltsarbeit oder...)
Aber wenn ein Kind da ist, brauchst du deine Zeit AUCH fürs Kind, und zwar AUCH AUSSCHLIESSLICHE ZEIT: Es ist ein simples Rechenbeispiel!!!
Weil diese Zeit dir dann für etwas anderes fehlt, muss dann der "Rest des Lebens" Abstriche machen: du mußt nur mit dir selber ins Reine kommen darüber, wo sie gemacht werden.
Vielleicht ist mir das (eh nur relativ *ggg*) leichter gefallen als dir, weil es mein eigenes Kind ist ... ich weiß nicht. Weil dein Kind nicht in dein Leben hineingewachsen ist, sondern weil du es (bis zu einem gewissen Grad) als "Erziehungauftrag" übernommen hast. Das ist eine Konstellation, die den Drang zum Perfektionismus schon in sich selbst trägt!
Ich würde mir an deiner Stelle wirklich Unterstützung suchen (beim JA oder Vergleichbarem). Damit euer Verhältnis nicht am End´nur eines der "pädagogischen Verpflichtung" und des Zwanges zur Optimierung wird. (Ich hoffe, du bekommst mich nicht in den falschen Hals und verstehst, was ich meine.)
Alles Gute, i
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30.04.2010, 10:37Inaktiver User
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Dazuhin hatte sie nicht wie wir Monate Zeit, sich drauf vorzubereiten. Und das Kind ist bereits älter und vorbelastet.
Wie du schreibst: es ist nicht mit hineingewachsen.
Ein höhnisches:'Da siehst du mal, wie's geht' hilft da sicher nicht weiter.
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01.05.2010, 00:43
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01.05.2010, 08:08
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Hallo Lania,
ich finde es toll, daß Du Dich um die Kleine kümmerst, ihr Ersatz-Mama bist. Es ist bestimmt keine leichte Aufgabe, neben dem Beruf als Lehrerin sich um das Kind zu kümmern. Du hattest Dein System, um mit Beruf und Freizeit zurechtzukommen. Und dann ist da auf einmal ein 7-jähriges Kind. Das schmeißt alles über den Haufen. Als 2-fache Mutter mit bisher 19 Jahren Erfahrung mit den eigenen Kindern kann ich Dir sagen, daß Kinder keine einfache Lebensaufgabe sind. Auch wenn Du sagst, daß sie eine "verkorkste" Mutter hat, hat sie in den 7 Jahren, die sie mit ihr verbracht hat, eine Beziehung zu ihr gehabt, weil Kinder nun mal von Natur aus nicht ohne Erwachsene leben können. Bei Dir hat sie ein neues Zuhause gefunden, Du bist die Person, die ihr jetzt Halt gibt. Mit 7 oder 9 Jahren ist es Kindern egal, ob die Wohnung groß oder klein ist. Ihnen ist auch egal, ob die Wohnung tiptop aufgeräumt ist und glänzt. Sie wollen Liebe, Zuwendung, Zeit. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Du bist von Deinen Grundschul-Kindern gewohnt, daß sie ihre Arbeit leisten, ihre Hausaufgaben erledigen. Die Kleine ist nicht Deine Schülerin. Wenn Dir jetzt alles zuviel wird, solltest Du Dir Hilfe holen, nicht nur wegen Dir, sondern auch wegen der Kleinen.
LG
Zappelsusi
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03.05.2010, 13:46
AW: Alles wächst mir über den Kopf
... und weißt du, von wegen "Darf ich Mama sagen": Das Kind sucht eine Mama, nicht eine Erzieherin. Das Kind sucht Geborgenheit, nicht optimale Betreuung. Das Kind sucht deine Liebe, nicht deine pädagogische Leistung.
Das ist vielleicht mehr als dir ursprünglich klar war. Auf jeden Fall ist es wohl anders als was du dir ursprünglich vorgestellt hast (.... weil NIEMAND sich vorher vorstellen kann, was einem ein Kind dann "abverlangt").
Vielleicht kommt dein Gefühl der Überforderung in Summe aus dieser Diskrepanz - zwischen dem, was sie, kindgemäß, einfordert und du ihr vielleicht auch geben möchtest oder gibst, und dem, was dein Bewußtsein (=dein Perfektionismus, deine Ansprüche an dich selber; dein Wissen, deine pädagogischen Grundsätze, ... ) dir als notwendig und angemessen und erforderlich nahelegt.
In diesem Sinne glaube ich, daß du deine Einstellung zum deinem Kind "überprüfen" müßtest - dich innen ein bißchen umjustieren, vielleicht. Die Dinge im Leben gehen mMn dann mühelos(er) und glatt, wenn man sie gern macht, und das heißt, auch gefühlsmäßig in Übereinstimmung ist mit ihnen. Wenn man ein Kind zu sehr (und das gelingt auch leiblichen Eltern!!!) primär als Verpflichtung und Erziehungsauftrag betrachtet, wird es über kurz oder lang eine Belastung. Dann bist du, in ein Bild gebracht, den ganzen Tag LEHRERIN (also: in einer ROLLE), vormittags in der Schule, nachmittags zuhause, und DU SELBST gehst daneben wirklich unter!!! Dann empfindest du logischerweise und folgerichtig 24 Stunden eines Tages als Arbeitstag!!!! Überleg einmal - das schafft NIEMAND, und dann ist selbstverständlich in Kürze alles eine Belastung.
Ingr
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03.05.2010, 16:07
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Hallo Lania,
ich finde es großartig, dass Du die Aufgabe übernommen hast, Dich um das Mädchen zu kümmern, dass Du Dich dieser Herausforderung gestellt hast. Wahrscheinlich bist Du jetzt an dem Punkt, wo Du feststellen must, dass es nicht nur eine zusätzliche Aufgabe in deinem Alltag ist, sondern dass es eine Lebensaufgabe mit oberster Priorität ist.
Diese Erkenntnis konnte bei uns 'normalen' Müttern ganz langsam mit dem Kind heranwachsen. Du bist von einem Tag auf den anderen ins kalte Wasser geworfen worden - und keiner hat Dich vorher gewarnt. Das ist absolut nicht vergleichbar. Und glaub' mir: jede Mutter war irgendwann schon mal überfordert, war ungerecht, hat rumgeschrien.
Es ist eigentlich egal, wie das Mädchen Dich nennt. Wichtig ist, dass Ihr eine gemeinsame Ebene bekommt, auf der Ihr miteinander umgehen könnt. Rituale helfen, z.B. jeden Sonntag abend sich zusammensetzen und besprechen, was gut und was schlecht gelaufen ist in der Woche. Das kann man auch mit einer 7-jährigen schon machen.
Es ist egal, ob der Boden gebohnert ist. Wichtig ist, dass Ihr 'ne Runde Uno spielt.
Es ist im Moment egal, ob sie schlechte Noten schreibt (hört sich für eine Lehrerin wahrscheinlich komisch an). Wichtig ist, dass Ihr gemeinsam überlegt, wie Ihr das ändern könnt.
Es ist kein Beinbruch, wenn Du mal laut geworden bist. Wichtig ist, dass man sich auch einem Kind gegenüber entschuldigt, wenn man sich mal im Ton vergriffen hat.
Mit Deiner fehlenden 'Vorlaufzeit' und der negativ geprägten Vorgeschichte Deines Schützlings braucht Ihr auf jeden Fall professionelle Hilfe. Ich bin überzeugt davon, dass Du erleichtert sein wirst, wenn Du diesen Schritt gemacht hast. Vielleicht könntet Ihr gemeinsam erstmal zu einer Familienberatungsstelle gehen. Damit packt Ihr das Problem gemeinsam an, und dort kann man Euch auf jeden Fall eine Richtung geben, welche Form der Unterstützung Euch weiterhelfen würde.
Viel Kraft, viel Liebe und viel gegenseitiges Vertrauen wünscht Euch
Mawashi
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03.05.2010, 17:10
AW: Alles wächst mir über den Kopf
Hallo!
Habe ebenfalls grosse Hochachtung vor deiner Entscheidung, deine Cousine bei dir aufgenommen und ihr ein neues, besseres, liebevolles Zuhause gegeben zu haben!
Ich hab jetzt nicht alle Beiträge und Vorschläge gelesen, aber eins ist mir eingefallen, weil du geschrieben hast, dass du Lehrerin bist: gibts bei euch nicht die Möglichkeit eines Sabbatical-Jahres?! Oder einer Karenzierung aus gesundheitlichen Gründen? Ich weiss nicht, ob sowas finanziell möglich wäre oder was es da für Rahmenbedingungen gibt, aber vielleicht könntest du dich da mal informieren. Du scheinst mir deiner Beschreibung nach kurz vorm Burn-Out zu sein, oder sogar schon mittendrin. Das musst du unbedingt ernst nehmen! Sonst klappst du völlig zusammen!
Heimhilfe, Therapie wurden, glaub ich, schon genannt. Hol dir jede Hilfe, die du kriegen kannst!
Alles Gute!"Erwachsene verstehen nie etwas und für Kinder ist es ermüdend, ihnen immer und ewig Dinge zu erklären." (Der kleine Prinz, A. de Saint Exupéry)


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