Ach weisst Du, Wildblume. Ich bin so ein angeblich vernachlässigtes Kind. Meine Mutter hatte - trotz Ehe - gar keine Alternative als mitzuverdienen. D.h. die ersten 12 Jahre in der Ehe .. danach alleinerziehend. Überwiegend ganztags wohlgemerkt. Das war in den 60er und 70ern.
Ich fand das nie störend. Meine Mutter hat das gut hinbekommen und ich hatte nie das Gefühl, dass sie mich vernachlässigt. Im Gegenteil. Ihrer Liebe war ich mir immer sehr bewusst. Da gab's überhaupt kein Deuteln. Liebe vermittelt man nämlich nicht ausschliesslich über körperliche Präsenz, sondern auch darüber wie Präsent man geistig ist.
Sicherlich war es von Vorteil, dass ich jederzeit am Arbeitsplatz vorbei kommen konnte. Aber das habe ich eher selten genutzt.
Ich habe übrigens schon sehr früh die Zeiten genossen in denen ich ungestört war (ich bin Einzelkind) .. und das nicht weil ich die Bude auf den Kopf stellen wollte, sondern weil ich bei mir selbst sein konnte. Kinder brauchen nicht 24 Std. am Tag Gesellschaft.
Für eines hat die Berufstätigkeit meiner Mutter jedenfalls bei mir gesorgt .. ich war sehr schnell und sehr früh selbstständig .. und das war absolut kein Nachteil. Kinder wachsen - wie Erwachsene auch - an ihren Aufgaben.
Meine Mutter steht mir übrigens auch heute noch sehr nahe. Jedenfalls hat ihr angeblich rabenhaftes Verhalten unserer Nähe nicht geschadet
Und was die Rente angeht.. ich halte Frauen die sich heute - in jungen Jahren - überlegen wie ihre Altersversorgung aussehen wird für vorausschauender als die Frauen die nur im Heute und Jetzt leben. Auf jeden Fall übernehmen sie Verantwortung.
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 72
Thema: Betreuungsbettelei?!?
-
01.03.2009, 12:46
AW: Betreuungsbettelei?!?
-
01.03.2009, 13:25Inaktiver User
AW: Betreuungsbettelei?!?
Danke, SpezialEdition, du sprichst mir aus der Seele!

Auch ich hatte solche "Rabeneltern", die von morgens bis abends im eigenen Geschäft standen...
Da wundert es wohl nicht, dass auch ich zur "Rabenmutter" wurde - die zur Zeit viel Freude an ihren Kids (15, 17) hat, die zwar manchmal spinnen wie alle Pubis, die mir aber auch schon mal sagen, dass von allen Müttern, die sie kennen, ich wohl noch die beste Lösung wäre, da das kleinste Übel....
Wildblume: Ich freu mich für dich, wenn sich in deinem Leben alles immer so schön eingerichtet hat. Auch ich hatte in allem Schlamassel, das mich getroffen hat, immer wieder großes Glück gehabt - aber ich hab es als Glück gesehen, und nicht als Ergebnis eines "Wollens".
Ich kenne nämlich zu viele Frauen, die "wollen" schon, aber das Leben hat halt was anderes vor:
- Meine Freundin, deren Mann kurz nach der Geburt ihrer Tochter erst fremdging und sich dann mit der "Neuen" ins Ausland absetzte.... gezahlt hat er nie, sie musste den gesamten Lebensunterhalt alleine verdienen
- Meine Kollegin, deren Mann sehr jung einen Schlaganfall hatte. Hausbau, Familiengründung usw. waren teuer - eine vernünftige Versicherung für ein solches Schicksal war nicht da - sie managt jetzt zwei Schulkinder und einen Pflegefall.
- Ich selber: Verheiratet mit einem ehrgeizigen Mann, der auf sein erstes ein zweites Studium draufsattelte - und dann nach nur drei Jahren Berufstätigkeit mit 34 Jahren krank wurde und starb. Die Witwenrente ist lächerlich klein - ich fing wieder an zu arbeiten, als mein Sohn ein halbes Jahr alt war. Immerhin konnte ich mir den "Luxus" leisten, Teilzeit zu arbeiten, da ich hoch qualifiziert bin und einen Beruf habe, in dem man sehr gut verdient.
Also bitte: Mach mal die Augen auf und schau dich um... und dann überleg noch mal, ob wirklich, wie du schreibst, alle Frauen die Wahl haben...
-
01.03.2009, 14:06
AW: Betreuungsbettelei?!?
Warum so aggressiv und verallgemeinernd? Ich rede hier nicht von Rabeneltern und ich rede hier auch nicht von den leider schlimmen Schicksalsfällen, die natürlich ganz anders sind, als das was "DieDunkle" beschreibt. Leider hat sie nicht geschrieben, wie es dazu kam, dass sie auch eine Single Mama wurde.
Und wenn du bzw. ihr meine Beitrag richtig gelesen hättet, würdet ihr lesen können, dass ich auch arbeiten gehe und inzwischen mit den beiden Jobs Vollzeit berufstätig bin. Aber nicht von morgens bis abends 18.00 Uhr bei so kleinen Kindern wie 6 und 8 Jahre alt.
Und Vollzeit arbeiten heißt auch nicht immer bis 18.00 Uhr arbeiten müssen und gerne kann Frau Vollzeit arbeiten, wenn die Betreuung der Kinder so abgesichert ist, dass die Kinder psychisch keinen Schaden nehmen, weil sie die Mutter nur zu den Mahlzeiten sehen oder die Kinder schon groß sind. Aber selbst wenn meine Tochter 16 und noch älter ist, werde ich in meinem Erst-Job nicht länger arbeiten, weil ich es nicht einsehe, dem Staat noch mehr Steuern in den Rachen zu werfen. Da komme ich mit dem Zweit-Job besser hin, weil der Steuer- und SV-Beitragsfrei ist.
Und mein gutes Leben ist nicht das Resultat von Glück, sondern von Fleiß, vorausschauendes Denken und Handeln und dem Resultat aus der Erfahrung, dass ich meinem Kind auf keinen Fall so eine Kindheit zumuten will, wie es mir und meinen anderen Geschwistern zugemutet wurde.
Und glaubt mir, in Berlin gibt es genug Schicksale und durch meine berufliche Tätigkeit habe ich genug mit solchen Schicksalen zu tun. Aber für die normalen Fällen, die nicht solche schlimmen Schicksalsschläge hinnehmen mussten, gilt für mich immer die Devise: Jeder ist sein Glückes Schmied. Und wenn es bei mir Hart auf Hart kommen sollte, würde ich lieber von Harzt IV leben oder noch mehr Putzjobs machen, als das ich mein Kind nach der Schule bis nach 18.00 Uhr unbeaufsichtig lasse und schon gar nicht in der Pupertät.
Und bitte noch mal! Ich differenziere zwischen den Frauen, die durch solch tragischen Umstände dazu gezwungen werden, Vollzeit arbeiten zu gehen oder den Frauen, die es sich eigentlich leisten könnten, nur Teilzeit zu arbeiten, dass sie jedenfalls die ersten 12 Lebensjahren einfach mehr Zeit für das Kind haben, ohne gleich wieder in die Hausfrau-Sparte zu fallen.
Unverständlich ist mir, dass bei deiner Kollegin keine Versicherung abgeschlossen wurde, im Fall von Krankheit, Verdienstausfall etc. Soweit ich das Thema kenne, ist das Pflicht bei einem Hausbau und hat m.E. was mit vorauschschauenen Denken zu tun. Das Risiko wäre ich persönlich nicht eingegangen, ohne Absicherung, so einen großen Schritt wie Hausbau etc. zu gehen. Es kann ja immer was passieren.
Also, es gibt nicht schwarz und weiß
.
Ach ja, meine Tochter hat ne Freundin, da kommen die Eltern 19.30 Uhr nach Hause. War schon immer so, ansonsten war die Großmutter da. Letztens sagte mir dieses Mädel, dass sie so traurig ist, dass sie immer alleine ist und nicht versteht, warum die Eltern beide vollzeit arbeiten müssen. Bei mir und meiner Tochter ginge es doch auch, es gibt sogar nur einen Verdiener und wir wären nicht arm. Da musste ich erstmal schlucken.
Dafür haben die im Flur nen Mamor-Boden, das Mädel hat allen technischen Schnick-Schnack, ist aber seelisch gesehen total vernachlässigt und ein einsames Kind.
Euch einen schönen sonnigen Sonntag!
Wildblume
-
01.03.2009, 14:14
-
01.03.2009, 14:34Inaktiver User
-
01.03.2009, 18:43Inaktiver User
-
02.03.2009, 09:07
AW: Betreuungsbettelei?!?
-
02.03.2009, 09:14
AW: Betreuungsbettelei?!?
Sollte ich jetzt wegen deinen Zeilen ein schlechtes Gewissen bekommen
?
Willst du vielen Menschen, die von Arbeitslosengeld II leben müssen, einen Vorwurf machen ? Dabei sind große Firmen und Banken diejenigen, die den Staat schädigen.
Und das die Hälfte deines Gehaltes weg ist, dafür kann ich nichts und auch nicht die Menschen, die keine Arbeit haben.
Du kommst hier m.E. mit etwas unreflektierten Vergleichen
.
Heirate doch, dann ist glaube nicht mehr die Hälfte deines Gehaltes weg und ein paar Kinder noch dazu und du zahlst immer weniger Steuern
.
Alles Gute!
Wildblume
-
02.03.2009, 12:36Inaktiver User
AW: Betreuungsbettelei?!?
@SpezialEdition
Welche Prioritäten setzt du?
Mir geht es um die beiden Kinder.
Und Unabhängigkeit von der Omma.
-
02.03.2009, 12:55
AW: Betreuungsbettelei?!?
Wer sagt denn, dass man in diesem Fall Prioritäten setzen muss? Wer sagt denn, dass Kinder nur von der eigenen Mutter gut betreut sein können? Wenn das zutreffen würde, was wären dann in den anderen Ländern die berufstätigen Mütter für Rabenmütter?
Roxana, ich habe keine Kinder .. Ich gehe nur von meinem persönlichen Erleben als Kind aus und davon wie bescheiden die Alterrente meiner Mutter trotz fast 100%er Berufstätigkeit wäre wenn sie nicht in den letzten 15 Jahren eine Betriebsrente hätte aufbauen können. Und selbst das ist nicht üppig.
Wie gesagt, ich habe es nie als negativ empfunden, dass meine Mutter berufstätig war. Im Gegenteil. Ich kann mich an keine einzige Situation erinnern in der ich das bedauert hätte. Ich hätte ja bei kleineren und größeren Dramen entweder am Arbeitsplatz meiner Mutter vorbeikommen können. Soweit ich mich erinnere habe ich das aber nie genutzt. Und ansonsten gab mir das ziemlich viel Freiheit .. was Disziplin aber nicht ausschloss. Bestimmte Regeln wurden aufgestellt und mussten eingehalten werden. Auch das hat mir im späteren Leben geholfen.
Wäre ich die TE, ich würde versuchen mir eine unabhängige Betreuung zu suchen. Und zwar bezahlt. Überall da wo man "danke" sagen muss befindet man sich in einer Abhängigkeit. Ich muss aber auch hinzufügen, dass ich - hätte sich meine Mutter so verhalten wie die der TE - es ziemlich übel nehmen würde. Erst etwas versprechen und dann nicht halten - gerade in diesem Bereich - ist mehr als übel. Aber es ist wie es ist und deshalb wäre mein Ziel eine unabhängige Betreuung.
Ich käme aber eindeutig nicht auf den Gedanken einer Frau - nur weil sie den Wunsch hat voll berufstätig zu sein - zu suggerieren, dass sie dadurch zur schlechten Mutter wird und ihre Kinder vernachlässigt.
Vernachlässigung mache ich an anderen Dingen fest.



Zitieren

