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  1. Inaktiver User

    Wo ist meine Unbeschwertheit?

    In den zurückliegenden 15 Jahren habe ich meine liebsten Menschen verloren: Eltern, einzige Schwester, Großmutter; ebenso meinen Mann durch Trennung.
    Viel zu früh (mit 58 Jahren) kam auch der Umstand, aus dem Berufsleben auszusteigen.


    Ich erkenne durchaus einiges Positives: den Wegfall der Sorgen um die alten und kranken Eltern, die Erleichterung, keine Verantwortung mehr tragen zu müssen, keine Suche mehr nach Kompromissen, keine Auseinandersetzungen. Freiheit.


    Dennoch ist mir etwas verloren gegangen: meine Unbeschwertheit.
    Die Verluste sind in mir steckengeblieben - hinzu kommen ja auch noch die Verluste, die der Alterungsprozess natürlicherweise mit sich bringt: Haare fallen aus, die Zähne tun auch nicht mehr ihre gewohnten Dienste, die Einkaufstaschen fühlen sich viel schwerer an als früher, das Spiegelbild zeigt nicht mehr die junge Frau von damals.


    An die Stelle der Sorge um andere, ist die Sorge um mich selbst getreten.
    Ich frage mich, ob es noch einmal eine Unbeschwertheit gibt und wo man die Last der Vergangenheit einfach mal parken kann. Ich schaffe es nicht, meine Freiheit und Möglichkeiten wirklich zu nutzen und -vor allem- zu genießen. Ich fühle mich oft erstarrt und vermeidend, in der Hoffnung, dass nichts Schreckliches passiert.


    Verluste sind nichts Außergewöhnliches - denke ich mir. Aber die Last ist schwer…
    Welche Strategien gibt es, sich wieder leicht zu fühlen?

  2. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Hallo Magena,
    ich denke, so unbeschwert wie in jungen Jahren wird keiner mit über 60 sein. Verluste an lieben Menschen müssen wir alle hinnehmen.
    Das sollte aber eher dazu führen, zu erkennen, wie wertvoll unser Leben ist.
    Ich habe in einer Ecke Fotos von den liebsten Gestorbenen, davor eine Kerze und wenn mir so ist, zünde ich diese an und gehe ich in Zwiesprache.

    Verluste an körperlichen Fähigkeiten? Gegen den Haarausfall habe ich etwas gefunden, was mir wirklich hilft. Zähne - da kommen die meisten hin, es ist beschwerlich, aber doch zu ersetzen.
    Gegen die einsetzende Gebrechlichkeit halte ich mit Sport gegen. Ich habe mir zusätzlich zu meinem Programm, welches ich täglich abspule, eine Vibrationsplatte gekauft, um der Osteoporose entgegen zu wirken.

    Meiner krisselige schlaffe Haut an einigen Stellen nehme ich es nicht übel, sie musste auch viel aushalten.

    Was Du aber am meisten beklagst, ist sicherlich die Freude, so allgemein, ohne o.g. Punkte.

    Da hätte ich vielleicht ein paar Anregungen:

    Wenn Du so einigermaßen singen kannst, suche Dir einen Chor.
    Wenn Du noch einigermaßen gut zu Fuß bist, suche Dir eine Wandergruppe.
    Suche Dir einen Verein, keine Ahnung, grüne Kittel im Krankenhaus, Vorlesetante im Kindergarten, Tierhilfe….
    In unserem Ort gibt es einen Friedhofsverein, dort werden historisch wertvolle und schöne Grabstellen gepflegt. Man erfährt viel über die Historie der Stadt und Menschen.

    Das als Anregung.
    Und vielleicht Tagebuch führen über die positiven Seiten des Lebens. Bewusst danach forschen und aufschreiben., Sonne, Regen, Schnee, Spaziergänge, ein Lächeln, Begegnungen…

  3. Inaktiver User

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    ich denke, so unbeschwert wie in jungen Jahren wird keiner mit über 60 sein. Verluste an lieben Menschen müssen wir alle hinnehmen.
    Liebe Overknee,
    ja, das stimmt - und irgendwie ist es auch ein Trost.

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Meiner krisselige schlaffe Haut an einigen Stellen nehme ich es nicht übel, sie musste auch viel aushalten.
    Ich weiß noch, wie sehr ich diese krisselige, schlaffe Haut bei meiner Oma so sehr mochte. Natürlich dachte ich überhaupt nicht daran, dass meine Haut überhaupt jemals so erschlafft. Was für ein Irrtum .
    Mittlerweile sehe und staune ich zwar, was da mit mir passiert - kann aber ganz gut damit umgehen.

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Wenn Du noch einigermaßen gut zu Fuß bist, suche Dir eine Wandergruppe.
    ...
    Und vielleicht Tagebuch führen über die positiven Seiten des Lebens. Bewusst danach forschen und aufschreiben., Sonne, Regen, Schnee, Spaziergänge, ein Lächeln, Begegnungen…
    Diese beiden Anregungen nehme ich mal mit. Danke Dir dafür.
    So eine Wandergruppe suche ich schon länger, das werde ich mal intensivieren.
    Ja, stimmt. Das gute alte Tagebuch. Ich hatte mal eine Phase (nach dem ersten Todesfall), wo ich mir vieles von der Seele geschrieben habe. Keine Ahnung, warum ich das dann irgendwann gelassen habe. Muss ich mal wieder aufgreifen - aber sicherlich mit Deinem Hinweis, den Fokus auf die POSITIVEN Seiten zu legen, sonst werde ich wieder nur unglücklich.

    LG, Magena

  4. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Für mich ist eine wichtige Strategie, mich mit den Realitäten (eine absehbare Zukunft, abnehmende Kräfte, möglicher Verlust des Lebenspartners, Tod und Sterben selbst) vertraut zu machen.
    Wissen bewirkt bei mir Angstabbau.

    Davon ausgehend die eigenen Aktivitäten anpassen, so dass man statt Frust Freude daraus ziehen kann.

    Ganz wichtig scheint mir zu sein, die Gegenwart zu genießen und sich diese nicht mit unnötigen Zukunfstgrübeleien zu versauen.
    Unnötig sind Grübeleien über Dinge, von denen ich noch gar nicht weiß, ob sie stattfinden. Und natürlich auch Dinge, an denen ich ohnehin nicht das Geringste ändern kann.

    Das ist alles nicht einfach, aber man kann es einüben.
    Jede Erklärung ist eine Hypothese

    (STOA169)

  5. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Zitat Zitat von jofi2 Beitrag anzeigen

    Wissen bewirkt bei mir Angstabbau.

    --------------------------
    Unnötig sind Grübeleien über Dinge, von denen ich noch gar nicht weiß, ob sie stattfinden. Und natürlich auch Dinge, an denen ich ohnehin nicht das Geringste ändern kann.

    Das ist alles nicht einfach, aber man kann es einüben.

    im grund bin ich da ganz nah bei dir.

    mit der ausnahme: zukunftsgrübeleien. da habe ich für mich (schon vor langer zeit) entschieden: ich überlege mir alle möglichkeiten und definiere dazu wie es mir damit geht bzw. ich damit umgehen will und kann.
    vorbereitung. und dann lässt es mich auch wieder in frieden.


    ich merke, dass ich mit zunehmendem alter, langsamer auch im denken werde. abwägen, für und wider, - das braucht heutzutage mehr zeit.
    ich bin durch, auch mentale narben, nicht mehr so spontan und unbedarft wie noch vor ein paar jahren.
    in einem bild: ich renne nicht mehr einfach los. ich schau auf den weg und gucke dass ich die schlaglöcher beim bewussten gehen vermeide.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  6. Inaktiver User

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Daliah hatte im Nachbar-Thread folgendes geschrieben:
    Liebe Magena,


    weißt du was mir zu deinem Beitrag einfällt? Du wirst dich wundern.
    Ein Bericht in der damaligen Tageszeitung über die Cindy von Cindy und Bert.
    Anlässlich ihres 70. Geburtstages.
    Die hat in dem Alter noch mal angefangen zu arbeiten. Nämlich in so einer Einrichtung für Senioren und zwar als Alltagsbetreuerin. Da geht man gemeinsam zum Arzt, kocht mal was, leistet Gesellschaft.
    Die war im Grunde genommen auch allein, ihr Sohn lebte weit weg im Ausland.
    Meiner persönlichen Erfahrung nach sind die Menschen im Alter glücklicher die noch eine Aufgabe haben.
    Sich nur die Zeit vertreiben wird auf die Dauer auch langweilig.
    Ich wurde ja anfangs regelrecht bedauert weil ich noch was gearbeitet hatte und tun werde.
    Mittlerweile sehe ich das anders.
    Ich gehe nicht mehr nur des Geldes wegen arbeiten. Da muss ich mich anstrengen, anpassen, und wenn ich keine gute Arbeit leiste werde ich auch nicht bezahlt. Das ist zwar anstrengender als zuhause zu bleiben.
    Aber, unterm Strich bringt es mehr.
    Was das alleine-sein betrifft. Je älter ich werde desto mehr breitet sich bei mir ein Gefühl des "mit-allen-Menschen-und- auch-der-Natur-Verbundensein" aus.
    Sollte ich nicht noch mal einen neuen Seelenpartner treffen so würde ich nie wieder meine Freiheit aufgeben wollen. Noch heute denke ich daran wie sehr mich doch alle Männer dominieren wollten.
    Also nach so einer Gemeinschaft sehnte ich mich nicht mehr.
    Man trifft ja auch eher auf Menschen wenn man raus geht, schon allein der Weg zur Arbeit ist ein Teil davon.
    Dass du dich so allein fühlst tut mir leid.

    Natürlich bin ich nicht so vermessen dir ein Rezept dagegen anzubieten.
    Mir gefallen gerade deine Beiträge weil daraus zunächst mal so viel Ehrlichkeit spricht - und ehrlich gesagt auch Kraft.
    Das ist nämlich auch ein Punkt wenn man noch was in Richtung arbeiten unternimmt.
    Man bekommt gerade in dem von mir geschilderten Bereich soo viel Bestätigung.
    Die von mir Genannte hatte auch ausdrücklich was Nützliches machen wollen.
    Mir hatte das sehr imponiert.
    Gerade weil ich ehrlich gesagt viele alte Menschen und Rentner kenne die meckrig und unzufrieden geworden sind. Früher war alles besser - und alle Menschen sind schlecht und berechnend.

    Fang doch einfach wieder was an.
    Man muss auch kein Profi sein. Das Problem hatte ich mal innerlich, weil älter ja oft gleich gesetzt wird mit Erfahrung und Gelassenheit.
    Und nun wünsche ich dir einfach ne schöne Zeit und hoffe noch viel hier von dir zu lesen.
    Liebe Grüße von mir.


    Liebe Daliah,

    so herzliche Worte … das tut so gut. Ich danke Dir!


    Ja,- ich kenne dieses Engagement von Cindy (ich glaube sogar, dass es ein TV-Bericht war) und war damals auch sehr beeindruckt.


    Nachdem ich aus dem Berufsleben ausgeschieden war (vor 5 Jahren), war ich auch noch voller Tatendrang und habe vieles ausprobiert. Und es ist beinahe peinlich, einzusehen, dass das meiste wohl an mir selbst gescheitert ist.


    Ich habe es schon zweimal mit einem Nebenjob versucht. Wahrscheinlich habe ich da den falschen Griff getan, denn es klappte nicht. Von einer Sache will ich gern mal erzählen:


    Es ging um die ehrenamtliche Aufgabe der Unterrichtsbegleitung in einer Grundschule (1. Klasse) 2x in der Woche. Ich lernte einen lieben syrischen Jungen kennen (ca. 8 Jahre alt), der noch kein einziges Wort Deutsch kannte. Durch gemeinsames Spielen draußen auf dem Schulhof und Sportplatz versuchte ich Vertrauen zu gewinnen, was mir -glaube ich- auch gut gelungen ist. Ich habe sowohl im Einzelunterricht als auch in der Klasse mit ihm gearbeitet.
    Eines Tages -während des Einzelunterrichtes- stand auf einmal der Vater vor mir. Er konnte etwas Deutsch - und er fragte mich, ob ich selbst Kinder hätte und noch eine andere Arbeit. Als ich beides mit ‚nein‘ beantwortete, sagte er mir, dass ich ja dann jeden Tag Zeit hätte, mich um seinen Sohn zu kümmern. Wo ich denn wohnen würde, fragte er und setzte sich zu uns an den Tisch - und blieb.
    Nach Unterrichtsende verfolgte er mich - immer mit den eindringlichen Worten, ich solle mich um seinen Sohn kümmern. Ich hatte Angst, nach Hause zu gehen und bin statt dessen um die Häuserblocks geirrt. Er immer hinterher. Irgendwann quengelte der Junge an seiner Hand und er dreht ab.
    Ein Gespräch mit den Lehrerinnen war erfolglos, weil sie viel zu viel um die Ohren hatten, um sich auch noch mit meinem Problem herumzuschlagen.
    Ich gab die Tätigkeit spontan auf.


    Wahrscheinlich habe ich zu diesem Zeitpunkt wirklich die Nase voll gehabt und mich deswegen sämtlichen Nebentätigkeiten gegenüber verweigert. Aber das ist ja gerade der Punkt: Statt unbeschwert zu sein, kommt immer wieder mal so ein blöder Vorfall, den ich als Ballast mit mir herumschleppe und den ich dann nicht mehr so schnell wieder los werde.
    Ich befinde mich in einem schrecklichen Widerspruch. Einerseits brauche ich wirklich Menschen um mich herum, um nicht vollends zu vereinsamen; andererseits meide ich Menschen,



    • damit mich keiner mehr verlassen kann,
    • damit mir keiner mehr weh tun kann,
    • damit mich keiner mehr enttäuschen kann.



    Dabei ist mir ist klar und bewusst, wie schädlich diese Haltung ist.


    Ich merke, wie unangenehm es z.B. einer guten Bekannten ist, wenn ich von dem einen oder anderen Schicksalsschlag erzähle. Ich verstehe, dass man als Zuhörer hilflos ist. Jedoch wäre es für mich eine große Erleichterung, wenn ich überhaupt mal etwas loswerden könnte. Aber ich schweige dann lieber, um andere nicht unnötig zu belasten.
    Und jetzt kommt der wieder einmal große Widerspruch -
    Kurze Geschichte dazu:
    Neue Yoga-Gruppe - alle stellen sich kurz vor. Ich bin die letzte in der Reihe. Zuvor haben deshalb schon 7 Leute ausführlich erzählt, welche körperlichen Leiden/ schwere Krankheiten sie schon durchgemacht haben.
    Ich schreie innerlich! Ich will das nicht hören. Yoga-Gruppe ist gestrichen. Ich will nicht, weil ich genug habe von schweren Krankheiten (beide Eltern) und den damit verbundenen Bildern, die mir sowieso schon nicht aus dem Kopf gehen.
    Also:
    ICH SELBST kann auch nicht zuhören - zumindest nicht, was Schicksalsschläge angeht.


    Ich denke,- das ist schon ziemlich blöd: sich etwas von anderen zu wünschen, was man selbst nicht gern tut.

    Ratlos

    LG, Magena


    Geändert von Inaktiver User (03.09.2021 um 11:51 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Ich glaube, ich kann nicht mehr richtig gucken? Wo ist hier der zitierte Beitrag von Daliah?

  8. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    liebe magena, gibt es den kleinen jungen noch?

    wäre es für dich möglich 1x die woche mit ihm zu arbeiten?

    (ich betreue ein syrisches mädchen. die familie kann sehr nett und lieb sein- aber sehr vereinnahmend. ich habe gelernt mich da abzugrenzen. )
    du setzt die regeln!

    oder die lehrerin nochmal ansprechen: mit klaren regeln. was zeiten und häufigkeiten betrifft. ich rate zu abstand zur familie. so lieb wie sie sein können!
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  9. User Info Menu

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    bei mir wird auch keine original von daliah- angezeigt.

    seltsam.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  10. Inaktiver User

    AW: Wo ist meine Unbeschwertheit?

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Ich glaube, ich kann nicht mehr richtig gucken? Wo ist hier der zitierte Beitrag von Daliah?
    Hab's korrigiert. Schau mal, ob Du es jetzt siehst.

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