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    AW: Tochter soll nicht so streng, unzufrieden und launisch sein wie ich es als Mutter

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen

    Ich beobachte das auch bei einer meiner Freundin. Der Mann holt uns nach einer Reise an seinem freien Tag vom Zug ab, und sie motzt, warum er den Wagen 20 m weiter geparkt hat, wenn er doch direkt vor den Eingang hätte parken können. Und ständig solche Sachen.
    Diese permanente Nörgelei von unzufriedenen Frauen, finde ich wirklich schrecklich. Und wie die dann ihrem Mann übers Maul fahren. Grauslich. Gilt natürlich auch umgekehrt, aber öfter sehe ich das bei Frauen.
    .
    Ich kenne das leider auch umgekehrt. Ich frage mich warum, woher kommt das? Was kann man dagegen tun?

    Es macht so viel kaputt...
    Das größte Glück in der Liebe besteht darin, Ruhe in einem anderen Herzen zu finden.
    Jeanne Julie de Lespinasse

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    AW: Tochter soll nicht so streng, unzufrieden und launisch sein wie ich es als Mutter

    Ich finde Brief besser, dann kannst Du ihn mehrfach überarbeiten, vorsichtig formulieren, in der Ichform etc bleiben, und Deine Tochter kann entscheiden, wie weit sie Deine Erfahrungen und Erkenntnisse sich ran lässt.

    Und ihn evtl auch nochmal nachlesen.

    Gerade im Gespräch lauert doch mit jeder Rückfrage eine Falle ("warum erzählst du mir das?"), auch durch Unterbrechungen, Launen, Subtexte im Klang der Stimme, unerwartete Tränen.

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    AW: Tochter soll nicht so streng, unzufrieden und launisch sein wie ich es als Mutter

    was auch eine herangehensweise sein kann:

    du schreibst den brief. in der ich-form. mit x- überarbeitungen und co.

    und dann liest du ihn ihr vor.


    dann hast du den teil: ich will nichts vergessen. ich will eine linie in meiner erzählung haben (keine zwischenfragen) - es gibt eine form von dokument: was wurde gesagt, was kann nachgelesen werden- und gleichzeitig nach dem verlesen: die möglichkeit ins detail zu gehen. ihr auch die möglichkeit geben, über alles in ruhe nachzudenken. und evtl beim zweiten treffen dann über ihre fragen dazu zu reden.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Tochter soll nicht so streng, unzufrieden und launisch sein wie ich es als Mutter

    Liebe reddaisy

    habe kürzlich Deinen Eingangspost gelesen und mich heute in diesem Forum angemeldet
    um Dir zu antworten und Dir meine Gedanken mitzuteilen.

    Guten Tag in die Runde.

    Deine Zeilen und Fragen haben mich sehr berührt. Ich empfinde ich es als sehr sympathisch, dass Du so reflektiert bist und die Verantwortung für das Ende Deiner Ehe nicht ausschließlich Deinem Ex-Mann gibst und Du nach Mitteln und Wegen suchst Deiner Tochter zu helfen.
    Wenn ich Deine Zeilen lese, dann spüre ich, dass Du Dich für Deine Tochter im positiven Sinne interessierst und Dich sorgst, wie sie ein glückliches Leben führen und wie Du ihr helfen könntest. Gleichzeitig möchtest Du Dich nicht aufdrängen und ihr ungebetene Ratschläge geben. Nach dem Motto „Unerwünschte Ratschläge sind auch Schläge.“

    Ein Gedanke, der mir zu Deinen Unzufriedenheiten mit Deinem Exmann kommt, in der Regel hat es einen guten Grund, warum wir uns z. B. frustriert, traurig, einsam und wütend fühlen. Es kann sich sehr lohnen die herauszufinden. Nicht immer sind dann die ersten Antworten, die uns in den Sinn kommen, tatsächlich auch die, die bei uns ins Ziel treffen. Am Anfang kommen vielleicht so Dinge, nie hört er mir zu oder immer muss ich auf die anderen Rücksicht nehmen. Oder es kommen Dinge, die eher der Konsumbefriedigung dienen.

    Möglicherweise ist die Ursache für Dein „früheres Unwohlsein in der Ehe“ weil Deine Bedürfnisse nicht befriedigt wurden, bzw. wir nicht gelernt haben eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, auf eigene Bedürfnisse zu achten und sich für deren Befriedigung einzusetzen.

    Es können Bedürfnisse nach Bindung, Freiheit, Selbstbestimmung und Harmonie sein.
    Gerade bei den universellen Bedürfnissen, nach Bindung und Freiheit, stecken wir oft in einem Dilemma. Einerseits sind wir, weil wir soziale Wesen sind, auf Nähe angewiesen. Andererseits brauchen wir auch Freiheit und Selbstbestimmung, in unterschiedlicher Gewichtung. Da dies nicht immer sofort zu haben ist, wenn wir gerade im Moment Nähe oder Distanz brauchen, haben wir gelernt die Befriedigung unsere Bedürfnisse aufzuschieben, zu verdrängen, sie abzuwerten, als unwichtig abzutun oder zu ignorieren. Und das ist in einigen Fällen auch vernünftig, notwendig und realistisch. Wenn es nicht gerade Grundbedürfnisse sind, dann erleiden wir auch deswegen keinen schlimmen Schaden. Langfristig werden wir mit dieser Strategie aber unzufrieden.

    Wenn wir eine Weile Kompromissbereit sind bzw. nachgeben, dann möchten wir uns auch einmal durchsetzen. Und Nörgeleien kommen immer wieder zum Vorschein. Vielleicht wurdest Du wütend, weil Du zwar gerne mit Deinem Mann in den Urlaub gefahren bist aber irgendwann bemerkst, eigentlich würde ich auch gerne (mal) mitbestimmen, wo wir hinfahren, wo wir übernachten und wie wir den Urlaubstag verbringen. Vielleicht hast Du in Deiner weiblichen Sozialisation gelernt Dich anzupassen, unterzuordnen, nachzugeben, es Deinem Gegenüber Recht zu machen, nicht kompliziert sein, nicht zickig sein...
    Wenn wir sogenannte negative Gefühle haben, dann lohnt es sich hinzuspüren, weshalb bin ich eigentlich frustriert, was fehlt mit, was bräuchte ich, damit es mit besser ginge?

    Ich persönlich bin in einem Umfeld aufgewachsen (deshalb könnte es auch sein, dass ich da bei Dir etwas hineinprojiziere) da sollten Männer und Frauen bestimmte Gefühle und Bedürfnisse nicht haben. Grundsätzlich sollte man zufrieden sein und gerade wir als Frau nicht nörgelig sein. Frauen sollen immer lächeln oder lachen. Taten wir das nicht, wurden wir darauf hingewiesen: „Lach doch mal, was schaust Du denn so ernst?“

    In meinem Nachbardorf wurden immer wieder Bauerntheater aufgeführt und es gab mehr oder weniger nur zwei Frauenrollen. Da war die junge Hübsche, sehr beliebt bei den Männern. Sie war fröhlich/hat viel gelacht, voller Energie, hübsch gekleidet und frisiert und hat niemals genörgelt. Und es gab die anderen Frauen, die waren ältlich, griesgrämig, unbeliebt, haben nie gelacht (höchstens spöttisch und schadenfroh), gekleidet war sie eher unvorteilhaft und die Frisur war nicht optimal und waren generell sehr sehr unbeliebt. Vielleicht stecken diese Frauenbilder in uns drin? Vielleicht haben wir Angst „die alte Nörgelige“ zu sein bzw. zu werden. Dann verstellen wir uns und spielen die fröhliche und pflegeleichte. Da wir aber auch nur Menschen sind, kommen die Unzufriedenheiten evtl. auch an unpassenden Stellen und möglicherweise auch bei unpassenden Menschen heraus. Da meckern wir Menschen an, die uns eigentlich wohlgesonnen sind und die nicht unbedingt unseren Frust verdient hätten.

    Je nach Herkunftsfamilie/Generation/Erziehung/Kultur/soziales Umfeld sind wir Fragen wie: was will ich eigentlich wirklich, wie soll mein Leben verlaufen, will ich heiraten, will ich Kinder haben, will ich eine berufstätige Mutter sein (ohne als Rabenmutter abgewertet zu werden) koche ich gerne oder darf ich meiner Familie ein Fertiggericht servieren, will ich in einem Haus wohnen, will ich lieber in der Stadt wohnen, welche Menschen tun mir wirklich gut, darf ich ohne meine Familie verreisen, welche Interessen habe ich?...“ vielleicht nicht gewöhnt und es kann lange dauern bis die eigenen „richtigen“ Antworten kommen.
    Vielleicht kommen zuerst auch Antworten wie, ich brauch jetzt erst mal ein Stück Kuchen, eine ausgiebige Shopping-Tour, eine Runde Lästern mit der besten Freundin, ein Glas Sekt oder einen romantischen Film. Kurzfristig bringen diese Strategien Erleichterung. Langfristig hilft uns das aber nicht grundsätzlich für ein zufriedeneres Leben.

    Da Du Dich von Deinem Mann dann doch getrennt hast, gehe ich davon aus, dass Du gute Gründe für eine Trennung hattest.
    Meist hilft es dann auch nicht weiter einen oder eine Schuldige*n zu finden oder wer Recht oder Unrecht bzw. mehr oder weniger Recht hatte. Es lohnt sich eher herauszufinden: was genau hätten wir beide in der Ehe gebraucht und wie hätten wir es öfters geschafft uns glücklich zu machen? Um das herauszufinden ist ein Austausch, sind Gespräche in Beziehungen wichtig. Ein Interesse an der anderen Person und ein Neugierig sein auf das Gegenüber. Was brauchst Du, was macht Dich glücklich, wie können wir uns beide glücklich machen? Fragen stellen, zuhören und auch andere Meinungen stehen lassen. Manchmal, nicht immer, bekommen wir was wir wollen.

    Und ja, (selbstverständlich) wir bekommen nicht immer was wir wollen. Wir brauchen immer wieder eine gewisse Frustrationstoleranz, weil unsere beste Freundin, die uns so gut trösten und aufmuntern kann, momentan keine Zeit hat. Weil wir ein schönes Kleid kaufen wollen und es in unserer Größe gerade ausverkauft ist. Weil wir gerade einen Mittagsschlaf machen wollen und der Nachbar gerade seinen neuen Laubbläser anstellt. Wir in den Arm genommen werden wollen und unser Ehemann dafür nicht in Stimmung ist. Wenn wir aber unsere Bedürfnisse nicht wahrnehmen, wir resignieren, wir sprachlos werden und selten für unsere Bedürfnisse eintreten, werden wir eine negativ Spirale in unserem Leben lostreten oder diese Spirale weiter befeuern.

    In unserer Generation kennen wir sicher den Spruch: „Kinder die was wollen, bekommen was auf die Bollen.“
    In der Schwarzen Pädagogik, noch bis in die späten 70er und frühen 80er Jahre in Deutschland verbreitet, wurden überwiegend die Grundbedürfnisse von Kindern befriedigt. „Satt, sauber und trocken.“ Alles andere war unnötiger Firlefanz. Kinder sollten nicht verwöhnt werden. Lautes Schreinen kräftigt die Lungen. Irgendwann resignieren diese Kinder und werden sprachlos. Auch wenn ich schreie, es kommt doch eh keiner, ich bekomme doch eh nie was ich will, wenn ich für meine Bedürfnisse eintrete, werde ich abgelehnt oder beschimpft.

    Vielleicht wurde Deine Tochter etwas sprachlos, weil sie ihre Bedürfnisse kaum wahrnehmen kann und wenn eigene Bedürfnisse auftauchen, dann hat sie die Vorstellung, diese seien falsch, seltsam, ungebührlich, maßlos…?

    Da wie gesagt, unerwünschte Beratung Schläge sind, würde ich an Deiner Stelle, die Sprachlosigkeit in Eurer Familie, mit Hilfe des aktiven Zuhörens abmildern.
    Offene Fragen stellen, zuhören, Mitgefühl, ehrliches Interesse am Gegenüber zeigen und Empathie mit Mimik und freundlichen Worten mitteilen.
    Und mich gelegentlich selbst befragen, was brauche ich eigentlich selbst für eine glückliche Beziehung, für einen glücklichen Tag, für ein schönes Wochenende, ein glückliches Leben?

    Weil wir Menschen sind, macht es uns immer auch wieder Freude, die Bedürfnisse anderer Menschen zu erfüllen. Wenn wir wissen unsere Tochter liest gerne Romane, dann schenken wir ihr vielleicht ab und zu einen. Wenn unsere Freundin Spaß an einer Ballettaufführung hat, dann ermöglichen wir dies von Zeit zu Zeit. Wenn unser Enkel gerne mit uns Weihnachtplätzchen bäckt, dann nehmen wir uns hin und wieder Zeit und tun das. Es macht uns in der Regel Spaß anderen Menschen Freude zu machen. Wir zeigen mit diesen Maßnahmen, Du bist mir wichtig, ich mag Dich, ich höre Dir zu und weiß ungefähr, was Dir Spaß macht.
    Wir hören erst auf, die Bedürfnisse von geliebten Menschen zu erfüllen, wenn der Wurm in der Beziehung drin ist.

    Ich hoffe sehr, Du kannst mit einigen Ideen etwas anfangen und es ist keine grobe Themaverfehlung!

    Viele Grüße, einen schönen Sonntag und alles Gute
    PaulaHollinger

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    AW: Tochter soll nicht so streng, unzufrieden und launisch sein wie ich es als Mutter

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    was auch eine herangehensweise sein kann:

    du schreibst den brief. in der ich-form. mit x- überarbeitungen und co.

    und dann liest du ihn ihr vor.


    dann hast du den teil: ich will nichts vergessen. ich will eine linie in meiner erzählung haben (keine zwischenfragen) - es gibt eine form von dokument: was wurde gesagt, was kann nachgelesen werden- und gleichzeitig nach dem verlesen: die möglichkeit ins detail zu gehen. ihr auch die möglichkeit geben, über alles in ruhe nachzudenken. und evtl beim zweiten treffen dann über ihre fragen dazu zu reden.

    Ja, daran hab ich auch schon gedacht.
    Meine Tochter und ich (früher mehr, jetzt weniger) sind sehr impulsiv.
    Ein Gespräch ohne "Halt" geht nicht so gut.

    Bin immer noch am Brief.

    reddaisy
    amica esse mihi coepi

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