+ Antworten
Seite 57 von 112 ErsteErste ... 747555657585967107 ... LetzteLetzte
Ergebnis 561 bis 570 von 1116

Thema: Kriegsenkel

  1. Inaktiver User

    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Dass es Internierungslager der Alliierten gab, wurde lange nicht thematisiert.
    Es kommt - denke ich - darauf an, in welchen Gebieten die Internierungslager waren und wie man behandelt wurde. Irgendwie musste ja so eine Stunde Null organisiert werden.

    Mein Vater z. B. war mit seinem Vater in Tschechien in einem Internierungslager. Das muss nach seinen Erzählungen sehr übel gewesen sein. Allerdings hat er mir auch erzählt, was die Deutschen in Tschechien so alles angestellt hatten. In der Summe denke ich, dass es nicht nur die Erfahrungen aus Internierungslagern gewesen sind, die Menschen verändert haben. Es sind auch die Alltagserfahrungen, was die Nazis mit der Bevölkerung angestellt haben.

    Ein Trauma hatte mein Vater ganz sicher nicht. Der hatte danach nur was gegen blindem Gehorsam und gegen Pfaffen (die in seiner Stadt waren Nazis), und das hat er uns weitergegeben. Nicht die schlechteste Erziehungsvariante.

  2. Avatar von Zartbitter
    Registriert seit
    25.04.2006
    Beiträge
    33.736

    AW: Kriegsenkel

    Du hast das auch erlebt. Neid und Eifersucht.
    Das muss ich mir heute noch anhören. Für Papa hast nur du gezählt...
    Nur wer sich ändert, bleibt sich treu! (Wolf Biermann)


  3. Registriert seit
    08.01.2018
    Beiträge
    274

    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Zartbitter Beitrag anzeigen
    Du hast das auch erlebt. Neid und Eifersucht.
    Das muss ich mir heute noch anhören. Für Papa hast nur du gezählt...
    War das wirklich so? War dein Vater für dich da?

    Meine Mutter hat das erfolgreich verhindert, es gab sogar zweimal Abendessen in meiner Familie damit ich ja nicht mit Papa rede und sie so die Kontrolle behält was wir reden und voneinander denken mein Vater und ich, sie hat das alles gesteuert.

    Klingt schon irgendwie wie ein Kind das seine Förmchen im Sandkasten gegen ein anders Kind verteidigt und nicht nach einer erwachsenen Frau findest du nicht?

  4. Inaktiver User

    AW: Kriegsenkel

    Das liest sich - ehrlich gesagt - nach einem anderen "Krieg".

  5. Avatar von Zartbitter
    Registriert seit
    25.04.2006
    Beiträge
    33.736

    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das liest sich - ehrlich gesagt - nach einem anderen "Krieg".
    Für dich.
    Keine der Mütter meiner Freundinnen, die nicht Flucht hatten, aber ausgebombt waren, hat diese Worte jemals ausgesprochen.
    Geändert von Zartbitter (25.01.2020 um 21:48 Uhr)

  6. Avatar von Ivonne2017
    Registriert seit
    09.08.2017
    Beiträge
    5.817

    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Zauberstein Beitrag anzeigen
    Ja sowas kenne ich gut. Mein Vater hatte auch nie Zeit für mich, wobei das ja vorgeschoben war, dahinter steckte meine Mutter mit ihrem Neid ihrer Eifersucht auf mich, er wusste genau wenn er sich mir nur eine Sekunde zuwendet macht sie ihm das Leben zur Hölle.
    So war das bei uns auch.
    Meine Mutter ging sofort dazwischen, wenn wir uns unterhalten wollten.

  7. Avatar von Ivonne2017
    Registriert seit
    09.08.2017
    Beiträge
    5.817

    AW: Kriegsenkel

    Meine Mutter konnte es aber auch nicht sehen, wenn mein Vater zu den Nachbarn freundlich war. Er war im Grunde sehr gesellig und beliebt, durfte es aber nicht sein.

    Vor der Beerdigung wurde meine Mutter vom Pfarrer nach seinen Hobbys gefragt für die Trauerrede.
    Sie ganz entrüstet: "Na ICH war sein einziges Hobby!"

    Meine Mutter erlebte Bombenangriffe.
    Mein Vater als Heranwachsender die Flucht, war aber völlig normal....bis auf die freiwillige Unterordnung. Er fand alles richtig, was sie verlangte und wie sie sich benahm.


  8. Registriert seit
    06.01.2019
    Beiträge
    270

    AW: Kriegsenkel

    Ich finde die Schilderungen in diesem Thread für mich sehr hilfreich und finde viele Übereinstimmungen, die auch meine Situation beschreiben.
    Es fügen sich täglich neue Bausteine zu einem Gesamtbild zusammen, das der Realität immer näher kommt.

    Mein Vater hatte kein normales, souveränes Verhältnis zu mir, wie man es zu seinem Kind haben muss. Er sah mich eher als sein Nebenbuhler. Dabei konnte ich der sein, der sowohl seine Rolle als Mann zu meiner Mutter gefährdete, alsauch sein Kinds-Verhältnis zu meiner Mutter. Noch bis in die heutige Zeit hatte ich dieses Mutter-Kind Verhaltensmuster häufig bei ihm beobachtet.

    Sowas funktioniert nur dann, wenn beide Elternteile diese gestörten Verhaltensmuster nicht erkennen und sich gegenseitig damit befeuern. Dazu braucht es immer beide Seiten.

    Meine Mutter rief mich z.B. immer vor einem Besuch an, um mir zu sagen, dass ich doch meinen Vater besonders loben soll für das neue Kästchen, das er gebaut hatte oder sonst irgendwas, was er am Haus gemacht hatte. Klingelt´s? Wer ist hier Vater?

    Das erklärt für mich diese Eifersucht meines Vaters auf mich, diese Aggressionen in den Strafen als Kind, die eigentlich nur Halbstarke entwickeln, wenn es um die erste Freundin geht, die von einem Nebenbuhler angemacht wird.

    Die ganzen Erniedrigungen und Sticheleien und auch das Misstrauen, die Verachtung, mit der insbesondere meine Unzuverlässigkeit meiner Mutter vorgeführt werden sollte, dienten nur einem Zweck, mich als Nebenbuhler zu diskreditieren, mich zu schwächen, mich unglaubwürdig und runter zu machen.

    Aus dieser Perspektive heraus ist die Kälte und die fehlende souveräne Mutter / Vater Liebe zum Kind nachvollziehbar. Wir durften über weite Strecken nicht Kind sein.
    Wer hätte ihnen das damals sagen können? Sie würden es heute noch nicht verstehen.

    Kriegsenkel haben sicherlich eines häufig gemeinsam, nämlich Eltern, die ohne ihren Vater gross geworden sind, bzw. die in der berühmten Ödipusphase weg waren.

    Heute gehen Ehen nicht selten in die Brüche, genau aus diesem Grund, wenn die junge Mutter mit ihrer Doppelrolle überfordert ist und nach der Geburt *nur Mutter* bleibt. Dann fällt man oft in diese merkwürdigen Verhaltensmuster, wenn man sie nicht kennt. Sie wäscht und kocht und bügelt, räumt seine Sachen weg. Er lässt sichs gefallen, bastelt sich seine Modelleisenbahn, schraubt an seinem Auto, geht mit Kumpels in die Kneipe, spielt halt, während sie den Haushalt macht und die Kinder. Das bedienen beide Partner solange, bis eine neue Liebe die Partnerschaft beendet.

    Kommt das bekannt vor?
    Gruß Schiller


  9. Registriert seit
    11.06.2019
    Beiträge
    1.618

    AW: Kriegsenkel

    Liebe Schillerlocke,
    ich glaube manches hat auch was mit Unverständnis zu tun.

    Man kann sich nicht vorstellen dass ein Vater so sein kann.
    Selbst die Mutter vielleicht nicht. Weil, es ist doch sein Sohn.

    Anders kann ich - und Andere auch - mir auch keinen Fall vorstellen den ich im weiteren Verwandtenkreis kenne.
    Da fand der eigene Vater so offensichtlich seinen Sohn blöd, und sagte sogar, er hätte lieber einen Hund gehabt als einen Sohn.

    Der Sohn war oder ist auf eine Art gestört die man gar nicht so benennen kann.
    Der war einfach "unverhältnismässig". Was Anderes oder Besseres fällt mir nicht ein.

    Dem fehlte die richtige Selbsteinschätzung - was letzten Endes auch sehr gefährlich für ihn wurde.
    Er legte sich mit einer Gruppe von jungen Männern an.

    Und wurde so fürchterlich zusammen geschlagen, dass er bis heute in einer so Art betreuten Wohngemeinschaft lebt.
    Der ist ständig mit nem Cowboyhut durch die Gegend gelaufen, hat auf großen Maxe gemacht.

    Ist auch mal einfach so aus dem Unterricht abgehauen, mit der Begründung: er weiß eben schon alles.
    Wenn ich mal so recht überlege, dann nennt man das Verhalten des Jungen: größenwahnsinnig.

    Also im klinischen Sinne.
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre

  10. Avatar von Ivonne2017
    Registriert seit
    09.08.2017
    Beiträge
    5.817

    AW: Kriegsenkel

    @Schiller,
    Ja, ich kenne die Eifersucht vom Vater auf den Sohn.
    Der Sohn war attraktiver und größer als der eher kleingewachsene Vater.
    Die Eifersucht wurde von der Mutter so genannt. Ich wär nie draufgekommen.

    Ob der Vater seine Frau als Mutter sah, kann ich nicht sagen.
    Jedenfalls gab der Vater auffällig viel Geld für seine Hobbys aus und gönnte der Familie nichts.
    Seine Frau ließ er den Haushalt alleine stemmen und, um über die Runden zu kommen als Familie, verschiedene Putzstellen annehmen.

+ Antworten

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •