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Thema: Kriegsenkel


  1. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Spadina Beitrag anzeigen
    Großmutter, Mutter, ich, meine Tochter..... Es ist wie eine Serie. Ich war nicht im Krieg, aber die Vergewaltigungen gingen weiter.... Man (Frau??) zieht es an.... Schicksal?
    Ich wage in den Raum zu stellen, dass das nicht mit dem Krieg zusammenhängt, sondern mit der Stellung der Frau in den letzten Jahrhunderten.
    Aber ja, ein Trauma setzt sich über Generationen fort.

    Das Thema Trauma-Folgen über Generationen behandelt übrigens die großartige "Dina"-Trilogie von Herbjörg Wassmo.
    Band 1 / Generation 1: Erleidet schlimmes Trauma (nicht kriegsbedingt)
    Band 2 / Generation 2: "Gestört" wegen des Traumas der Generation 1
    Band 3 / Generation 3: Und hier kommt es anders als erwatet! Generation 3 müsste eigentlich auch eine Störung bekommen, da von der gestörten Generation 2 erzogen. Und dennoch schafft es Generation 3, das Familientrauma zu überwinden.

    Leseempfehlung!
    The sky is always blue above the clouds.


  2. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Was gehört den Altvorderen und was schleppen wir als Resultat dessen mit uns herum.

    Da die Erlebnisse, Glaubenssätze und Überzeugungen mehrgenerational sind, kann es sein, dass auch unsere Kinder an ihre imaginären Rucksäcke müssen.
    Kannst Du denn bitte Beispiele nennen?
    Ich meine, ich habe vor einiger Zeit davon gelesen, kann mich aber nicht mehr daran erinnern.
    Gruß Schiller

  3. Moderation Avatar von Charlotte03
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    AW: Kriegsenkel

    Ich denke schon, dass es weiter gegeben wird.

    Meine Großmutter (Jg. 12) floh mit Kleinkindern 1945. Sie waren Flüchtlinge und mein Elternteil wuchs damit auf, dass man nichts wegschmeißt und, dass immer improvisiert wird. Ich (Ende der 60er geboren) bin auch Sammlerin und improvisieren kann ich auch.

    Ich denke schon, dass es Anteile gibt.

    Der Roman "Altes Land" von Dörte Hansen war für mich sehr erhellend.
    Genieße deine Zeit.
    Denn du lebst nur jetzt & heute.
    Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher, als du denkst.
    Moderatorin in "Schule, Uni, Studium und Ausbildung" "Gehören Kinder zu einem erfüllten Leben dazu?" und...Userin

  4. Avatar von jofi2
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    AW: Kriegsenkel

    Natürlich wird etwas weiter gegeben.
    Aber ich finde den Kriegskinder-, Nachkriegskindet-, Kriegskinderenkeloverkill langsam albern.
    Klar, Sabine Bode verdient gut daran.
    Aber monokausale Erklärungen stimmen in der Regel sowieso nie. Es wird einfach immer das gleiche Schema wiederholt - und so funktioniert das Leben nicht.
    Geld macht nicht glücklich, aber einen größeren Fernseher kann man immer brauchen (Weisheit aus einem Schüleraufsatz).
    Geändert von jofi2 (04.01.2020 um 19:08 Uhr)

  5. Avatar von Sariana
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Charlotte03 Beitrag anzeigen
    Ich denke schon, dass es weiter gegeben wird.

    Meine Großmutter (Jg. 12) floh mit Kleinkindern 1945. Sie waren Flüchtlinge und mein Elternteil wuchs damit auf, dass man nichts wegschmeißt und, dass immer improvisiert wird. Ich (Ende der 60er geboren) bin auch Sammlerin und improvisieren kann ich auch.

    Ich denke schon, dass es Anteile gibt.

    Der Roman "Altes Land" von Dörte Hansen war für mich sehr erhellend.
    Ich habe diesen Roman auch mit großem Interesse gelesen.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  6. Avatar von Sariana
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von jofi2 Beitrag anzeigen
    Natürlich wird etwas weiter gegeben.
    Aber ich finde den Kriegskinder-, Nachkriegskindet-, Kriegskinderenkeloverkill langsam albern.
    Klar, Sabine Bode verdient gut daran.
    Aber monokausale Erklärungen stimmen in der Regel sowieso nie. Es wird einfach immer das gleiche Schema wiederholt.
    Meine persönliche Familienbiographie hat mit der Autorin Sabine Bode nichts zu tun.
    Ein großes Thema in meinen Ursprungsfamilien sind Flucht und Vertreibung, Verlust und Neubeginn, Heimatlosigkeit und das was es mit Menschen macht.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  7. Avatar von jofi2
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Meine persönliche Familienbiographie hat mit der Autorin Sabine Bode nichts zu tun.
    Ein großes Thema in meinen Ursprungsfamilien sind Flucht und Vertreibung, Verlust und Neubeginn, Heimatlosigkeit und das was es mit Menschen macht.
    .....bzw. Das, was es nach Deinem Eindruck mit Deiner Familie gemacht hat.
    Zu viel generalisieren würde ich da eher nicht.
    Geld macht nicht glücklich, aber einen größeren Fernseher kann man immer brauchen (Weisheit aus einem Schüleraufsatz).

  8. Avatar von Sariana
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Schillerlocke Beitrag anzeigen
    Kannst Du denn bitte Beispiele nennen?
    Ich meine, ich habe vor einiger Zeit davon gelesen, kann mich aber nicht mehr daran erinnern.
    Meine preußisch-calvinistisch-protestantische Erziehung, das Funktionieren, Gefühle unterm Deckel halten, Wohlstand nicht nach außen zeigen, angestrengtes Wohlverhalten (was sollen denn die Nachbarn denken ...), Disziplin bis zur Selbstverleugnung.
    Erst die Arbeit, dann das Vergnügen ... Sich nicht "so wichtig" nehmen, also auch weit über die eigenen Schmerzgrenzen gehen sowohl physisch als auch psychisch.
    Das nur als Beispiele.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  9. Avatar von Sariana
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von jofi2 Beitrag anzeigen
    .....bzw. Das, was es nach Deinem Eindruck mit Deiner Familie gemacht hat.
    Zu viel generalisieren würde ich da eher nicht.
    Ich kann nur für mich sprechen.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)


  10. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Meine Mutter ist Jahrgang 30. Unehelich geboren, nähe Sternberg, heute Slowakei. Sie wurde nur 1 Mal in ihrem Leben von ihrer Mutter geschlagen, als sie auf dem Nachhauseweg die Milch verschüttete.

    Sie erzählte mehrmals davon, als die Russen kamen, wie ihre Mutter sie im Heuboden versteckte und panische Angst davor hatte, dass man meine Mutter finden würde. Es hatte sich herumgesprochen, dass die Russen Heugabeln nahmen und wahllos in die Heuhaufen stachen. Wenn sie jemanden trafen, war der tot.
    Meine Oma konnte tschechisch und wohl auch etwas russisch, gab dem Kommandanten Lebensmittel, die sie noch hatte, der dann mit seiner Truppe abzog. Meine Mutter und auch meine Oma wurden nie vergewaltigt.

    Dann erzählte sie, von den Tschechen, die sich beim Einmarsch der Russen die Deutschen schnappten, am Marktplatz eine Gasse bildeten, mit Prügeln in der Hand und einen nach dem anderen hindurchschickten und erschlugen.
    Als sie ausgewiesen wurden, durften sie einen Koffer mit 70kg mitnehmen und wurden auf Güterwaggons in den Westen gebracht. An der deutsch-tschechischen Grenze in Bayern gab es die Flüchtlingslager, mit Ratten, Flöhen und extrem unhygienischen Verhältnissen.
    Sie erzählte auch von knappen Lebensmitteln, dass sie manchmal eine Suppe aus Brotrinde essen mussten, auf die abgeernteten Felder gingen und dort restliche Kartoffeln ausbuddelten.

    Das Häuschen, das sie in der nähe von Sternberg hatten, bauten meine Oma und deren Schwester selbst. Wenn sie von ihrer Kindheit erzählte, hörte das für mich sehr romantisch an. Sie war wohl sehr behütet und glücklich, ging gern zur Schule, die in der nächsten Stadt lag und absolvierte auch dort die Mittelschule.

    Als schwierig beschrieb sie die ersten Jahre nach dem Krieg, wo hemmungslos die Arbeitskraft von Unternehmern ausgebeutet wurde. 14 Pfennige pro Stunde, aber es reichte gerade so fürs Leben.

    Heute noch, wenn sie im Restaurant essen, packt sie die unbenutzten Servietten in die Handtasche. Der Teller wird immer aufgegessen, manchmal derart peinlich, weil sie die Soße auch noch mit dem Finger ausschleckt.
    2. Mal musste sie ins Krankenhaus mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Sie schmeisst nichts weg. Selbst Schimmliges wird auf der Oberfläche weggestrichen und danach gegessen.
    Und sie sind reich. Sie haben Häuser, Wohnungen mit hohen Mieteinkünften, eine Einbauküche für über 100 000.-, .. nur als Beispiel.

    Ich selbst habe auch Probleme, Essen wegzuschmeissen. Meinen Teller esse ich immer auf, selten, dass ich etwas zurückgehen lasse. Meine Frau ist das Gegenteil, die schmeisst selbst Sachen weg, die noch ein gültiges Ablaufdatum haben.
    Gruß Schiller
    Geändert von Schillerlocke (04.01.2020 um 19:39 Uhr)

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