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Thema: Kriegsenkel


  1. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Man denkt als Kind nach, wie man aus so einer Maschinerie entfliehen kann.
    Bei Deinem Satz habe ich mich gerade erinnert, dass ich tatsächlich als Kind darüber nachgedacht hatte. Als 6-Jähriger nahm ich meinen Teddy untern Arm und stopfte in eine Tasche Kleidungsstücke und sagte meinen Eltern, ich würde ausziehen. Ich hoffte, sie würden mich zurückhalten, fanden es aber witzig und lachten nur. Ich ging dann ums Haus und wartete hinter einem Busch und hoffte weiterhin, dass wenigstens meine Mutter kommen würde und mich bitten, wieder nach Hause zu kommen. Tat sie aber nicht. Irgendwann klopfte ich an der Tür, mein Vater öffnete und meinte nur, *da kommt ja der Ausreißer wieder. Hast doch festgestellt, dass es zu Hause am schönsten ist.* Ich höre noch heute den zynischen Unterton.

    Heftiger war eine Situation mit 12 Jahren. Mein Vater verwendete mich ständig für Handlangerarbeiten, egal, ob ich gerade mit Kameraden spielte oder für die Schule gelernt hatte, ich musste springen.
    Er tapezierte mein Zimmer und hatte vorher schon Streit mit meiner Mutter, die Stimmung war angespannt und ich ahnte schon, was kommen würde. Entsprechend viel Lust hatte ich dazu, was er merkte und zur Motivation gab´s erst mal rechts und links Eine und er zog mich am Ohr ins Zimmer. Dann gelang ihm die Tapetenbahn nicht Stoss an Stoss, die ich unten hielt. Daraufhin bekam er den erwarteten cholerischen Anfall und es ging richtig zur Sache, mit Fäusten und Tritten, bis ich in der Ecke lag. Zuerst lag ich nur tränenüberströmt da, während er aus dem Zimmer in die Küche ging. Dann sah ich die Schere auf dem Tisch und nahm sie. Als er zurück ins Zimmer kam, beachtete er mich nicht und machte sich gleich an die nächste Bahn, mit der harschen Aufforderung, *Was ist jetzt*
    Ich hatte in diesem Moment die Absicht zuzustechen. Als ich nicht kam, drehte er sich um und sah mich mit der Schere. Ich hatte sie so in der Hand, dass die Spitze auf meinen Bauch zeigte. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern, ich fand mich wieder unten im Heizungskeller eingesperrt. Später am Tisch, beim Abendessen war eine unheilvolle Stimmung, niemand redete. Den einzigen Satz, den er sagte, *Dir werd ich noch beibringen, wie man mit dem Leben umgeht*
    Da war mir klar, daß er dachte, ich würde mich verletzen wollen.
    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Und als ich mit 14 die Körpergröße meines Vaters erreicht habe( Körpergrösse habe ich von Mams Opa geerbt...), war der Punkt da für den Weg, der mir sinnvoll erschien.
    Ja....Gewalt.
    Aber notwendig, weil Reden nicht half und Mutter absolut Null gemacht hat.
    Die Möglichkeit hatte ich nie und schon gar nicht mit 14. Ich kann mir schon vorstellen, dass Du Deine Eltern wachrütteln konntest. Offensichtlich waren Deine Eltern nicht ganz so ekpathisch und Du hattest es erreicht, daß danach Deine Eltern dich respektiert haben. Das ist grosses Glück.

    Mein Glück war, dass ich 3 Jahre einen guten Therapeuten hatte, bei dem ich gelernt habe, mit *Kinderaugen* sehen zu können. Natürlich nicht alles, aber jedenfalls bin ich mir sicher, dass meine Kinder angsfrei aufgewachsen sind. Bin aber trotzdem weit davon entfernt zu behaupten, ich hätte denen nichts weitergereicht.

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Mich interessiert auch nie, warum genau meine Eltern so waren, weil ich anders bin als sie...auch, wenn sie im Krieg waren und davon erzählt haben.

    ...
    Ich lebe eben im Jetzt und bin ICH.
    Das tun wir doch alle und gerade deshalb mach ich mir Gedanken, was aus der Vergangenheit in mir steckt, weil ich nur im JETZT und ICH Defizite verändern kann.
    Du kannst doch nur offene und substantielle Gespräche einfordern, wenn du weißt, worüber du sprichst. Wenn Dich die Leichen im Keller nicht interessieren, wird das schwierig.

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Pupertät ist angeborenes Verhalten eines Lebewesens und NICHT das Ergebnis eines angeborenen oder anerzogenen Traumas.

    Das Resultat, die Bildung des Charakters, resultiert aus Prägung und Erfahrungen auch aus der Zeit.
    Mit Kriegsenkel sein und dessen "Verarbeitung" hat das tatsächlich Null zu tun.

    Selbstbewusstsein gab es schon immer.
    Es sind mehrere Phasen in der Entwicklung, die uns prägen. Trotzphase - Ödipusphase - Pubertät und dazu gibt es noch einige andere. Wenn diese Phasen gestört werden, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich Neurosen entwickeln.

    Ich habe bei meinen Kindern festgestellt, dass es die ruhigen Perioden gab, in denen es recht einfach war und die lebhaften Perioden, in denen ich es mit den Kindern schwierig fand.

    Mir war gar nicht bewußt, wie wichtig ich als Vater für jede einzelne Entwicklungsphase bin. Ich habe auch gar nicht bemerkt, wie sehr sie mich, ganz auf ihre Art, eingefordert haben. Warum wohl?

    Rückgängig kann ich nichts mehr machen, ich kann aber *Fehlentwicklungen* ansprechen. Das fällt nur dann auf fruchtbaren Boden, wenn es substantiell ist und das hat sehr wohl mit Kriegsenkel sein und dessen "Verarbeitung" zu tun.

    Wenn´s im Keller feucht ist, muss nicht zwangläufig das Dach undicht sein, das kann auch am Fundament liegen.
    Gruß Schiller

  2. Avatar von Otegami
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Floskel?
    Weniger.
    Generell Umkehrschlüsse als Argument zu präsentieren, sind schlicht IMO keine Argumente, sondern klassisches Zeichen der hilflosen Argumentation.
    Falsch! Wer logisch denken kann, der kann auch Umkehrschlüsse ziehen ! Du 'eierst' hier nur rum!!!! (Du brauchst nur Deine Beiträge hintereinander zu lesen! )

  3. Avatar von chaos99
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Schillerlocke Beitrag anzeigen

    Wenn´s im Keller feucht ist, muss nicht zwangläufig das Dach undicht sein, das kann auch am Fundament liegen.
    Egal, ob Dach oder Fundament...
    Wenn das Fundament falsch gesetzt wurde, weil der Untergrund eine andere Art gebraucht hätte, verklagte ich das Bauunternehmen, weil es falsch ist und interessiere mich nicht dafür, warum der Unternehmer es verbockt hat.

    Wie er dazu kam, ist sein Bier.
    Das Fundament ist schlicht falsch und auch ein Gericht stellt die Sachlage IST fest und die daraus entstandenen Schäden.
    Nicht der Handwerker der Firma, sondern das Unternehmen wird in Regress genommen.
    Chaos
    .................................................. ....................
    Permanente Nettigkeit ist ein Symptom. (Dr. House)


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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Egal, ob Dach oder Fundament...
    Wenn das Fundament falsch gesetzt wurde, weil der Untergrund eine andere Art gebraucht hätte, verklagte ich das Bauunternehmen, weil es falsch ist und interessiere mich nicht dafür, warum der Unternehmer es verbockt hat.

    Wie er dazu kam, ist sein Bier.
    Das Fundament ist schlicht falsch und auch ein Gericht stellt die Sachlage IST fest und die daraus entstandenen Schäden.
    Nicht der Handwerker der Firma, sondern das Unternehmen wird in Regress genommen.
    Du lenkst jetzt ab, Du hast mein Bild genau verstanden.
    Willst Du Deine Eltern verklagen? Vor welchem Gericht? Nutzt es Dir was?

    Um beim Bild zu bleiben, was, wenn es ein sehr altes Haus ist und der Bauherr nicht mehr lebt.

    Wichtig ist NUR, dass der Keller trocken wird und bleibt.
    Gruß Schiller


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    AW: Kriegsenkel

    @Scheherezade und chaos99: wie soll sich ein Kind gegen seine Eltern wehren?
    Als Kind bist Du buchstäblich Deinen Eltern ausgeliefert. Körperlich und seelisch. Wobei körpberliche Mißhandlungen schon seit vielen Jahren von Lehrern, Ärzten (wenn sie denn wollen), gesehen und weiter gemeldet werden können.
    War ein Kind in den 1970er Jahren auffällig, im Sinne von Selbstverletzung, Neurosen usw., war das Kind "schwierig bis nicht normal". Das bei einem Kind psychische Auffälligkeiten Ursachen - und das meist in der allernächsten Umgebung - haben, hat damals keiner angenommen.
    Das Böse, das wir tun, wird uns Gott vielleicht verzeihen,
    aber unverziehen bleibt das Gute, das wir nicht getan haben.
    Karl Heinrich Waggerl


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    AW: Kriegsenkel

    .
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre


  7. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Schillerlocke,
    du tust dir so leid.

    Mir wäre das an deiner Stelle peinlich.
    Du hättest irgendwann abhauen können.

    Aber, dazu warst du eben vermutlich zu bequem.

    Es herrscht jetzt auch noch Krieg auf der Welt. Da leben Kinder die haben nur Krieg erlebt in ihrem Leben.
    Relativiert das nichts in deinem Leben?

    Das sind auch Menschen. Und du heulst hier wegen nem Teddy, den Andere vielleicht noch nicht mal haben....
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  8. Registriert seit
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Mathildchen Beitrag anzeigen
    @Scheherezade und chaos99: wie soll sich ein Kind gegen seine Eltern wehren?
    Als Kind bist Du buchstäblich Deinen Eltern ausgeliefert. Körperlich und seelisch. Wobei körpberliche Mißhandlungen schon seit vielen Jahren von Lehrern, Ärzten (wenn sie denn wollen), gesehen und weiter gemeldet werden können.
    War ein Kind in den 1970er Jahren auffällig, im Sinne von Selbstverletzung, Neurosen usw., war das Kind "schwierig bis nicht normal". Das bei einem Kind psychische Auffälligkeiten Ursachen - und das meist in der allernächsten Umgebung - haben, hat damals keiner angenommen.
    Ja, ist mir schon klar.
    Aber, glaubst du Überleben geht wirklich so wie Schillerlocke hier meint zu agieren?

    Ehrlich gesagt - ich finde das ärgerlich. Sich ein Leben lang so hilflos zu fühlen, dass noch an seine Kinder weiter zu geben.

    Sich selber so vorzuführen - und es scheinbar noch nicht mal zu merken.
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
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    Jean Paul Sartre

  9. Avatar von bifi
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    AW: Kriegsenkel

    @scheherezade

    Was ist los mit Dir? Schillerlockes Beitrag fand ich ehrlich und reflektiert. Mißhandlungen und dysfunktionales Familiensystem erlebt zu haben, dies einzugestehen und offen zu berichten, dafür hat er meinen Respekt.
    Was triggert Dich daran? Ich mag Deine Beiträge sonst so gerne lesen.
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

  10. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Kriegsenkel

    Zitat Zitat von Scheherezade Beitrag anzeigen
    Ja, ist mir schon klar.
    Aber, glaubst du Überleben geht wirklich so wie Schillerlocke hier meint zu agieren?

    Ehrlich gesagt - ich finde das ärgerlich. Sich ein Leben lang so hilflos zu fühlen, dass noch an seine Kinder weiter zu geben.

    Sich selber so vorzuführen - und es scheinbar noch nicht mal zu merken.
    Ich denke, dass du Schiller ganz einfach nicht verstanden hast. Er hat es sich nicht einfach gemacht. Es ist viel einfacher, als Jugendlicher bereits die Eltern komplett abzuschreiben.

    Damals wurden einige z.B. Hippies und wanderten nach Indien aus.
    Andere verpflichteten sich bei der Bundeswehr.

    Wieder andere heirateten früh und gründeten eine Familie mit 20.

    @Scheherezade, zu urteilen, ohne die Hinter- und Beweggründe zu kennen finde ICH ärgerlich.
    LG Ivi

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