Nein, ich bin nicht mitten in einer Depression - die hatte ich am Wochenende, jetzt sind die Nebel wieder weg. Und die Trostlosigkeit liegt in aller Realität vor mir. Meine Situation.
1. Bin seit knapp 4 Jahren single - über Nacht war der Gatte weg..aber nicht schlimm, im Gegenteil, bin froh, dass er weg ist. Nur, die Schlammschlacht ums Geld dauert immer noch an, obwohl seit einem Jahr geschieden. Trage alle seine Schulden mit... wie soll man einem nackten Mann in die Taschen freifen?
2. Zeitgleich vor 3,5 Jahren machte ich mich selbständig, lebe als Freiberuflerin von einem Tag auf den anderen, immer abhängig von der Laune meiner Kunden - in meiner Branche mit 50 aber die einzige Möglichkeit, noch zu arbeiten.
3. Ebenfalls zeitgleich bekam meine Mutter einen schweren Schlaganfall, 2 Jahre später mein Vater. Ich betreue beide mit. Inzwischen nicht mehr jeden Tag, aber ca. 3-4 Tage die WOche.
4. Meine Schwester, nicht berufstätig und verheiratet ist ein immerwährender Vorwurf, ich würde mich nicht genügen kümmern (mache 48-Stunden Schicht bei meinen Eltern, wenn die Pflegerin auf Wochenende ist, jeweils Freitags-Sonntags) - das sei aber nicht genug. Mein Argument, dass ich Wochentags arbeite und eben nur 3-4 mal für ne Stunde vorbeischauen kann - wie gesagt, die beiden sind mit Pflegerin versorgt - verpufft völlig.
Was ich sagen will: ich habe innerhalb kurzer Zeit meine komplette Familie "verloren" - Mann weg, Elter seit Jahren beim sterben wollen aber nicht können zusehen, Schwester: Krieg! und lebe in ständiger Existenzangst. Ich rechne schon, wenn ich morgens die Augen auf mache... im gleichen Moment begrüße ich auch meine Schuldgefühle gegenüber meinen Eltern.
Energie kenne ich nur noch auf dem Weg raus aus mir - auftanken kann ich bei meinen Tieren, ich weiß nicht, wo ich ohne sie wäre.
Gleichzeit bin ich wirklich komplett unsichtbar. Ich treffe beruflich viele Menschen, aber alles bleibt an der Oberfläche.
Warum schreib ich hier?
Nun, aus der Angst heraus, dass nie wieder etwas kommt. Natürlich kenne ich jedes dieser Totschlag Argumente: es geht immer irgendwie weiter, blabla. Nein, es geht nicht "weiter", es wird nur schlimmer.
Vor zwei Jahren wagte ich es mal, einem Mann zu zu lächeln, vworauf hin meine Freundin, die dabei war meinte, "ich solle ihn doch gleich anspringen".... Mir wird von meiner Umgebung deutlich gesagt oder signalisiert, ich solle mich nun mal mit meinem Leben abfinden. Es kann noch 10, 20 Jahre so weiter gehen, dann ich die Pflegring meiner Eltern gleich übernehmen, und mehr wird dazwischen nicht gewesen sein.
Bedrüfnisse, die ich eventuell haben könnte werden mir eigentlich abgesprochen, bzw. als impertinent unterstellt: Du kannst doch alles alleine, Du brauchst doch nienmanden, in Deinem Alter war's das....
Allein das Gefühl, jemand würde sich vielleicht noch mal als Frau für mich interessieren gibt es schon lange nicht mehr. Ich schwöre, außer dem einen Lächeln vor zwei Jahren war nichts... aber, als ich letztens einen Bekannten bat, ob er mir beim Schrankaufbauen helfe könne (das DIng ist 2,20 hoch und 4 Meter lang....), haben sich alle dabie gewesen angeschaut und sich zugefeixt (nein, hab ich mir nicht eingebildet). Also hab ich's mir doch anders überlegt und der Schrank steht unaufgebaut rum....
Ich frage mich wirklich, ob ich so weiter leben möchte. Noch vor einem Jahr hatte ich einen großen Optimismus, aber inzwischen sehe ich nur noch: nichts ändert sich - und ich kann nichts ändern. Nein, ich kann NICHT, ohne dass ich in Schuld (und Schulden) versinken würde. Also: wozu noch?
Wie gesagt: das alles nicht depressiv, sondern realistisch.
Danke für's Lesen.
Etea
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 45
Thema: Das war's jetzt wohl?!
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21.10.2008, 09:54
Das war's jetzt wohl?!
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21.10.2008, 10:00Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
Hallo Etea,
Zitat von Etea
was hast du denn vor einem Jahr gehofft, dass sich ändern könnte?
Und gibt es nicht ein Leben neben dem ganzen Alltag, den Du bewältigst?
Gruss
vita
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21.10.2008, 10:07
AW: Das war's jetzt wohl?!
Hallo Vita,
nein, neben dem Alltags gibt es kein Leben mehr - abgesehen von meinen Tieren.
Was vor einem Jahr anders war? Nun, vielleicht war da noch für ein Jahr Strom im Akku. Weißt Du, es ist wie bei der kleinen Batterie -Anzeige an meinem Labtop: geht gen Null, und irgendwann kommt die Warnung: Achtung, die Batterie geht zu Ende, bitte an's Netz anschließen! Nur dumm, wenn man dann in der Wüste steht und nirgendwo ist eine Steckdose - und das Gerät hat leider keine Solarzellen... Vor einem Jahr war der Akku eben noch nicht leer... sowas passiert erst mit der Zeit.
Etea
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21.10.2008, 10:07Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
@Etea
Leider zu kurz, da ich in die Arbeit muss:
zum Schrankaufbauen könntest du dir vielleicht einen Handwerker holen. Ich denke, das ist nicht zu teuer und du hast unabhängig und selbständig gehandelt.
Zur Schuldzuweisung durch die Schwester. Manche Leute beherrschen so etwas sehr gut und haben einen Instinkt für ihre "Opfer". Überleg doch mal, wo und wann dir soviel schlechtes Gewissen eingejagt wurde, dass du jetzt vollkommen ohne Grund darauf zurückgreifst.
Einen Gruss und nicht unterkriegen lassen, vor allem nicht durch die eigenen Gefühle!
Colonna
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21.10.2008, 10:09Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
Hallo Etea,
du merkst es selbst, dass es so nicht weiter gehen kann. An den äußeren Umständen, die extrem belastend sind, kannst du im Moment wenig ändern.
Was du machen kannst: dich konkret an deinen eigenen Bedürfnissen orientieren, ein genaues Gespür dafür entwickeln, was du aushalten kannst und was nicht - und die Notbremse ziehen (professionelle Hilfe wäre empfehlenswert). An den Schuldgefühlen arbeiten - du tust ja ohnehin alles, was du kannst.
Prioritäten setzen, abgrenzen - was ist das Wichtigste: deine Gesundheit, das heißt auch deine Arbeitsfähigkeit. Es hilft keinem, wenn du zusammen klappst.
Es wird nicht ewig so weiter gehen - aber es wird eine Weile dauern, bis sich die äußeren Bedingungen geändert haben. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Geduld. Wenn du das Gefühl hast, auf einen burn out zuzusteuern, hol dir unbedingt professionelle Hilfe!
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21.10.2008, 10:11Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
Ich verstehe, was Du meinst.
Zitat von Etea
Was wäre denn Deine "Steckdose" zum Aufladen der Batterien gewesen? Hattest Du so etwas früher?
Welche Hobbies gemeinsam mit anderen hast Du gepflegt?
Was ist mit Freundschaften? Hast Du keine oder hast Du sie auf Eis gelegt?
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21.10.2008, 10:38
AW: Das war's jetzt wohl?!
Danke für Eure Antworten!!
Burn-out: ja, ich glaub ich bin genau davor, bzw. vielleicht schon mitten drin. Und prof. Hilfe: hab ich versucht, mit dem Ergebnis, dass man mir attestierte, ich sei eine seeeeh starke Frau, ich solle auf mich aufpassen, ich solle mich nicht manipulieren lassen etc. etc. Ich solle eine Kur machen...
Ich weiß, was gemeint ist, und ich würde sicher selbst ähnliche Ratschäge geben (oder früher gegeben haben).
Kur: wenn ich nicht arbeite, kann ich kein Geld verdienen...
Manipulation: ja, ich kann sagen: ab heute ohne mich. Aber dann frisst mich die Schuld auf. Nach dem Motto: meine Schwester hat doch recht: ich bin ein selbstsüchtiges Luder, das ihr eigenes (momentanes) Wohlsein über das Sterben ihrer Eltern stellt.... Dieses Sterben kann aber auch noch 10 Jahre so weiter gehen...
Freunde: ja, es gibt eine liebe Freundin 400 km weg und einen lieben Freund 800 km weg. Beide sind immer für mich da, um mir zuzuhören. Ich kann mich allerdings selbst schon nicht mehr ertragen, beim Schildern meiner Situation, es kommt mir wie ein ewiges Gejammer vor und dann denke ich mir: wahrscheinlich bist Du selbst Schuld an allem... (unbegründet, ich weiß)...
Vor allem aber: beide leben in völlig anderer SItuation, wohlhabend, mit putzfidelen Eltern, Er schwul und glücklich verheiratet, sie seit 25 Jahren als "Geliebte", auch nicht leicht, aber, ihre Geschichte ist wie das Titelthema in der vorletzen Brigitte Woman...
Schrank aufbauen: ja, kann ich machen, das mit dem Handwerker. Klar. Ich wollte damit nur sagen, wie die Reaktion ist, wenn ich nach etwas frage, was doch nicht sooooooo schlimm sein kann.
Ansonsten: nein, ich gehe sonst nicht aus oder so. Wohin, allein? Und warum? Um festzustellen, dass ich unsichtbar bin (Vor 1-2 Jahren hab ich's das letzte Mal versucht...).
Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll: ich bin kein verbittertes Muttchen, einige "Bekannte" sagen mir: toll, was Du machst, bei manchen werde ich als "Vorbild" gehandelt, wenn der ein oder andere mal ne Krise hat...
Die Hoffnung ist weg, dass sich jemals etwas ändern könnte.
Was die Batterien wieder aufladen könnte? Nun, ich seh's inzwischen ganz sachlich:
- ein Ende mit Schrecken, was meine Eltern betrifft
- Geld, damit ich einmal die Woche nicht wachwerden müßte mit dem Gedanken: Wovon soll ich Öl kaufen? (Und manchmal meine ich damit Speiseöl, nicht Heizöl!)
- und vielleicht jemand, der mir das Gefühl geben könnte, ich bin noch da! Auch als Frau. Ich meine hier nicht die große Liebe, ich meine: nur mal ein Blick ab und zu, der mir sagt: hey, die Frau lebt noch. Und ich schaue die Menschen an, wenn ich durch die Straßen gehe, und ich versuche dabei zu lächeln. Ich bin auch auf die ein oder andere sportliche oder kulturelle Veranstaltung gegangen, offen und lächelnd - nach ein- zwei Stunden bin ich dann gegangen, weil mir deutlich wurde, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, den Unterschied zwischen dem Leben und mir.
Ach, das hört sich so jammernd an - eigentlich meine ich das alles ganz nüchtern, sachlich, ohne großes Bohei. Nur, es geht halt nicht mehr lange.
Etea
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21.10.2008, 10:49Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
Wie wäre es denn, wenn Du Dich vor Ort um Menschen kümmerst, die mit Dir Zeit teilen und mit denen Du Dich wohl fühlst. Menschen um sich zu haben, die verstehen, wie man lebt, kann sehr entlastend sein.
Deine Wünsche werden vermutlich nicht ohne weiteres umsetzbar sein. Mit Deinen Eltern geht es so lange wie es geht. Das geht vielen Menschen so und es ist an Dir, Deine Kräfte so einzuteilen, dass Du in diesem Bereich nicht an Substanz verlierst.
Das mit dem Geld dürfte Deiner Schilderung nach nicht zu ändern sein, wenn ich das richtig verstanden habe. Wenn man es nicht ändern kann, wäre es vielleicht ganz gut, nicht dem hinterher zu trauern, das andere leben und haben. Es nützt nichts und bringt nur Frust.
Das mit "jemandem" sollte an Dir liegen. Geh raus, sing im Chor, geh tanzen oder wo auch immer Du Menschen kennen lernst und mit ihnen eine gute Zeit verbringst. Fremde werden erst mit der Zeit und nicht nach zwei Stunden zu Vertrauten.
Geh es an und tu Dir Gutes, damit sich etwas ändern kann.
Gruss
vita
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21.10.2008, 10:57Inaktiver User
AW: Das war's jetzt wohl?!
Liebe Etea
du mußt wirklich dringend mehr an dich denken.
Ich höre dich nicht jammern, ich höre nur einen Menschen, der nicht nein sagen kann - zu wem auch immer.
Bei deiner Schwester würde ich anfangen - sie soll nicht meckern sondern selber machen - teilt euch die Zeit mit deinen Eltern.
2-3 Mal die Woche du - statt 3-4 mal - Deine Eltern sind gut versorgt durch die Pflegerin.
Und versuch weiter etwas für dich zu tun - geh auf die Menschen zu. Nimm dir Auszeiten am Wochenende.
Dein Job bringt dir nicht viel Geld? Wie wäre es mit einem Nebenjob? Auch dort lernst du neue Leute kennen, kommst raus aus deinem ewig gleichen Trott...
Wenn du wirklich total am Boden liegst hilft das niemandem, weder deinen Eltern noch dir.
Mach Abstriche, steh dazu, dass deine Kraft nicht endlos ist! Sei ein wenig eogistischer aber lass dir von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden.
Du machst und tust für andere - denk auch an Dich!!!
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21.10.2008, 11:03
AW: Das war's jetzt wohl?!
Danke Vita, für Deine netten Worte.
Und auch, wenn es jetzt nach außen so aussieht, als ob ich "beratungsrenitent" sei: So einfach geht das nicht.
- Zum "rausgehen": Ich arbeite ca. 12 Stunden am Tag, und kümmere mich dann wie gesagt noch an 3-4 Tagen um meine Eltern. Meistens schaffe ich es noch nicht einmal mehr ins Bett - und schlafe auf dem Sofa ein. Nein, einschlafen ist nicht das richtige Wort: ich werde einfach bewußtlos vor Erschöpfung.
- andere Menschen: es ist nicht so, das ich niemanden kenne. Wie gesagt: Bekannte! Und ganz sicher auch nette Menschen. Aber darunter ist niemand, der in meiner Situation ist. Da sind die "normalen" Themen angesagt: Urlaub (ich hatte 1997 meinen letzten!), die Kinder (ich habe keine), die neue Küche etc. Und natürlich spreche ich mit diesen Menschen, ganz normal. Ich höre zu, führe Konversation...aber ich jammere mich bei diesen Menschen nicht aus. Wozu auch? Erkläre mal einem Menschen mit gefülltem Magen, was Hunger ist....
Ich gebe Nachhilfe, ich bin in einem Verein. Ja, nach Außen alles da. Aber: das ist natürlich das Salz in der Suppe. Problem: es gibt die Suppe nicht mehr!
Geld: ich rede hier nicht davon, mit anderen konkurrieren zu wollen. Ich rede hier davon, dass ich genau heute noch 70 Euro in der Tasche habe, um den Rest des Monats zu überleben, und es sind noch einige unbezahlte Rechnungen in der Schublade. Wie gesagt: ich zahle seit knapp vier Jahren für meinen Ex-Mann die Schulden mit.
Natürlich könnte ich das lassen und sagen: nu zahl Du mal, das würde aber lediglich dazu führen, dass er Offenbarungseid leisten würde. Natürlich könnte ich das auch tun, aber damit wäre ich dann endgültig am Ende. Hätte Schulden, aber kein Dach mehr über dem Kopf... ziemlich kompliziert, und eigentlich egal. Wollte nur den Verdacht ausräumen, es ginge mir um Klamottem, make-up oder Schuhe!
Dennoch: danke für Deine Antwort.
Etea


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