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Thema: Jobgefältel

  1. User Info Menu

    Frage Jobgefältel

    Bei mir zeigt sich folgende Situation: ich bin 53 auf dem Weg zum 54 Jahr, Heilpädagogin; fest im Berufsleben stehend. Zur Zeit, d.h. seit über eineinhalb Jahren mache ich eine Zusatzausbildung.Ich habe eine Psychoanalyse gemacht, wunderbar!!! Das Ergebnis: ich fühle mich kraftvoll wie nie zuvor. Und jetzt: seit einiger Zeit erlebe ich, was es heisst, älter zu werden im Job. Wird eine Fortbildung angeboten (ich leite jetzt), bekomme ich gesagt: sprechen Sie doch eine Jüngere an (also Praktikatin, neue und entsprechend auch jüngere Kollegin); oder: "Diese.Fortbildung ist für eine jüngere Person gedacht." Klar bin ich zufrieden mit meinem Job und mit meiner Funktion, aber höre ich da nicht diskriminierende Zwischentöne???? Man kann doch sagen, für diesen Personenkreis ist das gedacht, aber altersunabhängig...oder bin ich zu empfindlich..?. Ich denk aber dran, wenn ich das höre, mich zu Wort zu melden, oder findet Ihr das doof? Andererseits höre ich immer wieder in meinem Bekanntenkreis, wie sich aufs Alter bezogen und zurückgezogen wird. Das find ich schrecklich, besonders, wenn man sich mit Mitte Fünfzig auf die Rente vorbereitet. Yber vielleicht bin ich wirklich zu empfindlich und guck durch die eindimensionale Brille des Nichtälterwerdenwollens?? Oder macht Ihr ähnliche emotionale Erfahrungen.....gruss von Sonnenbraut

  2. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    @Sonnenbraut
    Nein, du bist nicht zu empfindlich, nur hellhörig, und das ist richtig so.
    Du hast vollkommen Recht, wenn du eine derartige, aufs Alter bezogene Äusserung zurückweist.
    Speziell bei Frauen wird mit einer gewissen Verhuschtheit gerechnet, wenn sie als zu alt für gewisse Dinge bezeichnet werden. So als wäre es ihr persönlicher Makel, 50 oder 60 oder (horribile dictu) gar älter zu sein.
    Ich z.B. gestalte es so, dass ich bei passender Gelegenheit und vor Menschen, die nicht wissen, wie alt ich bin, die Zahl einfliessen lasse.
    Manche prallen ein wenig zurück, den von uns Frauen wird vermutlich noch immer erwartet, dass wir bei 30 stehen bleiben.

  3. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Hallo Sonnenbraut,
    erst mal - den Strang-Titel finde ich echt klasse!

    Ich erlebe das auch.
    Auch in meiner Branche ist die Altersdiskriminierung offensichtlich. Gerade bekam ich eine Einladung, in der es hieß Die Entwürfe der heute 25 bis 45 Jährigen......fallen durch jedes Raster.
    Und jenseits von 45 ist man am besten tot oder pensioniert.

    Wir können das entweder akzeptieren oder dagegen halten. Ich bin für´s Dagegenhalten. Ich finde, die "Alten" sollten sich diesen Schuh nicht anziehen, weiterhin gute Leistung bringen statt sich vornehm zurück zu ziehen - und notfalls den Diskriminierern auf den Kopf zu sagen, dass man das nicht akzeptiert. Es ist ein Witz: immer mehr Menschen werden 100 Jahre alt - aber mitspielen darf man von diesen 100 Jahren nur 20 Jahre - von 25 bis 45!
    Früher schätzte man die Leistungen von "Meistern", deren Können auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhte - heute wird überall das unausgegorene Zeug der 25jährigen gehypt. Das tut keinem gut - den Jungen nicht, weil sie keine Zeit haben, sich langsam zu entwickeln - und den Älteren nicht, weil ihre Leistungen nichts mehr zählen, wenn jung und hipp zum Qualitätskriterium wird.

  4. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Früher schätzte man die Leistungen von "Meistern", deren Können auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhte - heute wird überall das unausgegorene Zeug der 25jährigen gehypt.
    Leider waren früher so wie heute kaum Meisterinnen mit jahrzehntelanger Erfahrung gefragt.
    Die Altersdiskriminierung trifft - trotz Frauenbewegung und Feminismus - noch immer eher die Frauen als die Männer.
    Auf höchster Ebene tut sich zwar schon was (Merkel, Clinton, usw. sei Dank), aber auf mittlerer oder gar unterer scheint die Zeit stillzustehen, gefördert durch Arbeitsplatzmangel und Konkurrenzverhalten.
    Dagegen hilft nur das offene Visier.

  5. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Hallo zusammen !

    Ich gehöre zwar noch nicht zu euch, sprich 50plus (ich komme von nebenan, 40plus ), aber ich fand den Titel des threads einfach klasse !

    Meiner Erfahrung nach betrifft die Diskrimierung "Älterer" (wobei das in der Regel bei 40 beginnt... ) Männer und Frauen gleichermaßen. Ich arbeite allerdings in einer Branche, wo der Frauenanteil eh recht niedrig ist.....

    Junge Leute, die protegiert werden, sind "willig", sprich dem Arbeitgeber gewogen. Sie trauen sich nicht (eben auch mangels Erfahrung), Dinge kritisch zu hinterfragen. Ältere Personen sind mit ihrer Erfahrung nicht immer bequem, sie denken mit, wollen Entscheidungen auch mal begründet haben.

    Und dann ist es nunmal wirklich so, dass viele Ältere sich gerne zurückziehen, weil sie einfach müde und abgearbeitet sind, sie wollen sich auf ihr Privatleben konzentrieren. Wobei ich das verstehe und nicht schlechtreden will. Andere sind dagegen engagierter und leistungsfähiger als in der Jugend, eben die MeisterInnen.

    In einem anderen Strang hier wird über das "optimale Omasein" diskutiert und wie beglückend das ist. Höre ich auch im Bekanntenkreis immer öfter (bei 50plus ), einziges Thema sind "die Enkel" (entweder schon da oder sehnlichst erwartet), keine Diskussion möglich über Arbeitswelt, Kultur, Politik etc..... Klar interpretieren das Arbeitgeber gerne pauschal "Frauen-ab-50-wollen-sich-nur-um-Enkel-kümmern". Genauso wie die Frauen bis ca. Mitte 30 alle "in-jedem-Fall-bald-Mutter-werden-und-zuhause-bleiben"

    Unsere Gesellschaft ist für meinen Begriff momentan nicht offen für unterschiedliche Lebensentwürfe und Arbeitskarrieren, auch unterschiedliche Leistungsfähigkeit sowohl bei Jüngeren (!) als auch bei Älteren. Es ist ja wirklich nicht so, dass ALLE Jungen gut, kreativ und schnell arbeiten und ALLE Älteren weniger gut und nicht an Neuerungen interessiert sind.

    Die Arbeitswelt geht nicht auf unterschiedliche Leistungsgähigkeit, auf Wünsche und Bedürfnisse ein. Es ist bequem, das auf die Jungen und die Älteren zu reduzieren oder auf die Männer und die Frauen. Alle werden schnell über einen Kamm geschoren. Das gilt aber für Frauen wie für Männer.

    Gruss, Elli
    Geändert von Inaktiver User (19.10.2008 um 11:05 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Hallo,
    ich finde diese Diskussion auch sehr spannend und erlebe mich selbst dabei durchaus als zwiespältig.
    In meinem Job bin ich die älteste im Team und mache das meiner Meinung nach schon zu lang, obwohl es eine super Arbeit ist. Fortbildungen habe ich immer gemacht, merke aber auch da, dass ich in diesem Feld keine Lust derzeit habe darauf. Ich finde, nun sollen mal die Jüngeren ran und sie bringen auch viele neuen Ideen rein, die ich nicht hätte.
    Diversity heißt hier für mich das Zauberwort. Ich bringe meine Erfahrungen und viel Hintergrundwissen ein und sie bringen ihre Frische und neue Ideen und auch ein anderes Knowhow mit. Diese relativ entspannte Haltung kann ich selbst - und vielleicht auch die Kolleginnen - aber nur haben, weil ich weiß, dass ich dort 2011 aufhöre und in Rente gehe.
    Sonst müsste ich mir viel ernsthafter überlegen, welche Langzeit-Fortbildungen ich noch machen sollte und welche im Team benötigt werden, damit wir zukunftsfähig sind. Wir planen immer sehr langfristig, so dass ich derzeit in die Planungen für 2010 einsteige. So müssten hier auch Weiterbildungen bedacht werden.
    Ich kann es mir also erlauben, den Jüngeren den Vortritt zu lassen, sie sogar sehr zu ermuntern. Dies könnte ich so nicht, wenn ich noch bis 67 angestellt arbeiten müsste. Weiterbildungen müssten dann aber auch mehr angepasst werden an die Veränderung des Alters der Teilnehmenden, dann hätten sie auch wieder mehr Reiz für Ältere. Wie die Konzepte aussehen könnten, kann ich hier nicht so schnell sagen, aber ich denke, dass auch andere Werte und Lebenseinstellungen dabei eine Rolle spielen sollten, z.B. sollten Altersmischungen auch in den Fort- und Weiterbildungen thematisiert und erprobt werden.

    Nun habe ich seit einem halben Jahr ja nur noch eine halbe Stelle - habe meinen anderen Anteil einer jüngeren Kollegin "vermacht".
    Meine Idee fürs Älterwerden liegt in der Hinwendung zu einer anderen Berufstätigkeit. Hierzu hätte ich keine Chance gehabt als Angestellte - viel zu alt!!
    Deshalb mache ich dies selbstständig als Kauffrau mit einem Webshop. Hier ist die Frage des Alters "nur" die, die ich mir selbst stelle - schaffe ich das noch (bin derzeit 57) die nächsten 10 Jahre, denn solange will ich es machen. Wenn es sich finanziell trägt, denn meine Rente ist - wie so oft bei Frauen - nicht hoch. Der Shop soll sie mit aufstocken und ist somit auch eine echte Berufstätigkeit, die mir allerdings auch der Markt streitig machen kann oder die Gesundheit.
    Dennoch erfrischt es mich persönlich sehr, dass ich hiermit auch als ältere Frau die Möglichkeit hatte mich beruflich neu zu verorten.
    LG da-sempre

  7. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Unsere Gesellschaft ist für meinen Begriff momentan nicht offen für unterschiedliche Lebensentwürfe und Arbeitskarrieren, auch unterschiedliche Leistungsfähigkeit sowohl bei Jüngeren (!) als auch bei Älteren. Es ist ja wirklich nicht so, dass ALLE Jungen gut, kreativ und schnell arbeiten und ALLE Älteren weniger gut und nicht an Neuerungen interessiert sind.
    So sehe ich das auch. Aber ich sehe auch, dass manche Frauen beinahe aus moralischen Gründen gute Omas sein wollen, oder weil sie resignieren und sich nicht gegen den Backlash in der Arbeitswelt wehren (wollen, können)
    Ich bleibe bei meiner Auffassung, dass die Frauen auch im Beruf häufiger wegen des Alters diskriminiert werden, als Männer, mehr natürlich auf mittlerer und unterer Ebene.
    Meine Friseurin (38) erzählte mir, dass ihr voriger Chef an ihren alternden Händen Missfallen fand, sie zuerst aus der Herrenabteilung abzog und dann einen Grund heraufbeschwor, sie zu kündigen.
    Es geht natürlich nicht darum, dass frau als Protegé für jüngere KollegInnen ausfallen sollte, oder es ablehnen sollte, Jüngere zu fördern, das allerdings ist ein grosser Unterschied zum erzwungenen Rückzug von allen Förderungen und Seminaren, die von der Betriebsleitung Älteren verweigert oder ausgeredet werden.

    Jedoch können wir das ändern. Denn wir sind Teil dieser Gesellschaft und bestimmt nicht gezwungen, alles mitzumachen.

  8. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Und dann ist es nunmal wirklich so, dass viele Ältere sich gerne zurückziehen, weil sie einfach müde und abgearbeitet sind, sie wollen sich auf ihr Privatleben konzentrieren. Wobei ich das verstehe und nicht schlechtreden will. Andere sind dagegen engagierter und leistungsfähiger als in der Jugend, eben die MeisterInnen.
    Sehe ich auch so. Auf der einen Seite wird Älteren weniger zugetraut, andererseits gibt es tatsächlich viele, die kein Interesse mehr daran haben, sich dauernd weiter zu bilden oder voll zu engagieren. Meiner Einschätzung nach trifft das eher für Frauen als für Männer zu - einfach deswegen, weil Frauen beruflich meist weniger Druck von außen haben. Auch Männer werden müde und bequem, aber als Führungskraft kann man sich das nicht leisten, als "mitverdienende Ehefrau" schon eher.
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Deshalb mache ich dies selbstständig als Kauffrau mit einem Webshop. Hier ist die Frage des Alters "nur" die, die ich mir selbst stelle - schaffe ich das noch (bin derzeit 57) die nächsten 10 Jahre, denn solange will ich es machen. Wenn es sich finanziell trägt, denn meine Rente ist - wie so oft bei Frauen - nicht hoch. Der Shop soll sie mit aufstocken und ist somit auch eine echte Berufstätigkeit, die mir allerdings auch der Markt streitig machen kann oder die Gesundheit.
    Dennoch erfrischt es mich persönlich sehr, dass ich hiermit auch als ältere Frau die Möglichkeit hatte mich beruflich neu zu verorten.
    LG da-sempre
    Darin liegen die Chance und das Risiko des Selbständigseins. Bei EPUs (Ein-Personen-Unternehmen) und Freiberuflern hängt alles an einer Person. Man baut sich eine "Marke" auf, die sich am Markt behaupten muss. Das kann auch Älteren gelingen - Grundvoraussetzung sind Professionalität und hohes Engagement. Mit "kürzer treten" ist nix, so lange man seine eigene Firma hat/ist

  9. User Info Menu

    smile AW: Jobgefältel

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    In einem anderen Strang hier wird über das "optimale Omasein" diskutiert und wie beglückend das ist. Höre ich auch im Bekanntenkreis immer öfter (bei 50plus ), einziges Thema sind "die Enkel" (entweder schon da oder sehnlichst erwartet), keine Diskussion möglich über Arbeitswelt, Kultur, Politik etc..... Klar interpretieren das Arbeitgeber gerne pauschal "Frauen-ab-50-wollen-sich-nur-um-Enkel-kümmern".
    Würde mich mal interessieren, in was für Kreisen Du Dich bewegst, @Elli, bzw. ob Du nur eine selektive Wahrnehmung hast (dass Du so auf dem Thema rumreitest!)!
    A l l e Großmütter, die ich kenne, die berufstätig sind und sich bei den Enkeln engagieren, hätten eigentlich überhaupt keine Zeit dafür! Sie 'knötschen' noch die Zeit raus und organisieren, so dass auch noch die für sie kostbare Zeit für ihr Enkel rausspringt!
    Ich kenne auch keine Großmutter, die deswegen beruflich kürzer getreten hätte.
    Aber es ist wahrscheinlich wie überall: diejenigen, die was bewegen, die engagiert sind, die bringen das auch noch auf die Reihe und die, die schon normalerweise ihren Hintern nicht hochkriegen, die schaffen das dann auch nicht.
    Mit den Menschen, mit denen man sich vorher über Arbeitswelt, Kultur, Politik usw. unterhalten konnte, können wir das auch weiterhin. Und bei denen, die vorher nur bla, bla zu bieten hatten, ist man froh, dass wenigstens ein interessantes Thema herrscht (diese Kontakte haben wir im privaten Bereich allerdings einschlafen lassen, im beruflichen geht das nicht immer).

    Problematisch ist es doch eher, wenn ein Pflegefall in der Familie auftaucht! Was macht man dann? Wie lange kann es dauern? Spielt der Arbeitgeber mit, wenn eine Auszeit genommen wird?

    Das ist ein Spagat, den etliche Frauen bei 50+ bewältigen müssen! Und das hat nix damit zu tun, dass Frauen resignieren und sich nicht mehr wehren wollen/müssen.

    Dein Beispiel, @Colonna, von der Friseurin finde ich pickelhart! Bin ich froh, dass mir so eine Welt, in der es nur nach Äußerlichkeiten geht, sehr fremd ist und vor allem sehr weit weg.

    Im Steuerwesen müssen wir geistig fit bleiben und uns bis zuletzt weiterbilden. Es interessiert keinen Menschen, wie dies oder das vor paar Jahren gehandhabt wurde - der aktuelle Stand zählt, nur der! Das ist oft anstrengend, keine Frage, aber wir bleiben dadurch auch fit! Und es ist durch die Hirnforschung auch bewiesen, dass der Mensch bis zuletzt lernen kann!

    Ciao
    Johannisbeer
    das Leben ist herrlich!!

  10. Inaktiver User

    AW: Jobgefältel

    Im Steuerwesen müssen wir geistig fit bleiben und uns bis zuletzt weiterbilden. Es interessiert keinen Menschen, wie dies oder das vor paar Jahren gehandhabt wurde - der aktuelle Stand zählt, nur der! Das ist oft anstrengend, keine Frage, aber wir bleiben dadurch auch fit! Und es ist durch die Hirnforschung auch bewiesen, dass der Mensch bis zuletzt lernen kann!
    Jaja und schon wieder die Hirnforschung Am neuesten Stand der Dinge sollst an sich in jeder Branche sein.

    Fakt ist, Ältere werden oft nicht genommen, nicht, weil sie lt. Hirnforschung nicht am neuesten Stand der Dinge sind, sondern weil sie schlicht und einfach zu teuer sind

    Charly
    Geändert von Inaktiver User (23.10.2008 um 18:33 Uhr)

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