Hallo,
wie ihr an meinem Nicknamen erkennen könnt, wurde ich 1979 geboren und ich frage mich, was war das für eine Zeit mit Baby/Kleinkind als Mutter oder Vater? Was war das überhaupt für eine Zeit? Wie erging es damals einer schwangeren Frau?
Wie war das übliche Procedere nach der Geburt eines Kindes? Sollte die Mutter ihr Baby stillen oder lieber nicht? Wann gab es den ersten Brei? Ließ man die Babys schreien?
Wann sollte das Kind das erste mal auswärts nächtigen? Welche Form der Erziehung galt es anzuwenden?
Kamen die meisten Kinder in den Kindergarten?
Das sind ein paar Fragen- die mir aber nicht vorrangig wichtig sind.
Ich würde mich freuen, wenn ihr irgend etwas dazu schreibt- was euch spontan einfällt.![]()
Mich interessieren insbesondere die ersten 4 - 5 Lebensjahre (an die ich kaum Erinnerungen habe). Und halt besonders, was zu der Zeit "üblich" war ...
Vielen Dank schon einmal!
Maja
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07.12.2007, 19:53Inaktiver User
70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
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07.12.2007, 23:37
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo Maja,
meine Tochter wurde 1986 geboren und ich hatte relativ schnell
den Eindruck, dass ich nicht mehr als eigenständige Frau mit Rechten und Pflichten gesehen wurde, sondern als ein Muttertier.
Ich lebte damals auf dem Land und da scheint es üblich gewesen zu sein, dass zwar der Status einer Frau nach der Geburt aufgewertet wurde, aber wehe wenn sie sich zuweit über den Tellerrand hinausbeugte, d.h. eigene Wünsche und Ziele hatte.
Ich liebte und liebe meine Tochter sehr, aber die ersten 4-5 Jahre
mit ihr sind mir am schwersten gefallen. Ich hatte oft das Gefühl an einer Leine festgezurrt zu sein.
Ich glaube, da hat sich für die heutige Muttergeneration schon einiges geändert. Es wird von der Gesellschaft als normal betrachtet, dass Frauen nicht nur Mutter sein möchten.
Man versucht heute auch mehr die Betreuungszeit der Kinder an die Arbeitszeiten der Eltern anzupassen, ob es immer gelingt kann
ich nicht beurteilen, aber die Politik ist für dieses Problem offener!!!
Was mir in bleibender Erinnerung ist, der nervige Entwicklungskampf der Mütter. Ich befand mich mit meinem "normal" entwickelten Kind ständig unter Wunderkinder.
Kaum waren sie auf der Welt, waren sie sauber,
konnten laufen und das Babygebrabbel wurde als reinstes Hochdeutsch interpretiert. Nur meine Tochter nicht. Sie hatte ihren eigenen Rhythmus oder vielleicht hatte ich absolut keine Lust: ein schreiendes Kleinkind mit dem Topf zu quälen....
Aus heutiger Sicht kann ich spontan dazu sagen, es war eine anstrengende, aufreibende, spannende, schöne usw. Zeit, die ich
niemals missen möchte
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07.12.2007, 23:49
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo Maja,
Zitat von Inaktiver User
du bist so alt wie mein Sohn.
Als erstes mal die Frage: Warum fragst Du das nicht Deine Mutter?
Ich bin früh Mama geworden, habe für mein Baby die Lehre geschmissen, um für ihn da zu sein und habe das bis heute nie bereut.
Als er drei Jahre alt war, kam er in den Kindergarten und sich suchte mir wieder stundenweise Arbeit.
Schreien ließ ich ihn nie, vom ersten Tag an nicht. 1979 kam das Rooming-in in den Krankenhäusern gerade in Mode. Leider kam ich nicht in den Genuss, eines dieser wenigen Zimmer, die zu dieser Zeit angeboten wurden, zu bekommen.
Ich denke seeeehr gerne gerade an diese ersten Jahre zurück.
Gruß Godewind
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08.12.2007, 09:04Inaktiver User
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo Maja,
unser Sohn wurde 1982 geboren. Damals war es bereits üblich, dass Väter bei der Geburt dabei waren und Rooming in gab es auch schon (die Neugeborenen wurden allerdings nachts ins Kinderzimmer gebracht, damit die Mütter schlafen konnten).
Es gab Schwangerengymnastik und Geburtsvorbereitungskurse (noch ohne Väter), das erste Retortenbaby wurde geboren und man las die "Eltern".
Es gab Diskussionen über die Vor- und Nachteile der Hausgeburt, die "sanfte Geburt", bei der das Kind nicht im hellen Licht von Klinikscheinwerfern, sondern im heimischen Halbdunkel das Licht der Welt erblicken sollte, war ein großes Thema.
Stillen wurde als sehr positiv gewertet, man wußte damals schon, dass das Allergierisiko für das Kind dadurch vermindert werden konnte. Es gab zwar Diskussionen über Schadstoffe in de Muttermilch, aber insgesamt wurde doch für das Stillen plädiert.
Es gab Mutterpaß und Vorsorgeuntersuchungen, es wurde über Sinn und Unsinn von Impfungen und Antibiotikatherapien diskutiert. Die Mütter trafen sich in Säuglingsgruppen, und natürlich war der Wettbewerb groß - jede Mutter war davon überzeugt, dass ihr Baby das schönste und klügste war. Manche hatten ihren Ungeborenen bereits im Mutterleib Mozart vorgespielt, andere zogen ihren Säuglingen Holzperlenschnüre durch die Händchen, um die Intelligenz zu fördern
Schreien lassen war verpönt, da man davon ausging, dass ein Kind nicht ohne Grund brüllt. Man war inzwischen von den stregen Fütterungsintervallen abgekommen, die noch vor ein paar Jahren galten. Gerade bei Stillkindern war es ja so, dass mit zunehmendem Alter die Intervalle kürzer wurden, da die Kinder mehr Hunger entwickelten. Brei und Gläschen gab es mit ca. einem halben Jahr, manche stillten bis zu einem Jahr oder länger weiter.
Für die Frage, wann ein Kind auswärts nächtigen sollte, gab es keine fixen Regeln. Das hing ja auch davon ab, wie eng die Beziehung zu der "auswärtigen" Person war und was das Kind selbst als angenehm empfand.
Die Erziehungsregeln waren liberal: von der antiautoritären Erziehung war man abgekommen, man war sich einig, dass Kinder Regeln brauchten, aber diese wurden relativ locker angewendet. Man versuchte, sich mit den Kindern zu einigen, mit ihnen zu verhandeln, wenn es die Situation erlaubte. Schlagen war absolut verpönt.
Die Kinder gingen (zumindest bei uns im Großstadtbereich) alle ab drei bis vier in den Kindergarten.
Das "Ergebnis" ist in unserem Fall bestens gelungen
Ich hoffe, du kannst mit meinem Rückblick was anfangen.
Gruß Pia
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08.12.2007, 09:13Inaktiver User
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Gelöscht
Geändert von Inaktiver User (08.12.2007 um 09:23 Uhr)
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08.12.2007, 10:51Inaktiver User
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo,
ich freue mich sehr über die Antworten von euch dreien
...
Godewind, du wolltest wissen, warum ich meine Mutter nicht einfach frage...
Ich bin vor noch nicht allzu langer Zeit selbst Mutter geworden und die "Ratschläge" meiner Mutter -schon während meiner Schwangerschaft- haben mich doch sehr irritiert. Und ich frage mich, was sie zu dieser sehr negativen Einstellung bewogen hat (Druck der damaligen Zeit).
Maja
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08.12.2007, 16:27
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo,
meine Kinder sind Dezember 1978 und November 1980 geboren.
Die erste "Aufwertung" war bereits 1976 mit der Heirat. Auf einmal wurde ich bei Banken, Behörden anders behandelt - als ob ich auf einmal mehr wert sei!
Und das in einer Großstadt München!
Für die Schwangeren gab es noch die altertümliche Schwangerschaftskleidung. Es gab zwar auch ein paar schickere Modelle aber die waren mir zu teuer. Folglich habe ich während der Schwangerschaft zum größten Teil indische weit geschnittene Sachen und Oshkosh Latzhosen getragen, zum Schwimmen Bikini. Der Bauch sollte noch nicht gezeigt werden!
Geburtsvorbereitungs- und Babykurse habe ich bereits zusammen mit meinem Mann besucht. Männeranteil ca. 50 %. Die Auswahl des Arztes und des Krankenhauses habe ich nach Rooming In ausgesucht. Ultraschall war zwar üblich, sehen konnte man aber noch nicht viel. Unser Sohn mußte leider per Kaiserschnitt geholt werden (Steißlage und Nabelschnur 3x um den Hals). Beim 2. Kind wollte ich unbedingt eine Normalgeburt haben und das war ein sehr positives Beispiel. Nach der Geburt hat mich mein Arzt gebeten, ob ich den werdenden Müttern bitte sagen könnte, daß eine Normalgeburt nach einem Kaiserschnitt möglich sei.
Stillen war aktuell. Wenn das Baby geschrien hat, habe ich es nach einer sehr kurzen Wartezeit in den Arm genommen bzw. in der Nacht angelegt und konnte dann bei den Eltern weiterschlafen. Schlagen und Schreien mit den Kindern - nein!!! Keine Drohungen mit dem Weihnachtsmann, bösen Mann, Krampus usw. Wir sind sehr offen mit den Kindern gewesen.
Arbeiten nach der Geburt war fast nicht möglich, da es keine Betreuungsmöglichkeiten gab. Den ersten Kindergartenplatz für den Sohn bekamen wir mit 3 1/2 aber nur nachmittags.
1982 sind wir nach Österreich gezogen und da war es besonders schlimm. Kindergartenplatz für den Sohn sofort!
Aber für die Tochter keine Chance. Arbeit? nur ganztags und wer paßt auf die Kinder auf? Meine Schwiegereltern (im Hause!) haben gleich gesagt, daß sie nicht auf die Kinder aufpassen werden. Für mich war die Situation schrecklich. Immer nur die Kinder, bin aus lauter Verzweiflung mindestens 3 x die Woche mit den Kindern auf einen Berg gerannt! Und überall der Spruch, daß Mutter und Hausfrau ja so schön sei!
Wir sind von Anfang an mit den Kindern auf Urlaub gefahren. Keine gebuchten Reisen! Alles selber organisiert. Das rief auch Unverständnis hervor. Hier war es üblich, die Kinder bei den Eltern zu lassen.
Schule: die Kinder waren eigenverantwortlich für ihre Leistungen. Sie mußten alleine die Hausarbeiten machen und nur wenn sie absolut nicht weiterkamen, habe ich Tipps gegeben. Vor Schularbeiten habe ich den Stoff überprüft. Es gab für gute Noten Lob aber kein Geld! Bei schlechten Noten Trost.
Den Erziehungsstil meiner Mutter habe ich abgelehnt und habe auch keinerlei Ratschläge angenommen. Vor allen Dingen nicht in Sachen Sauberkeit und Respekt.
Das Ergebnis ist recht zufriedenstellend und wir hatten kaum Ärger.
Was möchtest du sonst noch wissen?
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08.12.2007, 17:52
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Hallo Maja,
unser Sohn kam 1983 auf die Welt. Der Vater war bei der Geburt dabei, das war für UNS eine absolute Selbstverständlichkeit. Ich war mit dem Baby 6 Tage in der Entbindungsklinik und betreute mein Baby rund um die Uhr selbst (Rooming in) Im Gegensatz zu Pia hatte ich mich auch während der ganzen Nacht um mein Neugeborenes zu kümmern. Das war äußerst anstrengend. Erschwert wurde dies durch meine Zimmernachbarin (ich war in einem Zweibettzimer). Da unsere Babys nie zum gleichen Zeitpunkt wach wurden, schrieen und betreut werden mussten, konnte ich auch dann nicht schlafen, wenn mein Sohn gerade selbst "Ruhe gab". Nur die ersten Stunden nach der Entbindung (unser Sohn kam nachts um 2.15 Uhr auf die Welt) schlief unser Sohn im Kinderzimmer, ca. 15 Stunden später war er dann andauernd bei mir.
Trotz eines allgemeinen Trends zum Stillen, stillte ich selbst nur 6 Wochen lang (und musste dabei ständig zufüttern). Ich gebe zu, ich kam mit dem Stillen überhaupt nicht zurecht. Als ich nach 6 Wochen aufgab, schlief unser Sohn bereits durch. Durchwachte Nächte (von Ausnahmen bei Erkältungskrankheiten mal abgesehen) ein Jahr lang oder länger wegen eines Babys kenne ich nur vom "Hörensagen".
Ich weiß, wie auch Pia schrieb, dass man dem Stillen nachsagt, dass es ein Allergierisiko mindern würde. Aber da ich selbst von meiner Mutter fast ein Jahr lang gestillt worden bin und schon von Kind an eine starke Neigung zu Allergien hatte, wage ich an dieser These zu zweifeln.
Wie schon beschrieben war unser Sohn ein sehr ruhiges und "pflegeleichtes" Baby und Kleinkind. Ich führe das auf meine sehr ruhige und stressfreie Schwangerschaft zurück. Das ist natürlich nur eine Vermutung. Mein Mann und ich waren außerdem der Meinung, dass wir - solange keine Krankheit vorlag - nicht beim allerersten Schrei losstürmen müssten um nach dem Rechten zu sehen. Bestätigt wurden wir darin, dass er oft nach wenigen Minuten einfach weiterschlief. (Wir schauten natürlich IMMER, nur nicht zwingend innerhalb der ersten 60 Sekunden.)
Ab einem halben Jahr gab es neben der adaptierten Milch Brei. Allerdings hatten wir das Problem, dass unser Sohn alles andere lieber machte als essen. Es war unvorstelbar schwierig, ihm überhaupt irgend etwas "einzuverleiben". Das hört sich komisch an, aber oft halfen selbst "Tricks" nicht, ihn zum essen zu bringen. Die anempfohlenen Mengen für die jeweilige Altersgruppe unterschritt er regelmäßig. Dennoch war er bis zu seinem zweiten Lebensjahr ungewöhnlich groß (immer am oberen Ende der Größentabelle und auch gesund.) Wir nahmen immer alle Vorsorgeuntersuchungen wahr.
Als er knapp zwei Jahre alt war, fuhren wir zum ersten Mal für eine Woche ohne ihn in Urlaub. Wir wussten ihn gut versorgt bei meiner Tante, die anstelle der Großmutter stand. Er war fröhlich, ihm ging nichts ab. Er war überhaupt ein sehr fröhliches Kind.
Mit knapp 4 Jahren kam er in den Kindergarten (halbtags). Dennoch blieb er der Einzelgänger. Er ließ sich schwer integrieren, aber er konnte sich sehr gut mit sich selbst beschäftigen. Er brachte sich - mit nur gerigfügigen Hilfestellungen - mit etwa fünf Jahren das Lesen selbst bei und während die anderen Kinder im Kindergarten miteinander spielten, wollte er lieber lesen. Dennoch ist keineswegs eine "Leseratte" aus ihm geworden. Trotz Vorbildfunktion (beide Eltern lesen und lasen regelmäßig) Bücher, spielt dies für ihn eine absolut untergeordnete Rolle.
Abweichend von vielen Eltern die wir kannten, konnten wir ihn schon sehr früh alleine zuhause lassen. Wir zogen, als er knapp 7 Jahre alt war, in eine andere Stadt und hatten dort keine Betreuungsperson. Wir gaben ihm immer (auch schon vor dem Umzug) eine Telefonnummer, die er bei Bedarf hätte anrufen können. Er war sehr früh fähig dergleichen zu tun. Er nahm das aber nie in Anspruch (außer als Gag) und es war immer alles in Ordnung.
Mit 7 Jahren fuhr er allein mit dem Bus in die Stadt (Kleinstadt, wir wohnen am Stadtrand) und ging alleine zum Kinderarzt, weil er dies unbedingt so wollte. Wir standen mit dem Arzt telefonisch in Verbindung.
Ich gebe zu, dass es mir nicht angenehm gewesen ist, dass er mit 8 Jahren in Oxford allein durch einen Park lief. Er lief einfach voraus, er kannte den Weg. Ich konnte ihn nicht einholen, mein Mann fand dies o.k. Ebenfalls in diesem Urlaub lief er uns in London im Zoo davon mit den Worten: "Wir sehen uns um ...Uhr bei den Flamingos." Ich hoffte nur, dass der Zoo eingezäunt war. Unser Sohn stand zum vereinbarten Zeitpunkt vor dem Flamingogehege (das wir nicht sofort fanden) und warf uns vor, dass wir eine Minute zu spät dran seien.
Es war mir auch nicht angenehm, dass er mit 8 Jahren in einem Café in Wien (mitten in der Stadt) plötzlich aufstand und im "Davonlaufen" rief: "Ich gehe zum Hotel." Mein Mann war wieder mal die Ruhe selbst, aber ich machte mich - nach einer Schrecksekunde - auf den Weg. Ich fand ihn erst im Hotelzimmer wieder. Er war sicher angekommen und mein Mann fühlte sich bestätigt.
Weshalb er in seiner Pubertät eine Phase hatte, in der er eher unselbständig war, ist uns beiden nicht recht begreiflich. Wahrscheinlich war er zu früh viel zu selbstständig.
Nun, das war's von mir.
AnitraGeändert von Anitra (08.12.2007 um 18:08 Uhr)
Mein Avatar zeigt Charlotte Gainsbourg.
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08.12.2007, 19:51Inaktiver User
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
Vielen Dank Fifty1 und Anitra für eure langen Berichte.
Ich habe jetzt schon sehr viele Informationen hier erhalten(
) und möchte mir noch einmal in Ruhe darüber Gedanken machen, was ich noch gerne wissen möchte (@
Fifty1).
Liebe Grüße
sendet Maja
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08.12.2007, 20:23Inaktiver User
AW: 70er/80er: Wer hat Kinder aus dieser Zeit?
hallo maja,
du trägst einen nicknamen, welcher der name ist, den ich meiner tochter gab, als sie 1973 geboren wurde.
wenn du etwas mehr erfahren willst über die zeit damals, solltest du in einem buchladen nachfragen, denn da gibt es jahrgangsbücher und diese sind bis jahrgang 1981 zu erhalten. ich schenke z.b. meinem sohn der 1975 geboren wurde, auch eines zu weihnachten.
in der zeit als mein erstes kind geboren wurde, also 1973, war es noch so, dass man, wenn ein kind unterwegs war geheiratet wurde. es war so zusagen ein selbstverständliches muß.
in meiner gegend gab es noch keine geburtsvorbereitungen oder änliches.
der frauenarzt war der ansprechpartner in der schwangerschaft und sowas wie ultraschall hatten noch nicht alle ärtze. ein bild vom kind im mutterleib das habe ich nie bekommen, denn die ärtze hier im ländlichen gebiet hatten diese geräte zur untersuchung noch nicht. selbst als mein drittes kind 1984 geboren wurde, zeigte mir der arzt das kind auf dem monitor, aber er hatte noch nicht so ein modernes gerät welches auch die bilder ausdruckte.
kurz vor dem entbindungstermin mußte man sich eine hebamme suchen. der arzt gab adressen und ich konnte dann den kontakt zu der hebamme aufnehmen.
das heißt, ich mußte zur geburt die hebamme mit ins krankenhaus bringen.
ich erinnere mich noch gut, das ich zur telefonzelle ging, als die wehen einsetzten und die hebamme anrief. sie kam dann in der nächsten halbens stunde mit ihrem vw käfer, lud mich ein und ab gings ins nächste krankenhaus zur entbindung. das jeder haushalt ein telefon hatte, war nicht selbstverständlich in den jahren, zumindest nicht im ländlichen gebiet.
das mein mann bei der geburt dabei war, das war damals auch noch nicht möglich, die kreissaaltür war für ihn verschlossen. erst als mein drittes kind geboren wurde, konnte er dabei sein.
die kinder stillen konnte ich nur kurze zeit, da ich nicht genug milch hatte. zwar große brüste aber nicht genug milch.im krankenhaus nahm man sich nicht die zeit um einer erstgebärenden mutter das stillen zu zeigen. die hebamme kam ein einziges mal zum hausbesuch, dann war ihre pflicht als hebamme beendet. alles weitere was das kind an vorsorge terminen hatte, übernahm der hausarzt.
die brust wurde abgestillt und man gab das fläschchen. bananen oder breie gab man so mit drei monaten in etwa , aber allerdings selbst gekochte. keine fertig-anrühr-mischungen. die waren noch zu teuer.
windeln , das waren stoffwindeln, welche gewaschen und fein säuberlich zusammengelegt wurden. die wegwerfwindeln kamen in dieser zeit erst auf den markt und irgendwann machte ich dann auch davon gebrauch.
ein kind schreien lassen, fragst du.
das ist ermessensache. sicherlich wenn eines meiner kinder satt und frisch gewindelt im bettchen lag und sich in den schlaf weinte/schrie, lies ich es auch schreien. das, so sagte man, schadet der lunge nichts, sie kann sich nur dadurch entwickeln. so glaubte man es damals zumindest. ob es wirklich so ist, kann ich nicht sagen.
ich lies meine kinder nicht unendlich schreien, wenn sie sich nicht beruhigen konnten, schaute ich selbstverständlich nach ihnen und nahm sie zu einem einschlaflied auf den arm oder aber stand an der wiege schaukelte sie und sang sprach im flüsterton mit ihnen.
was damals in mode kam, war, das man die kinder vorwiegend auf dem bauch schlafen lies.
aber das wurde dann später wieder verworfen, weil die ortophäden es als schaden ansahen.
sicherlich gingen alle kinder in den kindergarten. auch die kinder von nichtberufstätigen müttern.
für mich war das eine schöne zeit, da ich mehr bekanntschaften zu anderen müttern schließen konnte.
du fragst nach erziehungweisen.
soweit ich mich erinnere, kam damals die antiautoritäre erziehung ins rollen. überall hörte man davon. aber für mich war das kein gesichtspunkt. denn ich bin der meinung kinder wollen und sollten ihre grenzen aufgezeigt bekommen.
ich selber habe versucht meine kinder nach dem motto zu erziehen :
erziehung ist liebe und vorbild .
grüße an dich maja,
maria53Geändert von Inaktiver User (08.12.2007 um 20:31 Uhr)


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