Nachdem ich seit einer Weile in der Brigitte-Community herumlese, traue ich mich heute endlich, mein Problem zu beschreiben, in der Hoffnung, ein paar Ideen, Stellungnahmen, Vorschläge o.ä. zu bekommen.
Ich halte das Zusammenleben mit meinem Mann manchmal nicht mehr aus. Im Grunde verstehen wir uns sehr gut, wir haben viele ähnliche Vorlieben und Interessen, es gibt einige Ähnlichkeiten in unseren charakterlichen Strukturen, aber mehr Gegensätzlichkeiten. Diese sind eigentlich eine Ergänzung für uns. Dort, wo mein Mann sich vor lauter Pingeligkeit verzettelt, bin ich pragmatisch. Einige seiner Interessen sind für mich eine große Bereicherung, meine meistens lebensfrohe und positive Haltung für ihn, den Pessimisten, eine Hilfe.
Wir haben tatsächlich genau genommen nur ein einziges Problem und das ist seine Vorliebe für Alkohol. Er hat schon immer viel getrunken. Allerdings hat sein Weinkonsum in den letzten 10 Jahren stetig zugenommen, bis es im vorigen Jahr zu einem wahrhaft scheußlichen Eklat kam, in dessen Folge er mir versprach, auf Alkohol zu verzichten. Dieses sog. Versprechen währte jedoch nur ein paar Wochen. Danach gab es dann zuerst trotz meiner unmissverständlichen Proteste wieder ein wenig Wein zum Essen, und nach und nach auch wieder mehr Wein einfach nur so am Abend. Nun ist er inzwischen pensioniert. Da er nicht so recht weiß, was er mit sich und seiner Freizeit anfangen soll, klammert er sich entsetzlich an mich. Er drängt sich in meine Frauenfreundschaften, geht nicht einmal alleine mit dem Mann meiner Freundin zum Sport, weil ich da ja nicht mitkommen kann !!!!! Mir ist das ziemlich lästig und ich treffe mich nicht mehr unbefangen mit meinen Freundinnen, weil er ja allein zu Hause hockt und sich aus lauter Langeweile besäuft. Inzwischen hat sich sein Verhalten auch in unserem gemeinsamen Freundeskreis herumgesprochen. Weil er öfter bei unseren Zusammenkünften total betrunken alle Gäste mit seinen Vorträgen gelangweilt hat, werden wir auch nur noch selten eingeladen. Jeder Gastgeber hat Angst, dass mein Mann sich betrinkt und den Abend sprengt. Nun ist es sehr oft vorgekommen, dass mein Mann sich aus eigener Inititative als Fahrer angeboten hat, womit er ausschließt, dass er sich betrinkt. Offensichtlich ist ihm sein Verhalten gelegentlich doch peinlich. Allerdings sorgt er vor: wenn wir von einer solchen Einladung heimkehren, steht schon eine Flasche Wein bereit, die er dann oft spät am Abend kurz vorm Schlafengehen nur so in sich hineinschüttet. Und dann erzählt er mir, er möge den Geschmack so gerne. Wer’s glaubt ….. Ich hingegen bin ziemlich sicher, dass er nur den Rausch haben will, also bin ich auch ziemlich sicher, dass er alkoholabhängig ist.
Da alles Reden nicht hilft, meine Drohungen in den Wind geschlagen resp. mit tollen Geschenken besänftigt werden, alle seine Versprechen so hohl sind wie taube Nüsse und genauso leicht zerbröseln, bin ich mit meinem „Latein“ am Ende. Ich liebe diesen blöden Kerl wirklich trotz allem, habe inzwischen jedoch beträchtliche Zweifel, ob ich ein weiteres Leben an seiner Seite ertrage. Wenn er nüchtern ist, ist er der beste und liebste Ehemann, wenn er betrunken ist, ist er nur noch blöd. Ich denke also ernsthaft über eine Scheidung nach, die uns mit ziemlicher Sicherheit in ein finanzielles und soziales Fiasko stürzen würde. Ich bin arbeitslos und er ist pensionierter Lehrer. Wir haben finanzielle Verpflichtungen außer der Miete für unsere teure Wohnung. Unsere ganzen gesellschaftlichen Kontakte würden wegbrechen, denn wir sind mit einer Reihe etwa gleichaltriger Ehepaare befreundet, die z.T. auch so ihre Konflikte miteinander haben. Ob paarweise Freundschaften die Scheidung eines Paares überstehen – da habe ich so meine Zweifel. Andererseits ist ein Neuanfang mit 58 (mein Mann ist 64) ja auch kein Zuckerschlecken. Was soll ich nur tun? Aushalten? Trennung? Weiß jemand von Euch in der Gegend von Kiel, Preetz, Plön eine guten Scheidungsanwalt? Wie könnte ich meinen Mann soweit kriegen, daß er einen Entzug macht?
Danke an alle, die es durchgehalten haben, bis zum Schluß zu lesen und mir vielleicht den einen oder anderen Tipp geben.
Kielia
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27.08.2007, 20:09
Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
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27.08.2007, 20:29
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Liebe Kielia,
ich bin hier eigentlich nur durch Zufall hergekommen. Ich bin deutlich jünger als Du, ich werde 'erst' 45. Das Thema Alkohol kenne ich aber zu gut
Ich weiß also wovon ich spreche!!
DU wirst ihn nicht dazu bringen können, etwas gegen die Sucht zu tun (und JA, er ist alkoholkrank, resp. süchtig), er muss selbst einsichtig werden und damit fängt das ganze Leiden an. DU mußt jedenfalls Konsequenzen ziehen, ihm Grenzen aufzeigen. Zu Einladungen z.B. gehst Du alleine. Hat er einen Kater o.ä. und es geht ihm schlecht, findest DU keine Entschuldigung anderen gegenüber, sprich es aus (z. B. hat gestern mal wieder gesoffen), dann kaufst DU keinen Alkohol, keinen Wein, nix. Will ER trinken, soll er seinen Stoff selbst kaufen - Punkt! Wenn Du ihm Konsequenzen androhst, dann durchziehen. Und bevor Du überhaupt mit Scheidung anfängst: Alle Papiere (Kreditverträge, Bausparverträge, Kontoauszüge, Steuerbescheide, Rentenbescheide usw. usw.) kopieren und außer Haus deponieren, Du wirst die noch brauchen! ER muss einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen, sonst hat er keine Veranlassung was zu ändern. Erster Schritt wäre z.B. sich (falls Ihr den Platz habt) ein eigenes Zimmer einzurichten und dort auch zu nächtigen. Die Maßnahmen sollten ihn durchaus schocken.
Entweder es gibt ihm zu denken, oder wenn nicht, solltest Du ernsthaft darüber nachdenken zu gehen. Die andere Frage ist, ob man sich gleich scheiden lassen muss, wenn man sich trennt.
Ich wünsche Euch alles Gute
Woodstock
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
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27.08.2007, 20:29Inaktiver User
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Hallo, Kielia
Du befindest dich in einer äusserst schwierigen und belastenden Situation.
Hast du schon daran gedacht, professionelle Hilfe (Eheberater, Psychotherapeuten, usw.) in Anspruch zu nehmen?
Bevor du die Flinte ins Korn wirfst und da du offenbar deinen Mann gern hast, wäre vielleicht ein Gespräch mit jemandem, der solche Probleme kennt und mit ihnen umzugehen weiss, hilfreich.
Ich wünsche dir alles Gute!
Colonna
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27.08.2007, 22:18
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Liebe Kielia,
es ist sehr verständlich, dass Du Dich scheiden lassen willst und dass Dir das Zusammenleben mit einem betrunkenen Mann unerträglich ist. Du schriebst aber auch, dass Du Deinen Mann noch liebst. Da würde ich erst einmal das Wort Scheidung durch Trennung ersetzen und es dann ganz fest in meinem Hinterkopf verankern, sozusagen als Mittel der letzten Wahl. Denn Alkoholismus ist nicht nur eine Sucht, sondern auch eine Krankheit. Und hätte Dein Mann eine andere Krankheit, würdest Du ihn bestimmt auch nicht verlassen wollen.
Also ist professionelle Hilfe angesagt, so schnell wie möglich. Es gibt sehr viele Foren im I-Net für Alkoholabhängige und da sind auch immer die Angehörigen mit einbezogen. Wenn Dir das nicht weiterhelfen sollte, erkundige Dich dort oder bei der Ärztekammer ob und wo in Deiner Nähe ein Psychotherapeut sitzt, der sich auf dieses Problem spezialisiert hat. Dort würde ich (ohne Mann) hingehen und mich beraten lassen, was zu tun ist und wie ich mich richtig zu verhalten habe.
Bei Deinem Mann -so wie Du ihn beschreibst- ist ja doch der Wille da, mit dem Trinken aufzuhören. Nur schafft er es eben nicht alleine.(Dass ihm der Wein so gut schmeckt, ist natürlich Blödsinn, allerdings war es für ihn bestimmt die Hölle, den ganzen Abend von alkoholtrinkenden Menschen umgeben zu sein.) Und so glaube ich, dass es gute Chancen gibt, dass er trocken wird, wenn man (nicht Du) ihm hilft. Mit fachkundiger Hilfe wirst Du ihn dazu bringen (mit welchen Methoden auch immer), dass er einsieht, dass auch er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss.
Ich schicke Dir ganz viel Kraft und Energie
luna_llena
„Alle Menschen haben das gleiche Recht zu denken, aber die wenigsten machen Gebrauch davon.“
Curt Goetz
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28.08.2007, 06:21Inaktiver User
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Liebe Kielia,Wenn er nüchtern ist, ist er der beste und liebste Ehemann, wenn er betrunken ist, ist er nur noch blöd.
dass hab ich während meiner Ehe auch gesagt ......... nur bei meinem Ex kamen auch immer wieder andere Frauen ins Spiel ....... ich habe mich im Alter von 45 Jahren von ihm getrennt.
Irgendwann, so ca. 2 Jahre vor unserer Trennung hab ich ihm gesagt, dass ich so mit ihm nicht mehr leben kann und will ....... er hat nichts geändert, dafür ich mich .......... er hat sich ne andere Frau gesucht und gefunden, nun bin ich seit zwei Jahren geschieden und kann mir gar nicht mehr vorstellen, mit einem Mann, der so viel auf Einladungen trinkt, dass er nicht mehr seinen Namen kennt, zusammen zu leben.
Ich hab erst nach seinem Auszug vor gut drei Jahren bemerkt, wie sehr mich dieses Trinken gekränkt/gestört/belastet hat, ich hab mir immer wieder selber eingeredet, an fünf Tagen im Jahr ist es beschissen, der Rest ist gut ............. und hab gar nicht bemerkt, wie sehr ich mich belüge .......... nun bin ich zwar nicht unbedingt glücklich darüber, dass ich alleine lebe aber zufrieden mit mir
ich habe einen lieben Bekanntenkreis und zwei Brüder, die für mich da sind, dann bin ich vollberufstätig und hab sehr gute KollegInnen, die mich auffangen, wenn ich in nem Loch stecke
inerhalb der letzten zwei Jahre sind auch meine Eltern gestorben, da darf ich ab und zu im Loch stecken ...........
Ich wünsch Dir, dass Du für Dich die richtige Lösung findest ........... vor allem, denk an Dich, ich hab es 27 Jahre nicht getan, von denen ich 25 Jahre verheiratet war.
Lieben Gruß A.
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28.08.2007, 20:04
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Liebe Kielia,
ich schliesse mich meinen Vorschreiberinnen an, und denke ebenfalls, dass Du professionelle Hilfe benötigst. Vielleicht hilft Dir eventuell auch eine Web Seite weiter... re-empowerment.de
...Angst vor Trennung, etc.....
Liebe Grüße Maxime
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28.08.2007, 21:40
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Herzlichen Dank Euch allen für die Anteilnahme und die Ratschläge.
Liebe Woodstock,
ich kaufe schon seit langem keinerlei Alkohol mehr, ich schlafe sehr häufig in unserem – z.Z. noch gemeinsamen – Arbeitszimmer, und ich verhalte mich auch anderen gegenüber nicht wie die typische Co-Alkoholikerin, habe schon eine Menge darüber gelesen und gebe mir riesig Mühe, dieses bekannte Verhaltensmuster nicht anzuwenden.
Liebe Colonna,
professionelle Hilfe will ich unbedingt in Anspruch nehmen. Alleine packe ich es einfach nicht, ihn dazu zu bewegen, seine Sucht anzuerkennen und sich in Behandlung zu begeben. Er, der große Prof, weiß doch sowieso nicht nur alles, sondern auch alles besser. Und da mir allmählich die Argumente ausgehen, muß ich jemanden finden, der mich unterstützt.
Und Dir, liebe Luna-Ilena,
danke ich für den simplen Hinweis, dass nicht gleich eine Scheidung sein muß. Grandios. So eine Trennung ist ja zunächst rein technisch gesehen viel einfacher. Wir wohnen in einer Gegend, die stark vom Tourismus frequentiert ist – hier gibt es möblierte Apartments noch und nöcher und sogar tageweise zu mieten. Daß ich darauf nicht selbst gekommen bin !!!!
So, und an Tagen wie heute, völlig alkoholfrei und sehr harmonisch, gerate ich schon wieder ins Wanken und denke „so schlimm ist es doch nicht“
Liebe Minny-Maus,
Du weißt, was ich meine. Nur gibt es bei uns nicht fünf schlimme Tage jährlich, sondern eher drei wöchentlich. Wenn ich nur diese innere Zerrissenheit nicht hätte. Ich bin im allgemeinen ein Mensch der „klaren Ansage“ und der konsequenten Entscheidungen – warum hampele ich in dieser Sache bloß so herum? Wenn mein Mann betrunken ist, liebe ich ihn überhaupt nicht. Inzwischen gehe ich auch sehr vorsichtig mit ihm um, wenn er nüchtern ist, weil ich ihn emotional nicht mehr so nahe an mich heranlassen möchte. Das ist doch eigentlich das Ende einer Ehe, oder? Hat man je davon gehört, dass ein alkoholabhängiger Mensch seine Sucht alleine bewältigt hat?
Euch allen wünsche ich einen schönen Abend und danke nochmals, dass Ihr mir geschrieben habt.
Viele Grüße von Kielia
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29.08.2007, 04:03
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
ich wünsche dir einfach nur viel kraft und mut!
leonieAuch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen;
auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses,
nur verachten würde man ihn.
Das Hohelied
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30.08.2007, 18:34
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Liebe Kielia,
jeder Suchtkranke braucht Unterstützung. Nur mit Willen es zu lassen, ist es leider nicht getan. Viele (die meisten) sind körperlich abhängig, manche 'nur' psychisch. Allerdings müssen alle von alleine auf den Trichter kommen, dass sie sich eingestehen ein Problem zu haben bzw. abhängig zu sein. DAS kannst Du ihm nie abnehmen. Oh, ich kenne Deine Gefühle! Dieser Hass und Ekel, diese Wut... ich werde inzwischen JEDEM gegenüber aggressiv, der auch nur ansatzweise nach Alkohol riecht. Ich muss mich dann echt beherrschen, dem Gegenüber dann keine zu hauen. Vor allem, wenn mir das Gegenüber dann noch dumm kommt
Ich wünsch Dir gute Nerven und eine weise Entscheidung.
Alles Liebe
Woodstock
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
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30.08.2007, 23:22
AW: Ich bin 58 und nahe dran, mich scheiden zu lassen.
Hallo Kielia,
warum denkst Du an Scheidung, versuche es doch mal mit räumlicher Trennung für eine bestimmte Zeit, so daß Dein Mann merkt wie ernst es Dir ist. Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit zu einer Freundin zu ziehen. Bei mir hatte es durchschlagende Wirkung, daß ich für ein halbes Jahr ausgezogen bin....
Wünsche Dir, daß Du die richtige Entscheidung für Dich treffen kannst.
Liebe Grüße
hellena


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