Antworten
Seite 1 von 24 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 240
  1. User Info Menu

    War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Hallo liebe Ü50 Gemeinde,

    je älter ich werde desto mehr habe ich das Gefühl, dass alles was man früher gemacht hat, worüber man sich aufgeregt hat, wo man sich reingehängt hat, irgendwie "sinnlos" war. Ich weiß, dass es das nicht war, weil es einen zu dem Menschen gemacht hat, der man heute ist. Allerdings sieht man auch die vielen anderen Möglichkeiten die man gehabt hätte, wenn man sich getraut, mit gewissen Dingen gebrochen und einfach auf Risiko gegangen wäre. Nebenbei sehe ich, welche Möglichkeiten die Jugendlichen heute haben, welche Selbstverständlichkeiten sie genießen und wie frei und offen sie ausprobieren können, ohne die Angst haben zu müssen zu scheitern.
    Mir fällt es schwer das in Worte zu fassen, aber gerade während Corona ist mir das bewusst geworden, dass "meine" alte Welt, mein altes Ich, in immer weitere Ferne rückt und in was für einer "kleinen" Welt ich damals gelebt habe. Dinge ändern sich inzwischen so schnell und immer schneller, die gesellschaftlichen Werte und Normen haben sich so stark verschoben in den letzten Jahren, dass man alles was einem mal beigebracht wurde, komplett in Frage stellen muss.
    Ich habe das Gefühl, dass das langsam das Gefühl von "altwerden" ist. Kennt ihr das? Auch der ganze Kram, den man über Jahre und Jahrzehnte angesammelt hat, erschlägt mich inzwischen immer mehr. Wozu hat man das alles bloß gekauft? Wollte man das wirklich? Brauchte man das alles? Offensichtlich ja und heute ist es nur noch wertloser Krempel. Davon trennen fällt mir trotzdem extrem schwer.

    Manchmal schäme ich mich richtig für die Dinge, die mir früher ja so wichtig waren und frage mich, wieso sie das eigentlich waren und wozu man sich so einen Stress gemacht hat. Wieso man sich so hat unter Druck setzen lassen, von den Eltern, von der Familie und sich selbst dabei so fertig gemacht hat. An meinen eigenen Kindern sehe ich, wie locker und "smart" sie ihre Dinge organisieren, klare Entscheidungen fällen, ausprobieren, experimentieren und inzwischen mir die Welt erklären, nicht mehr umgekehrt.
    Auch frage ich mich, wohin meine Reise weitergeht, die Uhr tickt schließlich. Ich bin gesund, noch immer attraktiv und habe das Verlangen irgendwie nochmal "was zu starten", das Leben nochmal spüren, wie früher, nur besser! Ok, das klingt nach ausgewachsener Midlife-Krise! Aber offenbar ist niemand davor geschützt, wenn sich gefühltes und tatsächliches Alter verschieben. Geistig fühle ich mich nämlich oft noch wie 25, bis mich die Realität dann wieder einholt und ich merke, dass "meine" Zeit doch irgendwie vorbei ist. Ich spüre dann so eine innere Leere und frage mich, wer ich eigentlich war, wer ich bin und wer ich sein will.

    Bin ich noch normal? Oder therapiereif? Darüber habe ich nämlich schon oft nachgedacht, noch aus diversen anderen Gründen.

  2. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Bin ich noch normal? Oder therapiereif? Darüber habe ich nämlich schon oft nachgedacht, noch aus diversen anderen Gründen.
    Du bist völlig normal! Du denkst viel über Deine vergangenen "Fehler" nach. Geht mir auch so. Ich schleppe solche "Fehler" bis in meine Träume. Hätte ich damals anders handeln können? Nein, denn ich war ein Kind der Zeit.

    Unser Mainstream war ein komplett anderer als der unserer Kinder. Sie werden in unserem Alter sich auch fragen, was sie hätten anders machen können. Und sie werden wie wir auch keine besseren Antworten finden.

    Das Leben hat mich gezeichnet und mir, da ich ein paar Jahrzehnte älter bin als Du, sieht man mir es inzwischen an.
    Früher träumte ich noch davon, wenn ich mich z.B. für einen anderen Beruf entschieden hätte, wäre als viel besser gelaufen. Das bezweifle ich inzwischen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von C1969 Beitrag anzeigen
    die gesellschaftlichen Werte und Normen haben sich so stark verschoben in den letzten Jahren, dass man alles was einem mal beigebracht wurde, komplett in Frage stellen muss.
    ......
    Auch der ganze Kram, den man über Jahre und Jahrzehnte angesammelt hat, erschlägt mich inzwischen immer mehr. Wozu hat man das alles bloß gekauft? Wollte man das wirklich? Brauchte man das alles?
    Das ist in jeder Generation so. Und wahrscheinlich immer schneller …

    Ich bin auch schwer Ü50 und ich hab schon frühzeitig erkannt, dass alles im Fluß ist und man besser nicht an so viel festhält … ich kann diese Haltung nur empfehlen! Sie befreit!

    Nimm diese seltsamen Gefühle zum Anlass, dich von deinen staubigen Sammlungen zu trennen, lass frische Luft in dein Leben, nimm deine angesammelte Erfahrung und sei offen für Neues!!

    Nein, deine Zeit ist noch nicht vorbei, deine Zeit ist genau JETZT. Nichts mehr verschieben, TUN!
    Und hiermit küre auch ich die Verlogenheit des Jahrzehnts:

    "Hallo, schön dass Sie da sind!..."

  4. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Liebe C,
    ich finde, Du machst einen Denkfehler (Opelius hat es schon angesprochen mit der Formulierung "ein Kind der Zeit"). Du bereust Dinge, die Du getan hast, Käufe, die Du getätigt hast etc. Aber all das war in dem Moment, in dem Du so gehandelt hast, für Dich richtig. Es war in der Lebenssituation, in der Zeit, in dem Augenblick sinnvoll. Hinterher (also jetzt) damit zu hadern, ist sich selbst gegenüber unfair, finde ich.

    Wir sind in unserem Leben nicht nur eine Person, wir sind ganz viele. Natürlich hast Du recht damit, dass alles, was Du erlebt hast, den Menschen, der Du heute bist, mitgeformt hat.
    Aber als Du 25, 35, 40 warst, da warst Du eben jeweils ein anderer Mensch. Und da haben die Dinge alle in den Kontext Deiner jeweiligen Lebenssituation gepasst und auch Sinn gemacht, auch wenn Du diesen Sinn heute nicht mehr erkennen kannst.

    Deswegen finde ich, man sollte mit sich selbst Milde walten lassen und nicht so "abrechnen".

    Und was das ganze Zeug angeht, das sich so angesammelt hat: Vielleicht kannst Du Dich von dem ein oder anderen trennen. Aber behalte doch einiges als Erinnerung. Ich habe auch viel Kram um mich, aber ich liebe diesen Kram. Denn er erzählt Geschichten. Und manchmal werde ich ganz melancholisch (ein sehr schönes Gefühl), wenn ich an verschiedene Stationen in meinem Leben zurückdenke.

    In Bezug auf die sich verändernde Welt stelle ich das Gleiche fest wie Du (und ich bin erst 53), ich komme manchmal einfach nicht mehr mit. Die Welt, die ich kenne, war kleiner, ruhiger, überschaubarer. Und irgendwie hatte sie auch mehr Zauber (wenn man zum Beispiel jemanden aus einem fernen Land kennen lernte, war das noch etwas Besonderes. Heute chattet man mit Australien, als wäre es um die Ecke.) Ich versuche, halbwegs am Ball zu bleiben, mich zu informieren. Aber manche Dinge lasse ich mir auch gepflegt am Arsch vorbeigehen, die interessieren mich einfach nicht, und das müssen sie auch nicht. Ein bisschen Rückzug - von der Realität, von der Gesellschaft, von Neuerungen und Einflüssen - darf man sich ruhig gönnen, und zwar in jedem Lebensalter.

    Und wenn Du noch Pläne hast, kann ich Rotweinliebhaberin nur beipflichten: MACH ES! Schiebe nix auf!
    Wir werden weitermachen!

  5. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Die Welt, die ich kenne, war kleiner, ruhiger, überschaubarer. Und irgendwie hatte sie auch mehr Zauber (wenn man zum Beispiel jemanden aus einem fernen Land kennen lernte, war das noch etwas Besonderes. Heute chattet man mit Australien, als wäre es um die Ecke.)
    Danke für euren Zuspruch schon mal. Es tut gut zu lesen, dass man mit solchen Gedanken und Gefühlen nicht allein ist und es wohl offensichtlich "normal" ist und zum Leben dazugehört. Die 50 war schon eine Hausnummer, auch wenn ich versucht habe es vor mir selbst kleinzuhalten. Die 30 und die 40 waren weniger problematisch, weil ich da mit anderen Dingen beschäftigt war. Jetzt spüre ich den inneren Wandel aber ganz deutlich.

    Den Satz mit dem Zauber finde ich besonders treffend. Die heutige Welt hat ihren Zauber verloren. Es gibt keine wirklichen Stars mehr, alles ist dauerhaft verfügbar, jeder ist ständig erreichbar, egal in welchem Winkel der Welt er oder sie sich befindet und dank Internet ist jedes Geheimnis irgendwie entzaubert. Und obwohl die Welt dadurch immer mehr zusammenrückt, empfinde ich sie viel kälter und liebloser als früher, zumindest die reale Welt.

  6. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von C1969 Beitrag anzeigen
    Den Satz mit dem Zauber finde ich besonders treffend. Die heutige Welt hat ihren Zauber verloren. Es gibt keine wirklichen Stars mehr, alles ist dauerhaft verfügbar, jeder ist ständig erreichbar, egal in welchem Winkel der Welt er oder sie sich befindet und dank Internet ist jedes Geheimnis irgendwie entzaubert. Und obwohl die Welt dadurch immer mehr zusammenrückt, empfinde ich sie viel kälter und liebloser als früher, zumindest die reale Welt.
    Das kann ich absolut nachvollziehen, mir geht es mit vielen, vielen Dingen genauso.
    Aber es gibt eben auch immer eine andere Seite. Wenn ich mir zum Beispiel angucke, wie viele Jugendliche sich heute für die Umwelt engagieren, wieviel mehr auf die Rechte von Frauen und Minderheiten geachtet wird (zu "unserer" Zeit war das definitiv noch anders), dann ist das eine gute Sache.
    Aber meist stelle ich auch bei mir eine gewisse Ernüchterung fest, was alles den Bach runtergeht, und das stimmt mich alles andere als froh. Und ich ertappe mich in Bezug auf manche Dinge dabei, dass ich denke "Zum Glück muss ich das nicht mehr miterleben." (die Auswirkungen der Erderwärmung etc.). Und das ist doof, denn es klingt, als wäre ich steinalt, dabei fühle ich mich noch sehr jung.
    Wir werden weitermachen!

  7. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Kannst du einmal Beispiele nennen, was du meinst mit sinngemäß: „wofür habe ich das alles angeschafft und habe mir diesen Stress angetan?“

    Denn das wird ja bei jedem anders sein. Ich bilde mir ein, dass ich mir diesen Stress nicht für materielle Dinge angetan habe. Ich hatte wahrscheinlich aber andere Gründe. Wollte meinen Eltern beweisen und gefallen. Heute ist es zum Beispiel so, dass ich mir keine neue Küche anschaffe, weil ich meine Mutter nicht verletzen möchte. Sie hat damals diese Küche finanziert. Ich hätte sie mir gar nicht leisten können.

    Und meine Tochter hat sehr gelitten unter dieser großen Qual der Wahl. Sie ist damit gar nicht klar gekommen. Sie ist zwar ins Ausland gegangen und hat in verschiedenen Ländern studiert. Aber sie hat trotzdem darunter gelitten. Sie konnte sich irgendwie nicht richtig orientieren und hat immer gezweifelt. Wahrscheinlich hat sie sich zu viel von ihren Eltern abgeschaut. Die ja auch unter Zwängen gelebt und großgeworden sind.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  8. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von C1969 Beitrag anzeigen
    Den Satz mit dem Zauber finde ich besonders treffend. Die heutige Welt hat ihren Zauber verloren. Es gibt keine wirklichen Stars mehr, alles ist dauerhaft verfügbar, jeder ist ständig erreichbar, egal in welchem Winkel der Welt er oder sie sich befindet und dank Internet ist jedes Geheimnis irgendwie entzaubert. Und obwohl die Welt dadurch immer mehr zusammenrückt, empfinde ich sie viel kälter und liebloser als früher, zumindest die reale Welt.
    Dass die Welt ihren Zauber verloren hat, das empfinde ich gar nicht so.

    Sie hat ihre Probleme. Und damit haben wir diese Probleme. Durch die immer näher kommenden Umwelt Katastrophen, begreifen wir sie scheinbar auch langsam. Aber es gibt immer noch die, die sie einfach ignorieren. Und sich dann noch Enkel wünschen. Ist mir völlig unverständlich. Das hat für mich nichts mehr mit Kinder Liebe zu tun.

    Ich empfinde mein Privatleben als sehr schön und bin dankbar dafür. Wirklich. Also das, was ich mir zu Hause erarbeitet habe und mein Umfeld. Es ist wunderbar. Ich habe einen schönen Garten und ich liebe ihn. Aber ich fühle mich nicht frei. Das hängt damit zusammen, dass ich mich beruflich nicht so entwickelt habe, wie ich es immer wollte. Und jetzt bin ich 56 Jahre alt und habe aufgehört zu kämpfen. Deswegen überlege ich, ob ich erst mal alles an den Nagel hänge. Zumindest bin ich ja gedanklich schon mal kürzer getreten. Das ist ja auch ein längerer Prozess. Und es kann auch entlasten. Es ist nicht leicht, seine Einstellung zu verändern und einfach sein Leben in Freiheit zu leben. Es auch so zu empfinden, dass man in Freiheit lebt. Das habe ich noch nicht geschafft.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  9. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    (...) Aber all das war in dem Moment, in dem Du so gehandelt hast, für Dich richtig. Es war in der Lebenssituation, in der Zeit, in dem Augenblick sinnvoll. (...)
    Und wenn es schon damals nicht richtig war? Nicht sinnvoll?
    Sondern unüberlegt? Blöd? Nicht aus guten Gründen, sondern aus Faulheit oder Feigheit? Oder Abhängigkeit?

    (NICHT auf die TE bezogen!)

    Genereller....

    Ich kenne den schalen Trost, alles hab ja damals "Sinn" gehabt und damals eben.

    Also bei mir nicht. Da war viel Pfusch dabei. Vieles, was ich tatsächlich super einfach anders hätte haben oder machen können.

    Hadern ist natürlich immer unproduktiv und sinnlos. Aber für mich kann mich nicht trösten, ich habe "damals nach Bestem Wissen und Gewissen..."
    Nee, also das stimmt so nun auch wieder nicht.

  10. User Info Menu

    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    (...)

    Und wenn Du noch Pläne hast, kann ich Rotweinliebhaberin nur beipflichten: MACH ES! Schiebe nix auf!
    Genauso! Meine Lehre aus vergangenen Fehlern, einer Erkrankung und Corona: dont dream it, be it.

Antworten
Seite 1 von 24 12311 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •