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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Rokeby, ich weiß, was Du meinst. Kenne ich auch von mir.
    Das Studium an den Nagel gehängt statt die Zähne zusammenzubeißen, mich auf diesen Blödmann eingelassen, obwohl die Zeichen eindeutig auf Blödmann standen und ich sie sehen konnte, solche Sachen.
    Ich bleibe trotzdem dabei, dass meine Entscheidungen in den Momenten, in denen ich sie getroffen habe, schlüssig waren. Nicht unbedingt logisch, nicht unbedingt richtig, aber schlüssig. Und damit hatten sie Sinn.

    Als ich mein Studium aufgab, fühlte ich mich befreit. Ich wusste, dass die Entscheidung nicht die Allerklügste war und denke heute manchmal, was hätte ich mit dem Studienabschluss machen können. Aber damals fühlte ich mich befreit, und deshalb war es sinnvoll und richtig.
    Wir werden weitermachen!

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Jetzt bin ich doch sehr überrascht. Im Leben käme ich nicht darauf, dass mein altes Leben sinnlos gewesen wäre. Dass ich heute mit 58 Jahren so zufrieden bin, liegt an den fast durchweg richtigen Entscheidungen der Vergangenheit.

    Ich beneide die junge Generation um gar nichts. Hin und wieder tut sie mir leid, denn ich habe als Kind noch absolute Freiheit genossen ohne Handyüberwachung und Helikoptereltern. Und ja, als Angehörige der Boomer-Generation musste ich den Ausbildungsplatz nehmen, wo man das Glück hatte einen zu ergattern. Aber diese endlose Qual der Wahl-Dingens ist auch nicht so der Brüller, das habe ich an meinem Junior gesehen.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    (...) Dass ich heute mit 58 Jahren so zufrieden bin, liegt an den fast durchweg richtigen Entscheidungen der Vergangenheit.

    I(...).
    das ist ja auch ein schöner Zusammenhang.

    Umgekehrt gilt er halt auch. Nicht bei dir, aber bei anderen. Also Unzufriedenheit, als Folge von - wenn nicht durchweg, das hielte ich auch für stochastisch gesehen unwahrscheinlich - aber doch mehreren falschen Entscheidungen.

    Die im Alter evtl. spürbarer werden als mit 30 oder so.

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Also ich halte es mit Hermann Hesse: mit der Reife wird man immer jünger.

    Manches hat meiner Meinung nach auch seinen Zauber verloren.
    Man zog sich in die Oper, ins Theater gut an. Manche tun es ja noch. Und ich bin dabei.

    Es gab mal ne Zeit da dachte ich: mit dem schulischen Standard heute machen Menschen Abitur, die wären früher noch nicht mal fürs Gymnasium zugelassen. Vieles wird jungen Leuten heute so leicht gemacht.

    Und dann kommt im Hinterstübchen: aber, ich hatte meine Freiheit.

    Allerdings gibt es bei mir auch wirklich Dinge die ich bereue, aber die liegen dann eher im menschlichen Bereich.
    Und daran versuche ich dann zu arbeiten. So lapidar zu sagen, mein Gott, ich war jung genügt mir nicht, und den Betroffenen wohl auch nicht.

    Das hilft mir, nicht zu streng mit Anderen zu sein.

    Ansonsten wäre ich in manchen Bereichen schon der Typ: es soll alles so bleiben wie es ist.
    Dass Veränderung auch gut ist und tut war ein harter Lernprozess für mich.

    Ich glaube, wir kommen alle mit einem gewissen persönlichen Kern auf die Welt.
    Mit dem müssen wir uns eben anfreunden.

    Und ich bin auch etwas fatalistisch angehaucht, es gibt Prüfungen im Leben, wer da versagt rückt ne Stufe nach hinten. Meiner Erfahrung nach verzeihen sich jedenfalls im innersten Menschen nie wenn sie menschlich versagt haben.

    Dass sich zugestehen zu können kann widerum gleich Heilung sein.
    Mich berührte das sehr als zum Beispiel der Ulrich Tukur so ehrlich über sein Leben sprach.
    Der lebt eben mit seinen Wunden.

    Zufriedenheit ist das größte Glück im Alter, allerdings kenne ich dazu weder ne Anleitung noch ein Rezept, mein Geschriebenes ist nur meine persönliche Wahrnehmung.
    Vielleicht ist das auch die Magie des Lebens - du musst eben selber erkennen was richtig oder falsch ist.

    Mit Veränderung tue ich mich immer noch schwer, aber, es wird besser.
    Mode kann man kaufen.
    Stil muss man haben.

    Edna Woolmanchase
    Chefredakteurin, Vogue, 1914 - 1952

  5. Moderation

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Liebe C1969, ich (58) kenne diese Gedanken auch und finde sie ziemlich normal, solang man sich nicht drin verliert.
    Mediterranee hat genau das, was mir beim Lesen deines Eingangsposts durch den Kopf ging, schon geschrieben.

    Ich find es voellig normal, mal ueber alte Entscheidungen nachzudenken und ein ‘was waere wenn’ durchzuspielen. Aber ich sehe es auch so - damals war es eine Entscheidung, die man aus bestimmten Gruenden, die zu der Zeit halt wichtig waren, gefaellt hat. Selbst wenn es eine Spontanentscheidung war. Das war damals deine Realitaet.

    Ich kann mir heute auch ueber diverse Entscheidungen die Haare raufen. Aber es ist halt heute so wie es ist. Diese Entscheidungen gehoeren zu unserer Biografie. Vorschreiben und dann spaeter ins Reine schreiben, wie frueher die Aufsaetze, geht mit dem Leben ja leider nicht. Bisschen dramatisch gesagt - ab ins Regal mit der Biografie und ran ans naechste Kapitel (ich klinge grad abgeklaerter als ich bin).
    Ausmisten ist immer gut.

    Ich finde auch nicht, dass Vieles, was man uns frueher beigebracht hat, heute obsolet sein soll. Den Teufel werd ich tun und mich komplett dem Mainstream hingeben. In meinem Alter kann ich mir das erlauben 😀.

    Ich hatte meinen leichten Frustmoment heute bei der Zuckerberg Bekanntmachung seiner Zukunftsplaene. Trotz aller Vorteile die die Technologie sicher hat, gruselt es mich ein wenig, was die Zukunft angeht (ich glaube zB, dass die Menschen isolierter sein werden, trotz mehr virtueller Verknuepfung). Da werde ich sicher im Bereich soziales Miteinander auf das zurueckgreifen muessen, was ich in der ersten Haelfte meines Lebens gelernt habe.
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Was du da über den Kleidungsstil In Oper und Theater schreibst, Daliah, hat mich auch mal eine Zeit lang eher verwundert, als gestört. Das ist ja schon so lange so, damals war ich noch Jugendliche. Und heute empfinde ich es so, wenn ich zum Beispiel auf einen Geburtstag gehe oder sonntags zum tanzen in unsere niveauvolle Tanzschule, dann frage ich mich manchmal, ob die Leute direkt vom Herd zu dieser Veranstaltung gekommen sind, so im Küchen- und Haus- und Hof-Outfit. Und bin dann auch wieder verwundert. Ich würde mich so nicht wohl fühlen.

    Zum Tanzen ziehe ich immer ein hübsches Kleid an. Nicht nur am Sonntag. Aber gerade am Sonntag mache ich das ganz bewusst. Ich empfinde das auch als ein Stück bewusster leben und genießen. Und ich bedaure die Leute dann fast ein bisschen, die das nicht können. Wenn ich immer alles gleich bewerte, auch über mein Erscheinungsbild, dann nehme ich diesen besonderen Moment auch nicht als etwas sehr Besonderes wahr bzw. empfindet man es nicht so. Und das sind oft die Leute, die an allem rum meckern und nie zufrieden sind. So meine Erfahrung.

    Ich nehme allerdings alles, was nur geht, als besonderen Anlass wahr. Den Alltag aufzupeppen ist mir ein wichtiges Anliegen. Es wertet mein ganzes Leben auf.

    Ja in der Tanzschule war ich dann schon manchmal etwas irritiert und habe gedacht ich bin overdressed. Aber das hat sich geändert. Wir tanzen jetzt in einem Level, da ist ein sehr schönes Paar mit dabei und sie zieht immer, egal wann und wo wir tanzen, ganz besonders hübsche Kleider an. Seitdem richten sich fast alle aus dem Kurs danach. Das steckt an.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Und dass die Kinder heute alle die Möglichkeit haben Abitur zu machen, das finde ich richtig genial!

    Oftmals platzt der Knoten erst viel später. Und dann stehen einem alle Wege auch offen. Ich war auch so ein verspieltes und verträumtes Kind. Und das staatliche Schulsystem kam meinem fantasievollen Wesen gar nicht entgegen. Deswegen kann ich da wohl besser mitfühlen.

    Ich empfinde Leute, die sich darüber aufregen, dass heute alle Abitur machen können, als sehr egoistisch. Und dann sind sie am Ende schon über 50 und reden immer noch von der Zeit im Studentenwohnheim. Als ob sie nie ein anderes Leben hatten. Für mich ist diese Verhaltensweise ein sehr großes Rätsel, was ich noch nicht gelüftet habe. Diese Leute hatten praktisch nur ein Leben als Student, so treten Sie zumindest auf und muten gleichzeitig anderen zu, ohne Abi durchs Leben zu gehen. Das muss mir mal einer erklären.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von animosa Beitrag anzeigen
    Kannst du einmal Beispiele nennen, was du meinst mit sinngemäß: „wofür habe ich das alles angeschafft und habe mir diesen Stress angetan?“
    Alles irgendwie, was man vor 10, 20, 30 Jahren meinte zu brauchen oder tatsächlich brauchte. Riesige Flachbild-TV, die jetzt eingemottet sind weil sie nicht mehr dem Stand der Zeit entsprechen aber noch funktionieren, die ganzen Musikinstrumente der Kinder, Kisten voll mit Weihnachtskram, dazu noch Kisten die meine Eltern gehortet haben. Der ganze alte Krempel von früher eben. Alles zieht dann in Bildern an einem vorbei, zu jedem Gegenstand fällt einem eine Geschichte ein und man merkt, dass es einfach vorbei ist, nie wieder kommt und die Zeit einen irgendwie überholt hat. So fühlt es sich zumindest im Moment bei mir an. Ich weiß nicht, ob ich geradewegs in eine Lebenskrise schlittere oder ob das von alleine wieder vorüber geht. Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, was ich mit "Stress" meine. Vielleicht trifft es "Aufwand" besser. Man hat sich früher ein Bein ausgerissen, was einem heute nur noch wie eine Kleinigkeit vorkommt. Die ganzen Geburtstage, Weihnachtsfeste, Ostern, etc. die man ausgerichtet hat, die ganzen Urlaube die geplant werden mussten, die ganzen Aktivitäten. Die Jungs sind jetzt groß ( 14 und 19 ) und mit sich selbst bzw. mit der Freundin beschäftigt, die Eltern tot, die Familie zerstritten und man sitzt jetzt irgendwie da und hat das Gefühl einmal im Kreis gelaufen zu sein. Zurück auf Los sozusagen, man ist währenddessen nur 30 Jahre älter geworden. In dem Kontext erscheint mir vieles irgendwie sinnlos, auch wenn es das ganz sicher nicht war!

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Ich beneide die junge Generation um gar nichts. Hin und wieder tut sie mir leid, denn ich habe als Kind noch absolute Freiheit genossen ohne Handyüberwachung und Helikoptereltern. .
    Früher gab es doch auch schon Kontrolle, die Mechanismen und Maßnahmen waren nur andere. Hat man sich nicht an die abgesprochenen Zeiten gehalten, gab es eine schallende Ohrfeige und anschließendes Ausgehverbot. Danach hat man sich zweimal überlegt, ob man beim nächsten mal besser pünktlich ist und sich an die Regeln hält. Ganz davon ab hat meine Eltern nie interessiert was ICH wirklich wollte oder was mir Spass gemacht hätte. Ich wollte gerne reiten, durfte ich nicht, dafür in den Tennisverein, weil das damals Mode war und sie wahrscheinlich damit angeben konnten im Bekanntenkreis. Ich wollte Klavier spielen, bekam aber nur Gitarrenunterricht, ist günstiger ( nicht, dass wir uns es nicht hätten leisten können ) und reicht für mich ja auch. Ich wollte aufs Gymnasium, wurde aber auf der Realschule angemeldet, den Grund dafür werde ich nie erfahren, ich war dort immer unterfordert. Rückblickend auch eine Form von Kontrolle und helikoptern, nur in die andere Richtung. Heute ist es bei manchen Kindern das andere Extrem und ja, diese Kinder können einem auch wiederum leid tun.

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    AW: War früher alles sinnlos? Werde ich langsam "alt"?

    Zitat Zitat von Daliah- Beitrag anzeigen
    Manches hat meiner Meinung nach auch seinen Zauber verloren.
    Man zog sich in die Oper, ins Theater gut an. Manche tun es ja noch. Und ich bin dabei.
    Ein sehr gutes Beispiel, das ist auch so ein Punkt bei dem ich mich inzwischen doch arg konservativ fühle, was früher einfach Normalität war. Es ist alles so "egal" geworden, nichts besonderes mehr. Man kann heute vom Sofa aufstehen wie man ist und das Haus verlassen, egal ob in die Oper oder nur kurz zum Kiosk.

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