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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Ich bin U50 und habe seit meiner Trennung enorme Probleme, mich emotional ans alleine Leben zu gewöhnen. Ich bin von grundauf unabhängig und genieße das sehr. Ich genieße alle Freiheiten und habe auch vielseitige Interessen und Aktivitäten. Ich bezeichne mich selbst gar nicht als alleinelebend, sondern als alleine wohnend. Denn ich lebe absolut nicht alleine, ich müßte außer der Schlafenszeit keine Minute alleine verbringen. Daher verstehe ich selbst nicht ganz, was mich so schmerzt. So wie es ist, ist es gut, sehr gut, aber wie du beschreibst, dieser Gedanke, ich werde wahrscheinlich alleine alt, das schmerzt mich und paßt so gar nicht zu dem Rest. Ich bin deutlich jünger als du und empfinde es ebenfalls als so endgültig. Vielleicht ist es das weder für dich noch für mich, aber es fühlt sich so an und macht das ganze mühsam und traurig. Schade drum.

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Ich habe nach meiner Trennung/Scheidung ca. viereinhalb Jahre allein gewohnt und in dieser Zeit für mich festgestellt, dass sich das für mich das nicht gut anfühlt. Ich spreche jetzt nicht von allein „sein“, heißt irgendwie vereinsamt, sondern nur vom Wohnen. Ich habe bei mir bemerkt, dass ich anfing, bestimmte Marotten zu entwickeln und irgendwie, z. B. bei Übernachtungsbesuch, unflexibel zu werden. Es fing an mich zu stören, wenn meine Ordnung durcheinander gebracht wurde.

    Meine neue Beziehung wurde in dieser Zeit langsam verbindlicher, aber über Zusammenleben hatten wir noch nicht nachgedacht. Mein Partner schon gar nicht, weil er sein ganzes Leben lang eher Fernbeziehungen geführt und fast immer allein gewohnt hatte (seine Erfahrungen mit dem Zusammenleben waren auch nie besonders gut oder langfristig).

    Als für mich feststand, dass ich nicht allein wohnen möchte, habe ich mir eine, für mich auch allein bezahlbare, Zweier-WG-taugliche Wohnung gesucht. Meine Überlegung war, entweder zieht mein Partner mit ein, und wenn er das nicht will (was in Ordnung gewesen wäre), hätte ich mir eine/n Mitbewohner/in gesucht. Nach ein paar Monaten „Probewohnen“ unter Beibehaltung seiner eigenen Wohnung ist mein Partner dann miteingezogen, was für mich schon die schönste Lösung war. Wir wohnen aber auch nach vielen Jahren teilweise WG-mäßig, heißt, unsere Alltagsgewohnheiten sind nicht so sehr verzahnt und auf Gemeinsamkeit abgestimmt, und außer Küche. Bad und Flur gibt es keine Räume, die wir als gemeinsame betrachten.

    Ich hätte sonst die WG-Variante mit einer/m anderen Mitbewohner/in probiert, ob das geklappt hätte, weiß ich nicht. Das Gefühl nicht allein wohnen zu wollen, hat mich bei mir selbst auch überrascht. Ich bin als Einzelkind in einem Elternhaus mit relativ wenig Außenkontakten aufgewachsen, das Familienleben mit Mann und drei Kindern war mir oft viel, viel zu dicht. Aber für’s so ganz allein vor sich hin wursteln bin ich dann doch nicht gemacht.

    Es ist einfach eine Entscheidungssache, wie man leben will. Einfach mal längere Zeit in sich hineinfühlen und dann ausprobieren, wohin es einen zieht.

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    @spreefee

    Ja, da fühlen wir ähnlich, denke ich. Ist wohl auch in gewisser Weise altersunabhängig. Und ich habe überlegt, warum das so ist.
    Meiner Meinung nach liegt es daran, dass wir Menschen eben soziale Wesen sind, Gruppenwesen. Wir geraten in Panik, wenn wir von der Herde getrennt sind. Wir können sozusagen nicht überleben ohne die Gruppe und ihre darin geltenden Regeln.
    Und wenn sich eine Lebenssituation so anfühlt, als sei man getrennt von "der Gruppe" (denn so scheint es ja, als wäre man selbst 'allein' und alle anderen um einen herum sind in glücklichen Beziehungen aufgehoben und die, die das nicht sind, haben kein Problem damit, so die Wahrnehmung), dann kommt man ins Grübeln und hat eine merkwürdige Selbstwahrnehmung.

    Ich halte mich für einen reflektierten Menschen und mir ist vom Verstand her völlig klar, dass es Blöd- und Schwachsinn ist, sich in diesem Selbstmitleid zu suhlen. Ich fühle mich gespalten. Einerseits g e n i e ß e ich meine eigenen 4 Wände, ich habe mich über die Jahre so oft danach gesehnt, einfach nur für mich sein zu können. Und jetzt sehne ich mich nach jemandem, der da ist, auf mich wartet und mich in den Arm nimmt nach einem anstrengenden Tag.

    Was soll mir das sagen? Wohl, dass es besser ist, sich mit dem Hier und Jetzt zu versöhnen und vor allen Dingen nicht erwarten, dass von heute auf morgen alles so klappt, wie ich mir das vorstelle.
    Ja, das ist die gute alte Theorie, während in der Praxis...

    Danke @Brighid für den Kalenderspruch mit dem Gras, das nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Auch dass das Gras in Nachbars Garten immer grüner ist, passt hier auch ganz gut :-)

    und auch danke @roderic für das schöne Bild mit dem Schmetterling und der Raupe. Ich will definitiv ein Schmetterling sein und werde eben versuchen, in diesem unbequemen und engen Kokon noch ein Weilchen auszuhalten :-)

    Gerne aber würde ich hier ein wenig mit Euch schreiben. Oder einfach mal hin und wieder Befindlichkeitsmeldungen geben. Ich weiß, auch von meinen Freundinnen, die in ähnlichen Lebenssituationen sind (2 sind fest liiert, wohnen aber mit ihren jeweiligen Freunden nicht zusammen, die andere lebt allein und hat schon seit vielen Jahren keine feste Beziehung), dass der Austausch immer ganz gut tut. Das merke ich auch hier. Und es fällt mir hier einfach leichter, in der Anonymität, mal zu jammern und zu sagen, dass ich mich wie das letzte, verlassene Einhorn fühle auf der Welt.

    Vielleicht laufen hier ja auch ein paar Einhörner herum... :-)

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Vielen Dank @Lea1958 für Deinen "Lagebericht"! Damit kann ich viel anfangen.
    Wie ich vorhin schon schrieb: ich bin wirklich gespalten. Die vielen Jahre im Familienverbund, auch mit neuem Lebensgefährten, das war mir eigentlich zuviel, obwohl ich das keineswegs bereue. Ich fand es wunderbar, meine Kinder großzuziehen.
    Aber jetzt fängt einfach auch für mich ein neuer Lebensabschnitt an und wie Du sagst: es ist meine Entscheidung, wie ich leben will.

    Mit Deinem Modell könnte ich mich - glaube ich - gut arrangieren. So schön ich das ganz alleine leben momentan finde, ich glaube, auf längere Sicht ist das für mich nicht das Wahre.
    Andererseits habe ich Berührungsängste bei dem Gedanken an eine WG. Ich habe in fernen Studienzeiten schon schlechte Erfahrungen gemacht mit dem Wohnen in einer WG. Es muss natürlich nicht schiefgehen. Aber am ehesten könnte ich es mir auch mit einem Partner vorstellen und wenn mit Partner, dann sehr gerne so wie bei Dir. Das wäre auch meine Idealvorstellung.

    Wahrscheinlich muss man diverse Modelle einfach mal in sich bewegen oder mal sehen, wie andere das handhaben. Man kann sich davon auch Anregungen holen.

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Zitat Zitat von Sonnengoldgelb Beitrag anzeigen

    Ich hoffe nur, dass ich irgendwann nicht so eigenbrötlerisch werde, dass ich nicht mehr partnerschaftskompatibel bin...

    werde Du selbst, authentisch! dann strahlst Du Freude und Lebenszufriedenheit aus und das ist attraktiv!

    Zitat Zitat von Sonnengoldgelb Beitrag anzeigen

    Vielleicht laufen hier ja auch ein paar Einhörner herum... :-)
    ja, ich
    Geändert von 1a2b (27.08.2020 um 09:08 Uhr)

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Zitat Zitat von spreefee Beitrag anzeigen
    .....aber wie du beschreibst, dieser Gedanke, ich werde wahrscheinlich alleine alt, das schmerzt mich und paßt so gar nicht zu dem Rest. Ich bin deutlich jünger als du und empfinde es ebenfalls als so endgültig. Vielleicht ist es das weder für dich noch für mich, aber es fühlt sich so an und macht das ganze mühsam und traurig. Schade drum.
    das muss nicht so sein- ich kenne das sehr gut...

    habe mich damit arrangiert und glaube, sobald ich das wirklich ganz und gar akzeptiert habe, wird sich das Blatt wenden
    - aber nicht im Sinne von wenn---dann...
    Geändert von 1a2b (27.08.2020 um 09:09 Uhr)

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Zitat Zitat von Sonnengoldgelb Beitrag anzeigen

    Ich halte mich für einen reflektierten Menschen und mir ist vom Verstand her völlig klar, dass es Blöd- und Schwachsinn ist, sich in diesem Selbstmitleid zu suhlen. Ich fühle mich gespalten. Einerseits g e n i e ß e ich meine eigenen 4 Wände, ich habe mich über die Jahre so oft danach gesehnt, einfach nur für mich sein zu können. Und jetzt sehne ich mich nach jemandem, der da ist, auf mich wartet und mich in den Arm nimmt nach einem anstrengenden Tag.


    alles hat seine Zeit!
    Werte "Selbstmitleid" nicht ab, gestatte es Dir einige Zeit!

    Und lass die Sehnsucht zu...
    alles darf sein!

    Bewerte nichts, akzeptiere die Gefühle so, wie sie da sind!

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Wenn ich (noch nicht ganz 50) in Endzeitstimmung gerate (ich wohne allein mit zwei Teenies, die aber im Grunde auch bald flügge sind), denke ich an meine Oma. Die ist mit Mitte 50 Witwe geworden und hat nie wieder einen Partner gehabt, ob sie das hätte wollen, weiß ich nicht. Sie ist 93 Jahre alt geworden und war davon 92 Jahre ziemlich fit, vor allem geistig. Sie ist mit 80 zum ersten Mal geflogen, nach Paris mit ihrer (einer anderen) Enkelin. Da meinten einige schon, sie sei doch zu alt für sowas. Da lagen noch 12 Jahre gutes Leben vor ihr! Sie war auch öfter einsam, weil sie ihre Freunde nach und nach auf dem Friedhof besuchen konnte... (und sie konnte darüber auch lachen, sie hat ihren Witz nie verloren).

    Naja, also ich denke an meine Oma und dann: hey, wenn Du so alt wirst wie sie, hast Du noch 42 gute Jahre vor Dir. Also Arsch hoch. Das hilft mir echt oft, wenn ich mich gräme, dass das mit der Silberhochzeit wohl nix mehr wird in meinem Leben.

    Du bist jetzt 57, nach meiner Oma-Rechnung ;-) wären das auch noch 35 richtig gute Jahre. Da kannst Du noch ziemlich viele Lover finden, die halbe Welt bereisen oder die ganze, Firmen gründen, Spaß haben. Und ne Silberhochzeit wär auch noch drin ;-)

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Zitat Zitat von ja-aber Beitrag anzeigen

    Naja, also ich denke an meine Oma und dann: hey, wenn Du so alt wirst wie sie, hast Du noch 42 gute Jahre vor Dir. Also Arsch hoch. Das hilft mir echt oft, wenn ich mich gräme, dass das mit der Silberhochzeit wohl nix mehr wird in meinem Leben.
    coole Selbstermutigung!

    ich denke mal nur so funktioniert es - im Wechsel mit Selbstmitleid etc....
    Zitat Zitat von ja-aber Beitrag anzeigen
    Und ne Silberhochzeit wär auch noch drin ;-)
    Liebe @Sonnengoldgelb, wenn das mal keine Perspektive ist

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    AW: Wie gewöhnt man sich an das alleine leben?

    Ich muss nochmal auf das Wort "Endzeitstimmung" von @ja-aber zurück kommen, das trifft es nämlich ganz gut.
    Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass man mit Mitte/Ende50 bereits zum alten Eisen gehörte.
    Dass man mit Eintritt ins Rentenalter gar noch 1/3 Leben vor sich hat, ist ja eine Errungenschaft der letzten 5-10 Jahre. Phänomen Greta Silver, sage ich nur.

    Apropos Greta Silver. Ich habe mich mit ihr auch schon mal näher beschäftigt, in ihre Youtube-Videos reingeschaut. Aber irgendwie nervt mich diese Art, immer zu strahlen und die Demonstration guter Laune. Ich finde mich in ihr nicht wieder. Am meisten kann ich noch anfangen mit ihrer Aussage, dass die Zeit von 60 - 90 genauso lang ist, wie von 30 - 60. Und dass man, anders als mit 30, die Familienplanung, Kinderaufziehen etc. schon hinter sich hat und nochmal neu durchstarten kann.

    Wenn da nicht die Gesellschaft wäre, sag ich mal ganz unbedarft. Zwar dürfen die älteren/alten Menschen gerne Geld ausgeben, um mittels Konsumgütern, Therapien und sonstigen Mitteln und Methoden möglichst jugendlichen Lifestyle zu pflegen, aber die Voraussetzungen dafür verwehrt man ihnen. Wenn man sich ansieht, wieviel Rente unter dem Strich für die meisten von uns übrig bleibt, dann wäre es wahrscheinlich besser, man würde am letzten Arbeitstag auch gleich das Ableben miteinplanen.

    Ich habe jetzt sehr weit ausgeholt und grob verallgemeinert. Natürlich kann man nicht alles und jeden über einen Kamm scheren. Aber diese Gedanken über mein Älterwerden kreisen auch ab und an in meinem Kopf.
    Ich glaube zu merken, dass sie das Thema "älter werden" und auch "alt sein" allmählich ändert im gesellschaftlichen Diskurs. Das finde ich auch gut. Aber dennoch klaffen da Wollen und Sein noch ziemlich weit auseinander. Wir sind noch nicht aus der Zeit des Jugendlichkeitswahns heraus.
    Geändert von Sonnengoldgelb (27.08.2020 um 14:35 Uhr)

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