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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Hallo 555nase,

    ich erkenne mich in einigem, was du schreibst, wieder.
    Ich bin auch in meinen 50ern, auch chronisch krank und hatte bis vor kurzem Verantwortung für zwei Angehörige. Meine pflegebedürftige Mutter ist Ende letzten Jahres gestorben, jetzt kümmere ich mich noch um meinen schwerbehinderten Bruder.

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    Seit 20 Jahren sind sie - mal mehr, mal weniger - "betreuungsintensiv" .. nicht im Sinne von direkter Pflege, aber so, dass ich immer der erste Ansprechpartner bin und immer parat stehen muss. Sie waren soweit immer selbstständig, eigentlich, haben allein gewohnt … aber ständig irgendwie krank und irgendwie kam belastend zu dem tatsächlichen Aufwand mit ihnen auch vor allem immer noch die Sorge, wie das mal alles wird …
    So ähnlich ging es mir auch - allerdings war mein Vater schon länger verstorben und es konzentrierte sich alles auf meine Mutter, die nach diversen Stürzen und anschließenden OPs immer hinfälliger wurde und bei der es gegen Ende auch geistig immer mehr in Richtung Demenz ging.
    Glücklicherweise hatte ich nach dem dritten Sturz eine osteuropäische Pflegerin engagieren können, aber alles außer der direkten Pflege war bei mir angesiedelt: Alle Bürokratie rund um Kranken- und Pflegeversicherung, Organisation der Pflegerinnen, alles rund um das Haus, überhaupt jeder Schriftkram, sei es nun Banken, Versicherungen..., und natürlich die Orga rund um Ärzte, Krankenhaus etc.
    Meine Mutter war einigermaßen einsichtig, aber man merkte auch zunehmend dass andere, auch ich, in ihrer Welt nicht mehr vorkamen, außer im Hinblick darauf, was sie für sie tun könnten/müssten/sollten. Entsprechend kamen auch ihre Anrufe - ich möge doch mal vorbeikommen, wegen eines Arzttermins am nächsten Tag (ich bin voll berufstätig, lebe 180 km entfernt und den Arzttermin gab es gar nicht).

    Meine Lebensfreude ist völlig dahin. Es gibt nichts, worauf und worüber ich mich freuen kann. Alles dreht sich nur um meinen Vater und die Gedanken und Aufregungen um ihn. Da ich selbst chronisch krank bin, brauche ich viel Ruhe und außerdem bin ich nicht mehr so aktiv - so dass mir auch entsprechende positive Aspekte in meinem Leben als Ausgleich fehlen. Ich arbeite noch, halbtags - das strengt mich krankheitsbedingt natürlich auch oft an, aber wenigstens habe ich in den Stunden Ruhe vor meinem Vater und bin gedanklich abgelenkt.
    Klingt (nach meinem laienhaften Eindruck) nach einer Erschöpfungsdepression.

    Was mich auch so belastet und traurig macht … ich fühle mich so "böse". Ich war mein Leben lang eine "liebe Tochter" und habe meinen Eltern ein schönes Leben ermöglicht (nach meinen Möglichkeiten) … aber jetzt, wo mein Vater wirklich meine Hilfe braucht, da kann ich irgendwie nicht mehr …
    Kenn ich auch. Viele Jahre hat bei mir - teils auch geschürt durch meine Eltern - der Gedanke vorgeherrscht, ich müsse meine Eltern "entschädigen" für die Enttäuschungen mit meinem Bruder, dass sein Leben überhaupt nicht so gelaufen ist, wie sie es sich gewünscht hätten oder wie auch er es gewollt hätte (er ist chronisch psychisch krank).
    Insofern habe ich auch bis auf die physische Pflege sehr viel für meine Mutter und meinen Bruder gemacht.

    Kann mich jemand verstehen - und mir ggf. Tipps geben?
    Ja, kann ich sehr gut.

    Ein paar Gedanken dazu, die mir geholfen haben:

    • Ich habe auch eine Verantwortung für micih, nicht nur für sie
    • Ich bin nicht schuld am Leiden meiner Mutter und der Krankheit meines Bruders und muss daher auch nichts "wiedergutmachen"
    • Ich übernehmemit zunehmender Hilflosigkeit meiner Mutter zunehmend so etwas wie eine Elternrolle. Das heißt: es gibt Entscheidungen, die ich treffe, die meiner Mutter nicht gefallen. Aber das müssen sie auch nicht. Ein Kind bekommt auch nicht jedes Eis, das es will. Weil die Eltern das so entscheiden.
    • Es gibt keine Lösung, die alle zufriedenstellt, das muss sie auch nicht..
    • Wer nichti dement ist, trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen mit allen Konsequenzen. Wer dement ist, für den entscheide ich.


    Kannst du mit diesen Gedanken etwas anfangen?
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Liebe 555nase,

    die guten Antworten stehen schon oben, ich schicke Dir eine Portion Verständnis, Mitgefühl und den Wunsch, Dich ab soofort gut um Dich zu kümmer : Selbstfürsorge (lernen und wie Vokabeln üben) heisst das Zauberwort

    Sonst liegst Du vor oder gleich mit Deinem Vater im Grab

    Falls nicht, bist Du soo erschöpft, das der Rest deines dann folgenden Lebens aus Erschöpfung aus den Jahren davor besteht und nicht mal eben weg geht
    Es wird Zeit für eine neue Signatur

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Hallo und guten Morgen!

    Vielen Dank für eure ausführlichen und verständnisvollen Antworten!!!

    Es tut schon so gut zu lesen, dass man nicht allein ist - und nicht irgendwie sonderbar tickt. Man liest ja so oft von Frauen, die ihre Eltern pflegen - und ich bin dann immer so irritiert und geschockt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die das alles so "einfach" können … und ich kann das nicht … !? Wenn es so wäre, wie ich manchmal lese - dass manche ihren Job aufgeben und Tag und nach bei Vater oder Mutter sind … !? Das würde ich weder psychisch noch physisch ertragen … da wäre mein Leben zu Ende … da könnte ich gleich gegen den nächsten Baum fahren … !

    So ist es - mein Vater ist wie ein kleines Kind. Er ist ja nicht dement im engeren Sinne - aber er versteht trotzdem nichts. Unterhaltungen sind nicht mehr möglich bzw. drehen sich nur um die gleichen 3 Themen und in denen wiederholen sich immer die 3 gleichen Sätze … ihn erreicht und interessiert auch nichts mehr, wenn dann nur seinen eigenen Dinge aber nichts von außen. Ich könnte sagen, dass bei uns im Wohnzimmer der Kaiser von China sitzt und Kaffee trinkt … er würde nur sagen "soooo viele Autos auf der Straße, wohin soll das nur führen!?!?" oder so ähnlich.

    Was er versteht bzw. was noch bei ihm ankommt, sind emotionale Schwingungen - wenn man genervt ist, oder innerhalb der Familie Streit hat oder so. Aber das macht die Sache nicht besser, weil er dann gleich ganz ausrastet - obwohl die Ursache gar nicht so schlimm ist. Ich zerstreite mich ja nicht bis aufs Blut mit Mann oder Bruder oder Kindern, nur weil man sich mal anmeckert. Aber wenn mein Vater das mitbekommt, dann ist gleich großes Drama. Aber dieses ewige Schauspielern - und überlegen, was man so sagt - und nie auch mal was ihm gegenüber ansprechen können (was er auch verstehen würde und was zur Klärung und Besserung mancher Situation beitragen würde) - das ist so wahnsinnig anstrengend und kräftezehrend.

    Ich hatte mir schon vor einiger Zeit Hilfe geholt - wegen eines anderen familienbedingten Stress-Problems. Damals habe ich die Erfahrung gemacht, dass es unheimlich schwer ist. Ich war einige Zeit in Therapie und fand es absolut Banane. Da hätte ich mich auch vor den Spiegel setzen können - und hätte mir sinnvolleres erzählt. Sorry. Ich weiß, dass das vermutlich ein Einzelfall war - bzw. habe ich 3 Psychologen kennengelernt - aber ich habe gerade echt nicht den Nerv und die Kraft, mich darauf neu einzulassen.

    Und ich kenne ja auch mein Problem - es ist zwar eine "mittelschwere Depression" bei mir diagnostiziert worden, aber die kommt bei mir nicht von innen aus mir heraus - sondern von außen. Würde man diese Faktoren abstellen, dann geht es mir prima.

    Natürlich - so eine Therapie würde mir im günstigen Fall eine Hilfestellung bieten, mir etwas in die Hand geben, um mit diesen Situationen besser klar zu kommen. Aber eigentlich ging es immer nur um "Abgrenzung", "Nein-Sagen", "Hilfe-Holen" … usw. Das ist alles gut und richtig und wichtig - keine Frage. Und das versuche ich schon lange - mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Aber es ist halt nicht so einfach, wenn es die direkten Angehörigen betrifft - für die man doch eine gewisse Verantwortung trägt, davon kann man sich nicht frei machen.

    Und vor allem - würde man es tun - sich abgrenzen, nein-sagen usw - würde es einem dann tatsächlich besser gehen? Ich habe da meine Zweifel. Wenn mein Vater mich anruft und sagt, es würde ihm so schlecht gehen und ich solle mal kommen … kein echter Notfall, aber wer weiß das schon … und ich würde nicht fahren sondern sagen "ich kann jetzt nicht, wenn es ganz arg wird, drück deinen Notfallknopf!" - dann würde ich auch keine ruhige Minute haben, mich vielleicht durch den Tag oder schlaflos durch die Nacht schleppen und mir nur Sorgen und Selbstvorwürfe machen und ein schlechtes Gewissen haben. Das kann man so schlecht abstellen. Und dann wäre es letztendlich für mich stressfreier gewesen, schnell hinzufahren und nach dem Rechten zu sehen … und danach Ruhe zu haben.

    Ach, es ist alles so schwer.
    Als mein Vater wenig älter als ich war, 60, da war er schon in Rente und hatte ein herrliches Leben - noch über 30 Jahre lang bis jetzt. Er hatte keinerlei Sorgen - keine alten Eltern mehr (schon verstorben), die Kinder selbstständig und aus dem Haus. Er hatte für nix und niemanden Verantwortung oder Mühe oder Aufwand. Meine Eltern haben nicht einen einzigen Tag irgendwen pflegen oder versorgen müssen in ihrem Leben (außer uns als Kinder, aber das ist ja normal und mit 18 waren wir quasi "fertig") … die kennen das gar nicht. Vermutlich haben sie sich deshalb nie Gedanken gemacht!? Das finde ich so egoistisch - und das ärgert mich auch so. Sich nie Gedanken zu machen - und alles auf die Kinder zu schieben!!!??? Naja, jetzt ist der Drops eh gelutscht - jetzt kann ich daraus nur Lehren für mein eigenes Leben und Alter ziehen …

    Schönen Tag für euch!
    Liebe Grüße ... von der Nase ...

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    Und vor allem - würde man es tun - sich abgrenzen, nein-sagen usw - würde es einem dann tatsächlich besser gehen? Ich habe da meine Zweifel.
    Alleine aus dieser Aussage schließe ich, dass Du eigentlich gar nichts ändern
    möchtest.

    In Deinem EP hast Du nach Tipps gefragt, und es wurden auch einige genannt.
    Darauf bist Du leider überhaupt nicht eingegangen.

    Um die Situation besser zu verstehen, wäre es auch hilfreich, sie so darzustellen,
    dass man sich konkret etwas darunter vorstellen kann.

    Nicht aus Neugier, sondern aus Verständnisgründen hatte ich Dir ja auch einige
    Fragen gestellt. Selbstverständlich gibt es keine Antwortpflicht ;) - aber es wäre
    dennoch nett, wenn Du etwas dazu sagen könntest.


    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Was sind "Stressthemen" konkret?

    Die täglichen Anrufe (Du rufst ihn an? Oder er Dich?) sind vermutlich zu einer Art Fixpunkt
    für Deinen Vater geworden, auf die er wahrscheinlich nicht so gerne verzichten möchte. Ich gehe
    mal davon aus, dass er einsam ist bzw. sich sehr einsam fühlt ...?

    Ich würde wohl diese Telefonate beibehalten, aber versuchen, die Gespräch zu steuern
    und sie zeitlich einzugrenzen.

    Wie oft besuchst Du ihn?

    Was meinst Du mit "total hilflos"?

    Und in wie fern unterstützt Dich Dein Mann?

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Ich konnte jetzt auch nicht herauslesen, ob Du irgendwelche Tipps mitgenommen hast oder Dich nur mal ausk*tzen wolltest.

    Wenn Dein Vater sich schon mit bestimmten Themen auseinander setzen möchte, solltest Du für Dich selbst wenigstens klar sein. Wichtig ist doch die Frage, ob Du im Fall der Fälle BEREIT und in der Lage wärest, Deinen Vater wirklich zu pflegen.

  6. Moderation

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    ...Aber dieses ewige Schauspielern - und überlegen, was man so sagt - und nie auch mal was ihm gegenüber ansprechen können (was er auch verstehen würde und was zur Klärung und Besserung mancher Situation beitragen würde) - das ist so wahnsinnig anstrengend und kräftezehrend....

    ... Ich hatte mir schon vor einiger Zeit Hilfe geholt - wegen eines anderen familienbedingten Stress-Problems. Damals habe ich die Erfahrung gemacht, dass es unheimlich schwer ist. Ich war einige Zeit in Therapie und fand es absolut Banane. Da hätte ich mich auch vor den Spiegel setzen können - und hätte mir sinnvolleres erzählt. Sorry. Ich weiß, dass das vermutlich ein Einzelfall war - bzw. habe ich 3 Psychologen kennengelernt - aber ich habe gerade echt nicht den Nerv und die Kraft, mich darauf neu einzulassen.

    Und ich kenne ja auch mein Problem - es ist zwar eine "mittelschwere Depression" bei mir diagnostiziert worden, aber die kommt bei mir nicht von innen aus mir heraus - sondern von außen. Würde man diese Faktoren abstellen, dann geht es mir prima.

    ... Therapie würde mir im günstigen Fall eine Hilfestellung bieten, mir etwas in die Hand geben, um mit diesen Situationen besser klar zu kommen. Aber eigentlich ging es immer nur um "Abgrenzung", "Nein-Sagen", "Hilfe-Holen" … usw. Das ist alles gut und richtig und wichtig - keine Frage. Und das versuche ich schon lange - mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Aber es ist halt nicht so einfach, wenn es die direkten Angehörigen betrifft - für die man doch eine gewisse Verantwortung trägt, davon kann man sich nicht frei machen.

    Und vor allem - würde man es tun - sich abgrenzen, nein-sagen usw - würde es einem dann tatsächlich besser gehen? Ich habe da meine Zweifel. Wenn mein Vater mich anruft und sagt, es würde ihm so schlecht gehen ... - dann würde ich auch keine ruhige Minute haben, mich vielleicht durch den Tag oder schlaflos durch die Nacht schleppen und mir nur Sorgen und Selbstvorwürfe machen und ein schlechtes Gewissen haben. Das kann man so schlecht abstellen. Und dann wäre es letztendlich für mich stressfreier gewesen, schnell hinzufahren und nach dem Rechten zu sehen … und danach Ruhe zu haben.

    Ach, es ist alles so schwer...:

    In der systemischen Kurzzeit-Therapie von DeShazer/Kim Berg gibt es für Klienten mit einer Haltung wie deiner den Begriff „Klagende“: das Leben wäre angenehm und gut, wenn die anderen anders wären, als sie sind.

    In Abgrenzung zu „Kunden“, die ihre Herangehensweise ans Leben, die anderen Menschen, die Probleme verändern wollen und bereit sind, Haltungen und Gewohnheiten aufzugeben, damit es ihnen besser geht.


    Es ist okay, eine solche Haltung zu haben und sich durch das „Klagen“ zu entlasten. Solange man weiß, dass es das ist, was man tut. Solange man seinen eigenen Beitrag zur Situation auch sieht.


    Von außen scheint es so, als sei eine emotionale nicht-Abgrenzung in eurer Familie üblich, vielleicht sogar zum Selbstbild dazugehörig: „gute Tochter“, „wir kümmern uns umeinander „ usw. Das sind Haltungen, die bei höherer Belastung dann oft depressiv gelöst werden. Weil da halt vieles ungelebt bleibt. Das schmerzt. Und weil diese Lebensweise auch viel Wut aufkommen lässt, die nicht da sein darf, aber eine wichtige Selbstabgrenzung wäre.

    Wenn du letztlich sagst, ich will nicht anders sein, als ich immer war, dann ist das auch eine gültige Position. Die du wählst, und damit den Status quo letztlich auch akzeptierst.

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    Und vor allem - würde man es tun - sich abgrenzen, nein-sagen usw - würde es einem dann tatsächlich besser gehen? Ich habe da meine Zweifel. Wenn mein Vater mich anruft und sagt, es würde ihm so schlecht gehen und ich solle mal kommen … kein echter Notfall, aber wer weiß das schon … und ich würde nicht fahren sondern sagen "ich kann jetzt nicht, wenn es ganz arg wird, drück deinen Notfallknopf!" - dann würde ich auch keine ruhige Minute haben, mich vielleicht durch den Tag oder schlaflos durch die Nacht schleppen und mir nur Sorgen und Selbstvorwürfe machen und ein schlechtes Gewissen haben. Das kann man so schlecht abstellen. Und dann wäre es letztendlich für mich stressfreier gewesen, schnell hinzufahren und nach dem Rechten zu sehen … und danach Ruhe zu haben.
    Besser gehen könnte es Dir, wenn Du erkennst, dass es "Methode" hat, um Dich dazu zu bringen, zu ihm zu kommen? Du könntest auch freundlich sagen, dass es im Moment ganz schlecht ist (ohne große Begründung/Rechtfertigung) und was denn sei. Für den wirklichen Notfall lese ich, ist vorgesorgt.

    Wenn Du Dich selbst so unter Druck setzt mit der "Verantwortung" Deinem Vater ggüber, müsstest Du rein theoretisch wirklich dort dauerpräsent sein und zwar Tag und Nacht. Dies verhindert aber nicht, dass er auch im Bett sterben kann, vielleicht sogar zuvor nach Dir gerufen hat und Du hast es nicht gehört, weil auch Du schlafen musst.

    Bei Deinen Worten habe ich so das Gefühl, dass Du mit Dir ringst, dass er ja vielleicht sterben könnte, nur weil Du nicht gekommen bist (es könnte ja doch etwas Ernstes gewesen sein).

    Du wirst es aber nicht verhindern können, dass er eines Tages stirbt (wie und unter welchen Umständen nun auch immer).

    Letztlich entnehme ich aber Deinen Worten auch, dass der "Abnabelungsprozess" bei Euch nicht so wirklich vonstatten gegangen ist. Denke auch, dass es dafür jetzt zu spät ist.

    Dann musst Du wohl so weitermachen.

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    In der systemischen Kurzzeit-Therapie von DeShazer/Kim Berg gibt es für Klienten mit einer Haltung wie deiner den Begriff „Klagende“: das Leben wäre angenehm und gut, wenn die anderen anders wären, als sie sind.
    Danke für den interessanten Input.

    Hier bedarf es wohl der Fähigkeit, sehr gut differenzieren zu können zwischen
    (schicksalhaftem) Fremdanteil und eigenem, selbst verursachtem Anteil.


    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    Wenn mein Vater mich anruft und sagt, es würde ihm so schlecht gehen und ich solle mal kommen
    Ich greife das hier ebenfalls nochmal auf, weil ich keine Vorstellung davon habe,
    wie oft das der Fall ist, dass er Dich direkt bittet.

    Du schriebst ja wörtlich, Dein Vater sei nicht krank.
    obwohl er überhaupt nicht krank ist, keine Schmerzen hat oder so
    Also "schlecht gehen" bezieht sich wohl eher auf seine emotionale Befindlichkeit
    und - wie ich eben vermute - auf seine Einsamkeit?


    Als mein Vater wenig älter als ich war, 60, da war er schon in Rente und hatte ein herrliches Leben - noch über 30 Jahre lang bis jetzt. Er hatte keinerlei Sorgen
    Du willst damit wohl sagen, dass es Dein Vater weitaus besser hatte als Du es hast.
    Ich mag mich täuschen, aber für mich klingt da durchaus Missgunst durch, wahrscheinlich
    verbunden mit der Wahrnehmung, wie unfair das Leben Dir, der sich Aufopfernden, mitspielt.

    Sicher schwer, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen.

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Du willst damit wohl sagen, dass es Dein Vater weitaus besser hatte als Du es hast.
    Ich mag mich täuschen, aber für mich klingt da durchaus Missgunst durch, wahrscheinlich
    verbunden mit der Wahrnehmung, wie unfair das Leben Dir, der sich Aufopfernden, mitspielt.

    Sicher schwer, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen.
    Das sehen die Älteren nicht. Unsere Eltern haben auch niemanden pflegen müssen. Meine Mutter hat ihre Mutter lediglich ab und an im Pflegeheim besucht (mein Vater ist irgendwann gar nicht mehr mitgegangen, Verhältnis zur SchwieMu war nie das beste). Die Versorgung mit Besuchen/Wäschepflege hat meine Tante vorgenommen. Meine Mutter stand auf dem Standpunkt, sie müsse sich ja noch um unseren Vater kümmern (meine Tante war verwitwet).

    Heute verlangt sie von uns, Dauerumtuddelung.

    Aber die Abgrenzung ist zumindest bei mir vonstatten gegangen.

    Wenn die TE aus diesem Umstand Neidgefühle hegt, ist es nachvollziehbar.

    Ob sie allerdings den Perspektivwechsel hinbekommt ist äußerst fraglich.

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    AW: alte Eltern - ich kann nicht mehr!

    Zitat Zitat von 555nase Beitrag anzeigen
    Es tut schon so gut zu lesen, dass man nicht allein ist - und nicht irgendwie sonderbar tickt. Man liest ja so oft von Frauen, die ihre Eltern pflegen - und ich bin dann immer so irritiert und geschockt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die das alles so "einfach" können … und ich kann das nicht … !? Wenn es so wäre, wie ich manchmal lese - dass manche ihren Job aufgeben und Tag und nach bei Vater oder Mutter sind … !? Das würde ich weder psychisch noch physisch ertragen … da wäre mein Leben zu Ende … da könnte ich gleich gegen den nächsten Baum fahren … !
    Das hätte ich auch schreiben können.

    Was er versteht bzw. was noch bei ihm ankommt, sind emotionale Schwingungen - wenn man genervt ist, oder innerhalb der Familie Streit hat oder so. Aber das macht die Sache nicht besser, weil er dann gleich ganz ausrastet - obwohl die Ursache gar nicht so schlimm ist. Ich zerstreite mich ja nicht bis aufs Blut mit Mann oder Bruder oder Kindern, nur weil man sich mal anmeckert. Aber wenn mein Vater das mitbekommt, dann ist gleich großes Drama. Aber dieses ewige Schauspielern - und überlegen, was man so sagt - und nie auch mal was ihm gegenüber ansprechen können (was er auch verstehen würde und was zur Klärung und Besserung mancher Situation beitragen würde) - das ist so wahnsinnig anstrengend und kräftezehrend.
    Vielleicht wäre es weniger kräftezehrend, ihn sein Drama ausleben zu lassen? Anstrengender als auf Zehenspitzen herumzulaufen, um ihn nur ja nicht aufzuregen, kann es ja auch nicht sein, oder?
    Und wenn du nicht großartig darauf eingehst, läuft sich das ja schnell tot. So wie auch Tauziehen nur funktioniert, wenn an jedem Ende des Seils einer ist, der zieht.
    Zumindest ausprobieren würde ich es mal.

    Und ich kenne ja auch mein Problem - es ist zwar eine "mittelschwere Depression" bei mir diagnostiziert worden, aber die kommt bei mir nicht von innen aus mir heraus - sondern von außen. Würde man diese Faktoren abstellen, dann geht es mir prima.
    Es gibt auch sowas wie eine "reaktive Depression". Und ja, es mag sein, dass diese Faktoren es sind, die das verursachen. Allerdings liegt es bis zu einem gewissen Grad bei dir, wie du auf diese Faktoren reagierst. Andere würden vielleicht mit Aggression reagieren. Oder noch anders.
    Und diese Faktoren sind nun mal da und du kannst sie nicht direkt ändern, sondern nur, wie du damit umgehst, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass die andere Seite dann auch nicht mehr "ihr Programm" durchziehen kann. Siehe oben, Tauziehen: wenn beide ziehen, kann das bis in alle Ewigkeit so weitergehen.
    WEnn eine Seite aussteigt, dann nicht.

    Natürlich - so eine Therapie würde mir im günstigen Fall eine Hilfestellung bieten, mir etwas in die Hand geben, um mit diesen Situationen besser klar zu kommen. Aber eigentlich ging es immer nur um "Abgrenzung", "Nein-Sagen", "Hilfe-Holen" … usw. Das ist alles gut und richtig und wichtig - keine Frage. Und das versuche ich schon lange - mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Aber es ist halt nicht so einfach, wenn es die direkten Angehörigen betrifft - für die man doch eine gewisse Verantwortung trägt, davon kann man sich nicht frei machen.
    Was genau kann dein Vater nicht mehr? Dafür trägst du, gemeinsam mit deinem Bruder, die Verantwortung.
    Dafür, dass dein Vater glücklich, zufrieden oder was auch immer ist, dafür trägst du sie nicht. Letzlich entscheidet er, wie er mit der Situation umgeht.

    Und vor allem - würde man es tun - sich abgrenzen, nein-sagen usw - würde es einem dann tatsächlich besser gehen? Ich habe da meine Zweifel.
    Probier es aus.

    Wenn mein Vater mich anruft und sagt, es würde ihm so schlecht gehen und ich solle mal kommen … kein echter Notfall, aber wer weiß das schon … und ich würde nicht fahren sondern sagen "ich kann jetzt nicht, wenn es ganz arg wird, drück deinen Notfallknopf!" - dann würde ich auch keine ruhige Minute haben, mich vielleicht durch den Tag oder schlaflos durch die Nacht schleppen und mir nur Sorgen und Selbstvorwürfe machen und ein schlechtes Gewissen haben. Das kann man so schlecht abstellen. Und dann wäre es letztendlich für mich stressfreier gewesen, schnell hinzufahren und nach dem Rechten zu sehen … und danach Ruhe zu haben.
    Wie du hier aber klingst, wie du eine Erschöpfung, deinen Überdruss etc. beschreibst, klingt es so, als hättest du nicht viel zu verlieren, als wäre das kaum noch steigerungsfähig.
    Aber letztlich musst du entscheiden, was ein bisschen weniger unerträglich ist.
    Und manchmal überraschen einen die alten Leute auch - wenn man selbst etwas anders macht, machen manchmal auch sie selbst etwas anders, weil einfach das eingefahrene Muster durchbrochen ist.
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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