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  1. Avatar von Opelius
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    ich muss overknee zustimmen. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Angehöriger verstirbt oder ob man sich in einer Trauerphase nach einer Trennung befindet. Der Verstorbene ist endgültig weg, man wird ihn nie wieder sehen oder sprechen können.

    Bei einer Trennung wäre das alles möglich, wenn man nur wollte. Letzteres geht aber immer mit tiefen Verletzungen einher, das Selbstbewußtsein ist an den Fundamenten zerstört.

    Und es passiert etwas, was schwierig zu ertragen ist: Der gemeinsame Freundeskreis zerfällt. Entweder sie entscheiden sich, nur einen von den Getrennten sehen zu wollen oder sie brechen den Kontakt völlig ab. Der Versuch einer Kontaktaufnahme zu der Familie des getrennten Partners scheitert meistens. Plötzlich wird es einsam um einen, neben den vielen Sorgen und Ängsten, die nun einmal eine Trennung mit sich bringt.

    Ratschläge von so lieben Freunden, wie Du sie als Strangeröffnerin offenbar hast, sind Versuche ihres Selbstschutzes. Man will mit Deinem Problem und solchen Problemen im allgemeinen nichts zu tun haben.

    Ich selbst habe in jungen Jahren eine Trennung nach fast 5 Jahren Gemeinsamkeit erlebt. Ich habe über 2 Jahre gebraucht, bis ich in der Lage mit irgendeiner Frau oder auch nur Kollegin ein persönliches Wort zu sprechen. Und die Zeit war nicht verloren.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Es ist sicherlich ein Unterschied zwischen Tod und Verlassenwerden.

    Für mich ist die Intensität des Schmerzes einfach sehr abhängig vom Verhältnis zu demjenigen, der da "gegangen" ist.

    Ich hab da ja eine ähnlich Frage im Persönlichkeitsforum, nämlich wie man mit sowas abschließen kann.

    Der Tod meines Mannes hat mich schmerztechnisch weniger getroffen als die zerbrochene Beziehung zu meinem Affärenmann. Der Tod meines Mannes hat mich wütend gemacht, der Abschied vom Affärenmann hat einfach nur weh getan ohne Ende.

    Die Reaktionen Außenstehender nach dem Todesfall waren sehr unterschiedlich. Da war ich aber auch sehr mit mir selbst beschäftig, weil das Leben ja weitergehen musste. Ich hab da nicht allzu viel Mitleid oder Verständnis wahrgenommen.

    Über das Andere konnte ich ja mit niemandem sprechen, da hab ich eben versucht, das mit mir selbst auszumachen. Das hat den Schmerz, glaube ich, noch verschlimmert und verlängert.

    Ungewollt verlassen werden ist auf jeden Fall schlimm, und du, liebe TE, musst dir da von niemandem vorschreiben lassen, wie lange der Schmerz dauern darf. Es steck ja schließlich keiner in deiner Haut

    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —
    Geändert von AweSomeOne (28.02.2019 um 19:38 Uhr)


  3. Registriert seit
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Zitat Zitat von AweSomeOne Beitrag anzeigen
    Für mich ist die Intensität des Schmerzes einfach sehr abhängig vom Verhältnis zu demjenigen, der da "gegangen" ist.
    Das gleichgesetzt sehe ich schon einen gewaltigen Unterschied zwischen einer Trennung und einem Todesfall. Nicht, dass man bei einer Trennung nicht trauern dürfte. Auch so lange man möchte. Aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen, mich nach einer gescheiterten Beziehung mit einer Witwe zu vergleichen.

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Aber das mit Trauer bei Tod zu vergleichen, ist für mich sehr unangenehm. Wenn jemand mir sehr naher Mensch stirbt, bin ich voller Trauer, weil derjenige nicht mehr am Leben ist, nicht mehr am Leben teilhaben kann. Unaussprechlich, wie ich ihn bedaure und betrauere. Ich betrauere den Gestorbenen.
    Liebeskummer ist meiner Meinung nach Selbstmitleid. Verständlich. Und vergänglich.
    Das sehe ich auch so.


  4. Registriert seit
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Es gibt Menschen, die näher am Leben sind und es gibt solche, deren Leben eine Art Schauspiel ist.
    Was kann man von letzteren erwarten?

  5. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Mir war das "Verständnis" von Außenstehenden eben auch einfach egal.

    Und darum geht es der TE wohl.

    Aber der Schmerz und das Leid, das sie empfindet, ist doch deshalb nicht weniger schlimm, weil sie "nur" verlassen wurde.

    Ist es besser, schlimmer oder tragischer eine Witwe zu sein?

    Ich habe das nie so empfunden!

    Es sagt nichts über den Verlustschmerz aus, den ich eben nach dem Tod meines Mannes einfach so nicht gefühlt habe, nach dem Ende der Affäre aber sehr wohl.
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —


  6. Registriert seit
    08.07.2005
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Zitat Zitat von AweSomeOne Beitrag anzeigen

    Es sagt nichts über den Verlustschmerz aus, den ich eben nach dem Tod meines Mannes einfach so nicht gefühlt habe, nach dem Ende der Affäre aber sehr wohl.
    Vielleicht lag das aber einfach an der unterschiedlichen Intensität der Gefühle.

  7. Avatar von overknee
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Vielleicht ist der Schmerz so groß, weil man zurückgewiesen wurde? Weil der Selbstwert mit Füßen getreten wurde?
    Das fällt beim Tod ja weg.

    Trotzdem- ich empfinde den Tod als viel schlimmer. Jetzt speziell in diesem meinem Falle.

  8. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist der Schmerz so groß, weil man zurückgewiesen wurde? Weil der Selbstwert mit Füßen getreten wurde?
    Das fällt beim Tod ja weg.

    Trotzdem- ich empfinde den Tod als viel schlimmer. Jetzt speziell in diesem meinem Falle.
    Ja, das mit dem Selbstwert stimmt wohl. Aber da hat mein verstorbener Mann auch gute Vorarbeit geleistet. Das wurde mir erst nach seinem Tod klar. Egal ... is ja nun vorbei!

    Und dass du in deinem Fall den Tod als schlimmer empfindest, ist auch für mich völlig klar.
    Kinder und Geschwister früh zu verlieren ist wohl wirklich an Verlusten das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.

    Da bin ich ganz bei dir und möchte dir mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen.

    Der TE kann ich auch nur raten, sich mit sich selbst zu beschäftigen, lieb zu sich selbst zu sein und auf das Geschwätz der Anderen zu pfeifen!
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —

  9. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Zitat Zitat von Schussel Beitrag anzeigen
    Vielleicht lag das aber einfach an der unterschiedlichen Intensität der Gefühle.
    Das auf jeden Fall! Dabei muss das auch gar nicht negativ sein, so wie bei meinem Mann.

    Meinen Eltern war ich sehr zugetan, konnte sie aber gehen lassen, weil sie sehr krank waren. Das ist schon noch anders, denke ich.
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —


  10. Registriert seit
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    AW: Eine grundsätzliche Frage zum Thema Verlust

    Zitat Zitat von AweSomeOne Beitrag anzeigen
    Das auf jeden Fall! Dabei muss das auch gar nicht negativ sein, so wie bei meinem Mann.

    Meinen Eltern war ich sehr zugetan, konnte sie aber gehen lassen, weil sie sehr krank waren. Das ist schon noch anders, denke ich.
    Meine Eltern sind auch verstorben und ich konnte sie gehen lassen.

    Aber konkret vergleichen könnte man die Situation nur, wenn der Partner der TE sie nicht verlassen, sondern plötzlich verstorben wäre. Ich persönlich sehe da schon einen gewaltigen Unterschied. Aber meine Meinung ist eben nur für mich entscheidend.

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