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    Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Liebe Forumsleserinnen,

    mit 52 Jahren erlebe ich nun schon seit längerer Zeit eine große Unzufriedenheit mit meinem aktuellen Beruf.

    Ich bin sehr gut ausgebildet, habe studiert und promoviert, aber aufgrund einer Cäsur in meinem Familienleben (Scheidung, alleinerziehend mit 2 Kindern) bin ich beruflich völlig aus dem Gleis geraten.

    Eigentlich liegt aber das Problem viel tiefer. Ich habe Germanistik studiert und da auch promoviert, aber einen richtigen Beruf habe ich trotzdem nicht. Ich hätte eigentlich nur an der Universität weitermachen können, mich habilitieren usw.
    Aber als dann meine Ehe in die Brüche ging und ich alleinerziehend mit 2 kleinen Kindern war, musste ich ausweichen auf "Jobs" - und ich hatte viele dieser Jobs, die ich annehmen musste, weil ich mit 2 Kindern im Grundschul- und Kindergartenalter nicht viel Auswahl hatte. Für alle Jobs war ich hoffnungslos überqualifiziert und sie dienten lediglich dem Geldverdienen.

    Nach so vielen Jahren Auszeit ist nun auch der Zug für mich abgefahren, wieder Anschluss in der Universität zu finden - und ich will es auch gar nicht. Hier holt mich wieder ein, dass ich seinerzeit eigentlich eine Ausbildung wählte, die mir keinenn richtigen Beruf verschaffte. Und es war eine Verlegenheitslösung, weil ich nicht wirklich wusste, was mir wirklich Freude machen würde.

    Derzeit arbeite ich als Sekretärin und bin auch hier total unzufrieden, unterfordert und gelangweilt.

    Aber ich bin Anfang 50 und habe Angst, dass es für mich zu spät ist, nochmals neu anzufangen.

    Ich versuche, mich gedanklich in Berufe einzufühlen, in denen ich mich sehen könnte, aber alles erscheint mir als Sackgasse. Wer würde mich denn noch nehmen, wenn ich dann schon 55 oder älter bin?

    Mein Sekretärinnenjob (Vollzeit) nimmt mir so viel an Energie und Lebenszeit. Ich habe das Gefühl, ich werde krank, wenn ich noch so viele Jahre bis zur Rente habe. Denn es ist dann doch noch ganz schön viel Zeit dafür, dass ich mich andererseits schon so "alt" fühle und beruflich am Ende meiner Möglichkeiten.

    Und ich mag auch als Alternative keine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben, denn ich bin schon 40 Stunden wöchentlich gefordert durch meine Arbeit, so dass darüber hinaus nicht mehr viel an Energie übrig bliebe. Ich möchte einfach einen Job, der mich erfüllt!

    Wer erlebt das ähnlich wie ich? Oder wer hat einen Ausweg aus dieser Gedankenmühle gefunden?

    Ich würde mich sehr freuen über Erfahrungsberichte. Vielleicht kann mich der ein oder andere Gedanke inspirieren.

    Mit besten Grüßen,
    Wolkengeherin

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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Wenn Du ein Gefühl für Sprache, etwas technisches Verständnis und eine gewisse Affinität zu IT hast wäre eventuell eine Weiterqualifizierung in technischer Kommunikation/ technischer Redakteur was.

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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Zitat Zitat von taggecko Beitrag anzeigen
    Wenn Du ein Gefühl für Sprache, etwas technisches Verständnis und eine gewisse Affinität zu IT hast wäre eventuell eine Weiterqualifizierung in technischer Kommunikation/ technischer Redakteur was.

    ich bin technische redakteurin, und als solche sollte man vor allem die englische sprache richtig, richtig gut beherrschen. technische doku wird fast immer in englischer sprache erstellt, damit der internationale markt bedient werden kann und nicht extra übersetzungen beauftragt werden müssen.

    es wird erwartet, dass technische doku sofort auf englisch erstellt wird.
    Geändert von Lizzie64 (20.02.2017 um 13:07 Uhr)


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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Hallo Wolkengeherin,

    eine Lösung habe ich für dich leider nicht - aber ich reiche dir die Hand, da es mir ähnlich geht.

    Ich bin in meinen jetzigen Job durch interne Gegebenheiten irgendwie "reingerutscht", habe so eine Position eigentlich nie haben wollen und frage mich, ob ich mit jetzt 50 auch noch mal umsatteln sollte. Eigentlich will ich tatsächlich die 15 Jahre zur Rente nicht so weitermachen, habe auch arge Befürchtungen, dass es in den nächsten Jahren bei uns noch schwieriger werden wird - andererseits habe ich als Sicherheitsjunkie einen fast unkündbaren Job mit unverschämt gutem Gehalt und wenn ich mit anderen spreche, höre ich, dass es woanders auch nicht viel besser läuft als bei uns. Und würde ich extern wechseln (und intern gibt es kaum Angebote), verlöre ich nicht nur die Sicherheit, sondern müsste wahrscheinlich auch Gehaltseinbußen von 30-40% hinnehmen

    Noch ist der Leidensdruck wohl nicht groß genug, denn ich kriege meinen Hintern nicht hoch, andererseits läuft mir alterstechnisch doch langsam die Zeit davon...

    Von daher höre ich Erfahrungsberichten auch sehr gerne zu!

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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Hallo Lucciola,

    genau wie bei mir! Ich kann mich - was Gehalt und Kollegen angeht - auch nicht beschweren. Ich habe ebenfalls einen fast unkündbaren Job und verdiene vergleichsweise gut, da es hier viele Sozialleistungen gibt, die es mittlerweile fast nirgendwo mehr gibt. Auch sonst ist das Arbeiten hier entspannt. die Kollegen sind nett, ich schaffe mein Pensum mit Links und fülle die Leerlauf-Zeit mit anderen (berufsfernen) Tätigkeiten, soweit das möglich ist und keiner das merkt.
    Ich hatte hier, besonders nach dem ersten Jahr, einen schlimmen Hänger, und obwohl ich bei keinem Arzt/Psychologen war, konnte ich doch eindeutige Bore-Out-Symptome bei mir feststellen. Am Tiefpunkt dieser Phase war ich bei einem Coach, das hat mir zwar keinen neuen Beruf eingebracht, aber immerhin bewirkt, dass ich mit Umdenken anfing.

    Ich habe begonnen, mir die Vorteile meines Jobs anzusehen. Das sind nun mal Sicherheit, gutes Gehalt, nette Kollegen. Das hätte ich so schnell anderswo nicht. Bzw. in meinem Alter überhaupt nicht mehr.
    Auf der anderen Seite der Waagschale allerdings liegen Unterforderung, Langeweile und das Gefühl, irgendwie abzubauen, geistig, weil kein Gefordertsein. Die hiesige Situation zu ändern, hatte schon mein Coach angedacht, aber da geht gar nichts. Alle Vorstöße in dieser Richtung wurden abgeschmettert und die Stelle selbst bietet überhaupt keinen Bewegungsspielraum.

    Fazit: im Endeffekt bleibt nur noch die Selbständigkeit, aber womit? Ich kann mir nicht vorstellen, in ein finanziell total ungewisses Projekt einzusteigen. Ich hatte viele Jahre lang immer viel zu wenig Geld am Ende des Monats, mein Konto war notorisch überzogen, oft mussten meine Eltern helfen, deren Hilfe ich aber ungern annahm, weil das Verhältnis kompliziert und belastet ist. Also ist ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit geblieben, aber zu welchem Preis?

    Summa summarum muss ich mich wohl darauf einstellen, dass ich hier "alt werde". Vielleicht bewirkt das innerliche Lockermachen auch, dass sich Neues ergibt. Das ist ja manchmal so: wenn man sich in Sachen verbeißt, geht nichts weiter. Wenn man entspannt, tun sich manchmal neue Wege auf. Ich hoffe das.

    Es ist allerdings ein Wechselbad der Gefühle. Ich habe Phasen, da finde ich alles ganz schrecklich, dann wieder kann ich einigermaßen damit umgehen. Ich habe Angst, dass ich resigniere, wenn ich mich mit der Situation abfinde. Und resignieren will ich keinesfalls!

    Das alles geht einher mit meinem Älterwerden. Mir ist bewusst, dass ich nicht mehr so agieren kann, wie mit Anfang 40. Vieles in meinem Leben stößt an seine Grenzen.

    Was mich auch nicht gerade aufbaut: allerorten hört und liest man, dass man sich nur trauen muss, sein Glück selbst in die Hand nehmen, "etwas tun", mit anderen Worten: wer in seinem Job unglücklich ist, ist selber schuld.

    Ich habe als Alleinerziehende gelernt, dass es nicht so ist. Es gab wenig (wenn man Hartz IV als Unterstützung bezeichnen will) bis keine Unterstützung von staatlicher Seite, Probleme auf dem Arbeitsmarkt (nicht flexibel genug, als die Kinder kleiner waren), spärlich bis kein Unterhalt vom Vater der Kinder (was besonders schlimm wurde, als beide Kinder über 12 Jahre alt wurden, weil dann auch das Jugendamt nicht mehr zahlt).
    Ich könnte noch einen ellenlange Liste anfertigen. Aber so weit zu "jeder ist seines Glückes Schmied".
    Glück muss man einfach haben, das kann man sich nicht selbst zurechtschneidern.

    Und jetzt ernte ich die "Früchte" dieses Jobdurcheinanders während meiner Berufslaufbahn.

    Mir bleibt nur noch, mich zum Wohle meiner Psyche mit der Situation abzufinden. Manchmal macht mich das unglaublich wütend, dann wieder denke ich, dass ich es nicht so schlecht getroffen habe und eigentlich auch nur mal um mich blicken muss, um zu sehen, dass es vielen, vielen so geht und dass ich noch zu den besser Gestellten gehöre, mit einem sicheren Job, von dem ich leben kann. Nicht gut, aber immerhin.

    Und ich fange jetzt nicht mit der Rente an. Das Thema verdränge ich bisher noch mehr oder weniger erfolgreich.

    *

    @lizzie64 und @taggecko : vielen Dank für Eure Antworten.

  6. Inaktiver User

    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Liebe Wolkengeherin,
    ich kann Dich gut verstehen, eine sehr ähnliche Ausgangslage (gesattelt im Job, Studium vor 30 Jahren, leider Sackgasse, die Kinder sind jetzt fast komplett unabhängig, bin kein Single, aber Hauptverdienerin) haben mich dazu gebracht , nochmal an die Uni zu gehen und zu studieren. Anfangs als reines "ich will was den Kopf machen" Hobbystudium gedacht, ergeben sich grad ungeahnte Jobperspektiven....
    Die Erkenntnis, daß da doch noch was "Anderes" kommen kann, (nicht muß), hat mich aus denm tiefen Loch herauskatapultiert.....
    LG NNMi (ich bin 51, hab mit 50 angefangen)

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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    NNMi :Hut ab und weiterhin alles Gute für deinen WEG !
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  8. Inaktiver User

    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Zitat Zitat von gezeitenfrau Beitrag anzeigen
    NNMi :Hut ab und weiterhin alles Gute für deinen WEG !
    Danke, läuft definitiv viiieeel besser, als ich dachte!

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    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Liebe Wolkengeherin, hast du schon mal überlegt dich von Frauen beraten zu
    lassen denen es ähnlich erging, die dann in "unserem Alter" (ich bin auch 50)
    neu gestartet haben, in einem Bereich auf den man eigentlich selber nicht ohne
    weiteres gekommen wäre ?! Es gibt da diverse Netzwerke , zum Teil auch online
    präsent, an die frau sich wenden kann, bis hin zu Mentoring und Coaching.
    Eventuell mal beim AA nachfragen, die kennen solche Adressen.

    Ich selbst stand vor gut einem Jahr vor der Möglichkeit nach kurzer, einjähriger
    Jobpause wieder an meinem alten Arbeitsplatz in der Pflege weiter zu machen,
    oder was Neues zu wagen.Nach über 25 Jahren hatte ich den Pflegejob
    gewissermaßen satt , auch ist er mir mittlerweile körperlich und von den AZ
    her zu anstrengend geworden.
    Durch einen sehr glücklichen Zufall fand ich einen neuen Job als Außendienst-
    lerin bei einer großen Firma für Pflegebedarf, ich muss nichts verkaufen, die
    Hauptsache für mich !
    Anfangs war das alles totales Neuland; einige Male glaubte ich es nicht zu
    schaffen, mittlerweile bin ich-Älteste im Team- richtig dabei und es macht
    Spaß- zudem verdiene ich für 12-14 Tage im Monat mit weitgehend selb-
    ständiger Arbeitszeitgestaltung (suche mir die AT jeden Monat aus)
    mehr als früher, im Vollzeit-Pflegejob.!
    Ich habe Familie, einen 8 jährigen Sohn, Ehemann, Enkelkinder die ich mit
    betreue- im alten Modus hätte ich das nicht geschafft.
    Die Sicherheit war nie das Problem, als qualifizierte Pflegekraft "rennen"
    dir potenzielle AG die Bude ein- aber ich wollte was anderes!

    Wichtig ist genau zu wissen was man nicht will und /oder kann.
    Und welche Alternativen man sich zum derzeitigen Job vorstellen kann,
    erst mal grob umrissen, das hilft einem schon ein wenig weiter.
    Gerade Quer-und Seiteneinsteiger /innen haben heute mehr Chancen als
    früher, auch im "höheren Alter"- immer und überall die Augen und Ohren
    offfen halten, oft hilft einem auch jemand anderes neue Wege zu finden,
    so war es z.B. bei mir.
    Viel Erfolg wünsche ich dir!
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  10. User Info Menu

    AW: Neuanfang im Beruf mit über 50?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Danke, läuft definitiv viiieeel besser, als ich dachte!
    Schön, aber du hast auch den Mumm....
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

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