Hallo Ihr Lieben,
nachdem ich schon seit längerem immer wieder mal mitlese, habe ich mich wegen eines "Problems" angemeldet, für das ich keinen passenden Thread, bzw. keine passende Antwort gefunden habe.
Also ich fang mal beim Anlass meines Problems an:
Ich werde dieses Jahr 50. Soweit kein Problem- nur mein Sohn geht (das zweite und letzte Kind, das auszieht) erst für zwei Semester nach Asien, dann in eine eigene Wohnung.
Also zwei Brocken auf einmal.
Wäre ja alles nicht schlimm, wenn mich nicht schon jetzt eine so plötzliche Leere ausfüllt und ich nicht so einen unbändigen Drang hätte, alles nachzuholen, was mir in meiner Jugend verwehrt blieb (Abitur, Studium usw.).
Damals war es halt so, dass so manche Eltern ihre Kinder so schnell wie möglich in die eigene finanzielle Selbstständigkeit schicken wollten- typisch Arbeiterfamilie eben (und das meine ich nicht verwerflich).
Ich hab sogar schon in meinem "Das-kann-doch-nicht-schon-alles-gewesen-sein-Wahn" mit dem Gedanken gespielt an der Abendschule das Abi nachzuholen (was mich dann auch gleichzeitig von der Leere im Haus befreien würde, da ich nach der VZ-Arbeit noch lernen müsste und gar keine Zeit hätte zu trauern) und irgendwann zu studieren (ich wüsste auch schon was- ist total lebendig in meiner Vorstellung).
Nur: Bereits ganz junge Abendschüler haben irgendwann Belastungsprobleme und lassen dafür sogar den Job sausen. Ich persönlich kann mir das nicht leisten, müsste also bis zum Abi durchweg arbeiten gehen.
Das Ganze macht mir einerseits Sorgen, andererseits lerne ich schon seit geraumer Zeit an meinen Problemfächern, die ich damals in der Schule hatte und würde bis zum Vorkurs im Februar einiges an Vorsprung mitbringen. Außerdem macht mir das Lernen sehr viel Spaß.
Neben all der Ja-ich-schaff-das-und-will-das-unbedingt-machen-Vorstellung lauert im Hintergrund eben auch der Zweifel, der durch "Mama, Du hast ja voll die midlife-crisis" und diversen Forenbeiträgen, in denen die Belastung der Abendschule in schillernsten Farben ausgemalt wird und drei viertel aller Schüler dann abbrechen genährt wird.
Zudem gibt es Beiträge, in denen gefragt wird, ob man mit 35 (!) nicht schon zu alt für die Abendschule sei und entsprechende Antworten, dass so "alte" Schüler immerhin noch ne Chance haben.
Da frag ich mich, bin ich dann uralt? Und ob die Lehrer an der Schule mich dann auch für voll nehmen, da ich ja effektiv keine Zukunftsperspektive mit dem Abi verbinden kann, sondern eher als Hobby und Privatvergnügen deklarieren muss....?
Und: Es wären sieben Semester, bis ich das Zeugnis in der Tasche hätte.
Also viel Zeit, aber auch viel Neues, Spannendes, Herausforderndes.
Ich fühle mich noch nicht so alt, dass ich nach der Arbeit das Sofa zu meinem besten Freund machen könnte und ich lerne am Liebsten neue Leute kennen, wachse gern an Herausforderungen und bin offen für Neues.
Was meint Ihr: Ist es zu spät, noch was nachholen zu wollen, nur weil man denkt, man hätte sonst was verpasst?
Das Abi wäre ja nur die Eintrittskarte ins Studium. Und wie ich das realisiere und ob ich das finanziert bekomme, das weiß ich jetzt noch gar nicht.
Wenn alles glatt liefe, wäre ich mit Abi und Bachelor 57 Jahre alt.
Also alles Hirngespinst, Torschusspanik oder hat jemand so etwas schon in Angriff genommen?
Ratlose Grüße
Frau Binom
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Thema: zu spät?
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22.06.2015, 15:39
zu spät?
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22.06.2015, 16:01
AW: zu spät?
Wenn dir ein Abi soooo wichtig ist,dann mach und wenn dir ein Studium und andere Arbeit danach ebenso wichtig ist,ja dann mach.Aber glaube bloß nicht man stellt dich mit 57 als Jobneuling noch ein...
Ich pers. halte es mit meinen fast 56 so,dass ich LEBE,mein Leben nicht mit viel Arbeit/Aufwand/Stress usw. verbringen will.
Und keiner weiß wieviel Zeit er noch hat....das Leben genießen wäre/ist mir deutlich wichtiger.
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22.06.2015, 16:08Inaktiver User
AW: zu spät?
Mach das auf jeden Fall.
Wenn's klappt, super. Wenn nicht, auch nicht schlimm, hast doch nichts zu verlieren.
Ich habe mich vor zwei Jahren auch an der Fernuni angemeldet.
Hat leider aus diversen Gründen nicht geklappt, aber so konnte ich mit demThema für mich abschließen.
Ich würde aber niemandem davon erzählen, wenn es nicht klappt, musst du dir nicht die doofen Kommentare anhören. Da war ich sehr froh, dass ich das diskret gehandhabt hatte.
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22.06.2015, 16:13Inaktiver User
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22.06.2015, 16:27
AW: zu spät?
Mach es, in erster Linie machst du es ja fuer dich und nicht fuer eine grosse Karriere.
Dein Alter und deine Lebenserfahrung koennen dir durchaus Vorteile bringen. Das beobachte ich grad bei einer Freundin, die mit Mitte 40 nochmal ein Studium aufgenommen hat. Sie geht - zur Freude der Dozenten - ganz anders an den Stoff und die Aufgaben heran.
Und du bringst die noetige Neugierde mit. Was hast du schon zu verlieren? Toitoitoi :)
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22.06.2015, 16:37Inaktiver User
AW: zu spät?
Eben. Ich würde das berücksichtigen. Du musst keine Karriere mehr aufbauen.
Wäre eine andere Art von Weiterbildung auch eine Möglichkeit für dich, wenn du befürchtest, dass die Abendschule zu viel Stress für dich sein wird?
Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, ohne Abi zu studieren.
Ausserdem gibt es jede Menge anderer Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten, du kannst dir das heraussuchen, was deinen Interessen am besten entspricht.
Das ist dann kein vorgefertigtes "Gesamtpaket", sondern du stellst dir den "Lehrplan" ganz individuell nach deinen eigenen Interessen zusammen.
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22.06.2015, 16:38Inaktiver User
AW: zu spät?
Warum sollte das zu spät sein?
Für 'ne Karriere in der Führungsetage vielleicht, aber sonst? Wenn du meinst das Abi haben zu müssen, dann mach. Gesteh dir aber auch zu, wenn es wirklich zu schwer wird, aufzuhören.
Freundin von mir hat sich neben der Arbeit 3 Abende lang + Samstags an der Uni weitergebildet und nach 4 Semestern aufgehört, weil es kräftemäßig nicht mehr ging. (war mit viel Fahrerei und Selbststudium verbunden)
Sie hat schon einen Uniabschluss, wollte eigentlich nur ergänzen... aber ging doch nicht so leicht wie vor 30 Jahren.
Aber sie hat ne Menge neues gelernt, schon das hat was gebracht, den Abschluss braucht sie nicht zum vorzeigen, sie hat einen, wenn auch 25 Jahre alt.
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22.06.2015, 16:41
AW: zu spät?
Abi nachholen ja - Studium nein. Das wäre mein Rat. Ich stelle mir gerade eine Ü50-ig-Jährige in der Uni inmitten der jungen Leute vor.
Außerdem ist das Stress pur bei einem zusätzlichen VZ-Job. Nö. Gibt's nichts anderes was du in Angriff nehmen könntest ? Malen, Bildhauern, Reiten, ehrenamtliche Tätigkeiten etc. ?
Gruss
Meagan
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22.06.2015, 16:52
AW: zu spät?
Lieben Dank schon mal für die inspirierenden Antworten.

Die Option einfach "abzubrechen", wenn es zu stressig wird, kam mir bisher gar nicht in den Sinn (ich bin eher die Durchbeißerin).
Aber ok. Im Grunde ist es ja nichts, wofür man sich schämen müsste, wenn man es nicht an die große Glocke hängt, stimmt schon.
Ein Versuch ist ja vielleicht wert.
Was danach ist, weiß eh kein Mensch. Aber bevor ich auf dem Sterbebett bereue, es noch nicht mal versucht zu haben....
Von studierenden Senioren hab ich schon gehört.
Die seien allerdings sehr vorlaut und müssten zu allem ihren lebensweisheitlichen Senf dazu geben, der dann doch nicht so gefragt ist.
Wie peinlich. Ich denke da müsste man sich als "Minderheit" dann doch schon mal zurückhalten.
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22.06.2015, 17:30Inaktiver User
AW: zu spät?
Und warum dann bitte Abitur, wenn man nicht studieren will?
Du solltest dich fragen, ob dir das Abitur in deinem Beruf noch etwas bringen kann. Ich denke, mit 50 ist das eher nebenrangig. Beschäftigen kann man sich mit vielem. Das muß nicht die Lernschiene sein. Was wäre denn mit einer Fortbildung in deinem Beruf, insofern es da etwas gibt?
Mir wäre meine Zeit zu schade für Aktionen, die lediglich dem Zweck dienen, die entstehende Leere zu füllen.


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