Das ist nicht ganz korrekt, weil die "neuen" bioidenten Hormone anders gestrickt sind als die früheren HETs. Das auszuführen, würde jetzt zu weit führen (da gibt es in hunderten von Seiten im entsprechenden Thread Diskussionen darüber, das wäre mir jetzt zu mühsam).
Abgesehen von den 95%, die auch nicht korrekt sind (die in meinen Augen relativ realistische Einteilung sieht heute so aus: 1/3 gar keine Symptome, 1/3 gemäßigte und 1/3 schwere Symptomatiken), genauso wie Du dachte ich früher auch, kann Deine Einstellung daher gut nachvollziehen.Selbst habe ich mich im Vorfeld über die WJ informiert und ich habe mir gedacht: Dann halte ich lieber Hitzewallungen etc. aus, aber laufe nicht Gefahr, etwas Schlimmeres zu bekommen, nur weil ich nicht bereit war, meinem Körper die Zeit zu geben, durch die Jahre zu kommen. Auch die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Frauen (nahe 95 %) ohne große Schwierigkeiten durch die WJ kommen, hat mich dann doch beruhigt.
Und wenn ich nicht zu dem letzten Drittel gehören würde, so - und das muss ich beschämt gestehen - würde ich heute auch noch so denken.
Ich war ein Gegner von jeder Medizin, sah noch die Abhängigkeit meiner Mutter von der (damaligen!) HET und nahm mir fest vor, diese "Wallungen und Unpässlichkeiten" einfach so zu überstehen.
Ich fiel halt recht unsanft von meinem hohen Ross und schlug auf dem harten Boden auf. Denn SO hatte ich mir das nie vorstellen können, was auf mich zugekommen war.
Und ich bin KEIN Weichei. Ich nahm früher nicht mal ne Kopfschmerztablette, wenn ich Kopfweh hatte, denn wer braucht schon Schulmedizin.
Wallungen waren Peanuts in meinen Augen. Die ersten Wallungen waren auch noch harmlos, die Gelenkschmerzen, die nur hie und da auftraten, schob ich auf Überlastung (wobei ich mir das eigentlich nicht wirklich erklären konnte). Erst ein, zwei Jahre später fing die Höllenfahrt an und ganz ehrlich: So sehr ich früher davon überzeugt war, dass das alles nur Hysterie sein kann, so sehr bettelte ich dann förmlich um Hilfe.
Und seit dieser Zeit bin ich etwas allergisch gegen Schubladen.
Das muss auch jede Frau für sich entscheiden, besser gesagt, das WIRD für sie entschieden, denn auch darauf hat der Wille nur marginalen Einfluss. Es gibt Frauen, die mit der HET irgendwann aufhören können (bei mir zeichnet sich das - toi, toi, toi - momentan so ab, die Symptome treten trotz langsamer und konstanter Reduktion nicht auf) und Frauen, deren Symptome hartnäckig bleiben. Das heißt, nicht der Wille kann das entscheiden, sondern der Körper entscheidet.Und .. ja, wie ich lese, gibt es Frauen, die massivste Schwierigkeiten haben und ich gestehe Euch die Segnungen der Medizin absolut zu! Und wenn das Ergebnis so ist, wie von Dir Honey beschrieben, und Du es auch ohne nicht einmal versuchen möchtest (Dein Zitat: Ich werde sie jedenfalls nehmen, bis ich in die Grube fahre), dann hoffe ich für Dich, dass alles weiterhin gut verläuft in Deinem Sinne.
Letztlich muss sich aber jede Frau darüber im Klaren sein, dass sie mit der HET erheblich in die Körperfunktionen eingreift. Mir ist bewusst, dass es letztlich eine Wahl zwischen Pest und Cholera ist.
Es ist tatsächlich die Wahl zwischen Pest und Cholera. Nur: das kannst Du nicht willentlich abstellen oder wegmachen.
Ich hätte mich entscheiden können für die Pest: Cortison, Amphetamine und Antidepressiva oder die Cholera: bioidente Hormone.
Was ich - und das ist der springende Punkt, warum ich auf Deinen Beitrag reagiert hatte - allerdings NICHT gekonnt hätte wäre, das ganze als willentlich steuerbare Angelegenheit abzutun. Das, was ich vor der Misere gedacht hatte: Alles nur Einstellungssache, Hormone nehmen die Frauen nur wegen der Falten etc.
Ich möchte das Bild ein wenig geraderücken. Du schreibst, Du gestehst den 5% Frauen, die Deiner Meinung nach Hormone nötig hätte, das ja zu.
Das impliziert, dass Du den restlichen 95% es nicht zugestehst.![]()
Und gerade in der heutigen Zeit, in der frau eigentlich selbstbestimmt ihr Leben leben können sollte, werden Schubladen aufgetan, wer was wie tun dürfte. Von Frauen. Und ehrlich - das ärgert mich. Besonders vor dem Hintergrund, dass ich selbst eine Betroffene bin.
Hier klingt immer wieder mal z.B. der Unmut durch, dass frau als Single in eine Schublade gesteckt wird.
Bitte tut dasselbe nicht auch mit anderen Frauen, nur weil diese Hormone nehmen.
Liebe Grüße
Zio
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Thema: Neu-Single mit 50+
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10.01.2016, 11:44
AW: Neu-Single mit 50+
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10.01.2016, 12:25Inaktiver User
AW: Neu-Single mit 50+
Liebe Zio,
ich gestehe auch den 95 % zu, Medikamente ihrer Wahl einzunehmen.
Ich bin keine Gegnerin der Medizin, aber eine kritische. Wohl der Frau, die sich in gut betreuten Händen aufgehoben fühlen kann/darf, aber die Realität zeigt heute oft ein ganz anderes Bild und an einen guten Diagnostiker zu geraten, kommt auch fast dem berühmt-berüchtigten 6er im Lotto gleich. Will heißen: Frauen im "gewissen Alter" kommen mit den mannigfachsten Problemen zum Arzt und nicht ich mache die Schublade auf, sondern vielfach die Ärzte: Ah .. Sie sind meinetwegen 50 Jahre alt ... naja, das sind die Wechseljahre.
Deshalb wage ich (sicher mal wieder erneut) eine provokante These: Dass nicht alle Symptome oft auf die Wechseljahre geschoben werden können, sondern es sich viele Ärzte leicht machen und die Patientinnen in eine HET schicken. Und bei vielen Frauen mag der sog. Placebo-Effekt auch wirken und sie fühlen sich besser. Und ... ja ... dann kann man sagen: Was hilft hat recht, aber die Frage bleibt dennoch, ob nicht oft mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird?
Von daher würde mich mal interessieren, ob im Vorfeld Alternativen erst einmal ausprobiert wurden.
Ich löse hier sicher eine Diskussion aus, aber es bleibt eine Diskussion über Ansichten. Eine (Vor-)Verurteilung findet für mich nicht statt, da ich keine Frau deswegen verurteile oder gar in eine Schublade packe. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und entscheidet, was mit ihm gemacht wird. Der Körper sendet sicherlich Signale, die ernst zu nehmen sind, sofern sie die Lebensqualität massiv einschränken. Und dann muss man tätig werden, keine Frage.
Und was das "Schubladen-Denken" angeht: So ganz frei machen können wir uns davon nicht. Der Mensch packt gewisse Dinge einfach in Schubladen, um die Umwelt und die Eindrücke einzuordnen. Dann magst Du zwar die Single-Frauen oder Frauen, die Hormone nehmen, davon ausnehmen, aber auch Du wirst Deine Schubladen haben, wie jeder Mensch.
Sicher sind die WJ ein weites Feld und vielleicht sind die Erhebungen inzwischen anders, aber auch nach Deiner Ansicht geht zumindest der überwiegende Teil relativ glimpflich durch diese Zeit.
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10.01.2016, 12:45
AW: Neu-Single mit 50+
Wie sich in vielen Beiträgen der entsprechenden Threads nachlesen lässt, ist genau das Gegenteil der Fall.
In meinem (ganz typischen) Fall war ein Spießrutenlauf wegen meiner Symptome die erste Verzögerung. Jeder Arzt hätte mir mal Schmerzmittel oder Antientzündungsmittel für die Gelenke verschrieben, mich als depressiv oder halt neurotisch eingestuft.
Bis endlich (!) ein Arzt - und das auf mein Drängen hin - mit einem Hormonstatus einverstanden war, der ergab, dass meine ganzen Symptome vom Hormonabfall herrührten.
Und was denkst Du, wie die Reaktion des Arztes war?
"Ach, jetzt wissen wirs, sie sind im Wechsel. Da müssen Sie halt durch."
Das wars dann. Von wegen Frauen werden in die HET von den Ärzten gedrängt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Als Frau musst Du oft drängen und hartnäckig sein, damit Du einen Arzt findest, der Dir Hormone in dem Stadium überhaupt verschreibt. Und viel selbst recherchieren, denn sonst bekommst Du die alte HET mit künstlichen Hormonen übergebraten.
Jepp, jede Menge. Weihrauchkapseln, Homöopathie, Phytotherapie in jeder Form gegen die Gelenkschmerzen, Sojaisoflavone (Rotklee, Leinsamen, Soja etc.) gegen die Wallungen (die die ganze Problematik nur massiv verschlimmerten, heute weiß ich, warum. Damals glaubte ich noch der Werbemasche der Verkäufer, dass östrogenähnliche Naturprodukte helfen können und wusste nicht, dass sie biochemisch genau das Gegenteil bewirken).Von daher würde mich mal interessieren, ob im Vorfeld Alternativen erst einmal ausprobiert wurden.
Dazu natürlich positives Denken, Veratmen der Wallungen, Zwiebellook beim Anziehen, Fächer zum Fächeln, Schüssler-Salze, ich weiß nicht wieviele gelesene Bücher über Ratgeber für Frauen im Wechsel und was für tolle Chancen dieser Lebensabschnitt doch mit sich bringen würde, wenn man nur "richtig" denken würde.
Zum Schluss war ich nicht nur ein körperliches Wrack, ich kam mir auch noch total blöd vor.
Erst die HET mit den bioidenten Hormonen schaffte die schlagartige Reduktion ALLER Symptome.
Natürlich. Aber es ist immer sinnvoll, sie zu reduzieren. Und dies hier ist eine Gelegenheit, eine Schublade weniger zu schaffen.Und was das "Schubladen-Denken" angeht: So ganz frei machen können wir uns davon nicht. Der Mensch packt gewisse Dinge einfach in Schubladen, um die Umwelt und die Eindrücke einzuordnen. Dann magst Du zwar die Single-Frauen oder Frauen, die Hormone nehmen, davon ausnehmen, aber auch Du wirst Deine Schubladen haben, wie jeder Mensch.
Liebe Grüße
Zio
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10.01.2016, 13:38Inaktiver User
AW: Neu-Single mit 50+
Zio, ich will hier sowahr keine Schubladen aufmachen, sondern für mich ist - gerade dieser Strang hier - ein sehr konstruktiver (auch manchmal kritischer und/oder auch zustimmender) Austausch. Und das soll er bleiben!

Und siehste ... letztlich werde ich aber (sicher im umgekehrten Schluss) bestätigt, dass viele Menschen nicht nur eine Odysee, sondern wahrlich ein Martyrium durch haben, um endlich eine gewinnbringende Diagnose/Therapie zu erhalten.
Da ziehe ich erstmal meinen Hut, dass Du im Vorfeld soviel ausprobiert hast!
Und ja ... die sog. Ratgeber können einen dann regelrecht kirre machen, dabei will man nur eins: Das es endlich besser wird und aufhört!
Meine Freundin z.B. hatte ebenfalls psychische Probleme und Hitzewallungen, da war das Ende von weg. Sie schilderte mir, dass sie bei der kleinsten Tätigkeit vollkommen "im eigenen Saft" saß. Sie schilderte das ihrem Arzt und schwupps, wurde die Hormonbehandlung gestartet .. ohne großes Nachfragen bzw. Hartnäckigkeit ihrerseits. Sie hat dann eine Weile diese Hormone genommen und ist jetzt aber wieder davon weg und es geht ihr wieder gut. So soll's sein!
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10.01.2016, 13:59
AW: Neu-Single mit 50+
Das sehe ich auch so.

Das wäre der Idealfall. Ich hoffe auch, in einiger Zeit wieder ohne Hormone ein gutes Leben führen zu können. Wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllt, muss ich sie halt weiternehmen, warten wirs ab.Meine Freundin z.B. hatte ebenfalls psychische Probleme und Hitzewallungen, da war das Ende von weg. Sie schilderte mir, dass sie bei der kleinsten Tätigkeit vollkommen "im eigenen Saft" saß. Sie schilderte das ihrem Arzt und schwupps, wurde die Hormonbehandlung gestartet .. ohne großes Nachfragen bzw. Hartnäckigkeit ihrerseits. Sie hat dann eine Weile diese Hormone genommen und ist jetzt aber wieder davon weg und es geht ihr wieder gut. So soll's sein!
Ich glaube, es gibt nun eine Schublade weniger und ich werde weiterhin hier (eher still) mitlesen, weil mir Eure Beiträge teilweise richtig ans Herz gewachsen sind.
Liebe Grüße an Euch alle,
Zio
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10.01.2016, 14:14
AW: Neu-Single mit 50+
zios posting Nr. 593 kann ich Wort für Wort unterschreiben.
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10.01.2016, 14:15Inaktiver User
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10.01.2016, 22:28
AW: Neu-Single mit 50+
Ich hatte während der letzten zehn Jahre in meiner Ehe weder Sex noch sonstige Zärtlichkeiten oder Berührungen.
Zwei Jahre nach der Trennung (da war ich dann 52 J.) hatte ich für vier Jahre wunderbaren Sex.
Jetzt bin ich schon über ein Jahr allein und sehne mich immer wieder mal danach.
Ob das was mit den Hormonen zu tun hat oder Kopfsache ist weiß ich nicht.
Jedenfalls nehme ich keine Hormone und denke, dass ich mit fast 58 die Wechseljahre hinter mir habe.




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