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  1. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Herbstblatt,
    mein Hauptmotiv war ja: wer kann es sich denn leisten Vollzeit in Mindestlohn zu arbeiten?
    Ich dachte da eher an so Umschachtelung.

    Ich finde es auf die Dauer sehr zermürbend soo wenig Geld zu verdienen.
    Darum war eben mein Gedanke, da bei dir runter zu shiften und noch was Anderes dazu suchen.

    Mich hat das Leben echt erfinderisch gemacht.
    Ich bin ja Eine die sich gerne so richtig ausarbeitet und auch dabei noch sehen möchte was sie getan hat, wenn es dann auch noch Sinn macht - um so besser.

    Und mein ultimativer Tipp an alle wenig-Verdiener: leg dir ein Polster zu.
    Dafür lohnt es sich auch Durststrecken durch zu stehen.

    Lange hab ich auf Kante gelebt, weiß gar nicht mehr wie ich das geschafft hatte...

    Immer schön die Ohren steif halten - das meiste erfährt man durch Mundpropaganda

    Dir auch noch eine schöne Woche
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre

  2. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Und da hast Du wirklich Recht mit dem Polster!

    Genau das habe ich mir jetzt wieder vorgenommen!!! Ich will wieder ins Plus kommen.

    Ich hatte ein kleines und das war gut so. Nun hatte ich im letzten halben Jahr einige unvermutete Ausgaben, wobei ich nicht so viele gehabt haben müsste, nur ein Teil davon war unbedingt notwendig. Ein Teil war Luxus und ein bisschen fröhliches Schlamperleben. Das war unvernünftig, tat mir aber fürs Selbstbewusstsein gut.

    Das letzte halbe Jahr mir oft früh beim Umsteigen auf dem Hauptbahnhof unten in der S-Bahnstation ein lecker belegtes Brötchen gekauft oder auf dem Heimweg einen Döner in der Stadt und ich war auch mit meinen Freundinnen ein bisschen üppiger weg und auch mit meinem Nachwuchs (wobei der mich immer einladen will, aber ich hatte nun auch umgekehrt ein paarmal was ausgeben wollen - unter Nachwuchsprotest. Mir einige neue Bücher gekauft, z.B. von Schirach "Strafe" und von Juli Zeh "Unter Leuten". Mich ein bisschen an Bars herumgetrieben und bei Geschenken mal nicht so aufs Geld gesehen, einge Male den ganzen Tag im sündhaft teuren Thermalbad gelegen, mir eine professionelle Zahnreinigung gegönnt, ein wunderschönes dunkelgrünes, samtiges Kleid gekauft .. ich hatte sehr viel von gar nicht so vielem Geld, ein bisschen Wäsche ... schön ist so was schon.

    Nun habe ich mir fest gelobt, wieder ganz auf Kante zu gehen, denn beinahe hätte ich meinen Dispokredit gesprengt. Dabei habe ich ihn jahrelang gar nicht in Anspruch nehmen müssen, denn ich habe einen heiligen Horror davor und bin eigentlich eine gute Wirtschafterin und kann aus fast nichts viel machen. Vor Stress darüber habe ich mir erstmal einen wirklich schicken und teuren Pullover vor 14 Tagen gekauft. So'n fluffiges, kuschelweiches, lässiges, dickes Wollteil, wie sie gerade modern sind. Ich sehe schon sehr gut drinnen aus

    Eine von meinen Kolleginnen hat letzte Woche gekündigt, weil sie unvermutet ein Angebot von außen (ich wollte nun nicht sooo neugierig sein) bekommen hat. Sie bekommt in dem neuen Bürojob reichlich 1800 € auf die Hand. Wir gönnen ihr es alle von Herzen und haben zusammen mit ihr geträumt, was sie nun mit dem überraschend gekommenen Reichtum anstellen wird - auf jeden Fall war Sparen dabei. Es ist doch schön, dass es so etwas gibt, nicht wahr.

    Gute Nacht an alle und eine schöne Zeit, liebe Alleinbleibende.
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (19.02.2020 um 22:46 Uhr)


  3. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Klarer Fall: du lebst über deine Verhältnisse....

    Aber, wenigstens geniesst du das - mit jeder Faser.
    Ich kann deine Denke sehr gut nach voll ziehen.

    Man hält sich bei Laune, füttert die Kreativität - und bringt das Geld unter die Leute, dazu ist es ja schließlich da.
    So bin ich auch lange gut über die Runden gekommen.

    Ich wollte gerade noch zu Familienzeiten auch nicht so ein Mangelgefühl aufkommen lassen.

    Bis sich dann bei mir der Hebel umdrehte - und ich das Rauchen liess.
    Da hatte ich dann unerwartet ein paar Euro mehr, war gar nicht der Grund.

    Und als der erste Tausender da rum lag: dachte ich mir: so muss es mit der 1. Million sein, die ja als Schwerste gilt
    Von da an gings bergauf.

    Es ist heute ein anderes Lebensgefühl was auf der hohen Kante zu haben.
    Bis dahin war aber noch ein langer Weg.

    Ich glaube - für deine Lebenssituation - mal so allgemein - machst du eben jetzt das Beste draus.
    Allerdings lebt man auch in einer Illusion.

    Heute lebe ich wirklich so wie ich es mir leisten kann.
    Schenke auch nicht mehr über meine Verhältnisse.

    Das ist alles wie ne kleine Therapie.
    Allerdings, muss ich gestehen - ich spiele noch nen kleinen Betrag Lottol

    Sonst käme ich mir wahrscheinlich richtig wie ein Fuzzi vor....
    Was ich mitunter am meisten schätze ist - ich habs ja.

    Aber, ich hasse es mein Geld für Reparaturen ausgeben zu müssen, oder für irgendwelche elektrischen Geräte.

    Mit zunehmendem Alter braucht man aber doch mal was Spezielles aus der Apotheke, und sei es nur scheiß Augentropfen oder ne Creme für die zarter werdende Haut. Das geht alles ins Geld....

    Dass du dir was gönnst finde ich schön. Ich kenne das auch, diese kleinen Freuden, da gibt es einen Stand unten in der Friedrichstr.. Die haben soo leckere Brötchen...da versüsst mir der Gedanke schon manchmal den Tag.

    Insgesamt finde ich - da hast du eben einfach ne Gabe dir das Leben schön zu machen.
    Weiter so schreibe ich aber trotzdem nicht.

    Nun bin ich fast ein bisschen schulmeisterlich geworden.
    Das ist nicht so gemeint, ich finde mich eben bloss in so vielem wieder in deiner Schreibe.

    tschüss, ich wünsche schon mal ein schönes Wochenende
    Der Mensch ist nichts
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    er sich macht
    Jean Paul Sartre

  4. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben



    (Askese sei mein sündloses und kostenarmes Vergnügen, bis ich 2.000 € in der Mitte des Monats auf meinem Konto habe :)

    Allen ebenfalls hier ein schönes Wochenende
    Nyd din læring, sagde silden.


  5. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Halló, wie geht es euch, den alleingebliebenden oder auch nicht?


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    AW: Alleine bleiben

    Alles gut Prima-Vera. Nach einer Bri-Pause mit weiterem Schloss-Namen zurück und ich hoffe, allen geht es gut.

    Coronatechnisch bin ich jetzt in den 2-wöchigen Zwangsurlaub geschickt bis auf Weiteres. Will heißen: 2 Wochen arbeiten, 2 Wochen frei. Und die Golfplätze haben zu . Im Moment noch im Frühjahrsputzmodus, aber der könnte noch gezogen werden auf ca. 2 Wochen. Und dann?

  7. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Hallo, auch ich bin noch da ...

    ich arbeite in Wechselschicht 6 Stunden am Tag in einem Gartencenter (Gartenbau ist ... noch ... Grundversorgung und daher offen, in Bayern schon geschlossen, wir sind BW und bei uns wird ständig neu gebangt, denn da wir alle ganz knapp überm Mindestlohn verdienen, wird Kurzarbeit Katastrophen bringen). Die beiden Schichten dürfen sich nicht berühren und begegnen und haben getrennte Toiletten. Neue Ware bekommen wir kaum noch, ab und zu schon Kunden, an den Kassen Folieabsperrungen zu den Kunden.

    Bei uns sind die Öffies so ausgedünnt, dass ich auf dem Weg zur Arbeit in einer vollen U-Bahn sitze, die S-Bahnen sind nicht wirklich leer und im Bus nach der Arbeit haben wir heute dicht an dicht beieinander gestanden ...

    Manchmal laufe ich dann auch, um den Bus zu vermeiden, wir müssen jedoch zurzeit in 6 Stunden mit weniger Mitarbeitern schaffen, was wir sonst schon in 8 Stunden bei voller, ständig unterbesetzter Belegung nicht schaffen und sich ständig aus dem Weg gehen, geht gar nicht, wenn ich mit jemand anderem zusammen etwas schwer schleppen (Bäume etc.) oder halten muss.

    Manchmal laufe ich dann nach der Arbeit den Busweg, jedoch bin ich immer völlig abgearbeitet, weil ich den ganzen Tag hin und her laufe. Eine Kollegin hat einen Schrittmesser und kommt da oft locker auf 15 km am Tag. Das ist natürlich sehr gesund .

    Unsere Kunden sind sozial wegen der Einsamkeit zurzeit so ausgehungert, dass sie sich ständig beraten lassen und da kommt man sich aus Versehen schnell doch mal näher.

    Ich kenne das aus den Zeiten, als ich noch unfreiwillig alleinerziehende Mutter in einer fremden Stadt war. Da bin ich dann oft samstags mit meinen niedergeschlagen mitkommenden Söhnen zu Ikea gefahren, weil ich die Einsamkeit nicht ausgehalten hatte.

    Deswegen bin ich immer besonders nett zu Kunden zurzeit, weil ich denke, denen geht es genauso.

    Meine beiden Studenten- und Praktikantenuntermieterinnen sind nach Hause zu ihren Eltern gefahren. Meinen Sohn und die Enkelinnen in der Nähe soll ich ja nicht sehen und da ich sie eh' wenig sehe, da sie ziemlich zänkische Vorfahren haben, einschließlich ihre Eltern und ihre Großmutter , ist das sogar entspannend , denn nun brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Wahrscheinlich werden sie sich mal später dunkel an die komische Alte erinnern, so wie ich teilweise Erinnerungen aus meiner Jugend habe.

    Meine Enkelinnen werden in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten und genauso zänkisch und mindestens eine von ihnen komische Alte werden. Das sehe ich jetzt schon ganz klar.

    Nun ja, Klagen hilft nicht. Ich schlafe viel und habe am WE eine große Wanderung (ohne Verkehrsmittel) unternommen, unter Vermeidung sämtlicher Öffentlichkeit, also Wald und Nebenstraßen.

    Außerdem habe ich etwas Soziales geregelt, das ich eh schon lange zugunsten des Weltfriedens regeln wollte.

    In meiner Abteilung sind zwei Frauen krankgeschrieben, wegen Grippe und starkem Husten, getestet wurde da gar nicht (weder Material zum Testen noch medizinische Personalkapazität vorhanden) . Sie sind in Quarantäne. Die eine hat ihren Haushalt mit angesteckt. Sie selbst kommt definitiv am Samstag wieder auf Arbeit, da kann sie uns andere dann auch anstecken. Denn natürlich wird sie auch nicht getestet werden, ob sie noch Coronaviren in sich hat, denn sie ist ja eingangs schon nicht getestet worden.

    Kürzlich bin ich panisch aufgewacht und habe gedacht: 'Oh Gott, ich habe weder Hunger noch Appetit, bestimmt bekomme ich Corona und muss sterben, und kratzt es nicht etwa in meinem Hals? So soll es ja anfangen.'

    Dann fiel mir ein, dass ich nachts nie Hunger und Appetit habe und auch das Kratzen war plötzlich nicht mehr da und ich konnte wieder einschlafen.

    Ich achte darauf, dass ich auch zuhause hübsch und adrett bin und meine Wohnung auch, sogar noch mehr als sonst. So sitze ich jetzt hier in einem schönen, dunkelgrünen gestrickten Plüschsamtkleid und fein gepflegt und eingekremt. Ich finde, das tut einfach gut in schweren Zeiten.

    Da ein Teil unserer Vorgesetzten krankheitsbedingt (irgendwie scheinen sie schneller Grippe zu bekommen als wir gedemütigten, prekären Arbeitsbienchen) ausgefallen sind, arbeiten wir unter Eigenverantwortung und mit weniger Druck viel fröhlicher als sonst. Das ist wirklich wahr. wenn auch nicht unbedingt effizienter und fehlerfreier, um ehrlich zu sein.

    Das ist ein wirklich tolles Erlebnis!!!

    Meine Freundinnen sehe ich zurzeit nicht, denn wir sind vorbildlich, telefoniere mit ihnen und halte Skypefrühstücke mit Sohn2 und dessen Freundin.

    Allen hier viel Gesundheit, Lebensfreude und genug Geld zum Überleben

    Ge, und man soll viel schlafen. Also kucken wir nicht solange fern und Bri und gehen zeitig zu Bett!!

    Ich kucke jetzt noch im Bett auf meinem Handy auf Youtube "Welt am Draht" von Werner Fassbinder fertig. Der passt gut zum Eschatologiegedanken und damit gut zu dieser doch irgendwie geraden schweren und traurigen Zeit.

    Ganz liebe Grüße
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (26.03.2020 um 21:42 Uhr)


  8. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Hallo liebes Herbstblatt,
    deinen Optimismus und deinen Galgenhumor haste nicht verloren.
    Ich auch nicht, und damit muntert man unbeabsichtigt die Jüngeren auf.

    Auch ich bezeichne mich ja als eine von den eher "störrischen" Alten.
    Und das ist auch gut so.

    Gerade diese Großeltern liebte ich am meisten. Dieses nur sanftmütige Gen fehlt in meiner Familie auch.
    Noch heute erinnere ich mich an die Parolen meiner Oma.

    Ich glaube, störrische Menschen sind eben einfach authentisch, und deshalb eben auch glaubhaft, die hängen ihre Meinung nicht nach dem Wind.

    Hier bei mir schlagen aber die meisten Großeltern die Warnung in die Luft.
    Was mich traurig macht ist eben, dass es noch nicht mal mehr ein Ausweichen in die Ferienhäuser ins Umland geht.
    Da hatte ich mir so schön vorgestellt alle Enkel miteinander sein können.

    Aber, egal, meine Brut kommt zurecht.

    Bleib weiterhin so optimistisch - und ich wünsche dir viel Wachstum, du bist ja da an der Quelle.
    Ich muss sagen, da beneide ich dich ein wenig.
    Eigentlich alle Menschen die noch Arbeit haben.

    Diese Untätigkeit geht mir schon auf den Geist.
    Bei der nächsten relativen Entwarnung suche ich mir was.

    Am liebsten wäre mir so ne Mischung von ehrenamtlicher Bezahlung. So ganz umsonst will und kann ich nun doch nicht arbeiten.

    Machs juut und pass auf dich uff - sagen wir hier....
    Scheherezade
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre

  9. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Hallo, liebe Scheherezade,

    genauso machen wir das! Wir bleiben zukunftsfreudig - es tut mir Leid, dass Du nicht mit Deinen Enkeln aufs Land kannst .

    Hier in der Bekanntschaft ist eine Mutter mit Kind über 14 Tage teils mit über 40 Fieber (Mutter und Kind) zuhause gewesen (die Mutter arbeitet nicht, weil das Kind noch erst über 3 ist), die Großmutter hat tagsüber das andere, ältere Kind genommen - und hat mit mir und ca. 8 anderen einen ganzen Tag etwas unternommen, einschließlich Bussi, Bussi und des Besuchs eines Großveranstaltung mit gemeinsamen Essen und Büffet, wie es eben so ist. Das war kurz vor den strengen Ausgangswarnunungen, also eigentlich hieß es schon, das man die Kontakte ausdünnen sollte.

    Jedenfalls hat sie mir erst 3 Tage später gesagt, dass sie täglich ihre eine Enkelin ihrer hoch fieberkranken Tochter und anderen Enkelin hütet. Ich habe mich so erschrocken, dass ich gleich den gemeinsamen Spaziergang am WE mit Sohn1, der ja Frau und Kinder hat, abgesagt habe.

    Sie und ihre Tochter hatten Angst, dass Tochter koronakrank wäre. ("Ach, ich werde mich schon nicht bei meiner Tochter anstecken, wenn ich meine andere Enkelin hüte.") Der Tochter- Mann ist ständig unterwegs gewesen, wie es eben bei Männern so ist ... Zum Arzt sind sie aus Angst nicht gegangen.

    Ja, da kann man seiner Freundin auch nicht gut sagen: "Wie könnt ihr nur ..., wie verantwortungslos von eurer ganzen Familie!!!" Weil man dann diese Freundin verlieren dürfte. In meinem Alter möchte ich meine langjährigen Freundinnen nicht verlieren.

    Meinen beiden jungen Untermieterinnen hatte ich schon um ein Viertel die Untermiete gesenkt, als sie nach Hause zu ihren Eltern fuhren, in der Hoffnung, dass sie mir erhalten bleiben.

    Ich überprüfe gerade meine Humanität, habe Anfang die Woche einem alten Mann, der immer auf dem Hbf, wo ich jeden Arbeitsmorgen umsteige, den TrottWar verkauft, 50 Euro und eine Predigt gegeben, und am nächsten Tag einer alten Frau, die das gleichte tat (so alt wie ich wahrscheinlich beide) meine verbliebenen zwei 20-Euroscheine, ebenfalls mit Predigt.

    Da konnte ich nichtmal sagen: "Bleiben Sie um Gottes Willen wegen der Krankheit zuhause!" Denn ich weiß nicht, ob sie eines haben. Das ist so schlimm.

    Ich war früher immer irgendwie ehrenamtlich und ich muss es wieder tun und nehme es mir schon länger vor. Ich habe ja so grüne Schwester gedacht, also ins Krankenhaus fahren und mich um Kranke kümmern, die keine Angehörigen haben. ich kannte nämlich mal gut eine Frau, die das über Jahre machte. Ich hatte sie ziemlich lieb und habe sie immer bewundert dafür, sie nahm es auch ganz selbstverständlich. Nun ist sie schon seit langen Jahren tot und hochbetagt gestorben.

    Bezahlte Arbeit ist jedoch einfach toll. Vom Geld lebt man einfach, ohne Geld verelendet man und muss sterben. So einfach ist das.

    Wir sind heute auch ab April auf Kurzarbeit gesetzt worden. Ich habe gleich laut losgeklagt, dass wir schon jetzt so wenig verdienen und jetzt schon alle wahrscheinlich gerade so über die Runden kommen. Die anderen haben beklommen geschwiegen ... Meine Impulskontrolle ist manchmal nicht die beste Aber irgendwie war's mir auch plötzlich scheißegal und musste 'raus.

    Das Positive dran war, dass meine Filialleiterin mich später zu sich gerufen hat, und gesagt, falls es bei mir zu knapp würde, würde die Firma mir versuchen zu helfen (wahrscheinlich leihen, nehme ich an) und dass sie auf mich weiterhin zählen würde, weil meine neue, bisher noch kommissarische, Abteilungsleiterin gut läuft - also was letzteres betrifft, hatte ich sie dann gleich angesprochen, wie sie mich da konkret sieht. Irgendwie war das auch beruhigend.

    Ich bin dann nach Arbeit nach Hause gefahren und gleich ins Bett gegangen und habe bis jetzt geschlafen. Ich muss echt aufpassen, dass ich nicht zu viel schlafe zurzeit, um das alles zu verdrängen. Denn mein Fernstudium, das mich jeden Monat 139 € kostet, bis ich's fertig habe, hängt gerade arg und ist so ein großer, ständiger Kostenfaktor. Also ich lerne schon und zwar täglich, aber grad' nicht systematisch, weil ich mich so unter Druck fühle.

    Morgen gehe ich mit einer alten Freundin, die jetzt seit vierzehn Tagen alleine zuhause sitzt, nach der Arbeit spazieren, mit Abstand natürlich, und ich habe ihr gesagt: Ob sie will oder nicht!!!

    Also mach's Du auch gut und alle anderen Alleinebleibenden. Ich habe jetzt meine Zähne geputzt und gehe wieder ins Bett.

    Ich hoffe, ich wache morgen früh auf, ich bin wieder unter 30, ich stehe auf und radle über die Elbe ins Landesdenkmalamt und restauriere, was mir unter die Finger kommt ...

    Schaun mer mal, nicht wahr.

    Das ist eben Leben.
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  10. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Liebes Herbstblatt,
    so ganz triffst du nicht was ich meinte, aber das macht nichts.

    Aber, vieles trifft eben doch zu.
    Alle Älteren die ich treffe oder kenne haben keine Angst.
    Hatte mich bei einer Sportfreundin gemeldet von der ich weiß dass sie eine behinderte Tochter zuhause pflegt.
    Die hat sich gefreut und auf meine Frage ob sie Angst hätte: Nö

    Weißt du was ich gerade höre? Den neuesten Hit der Ärzte : Ein Lied für Jetzt
    Da eines meiner Töchter mich dauer-beschallte mit Ärzte Songs bin ich zwangläufig ein Fan geworden.
    Und ich habe es nie bereut.

    Ich wünsche dir alles Glück der Welt
    Der Mensch ist nichts
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    Jean Paul Sartre

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