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  1. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Dankeschön, Prima_Vera, also falls ich mal einen Blog oder Buch schreibe, melde ich mich.

    Gerade habe ich jedoch heute wieder frei (arbeite am Samstag dafür) und grüble schwer vor mich hin, anstatt für mein Fernstudium zu lernen, was albern ist, denn ich habe ein schönes Leben. Nun ja, immerhin habe ich über Nacht Ernest Hemingways "Über den Fluss und in die Wälder" bis heute um 10 Uhr fertig gelesen, seit drei Tagen in jeder freien Minute. Ich habe es in einer Bücherkiste zum Verschenken gefunden.

    Es ist ein ziemlich und nicht dickes Buch mit dicken Seiten und großer Schrift, vom Aufbau-Verlag Berlin, 1957. Das war ein DDR-Verlag und es wurde 1957 gedruckt, in tiefster kund inzwischen lang versunkener Zeit und genau in dem Jahr, indem ich in diesem Jahr geboren wurde.

    Das finde ich schon berührend. Es handelt von einem 50-jährigen, amerikanischen Oberst, der schwer herzkrank und ständig Medikamente nehmend, im 1. und zweiten Weltkrieg u.a. in Italien als Soldat gekämpft hat umd mehrfach leicht oder schwer verwundet wurde, inzwischen getrennt oder geschieden von seiner Frau lebt und ihr Alimente (irgendwie) zahlen muss, schlecht über diese seine Ex spricht, als er eine junge Contessa in Venedig kennenlernt, die 19-jährig ist und deren Mutter einen Palast in Venedig hat. In Venedig ist er, weil er genau dort in der Nähe für die Staaten gekämpft hat, im ersten Weltkrieg gegen die Österreicher, im zweiten gegen die Deutschen.

    Ich (62) bin natürlich der Überzeugung, Hemingway hätte ein Verhältnis mit ihrer verwitweten Mutter haben sollen. Ich finde das nur fair - für die Mutter. Und für mich. Vermutlich war diese immer noch ein Stück jünger als er. Wobei mich einer meiner Söhne (knapp 30) kürzlich aufgeklärt hat, ich solle mich endlich an den Gedanken gewöhnen, dass Männer nun mal auf viel jüngere Frauen stehen und das auch dürfen und umgekehrt (wenn sein Status in jeder Beziehung hoch ist) und er stellt dies gerade sehr erfreut an sich selbst fest.

    Dafür habe ich ihn nun mühselig fast sein gesamtes Kinderleben lang alleinerziehend erzogen und meinen Grips in seine ethische und sonstige Ausbildung gesteckt.

    Das Buch jedenfalls ist, wie immer karg bei Heminway, gut geschrieben und mit vielen interessanten Gedanken und Binnenerzählungen des Oberstes über seine Erlebnisse in den Kriegen, die er teils seiner jungen Geliebten erzählt, weil diese es unbedingt will oder über die er teils nachdenkt.

    Das ist auch heute noch sehr aufschlussreich und eine Facette, diese Zeit zu begreifen.

    Außerdem schreibt er sehr anschaulich über eine Entenjagd und das Leben in Venedig nach dem 2. Weltkrieg, Italiener, Venezianer, Politik, amerikanisches Militär.

    Das alles ist sehr autobiografisch, weil Hemingway in beiden Kriegen war (als Kriegsberichterstatter an der vordersten Front, wenn ich mich recht erinnere und wurde da auch schwer verwundet).



    Liebe Prima_Vera,

    , es ist wirklich schade, dass Dein Freund so weit weg wohnt. 500 km sind eine große Entfernung! Und es ist sehr schön, dass er aus dieser Entfernung heraus für Dich da ist!!!

    Leider ist es so schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden und gleichzeitig einen Job, und das Ganze so, dass man wieder zurückgehen kann, wenn es scheitert, dass dies euer Zusammenziehen wohl sehr unwahrscheinlich macht.

    Ich denke ja, Angela Merkel hat eine humane Tat getan und Deutschland ein Stück weit rehabilitiert, als sie die Grenzen 2015 öffnete, nur ist es seitdem noch viel schwieriger geworden, Wohnraum zu finden und es war schon vorher schwierig.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Dein Leben bald wieder leichter und schöner wird - und schön, dass Du ihn hast und er trotz widriger Umstände für Dich da ist oder wahrscheinlich ist es wahrer, wenn ich schreibe: Schön, dass ihr beide euch miteinander habt!!!
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (23.01.2020 um 13:05 Uhr)

  2. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Ich bin gerade alleine, denn ich muss Minusstunden aufbauen. Bald fängt die Hochsaison der Laiengärtner an und wir fleißigen und prekären Arbeitsbienchen im Gartencenter werden dann wieder von Blüte zu Blüte ... äh ... Kunde zu Kunde und Pflanze zu Pflanze flitzen. Dann werde ich 6 Tage in der Woche arbeiten, was schlecht für meine Minusstunden sein wird.

    Außerdem baue ich heute noch Alleinsein auf. Das werde ich dann in der Hochsaison wieder abbauen. Wie so ein prekäres Arbeitsbienche ist, werde ich dann auch wieder meckern ... über was auch immer.

    Ich habe gerade mal nachgekuckt, was ich in der letzten Zeit hier so geschrieben habe, in der Hoffnung auf einen Aufwärtstrend, wo auch immer. Meine Aufwärtstrende haben die Neigung, gleichzeitig abwärts zu gehe, scheint mir.

    Was ich in diesem Moment hier gerade erheiternd finde, ist, dass ich am 4.10. von einer meinigen Peinlichkeit schreibe, die ich wohl gerade begangen hatte und von der ich dachte, ich könnte sie niemals niemandem erzählen, nicht einmal dem Internet, so peinlich sollte sie gewesen sein.

    Und siehe da: Heute habe ich keine Ahnung, was diese Peinlichkeit überhaupt war. So peinlich kann sie also nicht gewesen sein.

    Ich habe heute einige Orchideen gepflegt - bei mir blühen sie immer so schön . Die jeweils blühenden stehen dann meistens auf dem Küchentisch oder sonstwo in der Küche. Da haben alle etwas davon.

    Dann habe ich die weiß- und leicht grau marmorierten Scheuerleisten in der Toilette auf Hochglanz geputzt. Ab und zu muss man das. Ich bin Jungfrau (schon immer und schon wieder) und bei dem Sonnenlicht sah man jedes Staubkorn. Das war wirklich Arbeit. Habe noch ein wenig anderes herumgeputzt. Gottseidank ging dann die Sonne weg und ich habe mich wieder aufs knallorangefarbene Samt- und Brokatdecken-Sofa gelegt (das nachts aus Prekariatsgründen mein Bett ist) und weiter vor mich hingedämmert.

    Das war so schön.

    Es ist schön, dass ich mitten in der Stadt und bei U- und S-Bahn wohne und doch völlig ruhig in einer Seitenstraße. Nicht einmal auf dem Lande ist es ruhiger, weil da ständig irgend ein Motorgeräusch ist.

    Ich weiß, das ist nicht in Ordnung, aber es war sooooooo angenehm. Dann habe ich schön für mich Tortellini mit Rote-Bete-Tomatensoße gekocht und wieder auf'm Sofa vor mich hingedämmert. Ab und an hat das Baby unter uns gequäkst und jetzt nachmittags ist das dreijährige Schwesterchen nach dem Kindergarten auch unten und ich höre sie auch mal rennen oder lachen oder quengeln. Das liebe ich auch. Es ist so heimelig. Babys und Kinder im Haus ist einfach etwas Schönes.

    Nebenbei rächen mich die beiden Kinder Unter ihnen wohnt nämlich ein altes Ehepaar, wo die Frau es immer wieder gestört hat, wenn meine beiden Kleinen mal laut waren. Sie hatten zwar auch mal kleine Kinder ... Wenn sie es nur gestört hätte: Aber sie hat sich dann gerne bei mir aufgeregt. und verlangt, dass ich meine Kinder ruhigstelle.
    Ansonsten ist es ein durchaus verträgliches Ehepaar, das eben nur keine kleinen Kinder über sich verträgt, weder zwei Stockwerke über ihnen wie uns damals noch gleich über ihren Köpfen wie jetzt.
    Der junge Ehemann hat der Frau dieses alten Ehepaars, die beide um die 70 sind, also nicht viel älter als ich, vor längerer Zeit gesagt, falls sie noch einmal bei seiner Frau vorspricht, um sich über seine Kinder zu beklagen, bekommt sie es mit ihm zu tun.
    Worauf die alte Dame (die nur wenig älter als ich ist), es unterließ.

    Er hat es mir mal erzählt, vielleicht, dass ich nicht vor seiner Tür oder vor seiner Frau stehe , aber ich mag Kindergeräusche und habe einen guten Schlaf. Selbst wenn ich mal nachts aufwache, schlafe ich gleich wieder ein, wenn ich merke, es scheint alles in Ordnung zu sein.

    Ich sah ihn an und dachte: "Marry me, ein Mann, der seine Familie schützt". Aber natürlich konnte er mich nicht heiraten. Erstens weil ich es nicht laut sagte, zweitens, weil ich fast schon seine Oma sein könnte und drittens, weil er schon verheiratet und Vater zweier entzückender Geräusche verursachender Kinder ist.

    Das Leben kann so einfach sein und wenn ich noch einmal auf die Welt komme, heirate ich einen solchen Mann.


    Innerhalb einer Woche habe ich in breiten warmen Regenbogenfarbenstreifen quer einen knapp wadenlangen, leicht ausgestellten Rock gestrickt, in mittelstarker Wolle und fest gestrickt. Hinten mit einem senkrechten dunkelgrauen dünne Streifen (wie früher die Strumpfnähte), da habe ich den Rock zusammengehäkelt. Dazu ein einfaches T-Shirt oder eine Bluse ...

    Sieht wirklich gut aus, auch an mir. Ich habe einfach ein Händchen für so etwas. Ich kann einen Lappen anfassen und zweimal schütteln und wenn ich ihn loslasse, ist es ein Peter-Paul-Rubens-Gemälde. Außer der Fähigkeit, immer und überall schlafen zu können und selbst nach kürzestem Schlaf erholt zu sein, ist dies meine zweite natürliche Begabung.

    Das mit dem Schlaf hat auch seine Schattenseite, weil ich es auch dann tu'. Ich bin sogar mal auf Arbeit im Stehen eingeschlafen. Okay, da war gerade nichts los und damals war ich noch Kassiererin

    Ich baue also heute Minusstunden auf, indem ich Alleinsein aufbaue. Ein interessanter Gedanke. Darüber muss ich jetzt auf dem Sofa nachdenken. Oder sollte ich weiter Rossini auf dem Klavier quälen? Darüber werde ich gerade müde und abends muss ich ja noch in'n Chor.

    P.S. Ab morgen werde ich fleißig, das ist sicher.
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (30.01.2020 um 17:58 Uhr)

  3. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Heute war mein persönlicher Trauertrag. Ich habe um den Verlust von Großbritannien für die EU getrauert.
    Nyd din læring, sagde silden.

  4. Avatar von Allesaus
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    AW: Alleine bleiben

    Hoffentlich wars nicht der Anfang vom Ende..😐

  5. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Das Leben ist ein Wunder. Ein Wunder ist manchmal schwer zu ertragen . Denn wo Blumen sprießen, ist gleichfalls der Tod - das ist meine metamorphose Erfahrung aus meiner Tätigkeit, die seit drei Monaten bedeutet, dass ich Abteilungsleiterin für Stauden bin, und weder von Abteilungsleitern (bei uns sind ständig die Leitern im Gartencenter dort, wo sie nicht hingehören) noch von Stauden Ahnung habe.

    Das nennt man dann Beförderung. Kreisch!

    Gottseidank bin ich schon 62 und sehe dies mit einer Art wundergläubigen Staunens und mal ganz ehrlich gesagt, denke ich manchmal, dass es einen Grund hat, dass Menschen am Alter (auch ich) sterben (ich werde in Altersarmut sterben, ich verdiene nur wenige Cent über Mindetstlohn). Denn viel Leben kann ein Mensch doch gar nicht ertragen.

    Ich werde nie den Petersdom bauen, obzwar meine Bilder teils gleich gut wie die Mona Lisa sind - es sind eben moderne Gemälde. Was das betrifft, mache ich mir weniger Sorgen.

    Ich hatte eine Arbeitswoche, die war so in Kaleidoskopstücke zersplittert, dass ich ganz verstört und verwirrt bin. Ich habe so meine Befürchtungen, ob das neue Abteilungsleiterleben noch lange leben werde.

    Gestern war ich so erschöpft (es war Samstag, schönes Wetter, der Klimawandel ließ viele Gärtlesbesitzer "Halleluja, hier bin ich und pflanze ich") - ich bin ja selbst so ein verantwortungsloser Typ) schreien und so wallfahrten sie in unser Gartencenter. Und - shit - ich bin noch nicht so weit, ich weiß trotz meines fleißigen Gartengestaltungsfernonlinekurslernens nicht viel, obwohl ich immer mehr weiß! Das ist schon wahr und ich bin stolz drauf!

    Jedenfalls war ich so erschöpft vom Arbeitstag, dass ich abends nicht mehr erinnern konnte, wie ich IT-mäßig die Bestellungen bis nächsten Mittwoch hinbekomme. Was allerdings nun auch nicht soooo wichtig ist. Wir haben auch so genug Pflanzen. Was das betrifft, mache ich mir keinen Stress - wenn auch unser geschäftlicher Wasserkopf uns armen Arbeitsbienchen bzw. Sklavenbienchen.

    Ich war so erschöpft, dass ich Hilfe brauchte und einige andere Mitarbeiter nicht mehr pünktlich in ihren verdienten Samstagabendfeierabend gehen konnten. Ich habe mich blamiert - allerdings mit dankbarer und fast königinnenhafter Haltung. Eine meiner Kolleginnen hat dann auch noch was Teures kaputtgemacht, wofür ich unbeabsichtigt wegen meines Stresses der Auslöser war.

    Zwischendurch habe ich dann noch schnell noch ein riesiges Holzpodest mit Klarlasur (nur leicht pigmentiert) angestrichen und mit unserem wirklich liebenswürdigen Hausmeister wegen Nitroverdünnung zur Gängigmachung unserer beiden starren Pinsel verhandelt. Als es darum ging, ein großes Glasgefäß aufzutreiben - mein wirklich freundlicher!! Kollege will die Pinsel ordentlich ausgewaschen wieder - dachte ich, ob es nicht besser wäre, wenn ich offen wahnsinnig würde.

    Ich dachte immer, die Maler werfen die Pinsel einfach weg, wenn sie benutzt wurden.

    Eine meiner fast gleichaltrigen Kolleginnen ist vorgestern während der Arbeit ohnmächtig geworden - der Krankenwagen musste kommen ... es war Valentinstag und alle pflichtbewussten und/oder treu und aufrichtigen Männer der Region kauften Blumen bei den Floristinnen. Der Krankenwagen kam dann und da sie sich noch die Stirn an einer Betonkante aufgeschlagen hatte, musste sie über Nacht im Krankenhaus bleiben.

    Auf dem Nachhauseweg hätte ich am liebsten nur geweint, geweint ... und trotzdem oder gerade deswegen ist das Leben schön und ich liebe es innig. Auch mit 62 und mit einem neuen, innerhalb einer Woche selbst gehäkelten, dünnen Silberschal von 2,50 m Länge (Stäbchen und übersprungene Stäbchen, sodass er aussieht wie Silberspitze) und 60 cm langen Fransen.

    Mein jüngerer Sohn, der in Dänemark lebt und promoviert, war übers Wochenende mit seiner dänischen Freundin da, die er seit fast einem Jahr hat. Ich kenne sie seit Dezember, als ich dort war und sie ist so freundlich zu mir und ist eine ganz junge Kunstgeschichtlerin - was ich ja auch vor vielen Jahren studiert habe, als Nebenfach zu Gemälderestauratorin, worin ich viele Jahre freiberuflich tätig war.

    Nun hatte ich die beiden also da und inmitten meiner feinen, mit Pflanzen und besonderen, teils blühenden, seltenen Orchideen mit sehr alten und sehr neuen, teils selbst gebauten Möbeln ... und alles voller Bücher.

    Wir können uns ganz wunderbar unterhalten, auf Englisch und inzwischen bin ich auch hurtigt på dansk.
    Sie und mein Sohn lesen gerade zusammen "The Vegetarian" von einem koreanischen Autor. Sie hatten es mit und ich habe es mit Begeisterung fast diese ganze Nacht zusammen im Bett gelesen, während die beiden auf einer Party waren und erst mit der Tagesdämmerung samtpfotenleise wieder in die Wohnung einschlichen.

    Nun sitze ich da und fürchte mich vor morgen, weil ich da wieder auf Arbeit sein muss und darf. Ich liebe meine Arbeit, jedoch wird sie mich vielleicht umbringen.

    Ich habe eine Flasche Sekt, die die beiden mitbrachten, geöffnet und die Hälfte ist schon leer. Das Buch haben sie wieder mitgenommen (selvfølgelig), dabei war ich gerade an einer spannenden Stelle grmpf und mir blieb nur der Alkohol, zumal meine junge Architekturuntermieterin gerade bei ihren Eltern ist, in Semesterferien, was mir ein bisschen das Korrektiv ermangelt.

    So höre ich "Erbarme dich Gott" aus der Matthäuspassion von Daphne Galou (ich liebe ihre Interpretation) und nuckle am Sekt.

    Vielleicht kommt ja noch eine andere Alleinbleibende hier hinzu
    Nyd din læring, sagde silden.
    Geändert von herbstblatt7 (16.02.2020 um 15:46 Uhr)


  6. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Liebes Herbstblatt,
    das kann man ja gar nicht lesen ohne was zu schreiben.
    Kannste dich nicht irgendwie anders orientieren?

    Weniger arbeiten? Oder irgendwelche Beziehungen spielen lassen?
    Schöner macht dit nich, du weißt ja, wir Frauen sehen dann so streng aus wenn wir so abgewirtschaftet sind.
    Meine ich im Ernst.

    Dein Galgenhumor ist trotzdem sehr, sehr unterhaltsam, und ich habe da äußerst hohe Ansprüche...
    Ja, mach was Anderes.

    VHS fällt mir spontan ein. Kannst du nicht irgendwelche Kurse geben?
    Gerade hier bei uns wird immer mehr unter Alltags-Aspekten angeboten - wie Führungen machen etc....

    Vielleicht wäre für die Staudenkönigin auch noch Platz....
    Da gibt es übrigens keine Altersbegrenzung, das habe ich mal so über 3-Ecken erfahren, als nämlich die Mutter unserer Kanzlerin starb und dabei erwähnt wurde, dass sie bis ins wirklich hohe Alter noch Englischkurse gegeben hat.

    Ansonsten, mich will ja keiner.
    Und die - die mich wollen - will ich nicht. Das Übliche also....kennste bestimmt....

    Trotzdem habe ich genau wie du - mir scheint es jedenfalls so zwischen den Zeilen bei dir durch - noch diesen irren Optimismus - so a la: da kommt noch was - der große Coup oder so....

    Machs jut - du Herbstzeitlose
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre

  7. Avatar von herbstblatt7
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    AW: Alleine bleiben

    Danke, liebe Scheherezade, für den Trost.

    Also ich muss ja arbeiten, weil ich das Geld brauche und nichts von der sozialen Hängematte halte. Ich arbeite auch gerne. Und gestern Abend habe ich (von der Flasche Sekt, die ich über 5 Stunden verteilt getrunken habe, habe ich gar nichts gemerkt und bin heute putzmunter) habe ich dann und zwischendurch in der Nacht und heute Morgen meine ganzen Bestell- und Bestandsdurchsichtsroutinen noch einmal ordentlich aufgeschrieben und so auswändig gelernt und verinnerlicht und mir vor die Augen geführt, dass es sich diese Scheitersituation nicht wiederholen dürfte.

    Beziehungen habe ich leider keine. Ich würde sie nutzen.

    Als ich vorhin, vor einer knappen halben Stunde zur Spätschicht aufbrechen wollte, rief mich meine nächste Vorgesetzte an, dass jemand heute früh aus einer anderen Abteilung sich als krank gemeldet hätte und ob es mir recht wäre, wenn ich morgen für ihn bei der Inventur einspringen würde, obwohl da mein freier Tag ist.

    Dabei war ich schon voller Stress-, Pflicht und Angsthormone und tatsächlich auch Vorfreudehormone und stolz auf mein frisch Gelerntes. Denn ich liebe meine Arbeit, bin stolz auf sie, mag meine meisten Kollegen und betrachte mich durch sie als ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft.

    Ich habe gerade eine meiner Freundinnen angerufen, die schon in Rente ist, ob sie mir hilft, diese Hormone in Entspannung umzuwandeln, aber sie hat heute Arzt- und Sporttermine.

    Ich höre seit einem halben Jahr ungefähr Vorträge des österreichischen Psychiaters Raphael Bonelli auf Youtube. Das sind mehr so Vorträge über das Wesen des Menschen an und für sich in der modernen Zivilisation, zumindestens höre ich sie so.

    Er sagt, dass der Mensch immer nach dem Schönen, dem Wahren und dem Guten streben wolle. Und ein Weg dahin geht über die Eigenschaften, Mut, Tapferkeit, Ordnung in sich schaffen und Disziplin - verbunden mit dem immerwährenden Hingehen zwischen Ich und Du und der Transzendenz zu einem höheren allumfassenden Sinn.

    Diese Vorträge sind so ein bisschen wie eine Religion für mich, wobei ich ja schon ziemlich aktiv evangelisch bin.

    Ich habe diese Vorträge mal zufällig auf Youtube gefunden, wo ich sonst gerne mal romantische Filme à la Rosemunde Pilcher, Jane Austen und Filmchen über Pflanzen sehe.
    Nyd din læring, sagde silden.


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    AW: Alleine bleiben

    Liebe Herbstblatt,
    da haben wir uns wohl missverstanden.

    Soziale Hängematte war nicht das was ich meinte oder dir als Trost anbieten wollte.
    Dann wünsche ich dir alles Gute.
    Der Mensch ist nichts
    anderes, als wozu
    er sich macht
    Jean Paul Sartre


  9. Registriert seit
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    AW: Alleine bleiben

    Liebe Herbstblatt!

    Ich finde, oder zumindest kommt es für mich so rüber (vielleicht liegt es an deiner leichten und heiteren Schreibweise, die ich nach wie vor sehr talentiert und einfühlsam finde), dass dein Leben sehr gut ausgefüllt ist.

    Klar, etwas fehlt immer. Dir vielleicht der Partner fürs Leben? Ist das wichtig für dich?
    Denn Freundinnen hast du ja. Wohlgeratene Kinder, die du als verantwortungsvolle Erwachsene erzogen hast (was ja nun wirklich keine leichte Aufgabe ist)
    Eine Arbeit die dir gefällt.
    Du bist talentiert, interessiert, weltoffen, unabhängig, fleissig, humorvoll und sehr intelligent.

    Trotzdem kommst du immer etwas melancholisch rüber.

    PD: Ich trinke manchmal abends ein Bier (oder zwei) wenn ich alleine in der Küche sitze. Und fühle mich einsam.

  10. Avatar von herbstblatt7
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    smile AW: Alleine bleiben

    Hallo liebe Scheherezade,

    nein, das habe ich nicht gedacht, dass Du die soziale Hängematte vorschlügest, nur bei mir wäre es die Alternative. Ich verdiene (wie fast alle meiner Kollegen) nur wenige Cent über dem Mindestlohn und habe kein Vermögen.

    Bei der jetzigen Arbeit wäre es auch gar nicht gut möglich, denn wenn ich weniger arbeite, verliere ich die Übersicht. Bei uns verändert sich ständig alles, innerhalb weniger Tage kann sich der komplette Umbau verändern und je nach Saison verändern sich die Pflanzenbestände von Tag und Tag, so dass wieder anders präsentiert werden muss. Das Ganze muss dann noch gepflegt werden.

    Neben der Kundenberatung und -bedienung, dem ständigen Putzen ..., Weiterbildung und was da eben so anfällt, bei uns werden auch Kindergeburtstage gestaltet und Kurse für Erwachsene in allem Möglichen ...

    Meine KollegInnen empfinden das ähnlich. Ich denke, es geht den meisten Menschen auf Arbeit so.

    Nicht weil ich unersetzlich bin, ich bin natürlich wie jeder andere ersetzlich.

    Gestern habe ich nun meine ersten Bestellungen ohne Krampf und Fehler gemacht und ohne Angst!, da ich zu Hause so sehr geübt hatte, (mir es mit geschlossenen Augen vorgestellt + aufgeschrieben).

    Liebe Prima_Vera,

    danke für Deine Gedanken!

    Und ich wünsche Dir schöne Gedanken abends ab und zu beim Bier. Ist glaube ich normal - ich kenne es auch von Freundinnen von mir und mir ja sowieso).

    Vielleicht gehören solche Gedanken und Gefühle (sich abends in der Küche mit oder ohne Bier einsam zu fühlen) einfach zum Leben, irgendwie.

    Der Raphael Bonelli, von dem ich mir manchmal Vorträge auf Youtube anhöre, meint ja, dass in einer Beziehung die Frauen mehr für Gefühle zuständig wären und deswegen für Männer wichtig und die Männer mehr als ordnende und rationale Kraft und deswegen für die Frauen wichtig - sehr vereinfacht gesagt.

    Was mich betrifft, könnte ich einen rationalen Gegenpol gut gebrauchen.

    Mein Kind2 hat es gerade mit dem Meditieren und wenn wir uns sehen, meditieren wir fleißig zu seinen Texten (ich schlafe zwar immer dabei ein - heh heh) . Nun habe ich auf Youtube Meditiertexte von Veit Lindau gefunden, es gibt sogar welche zum Einschlafen. Das finde ich eigentlich schön. Auch dass man dabei liegen darf, diese Haltung im Schneidersitz empfinde ich als anstrengend. Ich finde es sehr beruhigend, beim Einschlafen eine Stimme zu hören!

    Allen einen schönen Tag!
    Nyd din læring, sagde silden.

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