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Thema: Erinnerungen

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    AW: Erinnerungen

    ich bin deutlich älter als Ihr.
    Aktuelle Probleme sind mir immer wichtiger gewesen als Erinnerungen. Wenn bei dem zufälligen Zusammentreffen mit Jugendfreunden alte Situationen hervorgekramt werden, erinnere ich mich und schleppe diese Gedanken auch tagelang mit mir rum.

    Aber dann vergesse ich sie auch wieder, weil mir aktuelle Dinge deutlich wichtiger sind.

    Die Unterschiede, die ich aber bemerke, dass die Wichtigkeit der damaligen Ereignisse sehr unterschiedlich bewertet werden. Beispiel: ein Schulkamerad berichtet, wie bösartig unsere Lehrer waren, ihn nicht mochten und ihm damit sein Lebenstraum zerstört hätten. Dabei hat er sein Lebensziel auf dem zweiten Bildungsweg erreicht, halt ein Umweg. Seine Bitterkeit war kaum zu ertragen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Erinnerungen

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    Hallo Loveday,

    mir (51) geht es genau so. Ich habe ein extrem gutes Gedächtnis für Personen, Namen, Begebenheiten und Zahlen. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wenn Leute sich offenbar an gar nix erinnern können.
    Ich glaube, es ist einfach unterschiedlich verteilt, hat bei mir jedenfalls auch nicht zwingend mit "schöne" oder "unschöne" Zeiten zu tun.
    Ich werte es einfach mal als positiv und als vorbeugend gegen Alzheimer .

    Liebe Grüße
    Capbreton
    ...wenn es eine Möglichkeit gäbe, gegen Alzheimer "vorzubeugen", waren Millionen Menschen froh - und fast genauso viele arbeitslos - und dann auch nicht froh ...

  3. Inaktiver User

    AW: Erinnerungen

    Während mir Sachen von vor 5 Jahren entgleiten und meine Kindheit vor der Pubertät fast ganz weg ist (dabei bin ich noch nichtmal 30), kann mein Mann sich an Unmengen von Details aus so ziemlich jeder Zeit seines Lebens entsinnen (dabei ist er über 50).

    Ist unfair verteilt, weil ich eigentlich ganz friedlich und problemlos aufgewachsen bin, er aber jeden Mist durchhat (Verlust von Angehörigen, langer Krieg, Gefängnis, Folter).

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    AW: Erinnerungen

    Ich bin zwar noch nicht ganz 50,würde aber lieber "besser vergessen" können.
    Manchmal beneide ich alte Menschen, die ein teilweise recht selektives Gedächt-
    nis haben,was überwiegend aus "geschönten" Erinnerungen besteht.

    Mein Bruder und ich mussten als kleine Kinder schon lernen mit extrem schwierigen
    Bedingungen im Elternhaus und permanentes sich anpassen müssen ( um Schläge zu
    vemeiden oder andere Strafen )klar zu kommen.Da muss man ein perfektes Gedächtnis
    entwickeln,da wir (um Strafen zu vermeiden) zB.perfekt lügen lernten.Wurden wir dabei
    ertappt,gab es neue Strafen,zB. stundenlang in den Keller vor dem wir Angst hatten ohne
    Licht,da war Prügel noch die bessere Wahl.
    Mein Mann sagte neulich zu mir: dein Gehirn ist eine Maschine! Weil ich mir zB.auch Daten
    sehr gut merken kann.Das ist aber allein den Vorfällen geschuldet,die wir in der Kind-
    heit erleben mussten- keinerlei besonders "Talent".Im Gegenteil, vergessen können ist
    auch eine Gnade- in Vielem jedenfalls.
    Andererseits bin ich froh,dass ich mir auch schöne Erinnerungen so bewahren kann,
    sehr detaillreich,emotional intensiv.Auch kann ich geliebte verstorbene Menschen
    so im Gedächtnis behalten wie sie, in meinen Augen jedenfalls,wirklich waren, mit all
    dem Schönen, aber auch den kleinen Macken.Das empfinde ich als großen Schatz,
    den ich auch im Alter nicht verlieren möchte.

    ALLES nicht mehr erinnern zu können,empfände ich als Hölle auf Erden.Wahrscheinlich
    ist es aber für Betroffene ab einem gewissen Stadium des Vergessens nicht mehr so.
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

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    AW: Erinnerungen

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich der bewusste Umgang mit meinen Erinnerungen ganz entscheidend auf mein Weltbild auswirkt. Heute - mit Mitte 50 - bin ich sehr dankbar, dass ich einige Jahre lang sehr intensiv Tagebuch geschrieben habe, zwischen Anfang und Ende 20.

    Nachdem eine ehemalige große Liebe vor einigen Jahren wieder in mein Leben trat, habe ich mir meine Aufzeichnungen dazu hervorgeholt und sie immer wieder gelesen. Irgendwann war ich dann auch bereit, Tagebucheinträge zu einem anderen Mann, meiner ersten Liebe (die in einem emotionalen Desaster endete) wieder zu lesen. Im Nachhinein konnte ich dadurch falsch abgespeicherte Erinnerungen gerade rücken und mich im Stillen mit den Betreffenden und dem Verlauf der Geschichte "aussöhnen", obwoh seit Jahrzehnten kein Kontakt mehr besteht noch gewünscht wäre.

    Es hat in mir ein gutes Gefühl von innerem Frieden hinterlassen, nachdem ich mich bewusst in diese Zeiten zurückversetzt habe. Ich denke daher, es kann hilfreich sein, wenn man sich zu einer Konfrontation bzw. zur Reflektion aufraffen kann, um über das Stadium von Bitterkeit und Selbstmitleid hinweg zu kommen. Wer kein Tagebuch geschrieben hat, für den ist eine "Überprüfung" allerdings sicher schwieriger.

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