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  1. Inaktiver User

    Bockige Eltern

    Ein seltsamer Titel ich weiß, aber ich bin gerade wieder dermaßen genervt, dass ich mich einfach auskotzen muss. Meine Eltern, Vater 83, seit vier Jahrzehnten schwer herzkrank, seit einigen Jahren auch Diabetiker, übergewichtig, leidet an Schlafapnoe. Meine Mutter, 80 Jahre, herzkrank, leichte Diabetes, leidet an Arthrose, kann eigentlich nur am Stock gehen und auch das nur unter Schmerzen.
    Vor ein paar Monaten litt mein Vater tagelang an üblem Durchfall und Erbrechen, weigerte sich aber einen Arzt aufzusuchen oder um einen Hausbesuch zu bitten bis er eines morgens reglos vor dem Bett auf dem Boden lag. Es war kein Schlaganfall wie wir befürchtet hatten aber extremer Unterzucker weil das Diabetesmedikament trotz Durchfall wirkt und er tagelang fast nichts gegessen hatte. Die Folge, eine Woche Krankenhaus (Isolation) wegen Bakterien!
    Vor zwei Wochen dann erzählte meine Mutter von mehreren Minuten Blindheit auf einem Auge. Erst nach langen Diskussionen brachten wir sie dazu zum Arzt zu gehen. Die Folge: eine Woche Krankenhaus wegen leichtem Schlaganfall der zum Glück keine bleibenden Schäden hinterließ.
    Seit ein paar Tagen geht es meinem Vater ziemlich mies, er ist müde, es ist ihm schlecht und sein Blutzucker den er selbst misst war mehrmals knapp unter 300!!!! Einen Arzt wollte er nicht. Heute morgen war der Blutzucker bei 178. Ich bestehe darauf, dass er ihn nach dem Mittagsschlaf noch einmal misst obwohl er schon heute früh meiner Mutter verkündete, dass er ihn heute nicht noch einmal messen würde. Es ist zum Mäusemelken. Ich möchte ihn am liebsten durchschütteln und anschreien. Muss denn erst etwas passieren? Er schert sich einen Sch.... darum was er essen darf, er nimmt lediglich sein Medikament das er für die Diabetes bekommt.
    Klar ist er dann der Hauptleidtragende, aber wir Angehörigen leiden auch darunter wenn er zum Pflegefall wird, aber das scheint ihn nicht weiter zu kümmern.
    Geht es anderen ähnlich wie mir? Werden alle älteren Menschen irgendwann so bockig?
    Bei meinem Schwiegervater der an Demenz erkrankt war wussten wir den Grund für seine Launen und Aussetzer was den Umgang damit nicht unbedingt vereinfachte aber man wusste woher es kam. Bei meinen Eltern liegt aber nicht das kleinste Anzeichen für Demenz vor, sie sind absolut klar im Kopf, nur dickköpfig. Vor allem mein Vater, der noch immer meint alles müsse nach seinem Kopf gehen und meine Mutter neigt wie früher dazu sich unterzuordnen und möchte keinen Streit mit ihm riskieren.
    So, jetzt ist mir wohler.

  2. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    @PeggySue
    Nein, meist werden ältere Menschen nicht bockig, doch von ÄrztInnen häufig herablassend bis verächtlich behandelt.
    Ich sorge deshalb dafür, dass meine alten Verwandten (drei an der Zahl) nur entweder in meiner oder - wenn ich absolut keine Zeit habe - in Begleitung eines/einer anderen Verwandten zum Arzt/zur Ärztin gehen.
    Mit Schaudern erinnere ich mich daran, wie ein Arzt meine schwerhörige Schwiegermutter anschrie. So etwas wird bestimmt nicht mehr ungestraft geschehen.
    Es ist amüsant und gleichzeitig frech, wie PatientInnen im TV und im Radio in einschlägigen Sendungen von ÄrztInnen oft "ermahnt" werden, ja "rechtzeitig" zu kommen, um Schlimmes zu vermeiden. In Wirklichkeit wissen die Herrschaften genau, dass die meisten alten Menschen einen Horror vor einem Arztbesuch haben. Einfach deshalb, weil sie als gleichwertige Menschen behandelt werden wollen und viele MedizinerInnen ihre angemaßte Machtposition weidlich dazu ausnützen, die Alten in unserer Gesellschaft zu disziplinieren.


    Übrigens hat eine meiner Töchter kürzlich, als ich sie dringend bat, keine Bücher aus meinem Bücherschrank zu nehmen und ein oder zwei Jahre nicht zurückzustellen, ohne mich davon zu unterrichten, denn ich hätte keine Lust, mir das Hirn danach zu zermartern, wo dieses oder jenes Buch hingekommen sei, gemeint: "Mama, du bist ganz schön stur!"
    Vielleicht befinde ich mich auch schon auf dem Weg zur Bockigkeit
    Geändert von Inaktiver User (15.07.2011 um 12:29 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    ... und außerdem kommt auch noch eine gute Portion Angst dazu.
    Angst davor komplett abhängig zu werden, Angst vor dem möglichen Krankenhausaufenthalt und ganz schlicht: Angst vor dem Tod.

    Und die darf man im Alter von 83 Jahren schon haben. Oder?

    Peggy, selbst wenn sich das Folgende in deinen Ohren sehr platt anhört: du brauchst Geduld, Geduld, Geduld und vielleicht einen Hausarzt, der noch Hausbesuche macht, dann würden die lästigen Arztbesuche wegfallen.

    Außerdem: haben deine Eltern eine Pflegestufe? Nein? So, wie sich deine Schilderung anhört, kriegen deine Eltern sie. (Bei Pflegestufe I ist der medizinische Dienst auch noch nicht ganz so knickerig)
    Dann kommen die Leute vom Pflegedienst und achten ein wenig darauf, dass gegessen wird, die Medikamente genommen werden und es ist eine Abwechslung im Tagesgrau.

    Fado

  4. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    Solche Ärzte, wie du, Colonna, sie beschreibst, gibts sicher. Ich erinner mich mit Grausen an den Augenarzt der verstorbenen Schwiegermutter, ein Musterbeispiel an Arroganz und Ignoranz. Aber das war die absolute Ausnahme, der Hausarzt war höflich, freundlich, kam einfach so mal nett vorbei gucken, also ich halte das nicht für die Regel mit dem schlechten Benehmen der Ärzte.

    Was die Bockigkeit angeht, ist das sicher auch eine Art Altersstarrsinn. Peggy, hast du (oder ihr als Angehörige allgemein) mal dezidiert gesagt, dass IHR euch Sorgen macht? Also dass der Fokus nicht darauf liegt, den Eltern zu sagen, SIE SOLLTEN was tun, oder so im Sinne von macht was! sondern mit der Betonung der Angst der Kinder um ihre Mutter/ihren Vater?
    Natürlich! kann keiner einen Menschen zwingen, sich medizinischer Versorgung zu unterziehen. Aber in ganz schlimmen Fällen gibts schon Tricks.
    Bei meiner Mutter war das so: sie vegetierte (anders kann man das kaum nennen) inkontinent und sturzgefährdet, zuckerkrank und schon geistig leicht beeinträchtigt in ihrer Wohnung. Ich konnte nur einmal die Woche kommen, meine Tante ebenfalls, die Nachbarn im Haus brachten Essen und ließen den kleinen Hund in den Garten. Und dann immer wieder STürze, peinliche Momente wenn der Toilettengang nicht rechtzeitig erfolgte etc. Wie die Wohnung aussah, ist leicht vorstellbar. Ich hatte es auch erst im Guten versucht (dachte mit meiner Tante gemeinsam daran, dass eigentlich nur ein Heimaufenthalt in Frage käme). Eine Pflegestufe wurde (natürlich!) erst mal abgelehnt, da Muttern sich enorme Mühe gab und die MDK-Dame mir gleich Böses unterstellte, weil ich beim Termin dabei war. Also was tun? So weiterleben ging auf keinen Fall, da auch die Blutzuckerkontrolle einfach nicht mehr funktionierte, sie vergaß es oder kam mit der Handhabung nicht klar. Was im übrigen immer geschickt verschleiert wurde!
    Ich fand dann einen Grund, dass ich sie ins Krankenhaus einweisen ließ. Und dort wurden eine Menge Tests gemacht und die Pflegestufe war ruckzuck durch. Und dann wurde sie in eine geriatrische Reha verfrachtet und weil das wie fast zu erwarten nicht reichte, in ein vorher von mir sorgfältig ausgesuchtes Heim gebracht. Als ihr das klar wurde war erst mal die Entrüstung groß. Aber ehrlich, sehr schnell sah sie ein, dass es für sie so besser war. Hygiene, Essen, Versorgung: alles ging ohne dass sie sich mühen musste. Sie hat sich dann recht schnell akklimatisiert.
    Aber das ist eben meine ganz persönliche Geschichte und den Trick mit dem Weg Krankenhaus/Pflegestufenerteilung/Reha/Heim wurde mir im übrigen von einer netten Beraterin der KK empfohlen. Auch Seniorenberatungen (ich schätze, in allen Großstädten vorhanden) helfen gut und gerne mit Rat!
    Jedenfalls ein starkes Nervenkostüm..

  5. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    Meine Eltern haben eine sehr nette Hausärztin die auch jederzeit Hausbesuche macht, aber auch die lehnt mein Vater ab, so als wäre es weniger schlimm wenn man nicht so genau weiß was einem fehlt. Einfach mal abwarten, es wird schon von alleine besser werden!

  6. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    peggy, du wirst deine eltern nicht ändern.

    hole dir hilfe und unterstützung, die ladies bei den ambulanten pflegediensten "wissen" durchaus mit etwas selbstbestimmteren patienten umzugehen.

    du bist kind- dich nehmen sie nicht so ernst.

  7. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    Meine Eltern sind noch fit genug um sich selbst zu versorgen, sie haben eine Frau die einmal wöchentlich zum Putzen kommt, weitere Pflege benötigen sie nicht. Die regelmäßigen Arztbesuche nehmen sie wahr, mein Vater fährt auch noch selbst Auto, nur wenn etwas aus der Reihe auftritt dauert es immer ewig bis man sie dazu überreden kann einen Arzt aufzusuchen.
    Es geht mir darum sie dazu zu bewegen rechtzeitig den Arzt aufzusuchen oder um einen Hausbesuch zu bitten und nicht wieder abzuwarten bis es wieder so schlecht geht dass man ins Krankenhaus muss. Da sie beide in bestem geistigen Zustand sind kann man sie schlecht bevormunden, obwohl ich das angedroht habe sollte sich der Blutzuckerwert meines Vaters im Laufe des Tages wieder verschlechtern.
    Als meine Mutter kürzlich den leichten Schlaganfall hatte waren wir stundenlang damit beschäftigt sie zu überreden noch am selben Tag den Arzt aufzusuchen und prompt wurde sie direkt ins Krankenhaus geschickt. Hätte man sie nicht "gezwungen" wäre vielleicht bald ein weniger harmloser Schlaganfall gefolgt, so geht es ihr zum Glück wieder gut und mit dem zusätzlichen Medikament ist das Risiko geringer.
    Wenn sie zu nicht routinemäßiegn Arztbesuchen gehen bin ich immer als Begleitperson dabei, auch im Krankenhaus war ich stundenlang dabei bis alle Untersuchungen erledigt waren und meine Mutter ihr Bett und ihren Telefonanschluss u.s.w. hatte. Das alles mache ich gerne, aber die endlosen Diskussionen jedes mal bis man sie soweit hat, das nervt!
    Es geht doch jedes mal nur darum größere Schäden abzuwenden.

  8. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    , aber die endlosen Diskussionen jedes mal bis man sie soweit hat, das nervt!
    Es geht doch jedes mal nur darum größere Schäden abzuwenden.
    mit andern worten: sie wollen gebeten und bekniet werden?

    dann liegts an dir das abzustellen.

    meine mutter, mitte siebzig, liegt auf der nase. ganz übel. meine vater hat in der pflege gearbeitet, meine schwestern und ich arbeiten im medizinischen bereich. sie wollte nicht hören- wir haben die rettung geholt und die haben sie mitgenommen. ich diskutiere nicht ihr. 2x sagen und dann weiss sie ganz genau: wir holen die rettung. ohne wenn und ohne aber. ihre entscheidung wenn sie vorher "nachgibt"

    ich hole mir keine fransen an den mund vom gut zu reden. nicht mehr.

  9. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    mit andern worten: sie wollen gebeten und bekniet werden?

    dann liegts an dir das abzustellen.

    .
    Ob sie bekniet werden wollen?
    Ich denke es ist mehr eine kindliche Naivität zu glauben, dass man nur lange genug abwarten muss dann wird alles von ganz alleine wieder gut, obwohl ihnen schon mehrmals deutlich gemacht wurde, dass dem nicht so ist. Irgendwie werden sie aus erlittenem Schaden nicht klug.
    Oder: "was ich nicht weiß macht mich nicht heiß" als wenn man durch Nichtwissen eine Krankheit erfolgreich abwehren könnte.

  10. Inaktiver User

    AW: Bockige Eltern

    klare ansage von mir an meine mutter:

    ich sehe dass es dir nicht gut geht- ich kann dir nicht helfen. und bevor ich mir hinterher vorwürfe mache, dass ich etwas übersehen habe, nicht adequat reagiert habe-------------- kommt jetzt der notarzt.

    und wenn sie die augen vor etwas verschliessen wollen- nun, dann ist das ihre entscheidung und dann habe ich meiner mutter auch schon gesagt: dann riskiere halt, dass die augen auch zu bleiben.

    entsetzter blick, denn am leben hängen tun sie ja doch.

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