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  1. Inaktiver User

    Ängste vor dem Rentnerdasein

    Nach der allgemeinen Vorfreude auf das Renterdasein, die ich durchaus auch habe, jetzt aber auch mal ein paar Gedanken auf die Probleme, die ich sehe wenn ich demnächst in den Ruhestand gehe.

    Insbesonder Pkt. 2 treibt mich um, ich würde gerne wissen, ob es hier Rentnerinnen gibt, die damit Probleme haben oder hatten.

    1. Statusverlust.

    Ich bin zwar nichts dolles, aber doch für einige Mitarbeiterziemlich wichtig. Nachher bin ich nur eine unter vielen und kann meine Fähigkeiten nicht mehr herausstreichen.
    Mag sein das jetzt einige deshalb auf mir rumhacken, aber für mein Selbstbewusstsein ist das wichtig. U.A. habe ich nach der Familienzeit auch deshalb wieder angefangen zu arbeiten. Das hat mir damals Auftrieb gegeben. Ich werde an Bedeutung verlieren, das muss ich wegstecken.


    2. Strukturverlust

    Mein Tag hat jetzt einen festen Rhythmus, teilweise bringe ich wochentags mehr zustande als am Wochenende. Da ist dann teilweise um 11 das Bett noch nicht gemacht. Beispielsweise mache ich am Wochenende nie Gymnastik, wohl aber Mo-Fr täglich. Ich brauch also ein festes Korsett mit Pflichten. Werde ich die nötige Selbstdisziplin aufbringen?


    3. Kontaktverlust

    Wir sind ein nettes Kollegium. frühstücken z.B. immer zusammen. Seit mehr als 20 Jahren kennen wir uns. Um diese Kontakte zu pflegen muss ich künftig viel mehr tun.


    Pirlipat

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    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Ich bin zwar noch nicht Rentnerin, aber ich mache mir so meine Gedanken und beobachte meine Mutter.

    Zu 1.: Könntest Du Deine Fähigkeiten irgendwo ehrenamtlich einbringen oder bezahlte Kurse geben? Das würde Dir (Experten-)Status einbringen und Problem 3. partiell lösen.

    Zu 2.: Was ist für Dich daran schlimm, wenn um 11 das Bett noch nicht gemacht ist? Ich träume davon, das Zeitkorsett dereinst abstreifen zu können. Ansonsten werden unseren Tagen – bis es wirklich nicht mehr gehen sollte – Hunde eine Tagesstruktur vorgeben mit Rausgehzeit, Futterzeit, Ruhezeit. Auch z.B. ein Vormittags-Englisch-oder-sonstwas-Kurs könnte Dich zwingen, pünktlich aufzustehen und Dinge vorher erledigt zu haben.

    Zu 3.: Die sozialen Kontakte werden sich sicher verändern, und wahrscheinlich erfordert es tatsächlich größere Aktivität, sie zu pflegen.
    Meine Mutter z.B. trifft sich jeden Sonntag zum Frühstück mit einer Gruppe, die sie durch eine Zeitungsannonce zusammengetrommelt hat.
    Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt – und nicht, was wir ersehnt haben. Arthur Schnitzler

  3. gesperrt

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    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ... 1. Statusverlust.

    Wenn du einen Status zu verlieren hast bekommst du sicherlich eine gute Rente. Du bist unabhängig, kannst Reisen planen und unbeschwert leben.

    Wir haben uns vorgenommen, sozial aktiv zu sein. Es gibt soviele Projekte.


    3. Kontaktverlust

    Wir sind ein nettes Kollegium. frühstücken z.B. immer zusammen. Seit mehr als 20 Jahren kennen wir uns. Um diese Kontakte zu pflegen muss ich künftig viel mehr tun.
    Meinst du, dass dies klappen wird ?
    Die Kollegen haben einen langen Arbeitstag und gemeinsame Themen.
    Ehrlich gesagt, würde ich mich da nicht unbedingt drannhängen.
    Lieber eigene Interessen pflegen und mit anderen teilen (z.B. Aerobik, Tennis, Wandern, Kleingärtnern, Ersatz-Omi sein usw.)

    ... ach ja, BriCom lesen

  4. Inaktiver User

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    pirlipat;6834862]
    1. Statusverlust.
    Ich bin zwar nichts dolles, aber doch für einige Mitarbeiterziemlich wichtig. Nachher bin ich nur eine unter vielen und kann meine Fähigkeiten nicht mehr herausstreichen.
    Mag sein das jetzt einige deshalb auf mir rumhacken, aber für mein Selbstbewusstsein ist das wichtig.
    Ich bin weit davon entfernt, auf Dir herumzuhacken - ich kann diese Befürchtung voll nachvollziehen und sie ist es durchaus wert, dass Du darüber nachdenkst, ob es Zusammenhänge gibt, in denen Du Deine Expertise weiter einbringen kann. Unterrichtest Du gern? Dann wäre doch vielleicht der Vorschlag von Etain ja vielleicht etwas für Dich. Oder gibt es einen Bereich, in dem man durchaus qualifizierte Arbeit ehrenamtlich machen kann? Warst Du Grundschullehrerin? Wenn ja könntest Du z.B. Wissen haben, dass in den Kitas sehr nützlich wäre, die sich ja jetzt irgendwie mit dem Problem "frühkindliche Bildung" herumschlagen. Allerdings würde ich an Deiner Stelle darauf achten, dass ich nicht zur "Vorleseomi" degradiert werde. Z.B. Lesepatin sein und Vorlesen ist an sich ok, aber dann in einem System und mit einem Konzept, dass Du dafür aufgrund Deiner pädagogischen Erfahrung entwickelt hast.

    2. Strukturverlust
    Mein Tag hat jetzt einen festen Rhythmus, teilweise bringe ich wochentags mehr zustande als am Wochenende. Da ist dann teilweise um 11 das Bett noch nicht gemacht. Beispielsweise mache ich am Wochenende nie Gymnastik, wohl aber Mo-Fr täglich. Ich brauch also ein festes Korsett mit Pflichten. Werde ich die nötige Selbstdisziplin aufbringen?
    Ob Du die nötige Selbstdisziplin aufbringst weiß ich nicht. Ich wei0 aber auch nicht, ob Du Dich nur in einem gleichmäßig strukturierten Tagesplan wohlfühlst. Wenn ja, dann musst Du ihn Dir machen, und möglichst so, dass Du es Dir nicht so einfach leisten kannst, ihn umzuwerfen (z.B. durch Verabredungen, Termine etc.).
    Ob und wann Du allerdings die Betten machst ist aus meiner Sicht völlig belanglos.

    3. Kontaktverlust
    Wir sind ein nettes Kollegium. frühstücken z.B. immer zusammen. Seit mehr als 20 Jahren kennen wir uns. Um diese Kontakte zu pflegen muss ich künftig viel mehr tun.
    Wie sieht es denn mit Freunden aus, die keine Kolleginnen sind? Welche Aktivitäten machen Dir Spaß und eignen sie sich dafür, neue Bekanntschaften zu knüpfen? Wie lange das dauert hängt sicher auch davon ab, wie wählerisch Du bist. Wobei: Ich bin durchaus dafür, wählerisch zu sein - was hat man von Meetings mit Leuten, die einen kalt lassen oder sogar nerven.

  5. Inaktiver User

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    ...nichts ist so beständig wie die Veränderungen in unserem Leben. Entweder man geht mit der Zeit - oder - man geht mit der Zeit.

    Wenn deine Berufstätigkeit endet, hast du Zeit zum Philosophieren, wer du bist und welch unbedeutendes Vokabular Status, Struktur usw. du seit Jahren nie infrage stelltest und, was das mit dir zu tun hat...

  6. User Info Menu

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Das, was Pirlipat aufzählt, sind normalerweise Fragen, die erst nach der Berentung einen Menschen beschäftigen, so war es zumindest bei mir und meiner Frau so. Ich habe bis zum vorletzten Arbeitstag richtig gewühlt, um alles abzuschließen und mein Büro leer zu räumen, die Unterlagen in der Ablage einzusortieren, den Rechner aufzuräumen usw. Am letzten Tag habe ich mich von allen verabschiedet.
    Die ersten 4 Wochen habe ich dann richtig Urlaub zu Hause gemacht, bis Mittag im Bademantel rumgerannt, gelesen, mich mit meinem PC angefreundet. Fand ich toll, meine Frau weniger.
    Aber danach fiel ich in ein Loch. Erschreckend war, wie wenig Geld ich eigentlich nur noch zur Verfügung hatte, die Betriebsrente fiel wesentlich mickriger aus als ich gehofft hatte. Der Hammer kam aber erst mit der Steuerrechnung im darauffolgenden Jahr, ich hatte eine Monatsrente als Nachzahlung und eine weitere als Vorauszahlung zu leisten.

    Ich war davon überzeugt, dass meine Fähigkeiten von irgendwem gebraucht wurden und schrieb Bewerbungen ohne Ende, alles kam zurück. Ich war wohl doch zu alt. Mein Arbeitgeber wollte mich auf gar keinen Fall als Minijobber haben. Als einziges Angebot kam ehrenamtlich in einer Altentagesstätte Kaffee auszuschenken, habe ich dann auch einen Monat gemacht, fühlte mich aber als einziger Mann da nicht wohl.

    Zuhause begann ich die langjährig aufgeschobenen Arbeiten zu machen. Keller fliesen und streichen, den Gartenschuppen neu bauen und die Zimmer zu renovieren. Nach einem halben Jahr war ich fertig und meine Frau verbot mir, weitere Projekte in Angriff zu nehmen, sie wolle nicht in einer Dauerbaustelle wohnen.

    Ich fand dann einen typischen Minijob für alte Männer, täglich Schulkinder in eine Sonderschule zu fahren. Das strukturiert bis heute meinen Tag. Ich stehe kurz nach 5 auf (bin ich nie in meinem Berufsleben!), fahre um 6 los und sammele die Kinder ein. Mittags muss ich sie wieder abholen und nach Hause bringen. Doch, eigentlich ein schöner Job mit dem ganz großen Vorteil, ich kriege zwar keinen Urlaub mehr, aber dafür habe ich Schulferien - und freue mich genauso drauf wie die Kinder.

    Einmal im Jahr gehe ich in die alte Firma zum Pensionärstreff. Manchmal treffe ich dabei auf noch beschäftigte Kolleginnen und Kollegen, aber die haben eigentlich nie Zeit zu Quatschen. Nur mit den anderen Pensionären sabbele ich stundenlang, aber nicht mehr über die alte Arbeit, denn keiner vermisst sie.

    Meine Frau ist seit einem halben Jahr in Rente, sie hat jetzt einen Pflegejob auf Minibasis angenommen. Nur noch Haus und Garten in Ordnung zu halten, war ihr einfach zu blöd.

    Ich frage mich, ob ich mich besser auf meinen Ruhestand hätte vorbereiten können. Solche Kurse werden ja in der VHS angeboten. Aber ich habe die gefragt, die es gemacht haben - und da waren keinen anderen Vorschläge, wie die hier in der Bricom. Mir hätte das nicht geholfen.

    Ach ja, mir begegnen auch andere Pensionäre und Rentner und nicht wenige beharren auf ihrem alten beruflichen Status bis zur Lächerlichkeit. Und ich begegne bei Familientreffen den Schwätzern, die mir klar machen wollen, dass sie mich jetzt ernähren. Dann spreche ich ihnen meinen Dank aus und ich darum bitte, es weiterhin für mich zu tun.

    Pirlipat, es ist ein ganz neuer Lebensabschnitt und Du gehörst zu den Menschen, die möglicherweise lange brauchen werden, um sich darein zu finden. Ich wünsche Dir viel Glück dabei.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  7. Inaktiver User

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Hallo Opelius,

    da stehst Du aber nun ja eigentlich wieder in einem richtigen Arbeitsverhältnis mit seinen Vor- und Nachteilen....
    Ist es aber nicht gerade das, wonach man sich erst mal sehnt, dass man sein eigener "Herr" und niemandem mehr rechenschaftspflichtig ist, wenn man einmal das Rentenalter erreicht hat? Natürlich muss man dann auch seine Tage strukturieren und kann nicht einfach so in den Tag hinein leben, aber ich weiß einfach jetzt noch nicht, ob ich mir dann als Rentner wieder so eine Verpflichtung "aufhalsen" würde....Was Ehrenamtliches schwebt mir da eher vor, aber ich möchte halt einfach nicht mehr so gebunden sein...
    Tja, ich bin gespannt, wie da mal bei mir wird - paar Jährchen dauert es noch bis dahin...

    LG
    rolu

  8. Inaktiver User

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Hallo Pirlipat,
    ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Das ist wirklich ein neuer Lebensabschnitt, man muss ganz neue Strukturen aufbauen. Die Situation hat einige Parallelen zur Arbeitslosigkeit; mit dem Ende der Tätigkeit gehen auch viele Strukturen und Kontakte verloren.
    Mein Mann ist seit einem Jahr Rentner und ich merke, wie schwer ihm diese Umstellung fällt. Ich arbeite noch.


    Eigentlich finde ich es schlimm, dass Menschen wegen ihres Alters aus dem Arbeitsleben "abgeschoben" werden. Einzig die Selbständigen können weiter machen, wenn sie wollen.
    Rosamunde Pilcher sagte mal in einem Interview: man hört nicht auf zu arbeiten, nur weil man alt wird, aber man wird alt, wenn man damit aufhört.
    Diese Frau ist natürlich privilegiert, aber ihr Satz enthält einen wahren Kern: wer sich keine Aufgaben mehr stellt, droht auch einen Teil seiner Kompetenzen zu verlieren.

  9. Inaktiver User

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Diese Frau ist natürlich privilegiert,
    an welchem punkt siehst du frau pilcher als priviliegiert?

  10. User Info Menu

    AW: Ängste vor dem Rentnerdasein

    Ich bin seit einem Jahr in Pension.

    1) Statusverlust

    Hält sich in Grenzen, da ich mich nie nur über die Arbeit identifiziert habe und auch eine nicht so wichtige Position hatte.

    2) Strukturverlust

    Die ersten paar Wochen habe ich das Urlaubsgefühl genossen und vieles nicht erledigt, was ich in der Pension erledigen wollte. Das Schöne ist ja, dass einem die Struktur nicht mehr so gnadenlos vorgegeben wird, wie in der aktiven Zeit. Jeder kann sich den Tag individuell gestalten, je nachdem, ob man Nacht- oder Morgenmensch ist. Ich stehe immer noch relativ früh auf, erledige das meiste am Morgen, dann ist noch Zeit für Fitness, Wandern etc. Einmal im Moment muss ich für jeweils drei Tage die Enkelkinder versorgen. Ich für mich brauche eine gewisse Struktur, sonst fall ich wirklich in ein Loch und komme mir irgendwie unnütz vor.

    3) Kontaktverlust

    Ich habe meine Freundschaften großteils ausserhalb der Arbeit gepflegt, daher nicht so ein großer Unterschied zu früher. Ein Teil der sozialen Kontake fallen natürlich weg. Ca. einmal im Monat schau ich auf meiner alten Arbeitsstelle vorbei, trinke eine Tasse Kaffee mit den Kollegen, sie erzählen mir den neuesten Bürotratsch, ich erzähle von meinen Reisen. Da ich gerne und viel reise, geniesse ich den Ruhestand sehr, ich brauche bei der Urlaubsplanung auf niemand Rücksicht zu nehmen und kann mich danach von den Reisen erholen
    Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde, das erklärt manches.
    Mark Twain (1835-1910)

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